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Die Wahrheit · 1911-08-11 · Heft 31 (11.8.1911) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 31 (11.8.1911)
Date
1911-08-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Die Wahrheit Nr. 31. 1897 auf bent Tempelhoffer Feld auf. Die Führung war den Offizieren.nicht erlaubt und deshalb einem jüngeren Maschinisten überlassen morden. Das Luftschiff wurde bei rascher Landung zerstört. Gras Zeppelin war bei diesem Probeslug zugegen. Sein Patent vom 31. August 1895 spricht weder von Aluminium noch von einer Verbindung der beiden' Gondeln, die vier Monate später einem Amerikaner patentiert wurde. Er hat erst nach Schwarzens Tode ein Lustschiff gebaut, und Aluminium sowie Propeller von den gleichen Fabriken wie Schwarz bezogen. Am 10. Februar 1898 haben Gras Zeppelin und Kommerzienrat Karl Berg in Stuttgart mit Frau Schwarz zwei Verträge geschlossen. Durch den ersten Vertrag erwarb Herr Berg das Recht, über die „ihm mit den Schwarzschen Erben gemeinschaftlich gehörigen patentierten und nichtpatentierten Ei-fiudungen" in Deutschland frei zu verfügen. Durch den zweiten Vertrag sicherte Graf Zeppelin der „Gesellschaft zur Förderung der Lnftschiffahrt" das Vorkaufsrecht für die den Schwarzschen Erben außerhalb des Deutschen Reiches zustehenden Rechte." Harden schließt mit den Worten: „Zeppelins Energieleistung soll nicht geschmälert noch die Selbständigkeit seiner ersten Pläne bestritten werden. Erweislich nnd erwiesen ist aber, daß er erst lange nach Schwarz das Aluminium als Baumaterial gewählt und Schwarzens „Erstudnngen und Erfahrungen" durch Vertrag und um den Preis der Verpflichtung, die Erben des genialen Agramers entschädigen zn lassen, seiner Gesellschaft gesichert hat." * * * Einem Hamburger Vertreter der ..New-Iork Herald" gegenüber äußerte sich der Generaldirektor Ballin. über die Einwandernngspolitik der Vereinigten Staaten wie folgt: „Die Abnahme der Einwanderung wird auch durch die rigorose Anwendung der Einwanderuugsgesetze in New-Iork, Baltimore und Philadelphia verursacht. Auswanderer werben ans Gründen, die ihnen oft unbekannt bleiben, verhindert, in Amerika zu landen. Dadurch werden selbstverständlich andere abgeschreckt, denen die Zurückgewiejenen bei der Rückkehr in die Heimat ihre Erfahrungen mitteilen. Es ist keine Uebertreibung. wenn ich sage, daß jeder Auswanderer, der in Amerika aus unerkennbaren Gründen au der Landung verhindert wird, Hunderte von Landsleuten veranlaßt, statt nach den Vereinigten Staaten nach irgend einem anderen Lande auszuwandern. Begreisticherweise wird das in Amerika bei den Gegnern der Einwanderung Freude Hervorrufen, zumal bei der Arbeiterpartei. Aber es darf nicht vergessen werden, daß die Vereinigten Staaten auf -die Einfuhr von Arbeitskräften angewiesen sind, so lange sie ihre wirtschast- .liche Entwicklung nicht beeinträchtigen wollen. Der einheimische Bevölkerungszuwachs kann bei ihnen nur in äußerst geringem Umfang die Nachfrage decken, die ihre rastlos vorwärtsschreitende Industrie und allgemeine Entwicklung erheischt. Die Vereinigten Staaten würden in dem unwahrscheinlichen Falle, daß sie einige Jahre lang die Einwanderung vollständig zum Stillstand brächten, durch das Anwachsen der Produktionskosten, das die Folge verminderter Arbeitereinfnhr wäre, vom Weltmarkt ausgeschlossen werden und ans solche Weise von dem durch energische Arbeit gewonnenen Terrain viel wieder verlieren. Ich biii überzeugt, daß wenu die Einwauderung wirklich eine Zeitlang stillstände, für die Heranziehung von Arbeitskräften ebenso viel Mühe wird aufgewendet werden müssen, wie gegenwärtig zur Feruhaltung der Arbeiter. Ein großer Teil von Auswanderern, die in den Vereinigten Staaten nicht landen konnten, haben sich nach Kanada gewandt. Auch die Auswanderung nach Argentinien ist organisiert und beiden Ländern ist dieser Zustrom von Arbeitern sehr erwünscht." v Ob mau sich in den Kreisen der Einwanderungsgeguer diese Worte eines Mannes, der als größter Kenner des Allswanderungswesens gilt, merken wird? * * In Belgrad wurde vor einigen Tagen der zehnte allslawische Iournalistenkongreß abgehalten, au dem Vertreter der russischen, polnischen, ruthenischen, tschechischen, slowenischen, slowakischen, kroatischen, serbischen und bulgarischen Presse teilnahmen. Die russische Presse war durch eine