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Die Wahrheit · 1911-08-18 · Heft 32 (18.8.1911) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 32 (18.8.1911)
Date
1911-08-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Die Wahrheit. Seite Nr. 32. 's o h n dafür, daß er uns das große Erbe Herzls nicht nur -erhalten, sondern auch gemehrt hat. * * - . * Freitag Vormittag und Nachmittag wurde der Bericht liber den Nationalfoud durch Dr. M. I. B o d e n h e i m e r und der Bankbericht durch Dr. N. K a tz e n e l s o h n erstattet. Im-Laufe der Debatte wurde seitens der Misrachisten herber Tadel darüber allsgesprochen, daß Arbeiter und Beamte -auf den Besitzungen des Nationalfondes sich über religiöse Vorschriften hinwegsetzen, insbesondere den Sabbat und die Feiertage entweihen und Delegierter S t r n ck beantragte, daß das 'Direktorium des Nationalfondes dazu verhalten werde, dafür Sorge zu tragen, daß in der Leitung und Verwaltung der Mationalfond-Besitztümer die jüdischen Gebote respektiert werden, hierüber entwickelte sich eine überaus erregte Diskussion. Doktor 'T hon tritt den Behauptungen des Delegierten S t r u ck ent- .gegen, indem er dieselben als unrichtig bezeichnet, andererseits wendet sich der Delegierte Z u ck e r m a u n, als Vertreter der -Paale Zion, gegen den Klerikalismus der Misrachisten und ruft aus: „Freiheit der Religion! Jeder Zionist muß ein Recht haben, religiös zu leben, wie er will, und so, wie er es für richtig hält!" (Stürmischer Beifall, Unruhe bei den Misrachisten.) Nach beruhigenden Erklärungen des Kongreßvorsitzenden -und des Dr. B o d e n h e i m e r als Direktor des Nationalfondes zog S t r u ck seinen Antrag zurück und es wilrde folgender Antrag angenommen: „Der Kongreß spricht Dr. B o d e n h e i m e r für seine Arbeit für den Nationalfoud den wärmsten Dank ans." * . . * Sonntag vormittag beschäftigte sich der Kongreß mit der 'Emigrationsfrage. Das Referat erstattete Dr. K a tz e n e l s o h n, der am Schlüsse seiner. Anssührnngen folgende Resolution beantragte: „Der X. Zionistenkongreß konstatiert, daß die bisherigen Versuche zur Regelung der jüdischen Emigration bei weitem ungenügend und nicht einheitlich sind. Er appelliert in erster .Linie an das jüdische Volk und an die Organisationen, die sich an diesem Werke betätigen, um eine großzügige einheitliche Organisationsarbeit, die dem Ernst der Frage entspricht, zu inaugurieren. Der Kongreß fordert insbesondere von den Zionisten und den zionistischen Organen: 1. Eine ernste Mitwirkung an dieser wichtigen Gegeu- . wartsarbeit und Erhaltung des Auswandererelements für das nationale Judentum. 2. Eine Förderung der Emigration nach dem nahen Orient, insbesondere nach Palästina und Syrien." Ein zweites Referat erstattete Leo Motz kin, der zu folgenden Schlnßfordernngen gelaugte: Der Zionistenkongreß fordert das künftige A.-C. aus, falls ei» Emigrationskongreß Zustandekommen sollte, der Gewähr ' dafür bietet, daß an ihm große Organisationen, jüdische Gemeinden usw. sich beteiligen werden, ans jeden Fall als zionistische Organisation sich vertreten zu lassen. Unsere Parolen sollen dabei sein: a) Allgemein-jüdische Organisierung und Regelung der Auswanderung. b) Konzentration, nicht Zerstreuung. c) Ausforschung aller Arbeitsmöglichkeiten im Orient. ' Delegierter Trietsch beantragt' die Schaffung eines Emigrationskomitees in Berlin, zu dem Zwecke, die Emigration nach Palästina und anderen Gebieten des osmanischen Reiches LN fördern. Nach längerer Debatte wird die Resolution Katzenelsohn angenommen, der Antrag Trietsch einer Kommission überwiesen. * * In der Nach mittags sitzung erstattete Herr Sokolow das Referat über die hebräische Sprache. Er stellt eine Reihe von Thesen auf, um durch pädagogisch kulturelle Arbeit die Renaissance der hebräischen Sprache in Palästina und außerhalb Palästinas herbeiznführen. Zn diesem Behufe stellt er den Antrag: „Der Kongreß möge die Initiative ergreifen zur Gründung eines allgemein hebräischen Sprachvereines und einer Sprachakademie." Das