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Die Wahrheit · 1911-08-18 · Heft 32 (18.8.1911) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 32 (18.8.1911)
Date
1911-08-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Die Wavrdell Sette 10. Nr.. 32, ein rechter Mann fei, und Wag)ier versprach ihm als Dank, daß Hornstein durch seine Hilfe ihm dann sehr nahe treten würde, so nahe, daß der große Mann sich bereilfinden würde, uns einem seiner Güter im nächsten Sommer zn lagern. Uebrigens ließ Wagner mit sich handeln; mit 6000 Frcs. wäre ihm zunächst schon geholfen, die fehlenden 4000 Frcs. wären erst im März fällig. Hornstein erzählt in seinen Memoiren, daß er wegen der hohen Snmme und des Tons des Briefes abgelehnt hätte: „Noch leichter wurde es mir gemacht, weil ich wußte, daß man es hier mit einem Faß ohne Boden zu tun hatte, daß 10000 Frauken für mich sehr viel, für ihn gar nichts sind. Ich wußte, daß Napoleon, die Fürstin Metternich, Morny und Erlanger Haare gelassen hatten, große Summen, die Tropfen auf' heißen Stein waren. 10000 Franken waren keine Unterstützung, welche ihn dem Schaffen erhielt." Vor allem mußte Hornstein die Wendung verletzen, daß er Wagner nach der Hilfe sehr nahetreten würde. „War ich ihm nicht uahegetreteu, bevor ich ihm Geld gab? Hatte der intime Umgang mit mir am Genfer See, aus Selisberg, in Zürich nur den Zweck, den Pump vorzubereiten, der nach dem Tobe meines Vaters in Aussicht stand?" Hornstein lehnte also ab, er sei nicht so reich, und aus einen längeren Besuch sei er nicht eingerichtet. Die Antwort Wagners fiel — königlich aus. Sie hebt an: „Ich glaubte Unrecht zu tun, eine Antwort, wie Sie mir sie geben, uugerü gt zu lassen. Wird sich auch wohl schwerlich der Fall ereignen, daß ein Mann Meinesgleichen sich wieder au Sie wendet, so-dürste Ihnen doch das In ne werden der U n z i e m l i ch k e i t I h r e r Z e i l e u schon an und für sich gut tun." Dann belehrte ihn Wagner, was man ihm schuldig sei: „Wenn Sie auf keinem Ihrer Güter eingerichtet sind, mich zu empfangen, so hatten Sie die von mir Ihnen g eb o t ene a us ze i ch n en d e Gelegenheit zu ergreifen, sofort da, wo ich es wünschte, das Nötige Herrichten zu lassen." Das war das Ende der Freundschaft und so ist es gekommen, daß Hornstein in Wagners, Memoiren nicht als ein begabter Musiker, sondern als ein lächerlicher Tölpel erscheint. Die „M ü n ch e n e r P o st," der wir diesen Auszug ans den . Briefen Wagners an Hornstein entnehmen, glaubt noch auf eine frappante Aehnlichkeit zwischen Richard Wagner und seinem königlichen Freunde Ludwig H. auf dem Gebiete des Wahns Hinweisen zu sollen. In dem vor 25 Jahren erstatteten Gutachten des Professors Grashey über die Wahnvorstellungen des. verstorbenen Königs von Bayern hieß es u. a.: „Der Kranke beginne, die ganze Welt in zwei Gruppen, eine freundliche und eine feindliche, zu sondern. Was seinen Wahn fördert, werde begünstigt, was ihn nicht fördert, zurückgestoßen." Hierzu bemerkt das Münchener Blatt: „Die seelische Aehnlichkeit zwischen Wagner und seinem königlichen Freunde auf dem Felde des Wahns ist unverkennbar, nur daß der Wahn des einen in dem Gesamtkunstwerk, der des anderen in ausschweifenden Bauten bestand. Aber in Ludwig H. war ein an sich u i ch t u n e b 1 e r Geist z e r st ö r t, w ährend int Falle