Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 31 (11.8.1911)
- Date
- 1911-08-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite &/- - Die Wahrheil. Nr. 31i Ein vornehmer, echt jüdischer Geist sprach aus allen ihren Handlungen und in diesem Sinne übte sie viel stille Wohltätigkeit und rrocknete so manche Träne der Armen. Der vielgepriesene jüdische Familiensinn waltete in ihrem Herzen. Mit tiefgehender Kindesliebe hielt sie das Andenken, ihres seligen Vaters, des unvergeßlichen Präsidenten unserer Kultusgemeinde, Jg. Kurauda, sowie auch das ihrer edlen verklärten Mutter hoch'in Ehren, und mit treuer Innigkeit hieng sie an ihren Brüdern und Familienangehörigen. Sie besaß ein frommes, religiöses Gemüt und gehörte zu den fleißigsten Besuchern des Seitenstettentempels. Sie war auch . literarisch tätig und ihre hohe dichterische Begabung bekundete sie in einem „Poetischen Tagebuch", das sie dem Andenken ihres teuren Vaters widmete. Um die edle Heimgegangene trauern die Brüder Reichsratsabgeordneter Hofrat Camillo K u r a n d a, Bankdirektor Felix Kurauda, Knltnsvorsteher Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Arthur Kurauda und die zahlreichen Mitglieder der Familie. Das Leichenbegängnis fand Freitag, den 4. d. M., unter großer Beteiligung der vornehmsten Gesellschaftskreise statt. Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n hielt an der Bahre eiuen ergreifenden Nachruf, in welchem er die seltenen Tugenden der Verblichenen würdigte und I. Kantor Matyas versah die kantorale Funktion in erhebender Weise. A. W. Wie«. Freitag, den 4. d. M. fand unter überaus starker Beteiligung das Leichenbegängnis des langjährigen 4. Kantors und Amtsleiters der israel. Kultusgememde Währing Herrn Max P e t e r s e I k a statt. Im Traüerhause wie im Tempel, wo als besondere Ehrung des Heimgegangenen eine Trauerfeier startfand, sah man nebst den Familienangehörigen zahlreiche Vorsteher und Gemeindemitglieder, fast sämtliche in Wien weilende Kantoren, viele Beamte der Kultusgememde rc. Im Tempel und auf dem Friedhofe versah L Kantor Matyas unter Assistenz des Chores iu besonders ergreifender Weise die kanioralen Funktionen und Rabbiner Dr. Bach würdigte unter Hinweis auf die hohe Bedeutung des „Lebliavb Zibbur“ für den jüdischen Gottesdienst, die Tugenden und Verdienste des Verblichenen in seinem Amte und außerhalb desselben. In der Zeremonieuhalle des Zentralfriedhoses sprachen Vorsteher Tr. Ignaz Winter namens der Gemeinde, Vizepräsident Oberkantor Bauer namens des Kantoreuvereines und Profeffor Nascher. Anr Grabe rezitierte Oberkantor Morgenstern das tiefergreifende traditionelle „LI mole rachamim“ und unter den wehmutsvollen Klängen eines Tranerchores, den das Tempelqnartett unter der Leitung des Chordirigenten Port anstimmte, wurde der Heimgegangene zur ewigen Ruhe gebettet. Wie«. Oberkantor Don Fuchs ist von seinem Urlaube zurückgekehrt und wird diese Woche wieder beten. Wie«. Sonntag, den 6. d. M., fünd im Preßburger orthod. Tempel die Trauung des Herrn Oberkantor Simon Weiß (V. Bezirk) mit Frl. Irma Nutzbaum statt. 'Wien. Dienstag vormittag fand das Leichenbegängnis des am 5. d. plötzlich verstorbenen Sekretärs im Theater in der Josefstadt, Herrn Friedmann Schulhof, statt. Die Beteiligung an der Trauerfeier war eine sehr starke. Kondolenzen und Kränze hatten gesendet: Baron G o r u p, Regierungsrat Dr. D e l t l. Alexander Girardi, Hofphotograph S k o l i k, Frau Hausi Niese, Herr Josef Jarno, Direktor Karczag, Sekretär G ei rin g er, die Mitglieder des Theaters in der Josesstadt und des Lustspieltheaters, sowie das technische Personal dieser Bühnen, der. Oesterreichifche Bühnenverein, die' Direktion des Deutschen Volkstheaters rc. Wie«. Am 1. August ist der Herausgeber und Chefredakteur der „Montags-Zeitung", Herr Ignaz S ch u st e r, nach kurzem, schweren Leiden im 60. Lebensjahre gestorben. Der Verblichene war durch viele Jahre im Asieküranzfache in leitenden Stellungen tätig und außerdem widmete er sich der Publizistik auf politischem und wirtschaftlichem Gebiete. Große Verdienste erwarb er sich auch um die Förderung verschiedener humanitärer Institutionen. Die außerordentliche Sympathie, deren er sich in weitesten Kreisen erfreute, kam beim Leichenbegängnisse, das Donnerstag, den 3. d. M.. am Zeutralfriedhofe stattfand, zum Ausdruck. Am offenen Grabe sprachen namens des humanitären Vereines „Selbsthilfe" der Obmann Herr Feldbauer, dann Herr Wasiertrüdinger, die in tief empfundenen Worten die hohen Verdienste und Tugenden des Verewigten würdigten. Mödling. Am Mittwoch -K ortjü n*"i ist der Senior des Liesinger Bethausvereines Herr Samuel S z m e t a » a im Alter von 77 Jahren von hinnen abberufen worden und wurden über Wunsch des Verstorbenen deffen sterbliche' Reste von Wien nach Mödling transferiert, wo er am Freitag zu Grybe getragen und neben seiner ihm ein Jahr vorher im Tode vorangegangenen Gattin bestattet wurde. Da Rabbiner Doktor Bardowitsch am Erscheinen verhindert war, wurde Rabbiner Reich aus Baden von der Familie berufen/ der dem Heimgegangenen einen geziemenden Nachruf widmete, indem er deffen Tätigkeit und Tatkraft, wie auch seine Glaubenstreue und Charakterfestigkeit gebührend hervorhob. Die liturgische Funktion versahen in erhebender Weise die Herren Oberkantor Falk und Kantor Benedikt. Der Verewigte stammte ans Trencsin und hatte auch später Gelegenheit, in seinem Wohnorte eine „Chewra Kadischa" zu gründen, der er viele Opfer, brachte. Er hinterläßt sechs seiner würdigen Söhne, die voraussichtlich in die Fußstapfen ihres frommen Vaters treten werden, so daß sein Andenken ihnen selbst und der Welt zum Segen gereichen wird. Gleichend erg. In unserem Kurorte, welcher sich mit Recht ganz besonderer Frequenz erfreut, wurde dem Kurpnblikum ein ganz seltener Kunstgenuß geboten. Der rühmlichst bekannte Oberkantor der israelitischen Kultusgemeiude in Wien, Herr Don Fuchs, veranstaltete unter Mitwirkung und Begleitung des Kurorchesters ein großes Wohltätigkeitskonzert, deffen ganzes Reiuerträgnis den beiden Hospitälern in Gleichenberg ohne Unterschied der Konfession zugewendet wurde. Mit seiner herrlichen Tenorstimmeentzückte Don Fuchs Jung und Alt und alles lauschte voll Andacht der' Stimme ' dieses gottbegnadeten Künstlers, der fast alle Gesangsnummern wiederholen mußte.; Auch kann ich nicht umhin den Solovortrag des- Opernsängers Herrn Arthur Wolf zu erwähnen, denn seine künstlxrischem Leistungen riffen das Publikum zu währen Beifallsstürmen hin. Herr Don. Fuchs verdient die vollste Anerkennung für sein uneigennütziges und edles- Wirkeu, da er selbst in der Zeit, die eigentlich für feine Erholung bestimm! ist, sich in den Dienst der leidenden Menschheit stellt. Auch nicht unerwähnt: bleibe der Konzertmeister der Kurkapelle, Herr Emil Hauser, welcher durch sein seelenvolles Spiel der Violine alle erfreute. In gebührender' Weise möchte ich auch die Leistungen des Kurkapellmeisters hervorheb'en, sowie das liebenswürdige Entgegenkommen des Herrn Knrdirektors; füm das Zustandekommen des Konzertes gebührt ihm der beste Dank. 8. G-. Marienbad. Der gekündigte Rabbiner Dr. Goldberger in Marienbad protestierte Samstag in Anwesenheit seines. Nachfolgers Dr. ® i o in o n t beim Gottesdienst aufgeregt gegen die Kündigung,, worauf im Tempel große Tumulte entstanden, so daß Polizei requiriert werden mußte. Zahlreiche Ehrenbeleidigungsklagen stehen aus Anlaß dieses Vorfalles bevor. Budapest. Die Pester isr. orth. Gemeinde will auf ihrem eigenen: Grunde in der Kozinczygasse einen Tempel mit einem Gemeindehausbanen. Die