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Die Wahrheit · 1911-08-25 · Heft 33 (25.8.1911) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 33 (25.8.1911)
Date
1911-08-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 33. Die Wahrheit Seite 5. Weib und Kindern und spielt den „Balboß." Ich frage nun, ob denn die Armenkassen jeden ohne Ausnahme unterstützen müssen und ob es nicht ratsamer wäre, junge Professionisten abzuweisen, um nicht diese Art von Bettlern zu züchten, die ans Kosten der jüdischen Wohltätigkeit ihr Leben fristen. Zwei junge Leute, die in der Schweiz hausierten, erfuhren, daß die Schweizer Inden freigebig sind und sie ließen den Hausiererwerb fahren und leben „wie Gott in Frankreich." Wenn also eine Aktion gegen den Wanderbettel unternommen werden sollte, so müßte man diese Gruppe am meisten kontrollieren. Diejenigen, die da für Abbrändler und Ueberschwemmte sammeln gehen, müßten unbedingt beglaubigte Schriften vorzeigen und auch da wäre es noch immer besser, den Betrag lieber zu Händen der betreffenden Gemeinde einznsenden. Natürlich ist man meist nicht in der Stimmung und hat auch nicht die Zeit dazu, sich von der Richtigkeit der Angaben zn überzengen und gibt lieber ein Almosen, um den Betreffenden-los zu werden und nicht Zeit zn verlieren. Das missen die meisten sehr gut und nützen es aus und darum wäre es Sache aller Kultnsgemeinden, durch geeignete Personen in jedem Falle die nötigen Schritte unternehmen zn lassen, um hier einmal eine Remednr zn schaffen. Und nochmals muß ich betonen, daß nur die jüngeren Wanderbettler eine besondere Aufmerksamkeit verdienen. Die Frauen, die die dritte Gruppe bilden, beteiligen sich zum geringeren Teil am Wanderbettel. Sie bleiben meist in der Heimatgemeinde oder konzentrieren sich in den großen Städten, wo sie. wie z. B. in Wien, an jedem Freitag von Geschäft zn Geschäft wandern und einen oder zwei Heller erhalten. Daun pflegen sie auch bei Hochzeiten und Leichenzügen mit den Kindern solange zu stehen, bis sie beachtet werden. Seit den Pogromen findet man auch russische Weiber mit Kindern in den Gemeinden an. Sie schlagen sich meist bis Trieft durch, wo sie von Agenten nach Amerika befördert werden, wohin ihre Männer schon früher reisten. Das sind also nur vorübergehende Erscheinungen, die wie ein Elementarereignis wirken und keine dauernde, oder stets wiederkehrende Plage bilden. Die Einberufung der EnqnZte war ein glücklicher Gedanke und beweist nur, daß die maßgebenden Kreise die Schädlichkeit des unberechtigten Bettelns erkannt haben. Und nun müßten auch die nötigen Maßnahmen ergriffen werden, um diesem systematischen Unfug einen Riegel vorzuschieben. Vor allem müßte eine Z e n t r a l k o m m i s s i o n in Wien gewählt werden, die an 'alle Kultnsgemeinden mit der Bitte herantreten sollte, alljährlich die Wahrnehmungen, die Anzahl, die Ausgaben betreffs des Wanderbettels anzugeben. Besonders berüchtigte Individuen müßten — wie es ja auch zum Teil geschieht — in den Zeitungen mit voller Beschreibung und womöglich mit Namen veröffentlicht werden. Die Kultnsgemeinden hätten die Pflicht, ihre Mitglieder vor solchen Schädlingen zn warnen. Es geben sich Leute als Sammler' ans und zeigen auch Listen vor mit gefälschter Stampiglie. Solche müssen natürlich angezeigt werden. Wer befugt ist, muß sich gehörig legitimieren können. Private tun gut, sich in einem solchen Falle an ihre Gemeindevertretung um Auskunft zu wenden. Ueberhaupt wäre es in den kleineren Gemeinden am angezeigtesten, die Wanderbettler mit einem entsprechenden Betrag aus der Armenkasse zu versehen, ihnen den Besuch der einzelnen Häuser zu untersagen und sie nötigenfalls auch uuuachsichtlich .anzuzeigen. Die Gemeindemitglieder mußten sich ihrerseits verpflichten, der Gemeinde e inen j ä h r l i ch e n k l e i n e n B ei trag zur Armenkasse zu leisten, wodurch sie von dem Besuch unzähliger Armer befreit würden. Allerdings müßte man allen mit einer kleinen Variante zurnfen: Juden werdet hart! > ' Wo die Gemeinde in genügender Weise sorgt und die Leute richtig zu befriedigen und zu beurteilen weiß, sollen die