Richard Wagners ein niedriger Charakter mit dem Wunder des Genies begnadet war. Die widerwärtigen Aeußernugen, in denen sich auch das künstlerische Gottesgnadentnm gefällt, finden sich fast auf jeder Seite der Lebenseriunerungen Wagners. Wie sehr 'er dabei von der vorgetäuschten „schmucklosen Wahrhaftigkeit" abwich, konnte man fühlen und vermuten. Daß aber die Unsauberkeit der Gesinnung so kraß und hemmungslos hervorsprndelte, wie das jetzt au einem Beispiel nachgewiesen ist, mochte mau trotz allem sich nicht vorstellen." - Verschiedene Nachrichten. Wien. Anläßlich des 81. Geburtstages Sr.. Majestät unseres Kaisers, findet an, Freitag, den 18. d. M., */27 Uhr abenb§,/ein Festgottesdienst im Kaiser Franz Josef-Regierungs-Jubiläums-Tempel, Y.j Siebeubrunnengaste 1, statt. Wien. Anläßlich des 81. Geburtstages Sr. Majestät unseres Kaisers wird am Freitag, den 18. d. M., ^7 Uhr abends, im Josefstädter Tempel, YHL, Neudeggergasse 12, ein feierlicher Gottesdienst ab-- gehalten. " Wien. Der Bethaus- und Unterstützungs-Verein „Bene Brith"' veranstaltet in seinem Bethauslokale, XX., Kärajangasse 24, Freitag, den 18. d. M., um 7 Uhr abends, anläßlich des Geburtstages unseres geliebten Kaisers eine feierliche Andacht, zu der alle Mitglieder auf diesem Wege .eingeladen werden. Gäste willkommen. Wien. Dienstag, den 29. August d. I., begeht der Präsident deo Wiener israel. Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern seinen 80.. Geburtstag. Ans diesem Anlasse wird ihm sicher eine große Anzahl von Körperschaften, Deputationen, Einzelpersonen ihre Glückwünsche entgegenbringen. Der Empfang in Baden, Bergstraße 74, an deni genannten Tage findet in der Zeit vom 11 bis 1 Uhr statt und dürfte sich empfehlen) daß. jene Persönlichkeiten oder Korporationen, welche näheres zu wissen wünschen, sich mit dem ' Unterzeichneten Sekretär der Knltusgemeiude ins Einvernehmen setzen-. Dr. Theodor Lieben, Wien, I., Seitenstettengaffe 4, 3. St. Baden. Ein gar seltener Fall ist es, wenn anläßlich der Feier einer- Barmizwa die beiderseitigen Großeltern des'Konfirmanden zugegen sind, wie "es am jüngsten Sabbat der Fall war. Es feierte nämlich der Gymnasialschüler Gustav LöWinker, Sohn des Privatbeamten Herrn Josef L ö w i n g e r aus D.-Szerdahely, hier seine Barmizwa und nach wirkungsvoller Rezitation der Haftora aus der xrittlDn njDtf hielt Herr Rabbiner' Reich eine-geistvolle Ansprache. Krakau. Im Dorfe Ir s i a w i tz a bei P r z e w o r s k drangen des- Morgens mehrere mit Knütteln und Stöcken bewaffnete Bauern in has- Haus des dortigen jüdischen Greislers Ben Kelter, demolierten die gesamte Einrichtung, warfen die Waren durchs Fenster hinaus Und fchleppteir den Greisler und dessen Frau, die sich im Keller versteckt hatten, auf die Straße, wo sie von der ihrer harrenden aufgeregten Bauernschaft blutig geschlagen wurden. Die Gendamerie nahm mehrere Verhaftungen vor.