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Die Wahrheit · 1911-08-25 · Heft 33 (25.8.1911) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 33 (25.8.1911)
Date
1911-08-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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«Seite 10. Die Wahrheit Nr. 33 nicht wirkte und er seine -prophetische Kraft unmittelbar durch die Einwirkung des Verstandes erhielt. Die Erscheinungen und Gesichte, von welchen die Propheten sprachen, welche sie angaben-und beschrieben, nberkamen sie in einem Zustande der Ekstase, in welchem die äußeren Sinne ruheten und untätig waren und ein neuer Sinn erwachte, in welchem alle anderen aufgingen und der alle vereinigte und ' ersetzte. Der Prophet schauet feilte Gesichte nicht auf dem körperlichen Auge. So nennt sich der Seher Bileam „den Mann mit geschlossenem Auge" und hört eine zu ihm sprechende Stimme nicht mit dem körperlichen Ohr. Maimonides nimmt alle Visionen der Propheten als rein subjektive Empfindungen, die aller Objektivität bar sind, oder deren Objekte, wenigstens ihrem Wesen nach, von der Art wie sie der Prophet darstellte, spezifisch verschieden waren. Jedenfalls ist ^der Zustand der Visionäre kein vormaler und naturgemäßer, sondern ein rein magnetischer. Verschiedene Nachrichten. Wien. Am 18. August fanden aus Anlaß des 81. Geburtstages des Kaisers in sämtlichen Synagogen und Bethäusern der Kultusgemeinde und deu Wiener Bethausvereinen feierliche Gottesdienste statt. Wie». Sonntag, den 20. August, ist hier der ehemalige Bassist am Seitenstettentempel, Herr Alois Stwertka, im 70. Lcbensjahre gestorben. Er gehörte noch zu der alten Garde, die unter Meister S u l z e r utld dem unvergeßlichen Chordirigenten Fränkel dem Chorensemble angehörte, und der sonst schweigsame Mann erzählte gerne aus den Erinnerungen jener klangvollen Tage. Er war ein tüchtiger Musiker, bekannt und geschätzt als Kopist musikalischer Arbeiten. Vom „Schir Zivil" hat er tausende von Stimmen und Partituren kopiert und mehrere Chorgeneratiouen haben gewissermaßen aus seiner Hand vom Blatt gelesen. Er war das lebendige Noteuarchiv der Wiener Kultusgemeinde und infolge seiner seltenen Vertrautheit mit dem Wiener Gottesdienste fungierte er auch viele Jahre hindurch als Chorleiter im Seitenstettentempel. In späteren Jahren wurde er in den Leopoldstädter Tempel versetzt, doch losgelöst von dem Boden, aus dem er ausgewachsen, wurde er ein ganz stiller Mann und der uut den Jahren eiutretende Verlust der Stimme setzte seiner Tätigkeit als Qnartettmitglied eine natürliche Grenze. Sein Andenken wird in den Kreisen jener, die ihn kannten, lauge wach bleiben. Ein Sohn des Verblichenen ist -er bekannte Kouzertmeister an der Wiener Hofoper und Profesior au der Akademie für Musik, Herr Julius Stwertka. Wie». Für die Opfer der B r a n d k a ta st r o p h e in Ko nst a n tiuop e l sind bei der israelitischen Allianz zu Wien folgende Spenden eiugegangeu: Jos. I: Le in kau s, k. n. k. Hofspediteur, 300 K, Solomon Tauber in Mistek 25 &, zusammen 325 Iv. Weitere Spenden werden im Bureau der Israel. Allianz zu Wien, II.. Untere Donaustraße Nr. 33. oder durch die Postsparkaffa (Konto Nr. 8.052) dankend entgegengenommeu. Klosterneuburg. Anläßlich des Geburtsfestes unserer erhabenen Monarchen fand am 18. d. unter Anwesenheit des Vorstandes und der Gemeinderepräsentanz ein feierlicher Gottesdienst vor einem distinguierten Publikum statt, worunter auch viele Sommergäste bemerkt wurden. Herr Oberkantor Steiner versah die Funktionen in musterhafter Weise. Mödling Der rührige Vorsteher der israel. Kultusgemeinde Mödling. Herr Ignaz B 6 l a i, veranstaltete am 18. August, um 11 Uhr vormittags, anläßlich des Geburtstages unseres vielgeliebten Kaisers in dem hiesigen Tempel