Generalversammlung hat der Gemeinde eine^Unterstützung vom 200.000 Kronen votiert, die in sechs Jahresraten flüssig gemacht werden.. Drei Raten wurden bereits flüssig gemacht und nun ersucht die Gemeinde die Hauptstadt, ihr zu gestatten, die noch rückständigen drei Raten der' ungarischen Eskompte- und Wechslerbank zedieren zu dürfen, weil diefortgeschrittenen Bauarbeiten ein größeres Kapital erfordern. Der Magistrat' hat dem Wunsche der Gemeinde Rechnung getragen und verfügt, daß im Hinkunft die genannte Bank die Raten erhalten möge. Budapest. Auf seiner Gavosdiaer Besitzung ist Magnatenhausmitglied Karl Sv üb de Gavosdia im Alter von 63 Jahren nach mehrtägigem schweren Leiden gestorben. Karl Svüb wurde im Jahre 1829 im Csongrüd geboren. Er besuchte in Budapest die Realschule und widmete sich im Jahre 1846 der Landwirtschaft. Den Freiheitskampf machte er als- Leutnant und Adjutant des Majors und nachmaligen Obersten Ludwige Bene mit. Im Jahre 1850 studierte er an der Landwirtschaftlichem Akademie in Magyar-Ovür, dann betätigte er sich wieder in der Land-- wirtschaft. Im Jahre 1875 wurde Svüb mit dem Prograinm der liberalem Partei zum Abgeordneten des Törökkanizsaer Bezirkes gewählt. Diesem ‘ Bezirk vertrat er int Reichstage bis zu seiner im Jahre 1885 erfolgtem Ernennung zum Magnatenhansmitgliede. Er war Direktionspräsident dem Eperjes-Bürtfaer Vizinalbahn und Präsident des ungarischen israelitischem Stipendienvereines. 1902 wurde ihm der ungarische Adel mit dem Prä--- dikate „de Gavosdia" verliehen. Im Magnatenhanse war er Mitglied des- Volkswirtschafts-, Kommunikations- und Diariumsausschuffes. Karl v. Svastwar der erste Jude, der zum Magnatenhausmitglied ernannt worden: ist. Er erfreute sich in den Kreisen der vornehmen Gesellschaft großer Beliebtheit. Meran. Das „Geuesungsheim" des „Vereines „Asyl für mittellosekranke Israeliten in Meran" wird mit 1. Oktober 1911 für die Herbstsaison wieder eröffnet. Mittellose israelitische Bewerber wollen sich' brieflich wegen der ausführlichen Anfnahmsbedingungen an die Kanzleides Vereines wenden unter der Adresse: „Asyl für mittellose kranke Israeliten in Meran" (Tirol) und ihre Gesuche um Aufnahme möglichst bis Ende August einreichen. Die Stuttgarter Synagogengesänge von Prof. Dr. Jm.- Faißt sind nun erschienen. Bis 15. September l. I. sind dieselben für Mitglieder des österr.-nngar. Kantorenverbandes noch für den ermäßigtem Preis von 8 Mark (per Nachnahme oder bei Vorauszahlung des Betrages franko, in Halbleinen geb.). von mir zu beziehen. Preis für Nichtmitglieder und spätere Bestellung 10 Mark. Desgleichen sind die von mir komponiertem Synagogengesänge für Männerchor, Kantor und Chor rruis. (12 Nummern,. Matown, Aus- und Einhebengesang für J'me noroim, Kdnscha (Narizchm und Schlußgesang) a M. 1.50, zu beziehen. O. T enn en b a um, St. Kasernenstr. 61. Austritte ans dem Judentum. Meier Srul Hersch, Lehrer, geb. 4. Jänner 1891 in Jassy,. ' II. Odeongaffe 6. Vescler Feija, Lehrerin, geb. 28. August 1890 in Botosina, Rumänien^ 71. Odeongaffe 6. Kramberg Leonid, Student, geb. 4. November 1868 in Adschaschka, Rußland. VH. Bnrggaffe 2. (Hotel Höller). Eichberg Felix, Galvaniseur, geb. 3. November 1874 in Wiese, Mähren, YIL Bernardgaffe 39. Dr. M u n k Leo, Hof- und Gerichtsadvokat, geb. 2. Dezember 1861 in Wien, I. Franz' Josefs-Kai 15. Jelinek Karl, Uhrmacher, geb. 10. Anglist 1874 in Stenberg, Mähren, IX. Elisabethpromenade 35 a. ' Amdursky Sqmuel, geb. 3. Dezember 1662 in Bialystock, Rußlands II. Kleine Stadtgntgasse 14. Friedmann Alexander, geb. 31. März 1885 in Kiew, Rußland, II. Große Mohreng. 39.; Grottl-Grotte Irina, geb. 29. März 1889 in Wien II? Rothe - Sterngasse 22. - - Gr e tz Otto. Kapellmeister, , geh. 17. September 1885. in Perchtoldsdorp bei Baden. I. Tuchlauben 11.