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Die Wahrheit · 1911-08-25 · Heft 33 (25.8.1911) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 33 (25.8.1911)
Date
1911-08-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Die Wahrheit Nr. 33. ausschuß, wenn sie wenigstens vier Delegierte zählen':. Die übrigen Landsmannschaften und diejenigen Delegierten, welche keiner Landsmannschaft oder Fraktion angehören, wählen in einer gemeinschaftlichen Sitzung für je 10 Mitglieder einen Vertreter in den Permanenzausschuß. Ein Ueberschuß von mindestens vier Delegierten über 10, 20 usw. berechtigt zur Wahl eines weiteren Vertreters." Der Antrag wurde in dieser Fassung einstimmig angenommen und hierauf um 2 Uhr nachmittags die Sitzung geschlossen. * * * Um 4 Uhr nachmittags wird die Sitzung unter Vorsitz des Dr. Marm or ek wieder eröffnet und zunächst der Rest der Geschäftsordnung nach den Anträgen der Kommission angenommen. Hierauf erhält der Referent der Emigratiouskommission Dr. M o tz 1 i n das Wort. Er stellt namens derselben folgende Anträge: „Der Zionismus beharrt auf seinem Standpunkt, daß die Lösung der Judenfrage nur in der territorialistischen Konzentration in Palästina enthalten ist. Dieser Aufgabe hat er sich in erster Linie'zu widmen. In Anbetracht der immer wachsenden jüdischen Auswanderuugsnot schließt sich der Zionismus allen Bestrebungen nach Gesamtorganisation und Demokratisierung der Auswaudernngshilfe an. Er vertritt die Ansicht, daß es eine Reihe produktiver Anregungen und wichtigerer Normen auf dem .Gebiet des Auswauderungswesens. gibt, die nur infolge eines Meinungsaustausches und einer Koordinierung der verschiedenartigsten Elemente zutage gefördert werden können. Der Zionistenkongreß begrüßt darum mit Freuden die Idee des Emigrationskongresfes und mahnt alle Elemente im Judentum zu einer Beteiligung am Kongresse. Der Zionistenkongreß fordert das künftige A. G. auf, auf einem Emigrationskongreß, der Gewähr dafür bietet, daß an ihm große Organisationen, jüdische Gemeinden usw. sich beteiligen, auf jeden Fall als zionistische Organisation sich vertretein zu lassen. Unsere Parolen sollen dabei fein: a) Allgemeine Organisierung und Regelung der jüdischen Auswanderung, b) Erforschung aller Arbeitsmöglichkeiten im Orient und möglichste Ablenkung des Auswauderungsstromes nach dem Orient." ‘ Delegierter Trietf ch, der in der Kommission einen Sonderstandpnnkt vertreten-hat, stellt folgenden Antrag: „Der Kongreß beschließt die Schaffung eines zionistischen Emigrationsamtes mit dem Sitze in Berlin und mit folgenden Zwecken: 1. Sammlung informativer Materialien über alle Möglichkeiten jüdischer Einwanderung nach Palästina und anderen (vorzugsweise den nächstgelegenen) Gebieten des osmanischen Reiches. 2. Verbreitung dieser Informationen. 3. Realisierung (resp. Beihilfe der Realisierung) der 'gefundenen Möglichkeiten." Nach kurzer Debatte wird der Antrag Motzkin angenommen, der Antrag Trietfch abgelehut. Sodann wird in die Beratung des Budget 1911/12 eingegangen und dasselbe gemäß den Vorschlägen der Kommission en bloc angenommen. * Die Schlußsitzung, die nach kurzer Pause um 9 Uhr abends beginnt, hat noch die K ul turfrage und die W a h l der Leitung zu erledigen. Dr. Syrkyn beantragt namens der Kulturkommission folgende Resolutionen: I. Der X. Zionistenkongreß fordert das E. A. C. ans, die Kulturarbeit in Palästina und im Orient zu organisieren und zu zentralisieren. II. Der X. Zionistenkongreß gibt seinen Willen kund, daß in keiner der von der zionistischen Organisation geschaffenen Institutionen für Kulturarbeit irgend etwas unternommen werden darf, was der jüdischen Religion zuwiderläuft. IH. Der Kongreß erklärt die Kulturarbeit in den Ländern der Diaspora für eine autonome Angelegenheit der einzelnen Landesorganifationen und Föderationen' er legt jedoch jedem Zionisten und allen Landesorganisationen und Föderationen die Pflicht auf, für die