einen feierlichen und erhebenden Dankgottesdienst, der unter reicher Beteiligung der Behörden, darunter der Herr k.k. Bezirkshauptmann Fuchs, mehrerer Staatsbeamten in Galaunlsorm und. einem zahlreichen distinguierten Publikum einen glänzenden Verlauf nahm. Die ganze gottesdienstliche Feier lag in den bewährten Händen des Oberkantors Ignaz F a l k, der uut seinem gesanglichen Vortrag nnd dem von ihm. wohleiustudierteu Chore mit.Harmoniumbegleitung, bestehend ans den Damen Frau Oberingenieur Malva Fischer, Marianne I o k e l, Frl. Irma K n e l l e r, Henriette K a u s m a n n, Gizi Weiß, Gretl Haas, Grete A m st e r, Frieda K n e l l e r, Leopoldine Winterst e i u. Melanie Klug, Else G o l d h a m m e r, Grete Gold- Hammer und Helene Goldha m m e r allgemeine Anerkennung '.fand und erbauende Stimmung hervorrief. Herr Rabbiner Dr. Leo B a r d o w i c z hielt eine von patriotischen Gefühlen getragene und sehrwirkungsvolle Festrede und die Damen Frau Oberingenieur Malva Fischer, Marianne I o k e l, Frl. Irma K u e l l e r und Henriette Kaufmann fanden reiches Lob für ihre schöngebrachten Soli. Allen diesen Dameu der Gesellschaft, die ausschließlich allein den Chor, bildeten, gebührt der Dank für ihre gefällige Unterstützung zu dieser gelungenen patriotischen Feier. Baden. Im Restaurant Guth fand vorigen Donnerstag ein sehr gut besuchter Vortragsabend statt, veranstaltet von dem jugendlichen Wunderkantor Jos.. B a r o n aus Glasgow (Irland), der von einem Pianisten begleitet, hebräisch-deutsche und englische Gesänge in vortrefflicher Weise zu Gehör brachte. Besonders gefielen die Piöcen von Sulz e r- und Skrvta (Warschau). Das Merkwürdigste ist, daß der Künstler erst lO.Jahre zählt und sehr zart.gebaut ist. Biseuz. Am 18. d. M., um ^7 Uhr abends, fand anläßlich des Geburtsfestes. Sr. Majestät des Kaisers in. der hiesigen Synagoge ein feierlicher Gottesdienst, statt, dem ein zahlreiches Publikum beiwohnte. Eingeleitet wurde die'Feier durch das Ma towu, intoniert von Oberkantor L e w i t i .ii, woran sich. eine prächtige von Kantor B l a u u und vom Chore dnrchgesührte Rezitation des 21. Psalmes schloß. Hierauf hielt Herr Rabbiner Dr. Josef Hoff eine schwungvolle, von Patriotismus dnrchglühte Festrede, die mit großem Beifall ausgenommen wurde. Btit den Tönen der Volkshymue endete die schöne Feier, die auf alle Anwesenden erhebend gewirkt hatte. Olmütz. (Wohltätige S t i f t n n g e n.) Der in der verflossenen Woche verstorbene Privatier und Kultnsbeirat Herr Bernard Kauf m a u n hat eine Reihe von Stiftungen hinterlassen, welche für seinen wohltätigen Sinn zeigen, sowie für die Liebe, die ihn für die hiesige Kultusgemeinde und deren Institutionen stets beseelte. So hinterließ er I£ 30.000.— zu Gunsten der Kultusgemeinde Olmütz, X 5000.— für die Stadtgemeinde Olmütz, K 10.000.— für die Kultusgemeinde Kojetein (als Heimatsgemeinde), K 12.500.— für die Kultusgemeinde Proßnitz, u. zw. für das Dr. S. Brecher-Spital, je X 1000.— für den israel. nnd kathol. Frauenverein in Olmütz, X 1000.— der freiwilligen Rettnngsgesellschaft, X 5000.— dem mähr.-jüd. Waisenhilfsvereine in Brünn (welcher Verein eine äußerst humane Wirksamkeit entfaltet und speziell in Olmütz mehrere Waisenkinder mit zirka X 1700.— jährlich unterstützt), Iv 2000.— der Israel. Allianz zu Wien, X 5000.— dem Kaiser Franz Josef-Jubiläums-Hospitz für arme Israeliten in Karlsbad, je X 200.— an mehrere mährische Rabbiner für die Verrichtung, des sog. Rabonim- Kadisch sowie für das Mischnajot-Lernen, X 500.— für die sofortige Verteilung an Arme ohne Unterschied der Konfession am Begräbnistage, in Summa also wurden seitens des Verstorbenen rund X 75.000.