- Wie festgestellt wurde, kam es zu diesen bedauerlichen Ausschreitungen infolge einer angeblichen Ritualmordaffaire, von welcher ein zwölfjähriges Bauernmädchen zu erzählen wußte und deren Angaben bei der Bauernschaft des Dorfes Glauben fanden. Das Bauernmädchen erzählte nämlich,., daß es in aller Früh in den Greislerladen des Inden Ben Kelter getreten^ um Einkäufe zu machen. Sie habe mit eigenen Augen gesehen, wie der Greisler im anstoßenden Nebenzimmer einem auf dem Tische anscheinend leblos liegendem, kaum zweijährigen Banernkinde Blut aus der rechtem Halsseite abzapfte. Diese Erzählung verbreitete sich wie ein Lauffeuer durch' das ganze Dorf. Die aufgeregte Bauernschaft rottete sich zusammen, von den entlegentsten Dorfenden kamen die Bauern mit Weib und Kind 0017 das Haus des Greislers Ben Kelter, und als dieser schließlich aus Furcht vor der drohenden Haltung der Menge seinen Laden sperrte, fand das- Blutmärchen immer stärkeren Glauben, und führte schließlich zu den erwähnten Exzeßen. Eine Untersuchung wurde eingeleitet. 1 Budapest. Der bekannte Chirurg Professor Dr. Jonas Baron ist am 16. d. M. plötzlich gestorbrn. Baron erledigte noch vormittag seine- Ordination. Vor dem Mittagessen stürzte er plötzlich bewußtlos zusammen und war bald nachher tot. Baron, der im Jahre 1845 geboren war und seine Studien an der Wiener Universität absolvierte, bekleidete seit 37 Jahren die Stelle eines Primarius am israelitischen Spital. Unerschöpflich im Erzählen von Anekdoten, welche zu Hunderten von ihm kursieren, war Baron einer der witzigsten Köpfe. Er besaß eine der größten Privatbibliotheken der Welt, beherrschte alle europäischen Sprachen, schrieb Altgriechisch ebenso wie jede moderne Sprache und staud auch im Rufe eines hervorragenden Mathematikers, deffen Arbeiten in Fachkreisen stark bewertet wurden- Bnkowar. (Fünfzigjähriges Jub i l ä um des ' i i r. F r a u e n v erein e s.) Das schöne, mit Palmen und Blattpflanzen herrlich geschmückte israelitische Gotteshaus war Dienstag, den 15. d. M-, vormittags 11 Uhr. der Schauplatz einer erhebenden Feier. D-r Israeli-' tische Frauenverein veranstaltete anläßlich der 60. Wende seines Bestehens einen solennen Dankgottesdienst, an welchem alle besseren Kreise unserer' Stadt, ohne Unterschied des Glaubens und der Nationalität, teilnahmen. Der gesangliche Teil des Gottesdienstes wurde von Oberkantor W e i fi. mit Orchester und einem mächtigen Chor vollzogen, der von stimmlich begabten Damen und Herren gebildet wurde. Oberrabbiner Dr. Julius- Diamant, der anläßlich des denkwürdigen Tages eine gediegene Festschrift herausgegeben hat, hieit eine eindrucksvolle Festrede. Der jubilierende Verein, an dessen Spitze Fran Dr. Moritz. S t e r n steht, erhielt von nah- und fern zahlreiche Glückwünsche. Berlin. (O r i e n t K 0 l 0 n i s a t i 0 n s - G e s e l l s ch a f t.) Dasvon der Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation vorbereitetekommerzielle Bodenkauf- und Agrarkredit-Institut ist soeben unter dem Namen „Th« Orient Oolonising Company, Limidet“ gemäß dem Gesetz über die Kompagnien. (Consolidation Act 1908) in das Register der englischen Kompagnien eingetragen worden. Das Nominalkapital der 0.6.0beträgt L 50.000; der statutengemäß zur Konstituierung der Gesellschaft erforderliche Teil des Kapitals ist gezeichnet. Der Verwaltnngsrot wird sich ans Mitgliedern der Zentrale und des Londoner Komitees der A.J.K.O.. sowie aus Vertretern von Landerwerbsgruppen, die mit der 0:0.0. zu kooptieren gedenken, zusammensetzen. Die Orient Oolonising Company/ Ltd. wird sich ausschließlich im Orient (Türkei und Nordägypten) betätigen. Das eingetragene Bureau der 0.0.0. befindet sich in London, City^ 119 London Wall.

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