Anzahl von Reaktionären vertreten, die dem Kongreß!' im Aufträge des Petersburger Ministeriums des Aenßern beiwohntem Bei einem Bankett der Stadt Belgrad provozierten diese' „Journalisten" arge Skandale, die von der serbischen Presse scharf verurteilt wurden. Unter dem Eindruck dieser Vorfälle wird auch eine geplante serbische Gesellschaftsreise nach Südrußland unterbleiben. Das angesehene Belgrader Blatt „Pravda“ motiviert das Unter- . bleiben der Reise damit, daß es den Russen einfällen könnte, unter den Serben wegen der jüngsten Differenzen einen „Pogrom" zu arrangieren, wie dies gerade in Südrnßland üblich sei, wo man die Inden in rohester Weise morde. Diese Motivierung ist umso bemerkenswerter, als bisher noch kein einziges serbisches Blatt seine Stimme zugunsten der Inden erhoben hat. Dasselbe Blatt erzählt noch folgende Episode, die wir der Originalität wegen in getreuer Uebersetznng wiedergeben wollen: „Es war beim Ausflug der Journalisten auf dem Schiffe „Sumadija." Ein kleiner Junge von etwa 12 Jahren verkauft Feuerraketen und singt dabei alle möglichen slawischen Lieder, wie „Boze caria chra nin“, „Ah, Moskwa, Moskwa . . ' „Kcle domov mäju nnd andere. Die Journalisten sind frappiert von der Stimme des Knaben und von den vielen slawischen Liedern, die er singt. Der Russe Stschawinski küßt und kost den Jungen vor Begeisterung, indem er zu ihm spricht: „Ach. du mein Täubchen, du liebe, slawische Seele!" Der Slowene Gabrschek beantragt, daß der Junge, zur Ausbildung nach Rußland geschickt werde. Der Antrag wird angenommen. Jeder verspricht, etwas beizntragen. Die Hälfte aller Kosten will tlatürlich Stschawinski tragen. Er küßt noch immer den überglücklichen Knaben. „Wie heißt du, mein Täubchen?" fragt endlich der begeisterte Stschawinski. „Isaak Farchy," antwortet der Knabe. Da beginnt der Russe ansznspncken, ans Ekel darüber, daß er diesen Inden geküßt hatte. * * Der Antisemitismus ist bisher in Italien weder , von Politikern noch von Psendogelehrten öffentlich vertreten worden. Im staatlichen Leben herrscht eine Toleranz, die höchstens in England ' ihresgleichen hat. In den niedersten Volksschichten freilich ist der Jahrhunderte lang künstlich genährte, verachtungsvolle. Haß gegen das Ghetto noch nicht ganz ausgerottet und in denjenigen Städten, wo auch heute noch die .Juden in bestimmten Quartieren, wenn auch freiwillig, beisammenwohneu. kommt es gelegentlich zu Reibereien. In Rom hat ein solcher ' Auftritt dieser Tage sogar ein Menschenleben gefordert, da nach einem Wortgefecht zwischen christlichen, und jüdischen Straßenjungen einer von diesen erstochen wurde. Man würde gewiß zu weit gehen, wenn man die Verantwortlichkeit für diese Tat, die sich nicht viel von gewöhnlichen Roheitsverbrechen unterscheidet, der Religion des messerstechenden Jungen äufbürden wollte. Daß aber der Klerus auch in Italien die Feindschaft gegen die Inden schürt,, geht ans einer Veröffentlichung des römischen „Messaggero" hervor, der einem von Pius X. genehmigten und . in klerikalen Schulen eingeführten Lesebuch des Jesuiten Rinaldi eine erbauliche Geschichte entnimmt, die von der Bekehrung einer Jndenfamilie handelt. Zacharias und Rachel, so erzählt diese Geschichte, haben ein einziges Kind, den neunjährigen Tobias, den der Vater gelehrt hat, Jesus zu verachten und d«s Kruzifix anzuspeien (!) Rachel aber neigt zum Katholizismüß und auf einer Reise nach Frankreich, wo sie von Tobias und ihrem bereits übergetretenen Bruder begleitet ist. läßt sie sich taufen. Dem kleinen Jungen wird sorglich eingeschärft, dem Vater von all dem ja nichts zu sagen.-Nach der Rückkehr in die Heimat bemerkt zwar Zacharias, daß auch sein Sohn zum Christentum neigt, die volle Wahrheit aber entdeckt er nicht. Tobias will sich nun auch taufen lassen. Anfänglich rät der Onkel wegen der Jugend des Neophyten davon ab, schließlich aber gibt er mach und der neue Christ erzählt nun dem Vater den ganzen Hergang. Zacharias verreist zunächst in blinder. Wut auf einige Tage, dann entführt er seinen Sohn und steckt ihn in eine protestantische Schule, wo er von seinen christlichen Ideen abgelenkt werden soll! Seine Mutter weiß nicht', wo er. steckt, doch verliert sie den Mut nicht. Ein zweiter Bruder dieser Rachel, die nunmehr Marianna heißt, vermittelt 'zwischen den

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