Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1911-09-01 · Heft 34 (1.9.1911) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 34 (1.9.1911)
Date
1911-09-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3062972-3063572-3063606--07450-3074536
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Sette 10 Die Waörden . Nr. A4 mich zu diesem Brief ermutigt und wird auch, darauf ver-' traue ich, meine Belästigung entschuldigen. Ich habe die Ehre, usw. Moses Moutesiore." 2. Es hieße, eine neue Verleumdung zu den schon so oft gegen die Israeliten vorgebrachten zusügen, wollte man be- ' hanpten, daß sie im Jahre 1896 au den Massenmorden in Konstantiuopel teilgenommeu hatten. Der Direktor unserer '• Schulen in Hasköi schrieb uns in seinem Bericht über die traurigen Ereignisse unter dem 4. September 1896 folgendes:; „Mit Knütteln und Messern bewaffnete unheimliche Baschi-Bnzuks stürzten sich in die Häuser der Armenier und haben den größten Teil dieser unglücklichen Bevölkerung; ermordet. Sie haben auch versucht, in unsere beiden Schulen einzudriugen und unsere armenischen Dienstboten fortzuschleppen, aber diese hatten sich in den Bodenräumen versteckt. Sie zitterten wie Espenlaub und glaubten, ihr letztes Stündlein wäre gekommen. Ich beeile mich. Ihnen noch mitzuteilen, daß in Hasköi ' . v i e l e Armenier — ü b e r 400, wie m a n ui i r sagt —: von Israeliten in i h r e n Häusern v ersteckt und so dem Wüten der An g r e i f e r e u t z o g e u w o r d e u s i n d." 3. Schließlich müssen wir noch eine letzte Fabel zerstören. Niemals hat ein Verein oder eine Gesellschafl irgendwelche Vorbesprechungen abgehalten oder Verhandlungen angekuüpft, die die Kolonisation von Cilicien durch die Juden zum Gegenstand hatten. Da uns der in Ihrem Blatte herrschende Geist der Unparteilichkeit bekannt ist, sind wir der Aufnahme dieser Zeilen sicher, deren einziger Zweck darin besteht, die Wahrheit dieser Tatsachen wieder herznstellen. - Der Sekretär. ' gez. Jacques B i g. a r d.'- Nerschiedene Nachrichten. Wierr (Verein zur Unterstützung jüd. Kleingewerbe t r e i b en d e r in Wien, II.. M a lzgas.se 1)-. Sonntag, den 3. September 1. I., präzise 4 Uhr nachm., findet die feierliche Eröffnung der neuen Vereins- und Bethauslokalitäten des obigen Vereines statt. Wien. (B i l d u n g s a n st a l t für Kindergärtnerin neu.) Die Anmeldungen zur Aufnahme in die älteste, seit dem Jahre 1668 bestehende Bildungsanstalr für Kindergärtnerinnen (mit Oeffentlichkeirsrecht), welche mit einem Bildungskurse für Bonnen verbunden ist, werden vorn 1. bis 20. September im Anstaltsgebäude, II., Schiffamtsgafie 35, entgegeugenommen. Die Aufnahmspröfnngen finden am 14. und 21. September statt. Wien. Dienstag, den 29. August um 11 Uhr wurde auf dem Zentralsriedhof die Leiche des am 27. d. in jungen Jahren verblichenen Redakteurs der „Zen" Artur Wilhelm unter großer Beteiligung ans Freundes- und Kollegeukreisen bestattet. In der Zeremonienhalle harten sich außer dem tiefgebeugten Vater kaiserlichen Rat Ignaz Wilhelm nrid Gattin sowie der übrigen Familie eiugefnnden: der Polizeipräsidentstellvertreter Hofrai Freiherr von Gorup, Regieruugsrat Kamillo Wiiidt, der Vorstandstellvertreter des Sicherheitsbureaus Oberkomnnssär Dr. Schultz, Oberkommiffär Dr. Klose vom Polizeipräsidium, der Hexausgeber der „Zeit" Profefior Dr. Isidor Singer mit den Redakteuren Werkmann und Hoffmann, der Präsident des Jonrnalisten- und Schriftstellervereines „Concordia" Dr, Siegmnnd Ehrlich mit dem Ausschnßmitglied kaiserlichen