Referat und die darauffolgende Debatte wurden zumeist in hebräischer Sprache gehalten. Namens der Misrachi schlägt Delegierter Berlin folgende Resolution vor: „Der Kongreß macht es zur Pflicht aller Zionisten, für die hebräische Sprache und alte und neue Literatur zu wirken. Diese Arbeit soll von den Föderationen nach ihren Anschauungen geleistet werden, die darüber dem Kongreß berichten." (Schluß des Berichtes in nächster Nummer.) Josef Israels. Der weltberühmte jüdische Maler Josef Israels ist Samstag, den 12. d. in Haag gestorben. Mit dem Tode Israels ist einer der genialsten Künstler der Gegenwart heimgegaugeu. Israels, der von der ganzen Welt verehrt und anerkannt wurde, war ein rrener Sohn des jüdischen Volkes. Josef Israels, geboren am 27. Januar 1824 in Groningen in Hollaild, bildete sich unter Krusemann in Amsterdam und Picot in Paris ans und wählte dann Haag zum dauernden Aufenthalt. Während er sich anfangs für die Historienmalerei bestimnit glaubte, wandte er. .sich später der Genremalerei zu. Auf diesem Gebiete war es ihm beschieden, die höchsten Zinnen der Kunst zu erklimmen. Bis in sein hohes Alter war Israels unausgesetzt schöpferisch tätig, nnd es verging kein Jahr wo er nicht die Welt mit einem neuen Kunstwerk überraschte. Seine Hauptwerke sind: „Wilhelm von Oranien", „Die erwarteten Fischerboote", „Allein in der Welt". „Ein Sohn des alten Volkes", „Auf den Dünen", „Frauenlos". Aber mir dieser Aufzählung sind seine hervorragendsten Gemälde lange nicht erschöpft. Als er seinen 85. Gehnrtsrag feierte, fanden in mehreren Städten zugleich Ausstellungen seiner Werke statt, und eine Amsterdamer Knnstfirma veranstaltete eine solche, die allein 21 seiner genialsten Schöpfungen aufwies. Darunter befand sich das herrliche Selbstportrait des Meisters. Die gewaltigste Wirkung unter seinen Schöpfungen erzielte wohl das im städtischen Museum in Amsterdam befindliche Bild „Ein Sohn des alten Volkes", das einen jüdischen Trödler in seiner mit dem armseligsten Hausrat angefüllten Wohnung darstellt. Wer dieses Bild jemals betrachten durfte,' wird sich des ergreifenden Eindrucks, den es auf den Beschauer macht, noch lange erinnern. Josef Israels war Mitglied des Institut de France, der Akademien der bildenden Künste in Antwerpen nnd in Haag. Das Begräbnis Israels fand am 15. mittags statt. Der Sarg wurde von dem Wohnüause zum jüdischen Friedhof gebracht. Der Leichenzug stellte eine große Huldigung der niederländischen Kunst für ihren dapingeschiedenen Großmeister dar. Die Trauer ist allgemein. Alle Behörden nnd die Vertreter der künstlerischen nnd wiffenschaftlichen Institute beteiligten sich an der ergreifenden Ehrung des großen Toten. Um 1 Uhr nachnlittags kam der Sarg auf dem Friedhofe an. Inzwischen waren auf dem Friedhof erschienen die Minister des Answärtigen, der Landwirtschaft nnd des Handels. Vertreter des königlichen Hauses, der Bürgermeister vom Haag, Professor Max L i e b e r m a n n aus Berlin. Nach einer ergreifenden Rede des Rabbiners wurde der Sarg ans dem Leichenhause zum Grabe gebracht. Dort traf Minister Talma ein. Er sprach namens der Regierung. Es sei eine Pflicht der Regierung, sagte er, vor dem Lande und den Welten laut zn bekunden, wie dankbar Holland diesem Manne sei. wie unersetzlich sein Verlust sei. Dann sprachen die Abgeordneten der Künstler und die Freunde des Verblichenen. Der Erwerbssinn Richard Wagners. (Schluß.) Wagner jedoch vergaß nicht, daß Hornstein einen — grnndbesitzenden Vater hatte, und als der Vater starb, bekam der Erbe aus Paris — im Dezember 1861 — ein eigentümliches Beileidsschreiben von Wagner, das so begann: „Ich höre. Sie sind reich geworden." Des weiteren teilte er ihm mit, daß er eines sofortigen Vorschusses v o n 1000V F r c s. bedürfe. „Mir diese Summe zu verschaffen, wird auch Ihnen schwer fallen, möglich aber, wenn Sie wollen und Opfer nicht scheuen, wird es Ihnen jedenfalls sein. Dies aber verlange ich." Hornstein wurde dann noch vermahnt, zu zeigen, ob er

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