— für humanitäre Zwecke gewidmet. So reiche Legate eines Privaten dürften hier wohl noch selten kreiert worden sein. Der Knltusausschnß ehrte das Andenken des Verstorbenen damit, daß in der Plenarsitzung vom 20. August l. I. der einhellige Beschluß gefaßt wurde, während der durch den hiesigen Herrn Rabbiner das Rabonim-Kadisch verrichten, ferner ein volles Jahr hindurch ein Jahrzeitlicht im Tempel brennen zu lassen und durch eine Deputation, bestehend aus den Mitgliedern des Kultuspräsidiums, der Witwe des Verstorbenen das tiefgefühlte Beileid der Gemeinde zu dem herben Verluste ansznsprechen. . . Olmütz. Dienstag, den 15. August, wurde am hiesigen Zentralfried Frau Mina R o s e n h e k, Witwe nach dem verstorbenen bestbekannten Oberkantor Herrn- R o s e n h e k aus Czernowitz, zu Grabe getragen. Die Verstorbene erfreute sich durch ihren biederen Charakter und edlen Wohltätigkeitssinn überall großer Beliebtheit. An der Bahre standen tiefgebeugt ihre Töchter Frau Frieda Igel, die Opernsängerin aus Vrüiin Fräulein Nelly Rohden und der würdige Schwiegersohn Herr N. TJ. Dr. I. I g e l ans Böhmisch-Lieban. Eiu Sohn konnte infolge Krankheit an. dem Leichenbegängnisse nicht teilnehmen. Herzergreifend war die Trauerrede des Herrn Rabbiners Dr. Oppenheimer an die Trauernden, bei welcher kein Auge trocken blieb. Herr Oberkantor Schlesinger, verstärkt durch ein musterhaftes Mäunergnartett, verrichtete mit seiner schönen Tenorstimme einen Teil der Tranergesänge, worauf, über letztwilligen Wunsch dieser edlen Verstorbenen, der Neffe derselben, Herr Oberkantor Löwe n s o h n ans Linz, öa3 „Hazur tomim." mit dem Männergnartett und am Grabe das „Eimole" sehr stimmungsvoll rezitierte. Ung. Oftra. Dienstag den 15. d. M. fand ans Anlaß des Abschiedes unseres hochverehrten Herrn Oberkantors und Religionslehrers Berthold W e iß mandl in der Restauration „Panzer" eine Feier statt. Dem Scheidenden drückte im Namen der hiesigen Kultusgemeinde das Vorstandsmitglied Herr Hermann Frank die vollste Anerkennung für seine 10jährige segensreiche Wirksamkeit in unserer Gemeinde aus. Im Namen der-Volks- und Bürgerschule sprachen die Schülerinnen Amalie Frank und Helene Czech und überreichten ihrem hochgeehrten Herrn Lehrer Blumengewinde. Im Namen der zionistischen Jugend sprach Herr stuck, zur. S. B r a u n und überreichte ihm ein Ehrenband. Für die politische Gemeinde sprach Herr Bürgermeister S. Adler, welcher nicht nur im Namen der politischen Gemeinde, sondern auch der k. k. Bezirkshauptmannschaft den scheidenden Sekretär für seine gewissenhafte Pflichterfüllung den wärmsten Dank aussprach. Tief gerührt antwortete der Herr Oberkantor B. W e i ß m a n dl für die ihn erwiesenen Ehren und versicherte, daß er nur ungern dem Rufe einer größeren Gemeinde Folge leistet. Mit einem satyrischen Vortrag des Paul O d l e r endete der offizielle Teil des Abends. Karlstadt (Kroatien). Anläßlich des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers fand hier ein feierlicher Gottesdienst statt, dem sämtliche Zivil- und Militärbehörden beiwohnten. Den Gottesdienst versah Herr Oberkantor David Meise! mit Chor und Orgelbegleitung. Bnkovar. Zur Richtigstellung und Ergänzung der in voriger Nummer dieses Blattes veröffentlichten Notiz über, das 50jähr. Jubiläum des., hiesigen Fratzenvereines sei noch ' mitgeteilt, daß unser Oberkantor Adolf Schwarcz heißt und daß nach dem Festgottesdienste sämtliche Vereine und Korporationen der Präsidentin Frau Dr. Emma Stern eine Ovation in ihrer Wohnung bereiteten. Die Vizepräsidentin Frau Berta Obersohn überreichte eine herrliche Adresse, wobei die Vereinskassierin Frau Mina Schw arz eine. herzliche Ansprache an die gefeierte Präsidentin Hielt. Dem Oberkantor Schw.arcz wurde für das äußerst gelungene musikalische Arrangement der Jubelfeier besondere Anerkennung ausgesprochen. ...

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