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Die Wahrheit · 1911-09-29 · Heft 38 (29.9.1911) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 38 (29.9.1911)
Date
1911-09-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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M. 38. Me Wahrheit Seite 7. Aufgabe; vielmehr setze k diese in die Erschließung des besseren 'Verständnisses der belehrenden und erziehenden Momente bk Psalmen. Der kundige Lehrer muß den Schülern zeigen, wie die biblischen Satzungen in dem Psalmen reflektiert wurden 18, 22; -81, 4; 10; und wie die Psalmensänger von einem unerschütterlichen Gottvertrauen, von einer nie wankenden Bundestreüe und "festen Glanbensittttigleit erfüllt wären: 22, 5; 44, 18; und wie -sie die Gottesfurcht für den Anfang allesWissens hielten : 111, 10; dann sind die Psalmen ein Buch des Heils für den Einzelnen sowohl als auch für die Gesamtheit (das Wort kommt 25 mal vor). Tatsächlich ist es in pädagogischer Hinsicht gleich, welcher Leit sie entstammen; genug, ihre Lehren sind wahr und, für alle Leiten anwendbar. Sie umfassen die beiden Hauptdisziplinen der 'Religion : Glaubenslehre und Geschichte. Sie erfüllen die beiden Anforderungen, welche an ein Schulbuch gestellt werden: Bildung des Geistes und Veredlung des Herzens. Dr. Ä. Frankl-Gr ü n. HastüdischeFinttilieillelkettittUemeit. (Schluß.) DieFeierta ge. Die jüdischen Feiertage haben im Jemen keine besondere 'Eigenart. Wie der Sabbat, sind die Tage der Ruhe, die dem Gebet, dem Studium frommer Bücher und manchmal auch den Tafelfreuden gewidmet sind. Ich bin beim Oberrabbiner zum Seder eingeladen und Habe die Einladung unter der Bedingung angenommen, daß sch mir das Essen ans meiner Wohnung schicken lassen darf. Wir kommen in das vollständig finstere Haus. Mein Wirt zieht feilten Talar ans, um die Lampen zurechtzümächen, und ich gehe inzwischen in die Küche, weil ich gern das Borbereiten der Mazzoth beobachten möchte. In einem kleinen Raum ist an der Längsseite eine Art breiten Sofas ans Ton angebracht', ans dem man' große Löcher bemerkt, das sind die Backöfen. Ans der Erde sitzt eine Frau und rührt mechanisch' das in einer Terrine befindliche Wasser um; in das Wasser schüttet -sie ein Maß Mehl, und während sie mit der linken Hand die Terrine festhält, knetet sie mit 6er; rechten das Mehl und macht daraus eilten Teig. Das Wasser genügt nicht; sie nimmt mit der linken Hand Wasser, knetet mit der rechten -weiter und balanziert dabei die Terrine mit großem Geschick.' Zwischendurch tut sie etwas Salz in die Masse und steckt die rechte Hand in ein Gefäß mit frischem Wasser, .das man inzwischen neben sie gestellt ha't. Eine Stunde läng wird der Teig so bearbeitet, bis er schließlich ganz' weiß imb sehr elastisch wird. Während dieser Zeit, wird der Backofen geheizt und verräuchert das ganze Haus: Nachdem der Teig fertig ist, wird er in einzelne Teile geschnitten, die man auf eine mit Mehl bestreute Plätte legt; die Mutter des Rabbi nimmt ein mit einem' Tnch'e'. bedecktes Kissen — in der Art der' von Putzmacherinnen benutzten Haubenköpf'e — streut Mehl darauf und' breitet den Teig' aus, dann versenkt sie' die' Hand in beit' Backofen, drückt den Teig gegen die erhitzte' Wand lind zieht eine Muiüte später einen, weißen knnspengen, sehr'appetitlichen Kuchen däräns hervor. Welcher Unters schied'zwischen diesem' Gebäck' und den dicken, schweren; salzlosen und unverdaulichen' Osterbroten der' Türkei!. Hier werden sie täglich' zweimal frisch gebacken' und dab'ei die größte Vorsicht zur' Vermeidung des Chametz äNgewendet'; es ist sehr Mühsam für die'Hausfrau; aberihr LebeN' setzt sich nur ans' Arbeit' und' Trübsal' zusammen. Ich' kehre in das Zimmer zurück. Der'Oberrabbiner hat inzwischen' die' Lampen angezündet und seine FmEiön als Schochet ansgeübt, indem er vor der Haustür einen Hammel und ein Kalb schlachtete. Jetzt ist er wieder hier; sein Bruder mit seiner Familie und einige Nachbarn find erschienen, um d>mrSeder.Veizllw'0hnem Me Tafel wird HWerichtet';'sie" besteht uns' einer! rliedtigen' FnßbÄnk,' rrw' dk'ekt Räird' man kreisfötlä'ig Rüben, Petersille uiid Kresse legt. Das 'bildet einen etwa HnW Zentimeter hohen Kreis, dessen Jnnenränm von den Topfest mit verschiedenen Eßwaren ansgefüllt ist. WHrettd mau astf die Fertigstellllng der Mazzoth wartet, wird, wie gewohnliÄ, ein religiöses Thema, diskätiert. Zum Beispiel : Warum wnw der Wein der Ärba Kosseth nicht in ein einziges Glas gegossen! warum