Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 34 (1.9.1911)
- Date
- 1911-09-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 34. Die Wahrheit. Seite 9. von Silben und Wöxternabzugeben, -Sie legten mehr Wert aus deninnereu Gehalt und. die gedankliche Fülle eines Gedichtes. Je-, nachder ''Verschiedenheit des Inhaltes werden die Psalmen eingeteilt:*) a).in Lehrpsalmen. Diese lehren uns die Wege Gottes.kennen, des Vorbildes, der Vollkommenheit, dem wir uns durch .die Nachahmung seiner Eigenschaften möglichst nähern sollen. (5.. 9. 16. 11. 17. 8. 86. 11.) Sie flößen uns Gottvertrauen ein und bannen die Furcht vor Menschen, Mißgeschicke und selbst vor dem Tode durch den Hinweis auf die jenseitige höchste Glückseligkeit. (23, 4. 66, 6. 118. 8.) Sie erklären das Mißverhältnis zwischem Verdienste und dem Geschicke der Menschen ans Erden. Sie zeigen uns die rechte gottgefällige 'Lebensweise, das Meiden der Laster und das Neben guter Taten, die Bekämpfung der Leidenschaft und die Beherrschung sündhafter -Gedanken und böser Triebe. Als Hanpttngend gilt dem Psälmisten die Gerechtigkeit, welcher sich Geradheit, Aufrichtigkeit, Herzensreinheit, Bescheidenheit und' Wahrheitsliebe nnterordnen. Es dürfte aber kaum eine Tugend geben, die nicht schon in den Psalmen erwähnt wird. Ans den Psalmen Kp. 15. 24 und 112 ließe sich sogar ein ethisches System konstruieren. Zu den Lehrpsalmen gehören Psalm 1. 15. 19. 23. 24. 36.- 37. 49. 50. 58. 62. 73. 82. 86. 90. 91. 92. 93.' 95. 99. 103. 111. 112. 113. 119. b) In Natnrpsalmen, welche die Erscheinungen der Natur, den Himmel und die Planeten als Diener und Boten Gottes -schildern, der ihnen für ihren Lauf bestimmte Gesetze vorzeichuet, der diese stets erneut, Psalmen, in denen der Psalmist die -ganze Schöpfung und alle Geschöpfe auffordert, den Namen Gottes zu preisen. Zn diesen gehören: 8. 19. 67. 104. 147. 148. 150. v) In Geschichtspsalmen, welche die geschichtlichen Erlebnisse der Ahnen poetisch darstellen, ohne Beschönigung ihre Fehler geißeln und die kommenden Geschlechter vor ihnen warnen.**) ' Zn'diesen geboren':" 2. 3. 14. 44. 53' 60. 74. 76. 77. '78. 79. 95. 105. 108. 114. So verschieden aber auch die Motive der Psalmen sind, -alle verfolgen das gleiche einheitliche Ziel, den Menschen Gott durch die Förderung eines sittlichen Lebenswandels näher .311 bringen. (Fortsetzung folgt.) Die Alliance Israelite Universelle an die Times, Kondvn. An den Herausgeber der „Times" London. Pari s, den 11. August 1911. Sehr geehrter Herr! Ihr geschätztes Blatt bringt in seiner Ausgabe vom 9. August nls Antwort auf einen Brief des Herrn Dr. Gaster eine Mitteilung ihres Korrespondenten in Konstantinopel. Wir halten es für unsere Pflicht, einige der in dieser Korrespondenz angeführten .Tatsachen richtig zu stellen, die von der Haltung der Israeliten in einem Gebiet handeln, in dem wir unsere erzieherische und zivilisatorische Tätigkeit ansübeu. 1. Seit langer Zeit ist bereits die Falschheit der gegen unsere Glaubensgenossen von Damaskus in bezug auf die dortigen Ereignisse im Jahre 1860 erhobenen Beschuldigungen festgestellt. Sie geht mit größter Deutlichkeit aus folgendem Brief des Herrn Dr. Wetzstein, damaligen preußischen Konsul in Damaskus hervor, den dieser am 17. Oktober 1860 an Herrn Albert Kohn in Paris geschrieben hat und der in der Dezembernummer 1860 des „Israelitischen Archiv" abgedruckt worden ist. *) Chronik I, 16, 4 ist der dreifache Zweck der Psalmen ansgedrückt: rrni.ib Geschichts-, Dank- und Lobpsalmen. **) Der Pjalmist scheint auch andere historische Quellen außer der Bibel benützt zu haben. Bgl. Ps. 78, 9 und Chr. I. 7, 21. .Der Brief lautet: . Damaskus, den 17. Okt. 