Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 34 (1.9.1911)
- Date
- 1911-09-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Die Wahrheit Nr: 34. wenige, man könne ruhig sagen, keine zweite Kultnsgemeinde gebe,, die sich - eines so vorzüglichen, tüchtigen und pflichteifrigen Beamtenkörpers rühmen könnte, wie die Wiener Kultnsgemeinde. Er versicherte, daß er nach wie vor mit Eifersucht darüber wachen will, daß der gute Ruf der Beamtenschaft erhalten bleibe. Es sei auch kein Wunder, denn die Beamtenschaft stehtunter der bewährten, zielbewnßten Führung des ersten Sekretärs kais. Rat Dr. Lieben, der ihn sicherlich darin unterstützen werde, daß die Beamtetischaft von Elementen verschont werde, die dem Ansehen unserer Beamten nur von Nachteil sein kann. ..So wie ich stets darauf bedacht war, die gerechten Wunsche der Beamtenschaft zu erfüllen, so werden Sie mich immer unerbittlich finden, wenn es gilt. Sie von.Elementen zu befreien, die Ihnen nicht zur Ehre gereichen können." Als nächste Deputation empfing Dr. Stern eine Abordnnng der Tempelquartette der Inneren Sladl.und Leopoldstadt unter Führung des Chordirektors Sulzer und der Dirigenten Heimaun und Zelnik, die dem Jubilar einen prachtvollen Lorbeerbaum überreichten mit dem Wunsche, daß der Präsident noch viele Jahre so jngendftisch wie der Lorbeerbaum erhalten bleibe. Nach einigen launigen Dankesworten des Präsidenten nahm er die hebräisch geschriebene und verlesene Adresse der Schächter der Wiener Kultnsgemeinde entgegen. Unter Führung des Präsidenten des Tempelvereines für den VI. und VH. Bezirk, Herrn Dr. Jakob Engel, erschien eine Deputation sämtlicher Wiener Tempelvereiue, bestehend aus den Herren Hermann Beck, Gottlieb Bettelheim, Carl Flandrack, Adolf Hoffmann, Direktor Dr. Kreuberger, Architekt Jakob Modern, Max Rosenfeld. Adolf Schrammek und Leopold Weiß und überbrachte als gemeinschaftliches Geschenk der Tempelvereine eine vom Architekten Modern entivorfene silberne Menorah, die durch ihre besondere Schönheit nnd Originalität allgemeine Bewunderung erregte. Die gleichzeitig überreichte Adresse der Bethausvereine bezeichnete dieses Geschenk als „einen kleinen Abschlag" auf die untilgbare Dankesschuld, welche nicht nur die Judenschaft der Metropole Wiens, sondern die verdrängten und verfolgten Glaubensgenossen aller Zonen und Länder dem unerschrockenen und beharrlichen Kämpfer und Verteidiger für Recht und Ehre schulden." Der Präsident erwiderte hierauf mit herzlichen Dankesworten für das herrliche Geschenk nnd betonte, daß er seit jeher das Wirken der Belhansvereine in höchstem Maße schätze und dieser Schätzung auch bei Anlässen, insbesondere wenn es sich um die Errichtung neuer Bethänser handelte, Ausdruck gegeben habe. Er verfolge die anfsteigende Entwicklung der Bethansvereine mit lebhaftestem Interesse und werde deren Bestrebungen, insoweit sie' nicht das oberste Prinzip der Gemeinde, ihre Einheitlichkeit tangieren, auch in Hinkunft mit allem Nachdrucke fördern. Namens des Bethansvereines „Adaß Israel" (Schiffschnl) überreichte eine Deputation, bestehend ans den Herren Dr. Isidor Reiniger und Wilhelm Kritzler eine Adresse. Namens des Schönlatern-Bethanses überreichten die Herren S. Goldmaun und L. S. Back eine vom Borstandsmilgliede Herrn Dr. Alfred Berger verfaßte Adresse, in welcher dem Präsidenten für sein wackeres Eintreten im Interesse des Judentums, für die mutige Verteidigung unserer angegriffenen Institutionen nnd für die nnentwegte Vertretung unserer verfolgten Glaubensgenossen der Dank ausgesprochen wird. Für den Bethausverein „Talmud Thora" erschienen die Herren Simon Buchwald nnd Leopold Hirsch. Die Adresse des Kuratoriums und des Lehrkörpers der Jsrael.