trinkt man nicht alles auf einmal ans — hieße das em Gesetz oder einen Brauch verletzen? Jehbr spricht ^feiste Meinung aus, und der Dienerein alter, neben dem Oberrabbiner sitzender Junggeselle, erklärt, man brauche die Ärba Kosseth', um viermal statt eines einzigen Mals den Segensspruch sprechen zu können. . Auch die Frauen sind ins Zimmer gekommen. Der älteste Sohn füllt die Gläser, man macht Kiddüsch. wäscht sich die Hände und liest.mit großer Geschwindigkeit die Hägada. Da keine Kinder bei Tisch sind, brauchen nicht viele ErläuterNngest gegeben zu werden. Bei der Stelle, wo von den zehn Plagen die Rede ist. wird ein Scherben herbeigeholt, in den der Oberrabbiner zehn Tropfen Wem ans seinem Glase träufelt. Mast liest weiter. Wenn mail an den Absatz angelangt ist, der ltuk den Worten: „Bezeth Jisrael Mimizrajim" beginnt, rufen alle Anwesenden beim Schluß jeder Strophe: ».Hallelnjah, Halle» lnjah!" Der letzte Abschnitt der Hagäda ist ein schöner Gesang zum Preise des Schöpfers, der in unseren türkischen Bnch-Ans^- gaben nicht abgedruckt ist. Beim „Karpas" pstegt man im Orient und Okzident eilt Sellerie- oder Petersilienblättchen in Essig zu tnnkey; hier nimmt man zu einer kleinen Kugel zufaminengerollte Petersilie — ungefähr..in der Größe einer Olive — und tunkt sie ist das Charosseth. Diese Mischung, die än den Mörtel erinnern soll, den unsere Vorfahren in Egypten Herstellen mußten, wird hier ans dreizehn perschiedenen Zutaten zusammengesetzt: ans Dattekli, Äepfeln, Mandeln, Sesam, Nelken nsw. Nachdem die Vorlesung der Hagada beendet ist, wird nach Landesfitte gespeist, indem alle ihre Hände in denselben Napf stecken. Danach kommt das Tischgebet und 6äs „Schefoch", ünst der Seder ist lrorllbek Nerschiede«e Uachrichtti». Wren. (I s r a e l 111 sch e,K u l t u i g e m e i it d e 58.t e .tt.) Am Bersöhnüngstage keginnt der Morgßngstttesdienst ist den Betlokälen I. Bezirk, Stränchgässe und' III. Bezirk, Marxergässe (Sofiensäal) um */*8 Uhr früh.. , . _ . . _ .... .... Wien. Am 15. Oktober d. J.^ am Tage des Simchas-Thora-Festes, begeht Kaiserlicher Rat Oberkanstor Josts S ist st er . seinen 70. Geburtstag. Wie wir vernehmet. wsrd aus diesem Anlässe seitens der Wiener Kollegenschaft eine besondere Ehrung für den Jubilar geplant. Wien. Die Einschreibungen für den Unterricht an der Talmudnnd Bibelschule der israelitischen Kultnsgemeinde finden Dienstag,, beit 3. und Mittwoch, den 4. Oktober k. I. von 5—6 Uhr nachmittags im' Betha» Midräschkokake H., Ferdinöndsstraße 26' state.' Wie». Der Tempeln ereni „Tesilas Je s ch n r n n" im Prater hat zn den hohen Festtagen' sein Bethans feierlich.eröffnet und eiirgeweiht, An der Spitze des Vereines, steht der rührige Obmann Herr; Heinrich V o n d' i. Ms Kaütor wurste Herr R ö' s' e n z w e i g. vormals Oberkanto'r in Großwarvein, gewähltwelcher seine Funktionen zN' allgemeiner Zusriedenhett ansübte. „ Wien. Sonntage den,8.,Oktober L. Tag^ Sukkot),. feiert der 1. Kantor der isr. Knltnsgemeinde Men, XVIII.. Leopold S^e r e 6 r enfk; die Bärmizwa' seines' Sohnes Mciximttiaii; welche' im GemtindeteWel XVIII., Schöpenhanerstraße'39, 9 Uhr'früh, statlsindeN nürd. Gratiimtion um Uhr nachmittags im selben Hanse', wo der Kvnfirmctstb eine."IVNN halten wird. ,,, . . . Badstn. .. Am' .BIX fanh hier.unter Beterligring fast samt? licher Gemeindemitglteder.stnst'der Kollegen des'.Heimgegangenen aust der nächsten'Umgebung die'Äeerdigmig' des zirka W Jahre bei der hiesige» Kultusgemeinde angestellten' schochet Herrii' Jefatas.Berger statt: Derselbe erreichte ein Alter von 71 Jahren und hinterläßt eine trauernde Witwe, mit' der er 52 Jahre in glücklicher harmoinHer Ehe l^e unst drei verheiratete Töchter. Die Trauerfunktioneir' versähen Herr Räbbintr Rei'ch und Herr Kantor Z'o l d a'n. Freiberg. Für die hiesige Gemeinde wurde Herr Dabist'W i't tm a n n ans Wien: als' Kantor und Religionslehrtzr .gewählt unsthat derselbe bereits am Roschhaschastäfest sein Amt'ist erhehender Weise versehen- Nentsta. (T e ist p e lei n w e'i h stn g.) Äieustag^ den' 19. September, fanst hierielbst die feierliche" Einiveihung de8' iieuerbauren Tempels in Anwesenheit aller Honoratiyrest der Stadst des..Obergespans Stefan v. Craus, des Vizegespans, des Gerichtspräsidenten Nyekhegyi. Lotar, ..HM Bürgermeisters Toth Lajos, zahlreicher Offiziere, Beamten^ und^Berwaltnng der Geistlichkeit der anderen Konfessionen sowie im Beisein'der'als Fest»

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