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Die Wahrheit · 1911-09-15 · Heft 36 (15.9.1911) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 36 (15.9.1911)
Date
1911-09-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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. Die Wahrheit Nr. 36, Sette?. hetriWn oder, freuen soll. : Mvn verhandelt augenblicklich noch über Pe.Dumme,- die. Helkia ihrem Vater, füly sie - zahlen soll, , Ar.; dieses GW wird-fürihre Ullssteuer verwendet. Und .hie-mit zehn Jahrem, verheiratete Nadra wird , nicht aufhören^n-:arbeiten. n.tr; . , - Die, traurige Existenz dieser Familien wird! durch .drei .große Lebensabschnitte unterbrochen:. Heirat. Geburt und Tod. Sie bieten Gelegenheit zn lärmenden Festen und endlosen Zeremonien, die. die . Gemüter ^beschäftigen und.-sie -von der trüben Wirtlichkeit ablenken.' Sobald ein Vater für seinen jungen Sohn eine kindliche Braut gewählt und je nach seinen Mitteln den vereinbarten Preis von 50—100 Fr. für sie bezahlt hat, beginnt man in beiden Familien mit den Vorbereitungen zur Hochzeit. Man kauft große Mengen von Korn, das man wäscht, trocknet und mahlt, Aepsel und Erbsen und andere Vorräte und wenn alles bereit ist, setzt man den Tag für die Traunngsfeier an. Weder der junge Gatte noch seine Zukünftige haben eine Aussteuer nötig; die während der Hochzeitsfeierlichkeiten getragenen Gewänder lverden gegen Entgelt geliehen. Das Fest beginnt am Freitag Abend in einem Raum, der zu diesem Zweck mit gedruckten Bildern, mit in Rauschgold gehüllten Früchten, leeren Straußeneiern, brennenden Kerzen und leeren Flaschen geschmückt ist, zwischen denen Rantenzweige angebracht sind. Man verrichtet das Abendgebet, dann wird bis in eine vorgerückte Nachtstunde gegessen und getrunken. Unter einer Girlande von Früchten befindet sich der Ehrenplatz des Bräutigams; er hat zn Ehren des Tages ein schwarzes goldgesticktes Obergewand angelegt und trägt um den Hals die Bernsteinkette mit dem eisernen Ring, die er als Kind getragen hatte und eine Reihe von in Silberkapseln steckenden Amuletten. Am Samstag kommen dieselben Leute, es folgt dasselbe Festmahl und so geht es jeden Abend weiter; Verwandte und Freunde bringen ihr Essen und ihren Schnaps mit, essen und trinken gemeinsam und singen dazu die ,,Pismonnn" des Schebasi. Am'Dienstag abend ist großes Fest bei der Braut. Beim betäubenden Lärm des Tamtams, der mit der Hand oder mit Stöcken geschlagenen Knpferplatten, wird die Braut mit Henna angemalt, die mit schwarzer Farbe gemischt ist. Da anständige Frauen die bloße Haut ihrer Hände und Füße nicht zeigen dürfen und da sie weder Strümpfe noch Handschuhe tragen, wird die Haut mit komplizierten Zeichnnngeu bedeckt. Der Mittwoch ist der Tag der Geschenke; die Braut erhält ein Beinkleid mit gestickten Seitenbahnen, ein Kopftuch, ein Paar ganz grobe schwarze Pantoffeln für die Straße — im Hanse geht man barfuß — und ein Kupfergefäß, in dem sich ein Stückchen Hänsseife, ein.Holzkamm, ein Ei und etwas Watte befinden. Die Hose zieht die Braut sofort an; mit dem Kamm wird sie /frisiert, dann rasiert mau ihr die Haare dicht an der Stirn und unterwirft sie der „Probe" mit der Watte. Eine alte Frau zerbricht das Ei, bestreicht das Gesicht der Braut mit dem Eiweiß und bedeckt diese Schicht mit der Watte; dann nimmt sie die drei brennende Kerzen, die sie schnell in das so vorbereitete Gesicht hinein änsbläst. In diesem Augenblick ertönt lautes Freudengeschrei. Die Watte ist nicht am Gesicht hängen .geblieben, die Braut wird eine gehorsame und .brave Frau sein, der Mann wird sie sehr glücklich machen. Jetzt wird ihr das Gesicht mit der Seife gewaschen, die sie geschenkt bekommen hat, und mit einem Pinsel zeichnet man ihr kabbalistische Figuren uns Stirn lind Wangen, so daß die Zickzacklinien Augenbranen und Augenlider verbinden. Zuletzt wird ihr ein reiches Gewand angezögen und ein gesticktes Häubchen aufgesetzt. Nun erscheint der Vater, begrüßt seine Tochter mit dem Namen „Frau" und die Frauen bleiben bis zum Abend beisammen, essen Früchte und trinken Kischer. Am Abend beginnt das Fest der Männer. Unter Gesang und Tanz bestreicht der Oberrabbiner eigenhändig Arme und Hände des Bräutigams mit einerdicken Schicht Henna und die Mutter tut dasselbe an den Beinen und Füßen. Am Donnerstag abend finden alle Gäste sich wiederum bei dem Bräutigam ein, der mit' großem Stolz seine vom Henna rötlich schimmernden Arme und Beine zeigt. Der Oberrabbiner bekleidet ihn mit einem sehr weiten großgeblümten Rock, befestigt an verschiedenen Stellen des Talith kleine Rantensträußchen und mm begibt sich die ganze Gesellschaft