Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 38 (29.9.1911)
- Date
- 1911-09-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 38. Die Wahrheit greifende UMrschiHe aMveisey, wg§ M MKmey dex durch. das alte Gesetz nux zulMgen.Whei^emeinhje untex Üuzstäich^n zu einer GeMseuMdrängM-ftzx dst Minderheit Ghrezi köWe. Ebenso habe sich durch Hie Abwanderung jn die Schdte Md den numerischen und finanziellen Rückgang der zahlreichen kleinen Landgemeinden eine Notlage herausgebildet, welcher nur durch ein neues Gesetz gesteuert werden könne. Der Minister erklärte zum Schlüsse, daß das Ministerium an die Ausarbeitung eines nßnen Entwurfes herantreten werde, sohchd es dje Geschäftslage gestattet und sobald über gewisse Grundlagen für eine Aengestaltuug unter den Vertretern der beiden Richtungen im Judentum in Gemeinschaft mit den Rabbinern eine Verständigung erzielt sei. Seitdem der Minister diese Erklärung abgegeben, hat dsese Verständigung innerhalb des bayrischen Judentums erhebliche Fortschritte gemacht, und es ist gelungen, die Mehrzahl der bayrischen Rabbiner, welche noch vor drei Jahren dem Revisionsgedanken weniger sympathisch gegennberstanden, für hie Mitarbeit an der neuen Gesetzgebung und für die Aufstellung gemeinsamer Richtlinien zu gewinnen, Wextpolle Dienste hat in dieser Richtung die unermüdliche Tätigkeit des bayrischen israelitischen Lehrervereines, sowie die Broschüre von S. Dingfelder über die jammervolle Lage der' israelitischen Religionslehrer und Kultusbeausten in Bayern geleistet. In dieser Schrift wird an der Hand reichen statistischen Materials der Nachweis erbracht, unter welch kärglichen, ja geradezu kulturwidrigen Anstellungs- und Besoldungsverhältnissen die Peamtep der kleinen bayrischen israelitischen Lflndgemesndeu ihre sdealen ljub. religiösen Ans? gtzhen erfüllen spllen, und daß hissr nur durch Gründung ssiner auf das gquze Land auszudeh'nenden. aus Wichtbeiträ^n aller Kultusgemeinden fundierten Zeutralkgsse Abhslse geichasfen werden kanp. Es kann daher nur mit F^uhe begrüßt werden, haß Yor wenigen Wochen der Perein für die Interessen des orthydoxeu Judentmus in Bayern, gn Hessen Spitze die beiden dienstältesten Rabbiner Bayerns stehen, eine ausführliche Denkschrift nebst einem formulierten Gesetzentwurf dem Kultusministerium unterhieltet hat. Dem Vernehmen n.ach soll eine ähnliche Kundgchpng der bayrischen Großgeyleiuden, ch welchen zluy.eist die cheolöge Richtung vertreteil ist, im. Laufe des, Herbstes. bevy.rstehen,' und. es hürfte sich daW Herausstellen, daß. hezügM wichtiger prinzipieller Fragen, ein Einv^rstäu,dn.is zwischen. Hey beiden. Aichchiigen erziest Wrdwl kaum. Wr rechnen hierzu hesonders. die BWichgsmög/sMeit Mhxerer Knltnsgemeülden Verschiedener religiöser 'PchtMgen M esnenx politischen B«Mk, AnfrechterhaltMlg der btsh^iM Rechte der. Pa.htzinex in. her EntscheihiM, religiöser FragM. % der Beaufsichtigung des ReligionsnntexrlchteL Md 'her^ MtztaÜ.lHitntionen. der Gemeinde mch, endlich BHnug einer Zeutralkasse zur Ifuferstützlzug der lMungsschwachel^ LyuhgemeMen, Möge», auch weitexyiu. einige wenige Rabbiner tt. merkwürdigerweise sowohl aus. dem. extrem orthohoxeu wie. aus dem, ultralxeologeil, Lager -77?. in einer fnx dssir Aälßelsfteheudeu uuverMndlicheu Geistes^. Md Seeleuhqrm.on.i5 i}l ihrer Obstruktion, gegen. Yen Erlaß einer neyen. Jndengesetzgebüng beharren, so sicht doch schon heute fest,, daß, die eg? hrifckende Mehrheit der bayrischen. Jsraeliteil. sich im. Revision^ lagen befilldet. Hs darf dah^r dey Hoffnung, Ansdruck ge.geb.en werden, daß diese ftir die beteiligten Kreise, sp, wichtige Reform nach Verabschiedung der PschenganssindeorduMg, in>der Reichsratskammer. von, der. Regierung eiiergisch anfgMsien. w.ixhr.uüh daß das Minist^ium; Peranlasiung nehchen. wich,, sich. über, sein wAteres. Programm, hei dieser Gelegenheit, igl Reichßrat aMr. führlich, arlszilsprechen. '' ' Ä- * Zu. den. JndenauswejsmlgeN; aus Mi'mchen,. über welch? wjr.- jüilgst, veriMetjen, .'wlxd., qWM" geschrieben.:. Bei,' ber" Ausweisung: galjzisch-jsMcher Familien^ aus Münchch, handelt es sich, nicht. M, Häusiererfamilien, sondern ZW, die, Inhaber Wn, vier. Wäschegeschäften, und. eine. Anzghl Reisender dersMen.' Ohne zu. untersuchen,, wie.