Rot Doktor Kronfeld, Frau Hofrat Obermayer. Frau Regierungsrat Wilhelm Mendl, kaiserlicher Rat Peuizek. kaiserlicher 3iat Dr. M. Hay. In Vertretung des Bethansvorstandes der isr. Kultusgemeinde Herr Theodor Kohn, die Advvlaten Dr. Berrhold Reif und Dr. T. Fried, die Schriftsteller Freiherr d'Albou und Dr. Hugo Julius Tauber. Herausgeber der Verlosungskorrespondenz Kutschera, die Industriellen Breitner und Mediauska, Direktor kaiserlicher Rat Regen, Oberlehrer Fuchs rc. Nachdem Oberkantor Kläger, assistiert vom ersten Kantor Pekarnik und dem Chorpersonal, die Psalmen ergreifend zum Vortrag gebracht, hielt Rabbiner Dr. Gelbhaus einen gefühlvollen Nachruf, in dem er den guten Charaktereioenschaften des Verblichenen Gerechtigkeit widerfahren ließ und der Familie Trostesworte spendete. Dann wurde der Sarg zur letzten Ruhestätte getragen. Am ösienrn Grabe sprach Profefior Dr. Singer namens, der „Zeit" einen kurzen Nachruf, in dem er die hervorstechendste Tugend Wilhelms, seine Pflichttreue, rühmte und seine journalistischen Fähigkeiten hervorhob. Wien. Die „Köln. Zeitung" brachte vorige Woche anläßlich des Marokkostreites einen gegen die französische Regierung, gerichteten Artikel, in welchem unter anderem angeführt wurde, daß Juden in Marokko von französischen Soldaten mißhandelt werden und die „Alliance Israelite" wird aufgefordert, sich darüber zu äußern. Es ist bezeichnend, daß größedeutsche Blätter vom Range der „Köln. Ztg." sich über den Antisemitismus im eigenen Lande wenig anfregen, die Inden aber für gut genug erachten^ um deren Schutz im diplomatischen Interesse Deutschlands zn reklamieren^ Die „Israelitische Allianz zu Wien" hat über den.Gegenstand Informationen eingezogen, und wie wir vom Sekretariat derselben erfahren, habensich allerdings bedauerlicher Weise in Meknes manche französische Soldaten ganz im Anfang ihres dortigen'Aufenthaltes einiges zu Schulden kommen, lasten, die französische Regierung hat aber sofort, als' sie davon erfuhr, die nötigen Weisungen erteilt, wonach der Schutz unserer Glaubensgenossen soweit er von den Franzosen abhängt, im vollem Maße gesichert ist.. Wie«. Wie unsaus Bukarest gemeldet wird, ist der in Fachkreisen besonders durch seine reiche komponistische Tätigkeit bekannte Oberkanior Moriz S o n n t a g, der bis vor wenigen Jahren in hervorragenden Gemeinden Ungarns fungierte und jetzt in Bukarest domicilierte,. daselbst gestorben. Er hing mir allen Fasern seines Herzens an seinem: Berufe und zum Beweise feiner Anhänglichkeit widmete er vor kurzer Zeit den Gesamterlös seines eben erschienenen Werkes dein Fände des „Oesterr.. ungar. Kantorenvereines" behufs Kreierung einer Kantvren-Bildungs- Anstalt. Sein Andenken wird in den Kreisen der weitesten Kollegenschaft ehrend bewahrt werden. ZnaiM. Vom Ausschuß der isr. KnltnsgeMeinde in Znaim erhalten, wir folgende Zuschrift: Durch das unerwartete, nach kurzem Krankenlager erfolgte.Ableben unseres langjährigen Ansschnßmitgliedes Herrn Sigmund S t e i n e r, hat' unsere Gemeinde einen schweren, kaum zu ersetzenden Verlust erlitten. Nicht' nur daß der Verstorbene zu den angesehensten,, beliebtesten Bürgern unserer' Stadt gehörte, hat er sich namentlich um unsere Gemeinde und ihre wohltätigen Vereine hohe Verdienste erworben. Ueberall wo es galt zn gemeinnützigen Zwecken Geld anfzubringen, stand SigmNnd Steiner an der Spitze mit bedeutendem Betrage. Unserer Friedhofballe widmete er eine große Marmortafel, auf der das 2'LN N1LN mit goldenen Lettern eingegraben ist,. Anläßlich seiner