Gemeindemitglieder nicht unnötigerweise den Leichtsinn unterstützen. — Würdige und Dürftige zu unterstützen ist ja schließlich ein jüdisches Gebot — aber die jüdische Schande soll aus der Welt geschafft werden. A. H. L. Der feljnte Ziornsterr-Kongretz. (Schluß.) Die Knlturdebatte, die Sonntag bis spät in die Nacht währte, gestaltete sich 311 einem Kulturkampf zwischen Misrachisten und Poale-Zioniften. Da man zn keiner Einigung über die vorliegenden Anträge gelangen konnte, wurde beschlossen, eine Kommission einzusetzen, in welcher die Unterhandlungen betreffs eines einheitlichen Antrages fortgesetzt werden sollen. * * In der Montag-Vormittagsitznng erstattete zunächst Frl. Prof. Schach das Referat über „Franenarbeit im Zionismus". Ihre Resolution: „Der Kongreß hält die Zusammenfassung der zionistischen Frauenvereine und die Errichtung einer offlziellen Zentralstelle für Frauenarbeit für dringend wünschenswert", wird einstimmig angenommen. Hierauf wird in die Beratung über das neue Organis a t i 0 n s st a t u t eingegangen. Der Referent der Orgauisatiouskommission, Dr. Emil Margulies. bespricht die verschiedenen Versuche einer Verbesserung des Statutes und behandelt die Frage der Landesorganisationen und S 0 n d e r v e r b ä n d e. Das leitende Organ der Bewegung soll ein Kollegium von 5 oder 7 Mitgliedern bilden, deren Mehrzahl an demselben Orte wohnen soll. Dieses Organ soll einem Aktionskomitee von 25 Mitgliedern verantwortlich sein. Diese Mitglieder sollen die Möglichkeit haben, öfters zwecks Beratung.zusammenzukommen, und ein Zentralkomitee, ans Vertretern aller Landesorganisationen bestehend, soll einmal im Jahre zusammentreten. Nach längerer Diskussion wird der Organisationsentwnrs mit einigen Aenderungen en bloc angenommen. * * * Dienstag vormittag erstattete Referent Dr. Hausmann den Bericht der P a l ä st i n a k 0 m m i s s i 0 n. Die Kommission wünscht 1. beit Argwohn der türkischen Regierung nnd der Araber durch praktische friedliche Arbeit zu widerlegen, 2. eine bessere Ausbildung der jüdischen Frauen in Palästina für den Kolonistenberuf anzustreben, 3. für Ansiedlung Nicht- oder Minderbemittelter zu sorgen, 4. das hebräische Wörterbuch des Ben Jehnda, ebenso die Kultur- und Schulanstalten in Palästina, besonders das Gymnasium in Jaffa zu unterstützen. Nach kurzer Diskussion, in deren Verlauf Dr. Benderski von der Gründung einer zionistischen Aerztekommissivn zur Hebung des Sanitätswesens in Palästina Mitteilung macht und Dr. Möller im Namen des Misrachi gegen die verfrühten nnd unberechtigterweise gefaßten Kultnrbeschlüsse der Kommission protestiert, werden die Anträge der Kommission angenommen. Bei der hierauf folgenden Beratung über den Entwurf der G e s ch ä f t s 0 r d n n n g des Kongresses (Referent Dr. Margulies) werden die Bestimmungen über die Znsammeusetznug des Permanenzausschusses von den Wortführern der kleineren Landsmannschaften bekämpft. Dr. Marmorek für Frankreich, Dr. F r a n z i e - B e r e n st e i n für »Holland, Dr. Ravenna für Italien (in italienischer Sprache), Dr. Fl o r en tin für die Türkei (französisch), Dr. Ferb stein für Ungarn, Jean Fischer und Herz für Belgien protestieren gegen die Fassung des Antrages der Kommission, da hierdurch die kleinen Landsmannschaften im Permanenzansschusse ohne Vertreter bleiben würden. Präsident Wolffsohn trat ebenfalls für die kleinen Landsmannschaften ein. Nach Schluß der Debatte schlug der Referent Dr. Margulies folgende Fassung über den Permanenzansschnß vor: „Zur Vorbereitung der vom Kongreß vorzuuehmenden Wahlen mit Ausnahme des Kongreß-Präsidiums wird vom Kongreß ein Permanenzansschnß gebildet. Der Permanenzausschuß hat sich vor Beginn der zweiten Sitzung zn konstituieren. Er besteht ans den Vertretern der Landsmannschaften, bezw. Sonderverbandsdelegationen und Fraktionen, die das Recht haben, für je zehn Mitglieder einen Vertreterin den Ausschuß zu entsenden. Diejenigen Landsmannschaften, welche die Zahl von zehn Delegierten nicht erreichen, habendas Recht der Entsendung eines Vertreters in den Permanenz-

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