mit brennenden Kerzen iy den Händen in Prozession in das Haus der Braut zum Hochzeitsmahl. Man beginnt immer mit Araki und Früchten; Schalen und Kerne werden in die Mitte , des Zimmers geworfen. Daun bringt man niedrige Tische, und Terrinen, die mit Fleisch und gelber Sauce angesüllt sind, dazu ganz warme, schmale arabische Brote. Das -junge. Ehepaar erhebt sich und sagt den Segensspruch : alle Gäste nehmen riesige Stücke Brot, tunken sie in die Sauce und verspeisen sie mit einem pfeifenden Geräusch, weil die Sauce sehr scharf ist. Dann nimmt jeder ein Stück Fleisch, das mit den Zähnen zerrissen wird; ist das Fleisch nicht weich genug, legt man es wieder in die Terrine zurück und holt ein anderes heraus. Die verschiedenen Hände treffen in der Terrine zusammen. Jeder ist bemüht, ein oder zwei zarte Stücke zu finden, die er in Reserve auf den bloßen Tisch legt. Nach beendetem Mahl kehrt man in das Haus des Bräutigams zurück. Dieser wechselt wieder die Kleidung; der Oberrabbiner zieht ihm weiße Gewänder an, seine Mutter bestreicht ihm die Augenwimpern mit Kohle und man geht zu den Kidduschiu in das Haus der Braut. In der Zwischenzeit hat sich diese mit ihrer Mutter und den anderen Frauen der Familie in einem großen Verschlag eingeschlossen. Der Rabbiner und der junge Ehemann sprechen zusammen den Kiddnsch, und durch die halboffene Thür reicht die Braut ihre schwarz bemalte Hand heraus, man könnte glauben, daß sie schwarze Handschuhe trägt. Der Bräutigam legt ein Zweipiasterstück (40 Centimes) in die Hand seiner Zukünftigen und spricht dabei die sakramentale Formel aus. Man schließt die Thür des Verschlages und der Rabbiner verliest die Ketuba. Dann wird die Tür wieder geöffnet, der junge Ehemann gibt seiner Frau das Pergament und sagt: „Nimm das, hierin sind alle deine Rechte verzeichnet," — und jeder geht zum Schlafen nach Hanse. (Schluß folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. (Aus der Sitzung des K u l t u s v o r st a n d e s vom 12. September 1911 unter Vorsitz des Präsidenten Dr. Alfred Stern.) Jur Einlaufe befinden sich an Spenden: Bon Herrn Kommerzialrat Wilhelm S ch o st a i anläßlich seines 70. Geburtstages für jüd. hum. Institutionen X 2000. Von Herrn Edmund Fischel s. A. Legat für Arme der isr. Kultusgemeiude X 1000. Von Herrn Jakob R i p p e r s. A. Legat per je X 50 für 1. Lehrmädchenheim, 2. Philanthropia, 3. Verein f. alte Männer, 4. Kinderheim, 5. Kinderbewahranstalt XX, 6. Chewra Kadischa I, 7. Ferienheim, 8. Allianz, 9. Volksküche, 10. Mädchenunterstützungs» Verein, 11. Arbeitsnachweis, 12. Armenanstalt. Zusammen X 600. Bon Herrn Dr. Artur Kn ran da und Bruder, anläßlich des Ablebens ihrer Schwester Olivia zur Verteilung an würdige Arme K 500. Bon Herrn Vorstandsmitglied Dr. Jakob Engel für das Altersversorgungshaus X 200. Entnahme der Sammelbüchsen im Tempel XV. Turnergafie für Arme X 141.30. Bon Frau Karl F ö r st e r für das Siechenhaus X 30. Bon Herrn Thaddäus Grauer für Arme X 2. Es wird mitgeteilt, daß ein Ungenanntseinwollender aus Anlaß des 80. Geburtstages des Präsidenten Dr. Alfred Stern Wertpapiere im Nominalbeträge von X 20.000.— mit der Erklärung erlegt hat. daß die Zweckbestimmung dieser Widmung dem Präsidenten Dr. Alfred Stern anheimgestellt bleibe. Der Präsident traf die vorläufige Verfügung, daß die Zinsen dieses Kapitales als Heiratsausstattungsstlftungen für arme israelltische Bräute, die nach staatlich- und religiös-giltigen Vorschriften getraut werden, verwendet werden sollen. Es wird berichtet, daß Baronesie Valentine von Rothschild anläßlich ihrer Vermählung zur Verteilung an Arme durch das Präsidium der Kultusgemeiude X5000 und für Zwecke des Spitales der israelitischen Kultusgemeinde einen Betrag von X 50.000 gewidmet hat. — Sämtlichen Spendern wird der Dank votiert. Wien. Unter jenen Vereinen, die dem Präsidenten der Wiener Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern zu seinem achtzigsten Geburtstage gratulierten, seien noch der „Israel. Frauen- und Mädchen-Wohltätigkeits- Berein" in Wiener-Neustadt (Präsidentin Fran W e i ß k o p f) und die dortige Chewra Kadischa (Präsident Herr Friedrich Weiß topf) nachgetragen. Wien. (B e t h a n s v e r e i n „A m B o l k e r t".) Anläßlich der Schlußprüfungen im zweiten Jahrgange in der Sprach- und Bibelschule deS Bethausvereines „Am Votiert" trat ein so schöner Erfolg zutage, daß die Schulsektion beschloß, auch für das Schuljahr 1911/12 einen dreiklassizen Unterricht beizuhalten. Da auch der Barmizwah-Knrs, wodurch die dieser Schule entwachsende Jugend in der Gotteslehre bestärkt:

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