-theologischeu Lehranstalt, die durch Sekretär Josef Fuchs verlesen wurde, hebt besonders hervor: „Als Mitglied unseres Kuratoriums haben Sie die nie erlahmende Fürsorge, die Sie allen jüdischen Interessen eutgegenbringeu. auch der jüdischen Wissenschaft und ihrer Lehre durch die eifrige Förderung unserer Lehranstalt bekundet: das Gedeihen derselben und ihre stetig fortschreitende Entwicklung danken wir zu einem großen Teile der wertvollen Nnterstützung, welche Sie sowohl inmitten unseres Kuratoriums, als auch an der ZiÄ und Beispiel gebenden Stelle des Präsidenten der Wiener israel. Kultnsgemeinde unserer Anstalt seit jeher zu Teil werden ließen." - . ' Der,Präsident dankte für die Worte der Anerkenunng von den Leitern einer . Anstalt, die ihrem ganzen'Wesen nach die einzige jüdische Hochschule in Oesterreich ist, und die schöne Aufgabe hat, die Träger jüdischen Geistes nnd jüdischer Wissenschaft in unseren Gemeinden heranznbilden. : Der Verein Talmud Thora' ließ durch eine Deputation; unter Führung des Herrn S. Buchwald eine Ad resse überreichen. Weitere Deputationen entsendeten die Bethansvereine- „Achdns Israel" „Bene Berith" im XX. Bezirk, endlich das Tempelbaukomitee für den in der Leopoldstadt zu errichtenden Kaiserjubiläninslempel, und zwar die- Herren Schrnmek, Adler und Beck. Für den türkisch-israelitischen Gemeindeverband sprachen die Herren Präsident Licco Adntt nnd der Chacham Michael Papo vor und überreichten eine'Adresse. Die Knllilsgemeiude Baden beschloß die Ernennung des Präsidenten Dr. Alfred Stern zunn Ehrenmitgliede der Badener israelitischen Knltusgemeinde. Eine Deputation, bestehend ans dem Herrn Rabbiner Reich, dem Piäses Moritz Leitner, den Vorstandsmitgliedern Dr. Raab, Anton Schneider, Simon Mandl. Jakob Kohn und Alfred Lettner, üderbrachte das künstlerisch ansgeführte Ehreu-Diplom, welches Präsident Dr. Alfred Stern in tiefer Bewegung nnd mit dein Ausdrucke des wärmsten .Dankes für diese seltene Anszeichnung entgegennahm. Für die israelitische Allianz .zu Wien erschien das Vorstandsmitglied Wilhelm Pappenheim und Sekretär Dr. Kaminka. Herr Pappenhenn würdigte die Verdie,iste Dr. Sterns bei her Gründung der Allianz wie auch seither als Vorstandsmitglied und Vizepräsident dieser Organisation uub fügte unter lieber* reichnng einer Adresse die Wünsche hinzu, daß die Allianz sich noch lange des weisen Rates und tatkräftigen Mitarbeit des . Jubilars erfreuen möge. Im Namen der Oesterreichisch-israelitischen Union überbrachten Vizepräsident Dr. Ornstein nnd Sekretär Fleischer die Glückwünsche dieser Vereinigung. Namens des Allgemeinen österreichisch-israelitischen Bundes gratulierte Vizepräsident Dr. Gustav Kohn und.überreichte.eine Adresse, .die Schriftführer Jacques Fischer zur Verlesung brachte. Der politische Verein „Donanklnb" entsendete eine Deputation, bestehend ans dem Vizepräsidenten Dr. B r a d y, Ge- ,memderat Eder, Karl F n ch s, Joses Fuchs und Josef Steiner. Nach der Ansprache des Dr. B r a d y gedachte Dr. S t e nt mit besonderen Dankes warten der Unterstützung, die er — so lange er politisch tätig war — seitens des „Donauklnb" teilhaftig gewesen, und glaubt nicht erst betonen zu müssen, daß er den Prinzipien, auf welchen der „Donanklnb" aufgebaut ist, niemals untren werden wird. Namens des Vereines zur Bekleidung, armer alter Männer waren 'Vizepräsident Karl F u ch s. Herr Anton S ch n e i d e r nnd Dr. M. L ö w y erschienen. Die von der Deputation überreichte Adresse besagt u. A.: „In dem Jnbelklang, der heule zur Feier Ihres 80. Geburtsfestes ans allen Kreisen der Wiener Knltnsg'emeinde ertönt, stimmt der Vorstand unseres .'Vereines mit doppelten Empfindungen ein. Bewegt durch die Gefühle treuer Anhänglichkeit an das Oberhaupt unserer Gemeinde und durchdrungen von dem erhabenen Gedanken der Ehrung des Alters, der der hohen Ethik unserer Lehre entspringt und das Leitmotiv , unserer Vereinstätigkeit bildet." Für das Spital der israelitischen Knltusgemeinde erschienen der Direktor M. Fletsch inan n, die Primarärzte Pros. Dr. B r a u n und Dozent Dr. B r e lt e r und Berwalter Dr. K o r a n y i. Der Direktor' dankte dem Jubilar für dessen unermüdliche Fürsorge für das Spital. Präsident Dr. Stern erwiderte hierauf,^ daß das Spital. als eine Mnsteranstalt der Gemeinde betrachtet werden könne, auf welche wir mit gutem . Recht stolz sein dürfen. Daß dem so sei, sei in erster Linie ein Verdienst des tatkräftigen Direktors, nnd der Herren Primarärzte, die gewiß dafür sorgen werden, daß das jüdische Spital auch .in Hinkunft seine anerkannte.Stellung unter den Wiener Kranken- . j anstalten sich erhalten werde.