- west. d.er. Vor-, niprf unreMen Geschäftsgebarens, der, den.Tusgerviefenen..gemacht wird, gerechtfertigt ist, kann man getrost behaupten, daß ihre Hauptschuld wenn nicht ihre einzige — eben Nie ist, daß sie polnische Inden sind. Vorläufig haben annähernd 20 Familien eilten Aßlsmchnugs.befehl erhalten und es ist noch nicht abzusehen, wie viele jüdische Familien brotlos werden, wenn die vier, tests recht bedeutenden Geschäfte der Ausgewiesenen aufgelöst werden müssen. Tief beschämend ist die Haltung eines Teils der „eingeborenen" bayerischen Juden, die ihrer Genugtuung über die Ausweisung der „Postchen" nnverholen Ansdruck geben. Charakteristisch m dieser Beziehung ist insbesondere die Haltung des in Regensbnrg erscheinenden israelitischen Familieublattes „Laubhütte," das, eine haßerfüllte Notiz des berüchtigten Antisemitenbjlattes „Bayer. Vaterland" über die Münchener Judenausweisnngeil mit Behagen nachdruckt und daran u. a. die Bemerkung knüpft: „Diesen Elementen, denen die Ehre der jüdischen Gesamtheit so wenig bedeutet, gönnen wir ihr Schicksal . . Bemerkenswert ist, daß der Herausgeber der „Laubhütte," Dr. Mqyer in Regensburg, ein Rabbiner ist, der sich noch dazu als orthodox bezeichnet! Nachträglich wird in Nr. 37 der „Deutschen Jsr. Zeitung", hem Hauptblatt der „Laubhütte", mitgeteilt, daß die oben angeführte Bemerkung dem Organ der Freien Jüdischen Vereinigung in Berlin entlehnt worden sei, dessen Redakteur, Herr Fabius Schach, bis vor kurzem in München gelebt habe. Die „Laubhütte" wird sich dazu verstehen müssen, in Zukunft beim Entlehnen vorsichtiger zu sein. * * * Den Austritt der „Misrachisten" aus der zionistischen Organisation,' der sich, am 10. Zionistenkongreß vollzogen hat, hat in gesetzestreuen Kreisen den Wunsch nach Schaffung einer „W e I t u n 10 n d e r Th 0 r a t r e u eii" gezeitigt und die von Rabbiner Dr. Weil! redigirte Wochenschrift „das jüdische Blatt" enthält über diese Idee folgende Ausführungen: . „Die ergreifenden Gebete für Rosch Haschono und Jom Kippur haben unsere Weisen mit der Bitte eingeleitet, die ganze Menschheit möge einen Bund bilden, Gottes Willen zu erfüllen. Den Wunsch auszusprechen, daß Israel einen solchen Bund bilden möge, war zur Zeit unserer Weiserr mmötig, denn -glücklicherweise bildete damals Israel eine geschlossene Geuvemschaft. Heute dagegen,, wo unser Unglück nicht nu.r irr unserer Zerstreuung, sondern in unserer Zersplitterung und Zerrissenheit bestecht-, heule: muß. e.s zunächst, unser sehnlichste Wtnsch „vem, daß. wenigstens die. thoratrenen Scharen des jüdischen Volkes sich zu einer einheitlichen Masse znsammenschließen. Manches und. Großes ist nn letzten Vierteljahrhimdert zur Festigung, des überlieferten Judentums geschehen.. Aber der Erfolg ist stets hinter den Erwartungen, zurückgeblieben, weil, es nicht möglich gewesen, ist, das ganze Volt, zur Mitarbeit hera-nznzjehen und die Polksseele in Schwingung zu setzen. Die Geschichte des Volkes Israel beweist aber, daß, die großen Errungenschaften, die zum. ballernden nationalen Besitz gewesen sind, stets nur durch eiilhestigell brüderlichen. Zusammenschluß, niöglich gewesen, sind.. Erst Mllßteu. alle Gegensätze in. Israel airsgeglichen sein,, dann, erst wirrde. ihm die Thora, am. Sinai, gegeben-. Kur durch, die treue Bmtdesgeno.ssenschaf.t aller, israelitischen Stämme, konnte d.as, Land Kenaan-, erobert, werden. Nachdem de,r König. D.avid. ganz Israel, zu einem einheitlichen Volke verschmolzen. hatte, dann, erst konnte der. heilige Tempel errich?- tetwerden«. Heute, ist infolge der Borgänge. auf dem 10; Zionistenkongxrß der Wunsch anssneue rege geworden, eine Welt n.n ion d e.r T h?o r a t.r.en.e.u. zu, bilden.. Die Idee lag? in. der Lnfb, sie. ist. ein. großartiger. Traum.. Wirklichkeit, kann. sie. mti\ lv.erden-, iv.enil. alle, die es^ mit', dem überlieferten. Jlldentnm. gut. meinen, unter Hintansetzung aller Differenzeil,. sich in . die Hände arbeiten; Die Aktion soll', die ganze. Welt umfassen,, aber von:Deutschland JUUfj sie. ansgesten, D.ie. geplante. W.eltltnion fanit weder ein erweiterter. Misrnchi,. noch, eine, vergrößerte „Freie Vereiitigung", noch^ ein: ansgebauter. Woris„ sein, sö.nderu alle, diese Gruppen, .müßten , zu esnem.Block.vereinigt und auf diese.Weise.eiue. N>n schöpf nn.gherbeigeführt werden, durch welche von anerkannten Fiihrern des