silbernen Hochzeit widmete er mit seiner feingebildeten Fran Ade le eine Garnitur '^>2, die eine wahre Sehenswürdigkeit bilden. Ueberhaupt war fein Edelsinn bei Jnd und Christ allgemein..bekannt. Seine Beliebtheit zeigte sich bei seinem Leichenbegängnis, bei dem nicht nur von jüdischer Seite sämtliche Honoratioren erschienen sind, so der Knltnsansi'chuß mit dem Kultusvorsteher Herrn Rudolf Wotzilka. der Vorstand der Kewra Kadischa mit deren Obmann Herrn David Schlesinger, der Turnerklub mit dem Obmann Herrn Robert W e i n e r. der Franenverein mit defien Präsidentin Fran Louise B r ü l l, sondern äuch- Bertreter des Offizierkorps, der Stadtverordneten., der Schulen und aller hiesigen großen Geschäftshäuser unserer Stadt. Unser Rabbiner Herr Dr. Kahan widmete dem allgemein Betrauerten einen warmen Nachruf,, der die meisten illustren Anwesenden zu Tränen rührte, während Unser' Kantor Herr S. Handgriff die Trauergesänge würdevoll vortrng. Das Andenken an den edlen Verblichenen wird bei uns noch lange lebendig und gesegnet bleiben. Luhatschowltz. Der hier zur Kur weilende, durch seinen Wohl-- tätigkeitssinn bekannte Privatier Albert Löw aus Wien hat die seit Jahren ruhende Angelegenheit des Tempelbaues wieder zur Sprache Gebracht.. Möge ihm dieses gottgefällige Werk gelingen! Das Bedürfnis nach einem Gotteshanse macht sich bei allen Kurgästen geltend. Die Badeverwaltnug hat zu diesem Zwecke bereits einen Platz angewiesen. Die Gebrüder Jelliuek spenden die nötigen Bausteine. Viele Kurgäste haben namhafte Bei-- rräge gezeichnet. Kremsier. An Stelle des Rabbiners Dr. Adolf Frankl-Grün,. welcher aus Gesundheitsrücksichten in den Ruhestand getreten ist, wurde der Rabbiner Dr. Schweiger zu dessen Nachfolger einstimmig gewählt. Derselbe entstammt einer alten, angesehenen Familie in Ung.-Brod. Egbell Verflossenen Samstag waren es 25 Jahre, seit Herr Philipp Spitz in Egbell bei Holicz als Kantor, RabbinatSuerweser. Mohel und Schochet fungiert. Aus diesem Anlässe überbrachte der Vörstcher dem Jubilanten ein Ehrengeschenk nebst den besten Glückwünschen seitens fder' Gemeinde. Vorstand Herr Beinhacker hielt eine gehaltvolle Ansprache, in. welcher erder gewiffenhasten Pflichterfüllung, unermüdlichen Arbeitsfrendigkeit des allseits verehrten Kantors reiche Anerkennung zollte, undihm die höchste Wertschätzung seitens aller Gemeiudemitglieder zum Ausdruck brachte. Diese intime Feier ist ein ehrendes Zeugnis für das gute Einvernehmen zwischen der Gemeinde und ihrem Scheliach Zibbur.;Gr.. Arad. Herr Sandor Weisz aus Wien wurde nach einem mit . großem Beifall abgehaltene Probevortrag einstimmig zum Oberkantorstellvertreterfür die Araber Kultusgemeinde gewählt und wird seineneue Stelle am 1. September antreten. Petersburg. In Kiew veranstaltete die dortige Kaufmannschaft eine Protestversammlnng gegen die Ausweisungen der Inden in Wolnowächa. bei Märinpol. Es wurde hierbei die Resolution gefaßt, an die Regierung heranzutreten, diese Judenansweisnngen einznstellen, nicht nur, weil sie ganz ungesetzlich, sondern auch, .weil sie von wirtschaftlichem Nachteil sind.. Gewiß ein ebenso seltsames wie kühnes Unterfangen der Kiewschen Kanfmannschast. gegen die Regierung zu protestieren. Freilich, von Erfolg dürste es nicht sein. Es wird sicher noch eine geraume Zeit dauern, bis über Rußland die Erleuchtung kommen wird, daß die . Inden ein zumindest wirtschaftlich notwendiger,Faktor sind, aber der Anfang ist gemacht und .das .ist immerhin etwas. .

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.