1860.' In Erwiderung Ihres heutigen Briefes, in dem Sie meine Meinung über das Verhakten der jüdischen Gemeinde während der Katastrophe im Ehristenviertel und über die gegen eine große Anzahl von Juden vorgebrachten Borwürfe und Beschuldigungen erbitten, habe ich die Ehre, Ihnen folgende Auskunft zu geben: Jedermann weiß, daß das Jndenviertel genau so bedroht gewesen ist, wie das Christenviertel, und niemand hatte die Ueberzeugung, daß die drnsische und mohammedanische Wache, der die Aufsicht über unser Viertel anvertrant gewesen war, tatsächlich die Macht und den guten Willen zu unserem Schutz besessen hatte. Deshalb hatte der größte Teil der Inden sich in die mohammedanischen Viertel gestüchtet und die übrigen hatten sich nicht aus ihren Häusern gewagt. Die Behauptung, daß die Juden von Damaskus sich an der Plünderung des Christenviertels beteiligt haben, ist folglich eben so lächerlich wie verleumderisch. Glücklicherweise ist die ganze christliche Bevölkerung über die Beschuldigungen entrüstet, denen Ihre Glaubensgenossen noch immer ausgesetzt sind. Es ist nicht bekannt geworden, daß ein einziger katholischer. protestantischer, armenischer, maronitischer oder syrischer Christ in der vorliegenden Frage irgend etwas gegen einen Inden vorgebracht hätte — alle Ankläger der Inden sind Griechen; und da die Personen, von denen die Beschuldigungen ausgehen, wohl bekannt sind, wird es nicht schwer sein, ihr Wirken zu unterbinden, dessen Motive nur Erpressung und Fanatismus sind. Genehmigen Sie, mein Herr nsw. Dr. Wetzstein. Im übrigen war die Unschuld der Juden von Damaskus sehr bald bewiesen worden. Alle diplomatischen Agenten, besonders Sir John Russell, wurden zu energischen Verteidigern der Inden, von denen kein einziger verurteilt wurde, im Gegensatz zu dem, was Ihr Korrespondent behauptet. Wir fügen noch hinzu, daß es zwei Inden waren, ein Franzose Adolph Crömieux und ein Engländer Sir Moses Montefiore, die als die ersten die Anregung zu einer Geldiammluug für die Christen in Syrien gegeben haben. Ihr geschätztes Blatt hat seinerzeit einen Brief von Sir Moses Moutefiore veröffentlicht, dessen Uebersetznng in der Angustnummer 1860 des in Paris erscheinenden „Univers Israelite" abgedruckt war und der lautet wie folgt: „Mit tiefster Betrübnis habe ich die gestern im Oberhanse abgegebene Erklärung gelesen, daß in Folge der jüngsten Ereignisse in Syrien 20.000 Christen, Frauen und Kinder, unter den größten Gefahren in den Bergen nmherirren. Da ich die Natur jenes Landes und die Verhältnisse seiner Bewohner kenne, kann ich leider nur zu sehr den hohen Grad der Not beurteilen, die sie ansznhalten hatten und die noch fortbesteht. Ich glaube, daß die private Wohltätigkeit etwas tun kann, um das Elend der unglücklichen Menge zu lindern, die jetzt ohne Obdach, ohne Verteidigung und ohne Lebensmittel geblieben ist. Ich keime aus Erfahrung die Menschenliebe meiner Landsleute und ich glaube, daß das Publikum ohne Aufschub und mit Wohlwollen dem Vorschlag einer Sammlung von Geldern beistimmen wird, die in gerechter Weise an .die unglücklichen Opfer der Verfolgung verteilt werden sollen. Ich schlage vor, ein ans wenigen Personen bestehendes, tätiges und einflußreiches Comitv zu bilden zu dem Zweck, Sammlungen zn veranstalten, sich mit dem englischen Generalkonsul in Beirut und mit den anderen Konsularbehörden in Syrien in Verbindung zn setzen, damit sofort durch Geldsendungen und durch Uebermittelung sonstiger Unterstützungen die erste Hilfe gebracht werden kann. Ich nehme mir die Freiheit, für diesen Zweck meinen Beitrag von 200 Pfd. Sterl. beiznfügen. Ihre beredte und gerechte Verteidigung der Sache der Christen in Syrien hat