Förderung und Verbreitung jüdisch-nationaler Kultur.auf allen Gebieten jüdischen Schaffens und Volkslebens zu wirken. Nach Ablehnung des Antrages Dr. Deich e s, „die Knlturfrage auf den nächsten Kongreß zu verschieben", sowie des namens des Misrachi von Hermann Struck gestellten Antrages, „die Kulturresolution ohne Debatte dem A. G. zur weiteren Prüfung zu überweisen", wird über die Resolution satzweise abgestimmt und dieselbe mit allen Stimmen gegen die Stimmen des Misrachi angenommen. Die Misrachisten verließen hierauf den Saal. Um 10 Uhr wird zu den Wahlen geschritten. Beide Listen des Permanenzansschnsses werden en bloc angenommen. - In das Große A k t i o n s - K o m i t e e sind gewählt: Wolfssohn, Bodenheim er. Böbm, Fischer, Friedemann, Boris Goldberg, Halpern, Dr. Hausmann, Jdelsohn, Jakobus Kann, Keßler, Dr. Klee, Krementzki, Marmorek, Motzkin, Neiditz, Podlis ch e w s k i, Dr. R o s e n b a u m, Mensk, R o s o w, Petersburg, Dr. Julius S im ou, , Mannheim, Stand, Ts ch l e n o w, U s s i s ch k in und Weizm an n. In das Engere A. C. — die eigentliche Leitung — werden gewählt: Prof. Marburg, Dr. Hantle, Dr. Jakobsohn, Schemarjah Lewin und Nachnm So ko low. Es folgen Schlußreden der Herren Marburg, T s ch l eil o w, Ussischkin und B o d e n h e i m e r, worauf gegen 11 Uhr nachts der Kongreß geschlossen, wird. Eine Ritnalmordhetze in Unmiinien. Wie politischer Machthunger, der-die niedrigsten Instinkte in Bewegung setzt, die Judenhetze als beliebtes Mittel benützt, um persönlichen Ehrgeiz befriedigen zu können, das zeigt die kürzlich ganz nach russischem Muster auch in Rumänien inszenierte Ritualmordhetze, die in der letzten. „Sonn- und Montags-? Zeitung" folgende Darstellung findet: Ein in der Hauptstadt dieses „Knlturstaates", welcher, wie Carmen Sylva in einer ihrer verblüffendsten Mürchendichtnngen zur Reinwaschnng der blutigen Vergangenheit dieses Staates erklärte, keine — Judenverfolgungen kennt, erscheinendes Blatt „Viitorul" brachte einen detaillierten Bericht über einen „Ritualmord", den ein dortiger jüdischer Kaufmann namens Finkelstein an einem kleinen Knaben eines in Bukarest wohnhaften Reichsdeutschen begangen haben soll. Das genannte Blatt erzählt hierin seinen Lesern, daß „der Jude Finkelstein den christlichen Knaben Pace in sein Haus gelockt, ihm Blut abgezapst, um es zu rituellen Zwecken zu-verwenden". Wir würden den frechen Ausstreuungen dieses Blattes keine Beachtung widmen, wenn uns nicht ein nicht außer acht zu lassendes Moment zwingen würde. Es ist dies die bedeutsame Tatsache, daß der, obzitierte „Viitorul" das Leibblatt des gewesenen. Ministerpräsidenten B r a t i a n o ist, der bekanntlich durch eine Intrige den alten Staatsmann Demeter Stourdza in ein Irrenhaus sperren ließ, dadurch sich selbst ans den Posten eines Parteichefs vorschob und durch bestellte und bezahlte Bauernrevolten sowie unverhnllte Drohungen gegen die königliche Dynastie seine Ernennung zum. Ministerpräsidenten vom König erzwang. Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß dieser Mann, dem vom Blatte „Adeverul" und dessen Herausgeber Herrn Konst. Mille die schlimmsten Dinge, schwere Delikte, darunter auch wissentlicher Betrug, nachgewiesen wurden, sich „liberal" nennt —- lucus a non lucendo — und daß die Partei, an. deren Spitze er steht, offiziell den Namen „liberale Partei" führt. Es klingt wie bitterer Hohn auf das Wort „liberal", wenn sich, auch das Blatt „Viitorul" als „liberales" Blatt bezeichnet und als",,Organ der liberalen Partei" sich nicht schämt, durch lächerliche Ammenmärchen die blutrünstige Hetze gegen wehrlose. Menschen in Szene zu setzen. Die Beweggründe diesen verleumderischen Kampagne sind unschwer zu erraten. Heißer Machthunger des sattsam bekannten Bojaren Brat i an o und seiner Genossen ist. das Leitmotiv diesen niedrigen Hetze und die Soldschreiber vom „Viitorul" haben.

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