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Die Wahrheit · 1911-08-11 · Heft 31 (11.8.1911) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 31 (11.8.1911)
Date
1911-08-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Redaktion und Sldministration: Hnabhängige Aertfchnft für Mische Wien, XI/, Nvvaragasse 27 Televhou: Redaktion 5107/VHI. ganzjährig.K 14.— Halbjährig.K 7.— Admlillsiralioil -1938/11, _ K. k. öfterr. Vostsparkaffa» Scheck-Konlo 31 r. 100.918. Ailteresten. Für srnlhiebfuiiitr: >S„i>ziävria.K ll> - In l ernte: Die viermal gefyalteuc Nonpareille-Zeile 25 Heller. Erscheint jeden Kreitag. Für Ausland: AbonnemenlSnnd Jniertions^ lAaiiziävrig.8 Mark beeräge nnd in Wien zahlbar und klagbar. Motto: »Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ 6 5)1 nbel »der IS Frr». Ur. Bl Wie«. 11. Angnst Inhalt: Aus der Woche. — Was mm? — Die Inden und das Wirtschaftsleben. — Verschiedene Nachrichten. — Literatur. — Oberkantor Moriz Friedmann. — Der Belfer. — Austritte aus dem Judentume. Ansrns zu Gunsten der durch die Brand kataftrophe in Konstantinopel Geschädigten! Glaubensgenossen! Ein schweres Unglück hat unsere Glanbensbrüder in Konstantinopel betroffen. Eine ungeheure Feuersbrunst hat ganze Quartiere der Stadt, die hauptsächlich der jüdischen Bevölkerung zum Wohnsitz dienten, zerstört. Tausende armer Juden sind ohne Obdach. Unsere Schulen haben auf das schwerste gelitten, mehrere von ihnen sind ein Raub des Feuers geworden. Das Zentralkomitee in Paris hat sogleich eine beträchtliche Summe zur Linderung der Not nach Konstantinopel geschickt. Aber die Größe des Unglücks fordert, daß jeder von uns nach seinen Kräften zur Unterstützung unserer unglücklichen Glaubensgenossen beitrage. Bisher hat noch jeder Appell an das warme Herz und die Opferwilligkeit der deutschen Inden einen lauten Widerhall gefunden. Wir erwarten mit vollem Vertrauen, daß alle deutschen Juden nicht säumen werden, ihre Spenden zu einer erheblichen Summe zu vereinen, die den Unglücklichen in Konstantinopel Trost nnd Hilfe in ihrer Not bringen soll. Beiträge nimmt entgegen das Deutsche Bureau der Alliance Israelite Universelle, Berlin U. 24, Oranienburgerstraße 42/43. Berlin, im August 1911. D a s P r ä s i dl um de r De u t s ch en K on f er en z - G e s ells ch a ft der Alliance Israelite Universelle: Max Fuchs, Prof. Dr. Landau, Dr. Wrrner, Justizrat, Geh. Medizinalrat, Rabbiner, Berlins Berlin. München. Ans der Woche. In Anwesenheit von 600 Delegierten wurde Mittwoch, den 9. d. M. in Basel der zehnte Zionisten-Kongreß vom Präsidenten des E. A. C. Banquier David Wolffsohn eröffnet. Auf Antrag des Aktionskomitees wurde beschlossen, der türkischen Regierung ein Beileidstelegramm nnd 5000 Franken aus Anlaß des Brandes in Konstantinopel zu senden. Max Nordau hielt eine Rede über die Lage des Judentums. Zum Präsidenten des Kongreßbureaus wurde Nordau gewählt. , ' * * * Zu welcher Verrohung antisemitische Instinkte sich verdichten können, zeigt der nachfolgende empörende Vorfall, der sich jüngst in einer ungarischen Ortschaft ereignete: In der Gemeinde Mohot wurde ein Knabe beim Baden in der Theiß von den Wellen erfaßt und fortgerissen. Niemand rührte sich, um den um Hilfe Rufenden zu retten, weil man den Ertrinkenden für den Sohn eines Juden hielt. Der am Ufer stehende Lehrer gab noch seiner besonderen Genugtuung darüber mit den Worten Ausdruck: „Wenigstens gibt es um einen Juden weniger!" Der Knabe ertrank; aber am selben Tage stellte es sich noch heraus, daß es nicht ein Jndenkind, sondern der Sohn des Kirchenvaters der katholischen Gemeinde war, den diese frommen und mildtätigen Christen jämmerlich ertrinken ließen. Diese geradezu unerhörte Gemütsroheit der bäuerlichen Bevölkerung wirkt gewiß abstoßend. Aber schließlich sind es ungebildete, unkultivierte Bauern, deren Dummheit gewissermaßen eine Entschuldigung ist. Aber für den Schullehrer, der neben dem Pfarrer in dieser kleinen Gemeinde der Träger der Kultur ist, für den gibt es keine Entschuldigung. Seine Handlungsweise zeigt von einer solchen sittlichen Verkommenheit, daß er auch nicht einen Tag mehr in seinem Amt belassen werden dürfte. Die ungarischen Behörden werden gut daran tun, sich mit diesem Vorfall zu beschäftigen. 4° * * In seiner „Zukunft" sucht Harden den Anteil Schwarz und Zeppelins an der Erfindung des lenkbaren Luftschiffes festzusteüen. Er schreibt: „Der Holzhändler David Schwarz kam als erster auf dem Gedanken, ein lenkbares Luftschiff aus starrenl Stoff zu bauen. Er studierte, zeitweise als Arbeiter verkleidet, mehrere Alumiuiumfabriken und legte sein Projekt 1890 dem österreichischen Kriegsminifter vor. Da die österreichische Regierung die notwendigen Geldmittel nicht zur Verfügung stellen konnte, wurde Schwarz russischer Regierungsingenienr und baute 1892 in Petersburg sein erstes Luftschiff, das aber nicht mit Gas gefüllt werden konnte, da schlechtes Material geliefert worden war. Schwarz wandte sich dann nach Berlin, wo sein Projekt eines Aluminiumlenkballons von 18 Metern Länge nnd zwölf Metern Breite gutgeheißen wurde. Die Militärbehörde versprach, den Ballon bei erfüllten Erwartungen für 300.000 Mark anzukaufen. Am 13. Januar 1897 wurde Schwarz znm Probeflug telegraphisch von Wien nach Berlin berufen. Er starb kurz nach Empfang der Depesche auf offener Straße am Herzschlag. Seiner Witwe Frau Melanie Schwarz, wurde ans Befehl des Kaisers die Vorarbeit und Demonstration in Luftschifferpark anvertraut. Das Luftschiff stieg am 3. November

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