Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 30 (4.8.1911)
- Date
- 1911-08-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8. . Die Wahrheit. Nr. 30. handelten, in einer kleinen Broschüre die Gründe auzugebeu, warum Richard Wagner aus Robert von Hornstein einen Tölpel gemacht hat.*) . In den nunmehr veröffentlichten Blättern der Hornsteinschen Memoiren wird erzählt, warum der junge Hornstein plötzlich aus Zürich floh. Er konnte das Wesen Wagners nicht mehr ertragen. Ein anderer Freund Wagners, Karl Ritter, dessen Familie jahrelang für den Unterhalt des Komponisten gesorgt, hatte ihn darüber aufgeklärt, daß die Freundschaft des viel älteren Wagner nicht seiner Persönlichkeit und seinem Talent gelte, sondern seiner zukünftig erwarteten väterlichen Erbschaft. „Der kennt deine Verhältnisse," hatte Ritter zu Hornstein gesagt. „und kommt später schon nach. Er wartet einen günstigeren Zeitpunkt ab." Als dann Hornstein einmal einer Einladung Wagners folgte, ohne, wie es Stil im Hause Wagner war, einige Flaschen Wein mitzubringen, wurde der Gast von Wagner in der elendsten Weise verhöhnt. Das veranlaßte den jungen, aus all seinen Illusionen gerissenen Idealisten, Zürich ' zu verlassen. (Schluß folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. Samstag, am 6. August 1911, Predigt des Herrn Oberrabbiners Dr. Güdemauu im Stadttempel. Wien. (N e n erliche Auszeichnung unseres verantwortlichen Redakteurs.) Se. Exzellenz der königlich belgische a. o. Gesandte und bevollmächtigte Minister am Wiener Hofe Graf Errembault de Dudzeele setzte kürzlich Herrn Alois Kulka, der bekanntlich seit dem Bestände unseres Blattes verantwortlicher Redakteur und auch Mitbegründer desselben ist, in Kenntnis, daß ibn Se. Majestät König Albert von Belgien über Vorschlag des kön. belgischen Ministers des Aeußern Mr. D a v i g n o n zum Ritter des Ordens (II. Kl.) König Leopold II. ernannt habe und die Insignien dieses Ordens ihm durch das Ministerium des kais. Hauses und des Aeußeren in Wien übermittelt werden. Anfangs dieser Woche wurden nun Herrn Kulka die Orden nebst dem hiezu gehörenden vom König Albert signierten und vom obgenannten Minister sowie von bem 1. Sektionschef Mr. vau d'E l st eigenhändig Unterzeichneten Diplom überreicht. Graf Dudzeele beglückwünschte Herrn Kulka persönlich zu der ihm gewordenen hohen Auszeichnung und sagte demselben auf dessen Bitte zu, seinen Dank Seiner Majestät dem König der Belgier zu übermitteln. — Wir schließen uns den Glückwünschen Seiner Exzellenz des Herrn Grasen D u d z e e le mit um so größerem Vergnügen an, da auch wir uns geehrt fühlen, daß unserem allseits beliebten und geschätzten verantwortlichen Redakteur wenige Abende vor seinem 70. Wiegenfeste diese hohe Auszeichnung zuteil wurde. Wien. (Aus der Wiener Knltusgemeinde.) Der neugewählte Oberkantor Josef M o r g e n st e r n aus Sebastopol wird 1VN2 sein Amt am Leopoldstädter Tempel antreten. — Für den Tempel in Ottakring ist Herr J..Kaufmann aus Prag als L Kantor gewählt worden. — An Stelle des in Pension getretenen I.Kantors I. Schiller ist I. Kantor M. Math Ls für den Stadttempel bestellt worden und hat derselbe bereits die Funktionen übernommen. Wien. Am Samstag löFB 'tP feiert Herr Edmund Donat, H., Tandelmarktgajse 11, den 70. Geburtstag in Gesundheit und voller Geisteskraft. Derselbe lebt in der Residenz seit 36 Jahren und fungiert seit 25 Jahren als Kassier des „Vereines für kranke Israeliten" zur vollsten Zufriedenheit des Vorstandes. Wir wünschen dem Jubilar einen frohen Lebensabend im Kreise der Seinen. Wien. Kurz vor Schluß des Blattes kommt nns die betrübende Nachricht zu, daß Herr Max Peterselka, I. Ämttor und Amtsleiter der Wiener Kultusgemeinde in Währing. Mittwoch, den 2. August im 63. Lebensjahre verschieden ist. Der Verblichene, Vater des Kassiers der Wiener Kultusgemeinde, Herrn Josef Petersel'ka, erfreute sich infolge seiner seltenen Pflichtteile, seines bescheidenen Wesens und seines biederen Charakters allgemeiner Wertschätzung und sowohl in Kollegenkreisen sowie in der Gemeinde, der er durch 35 Jahre in treuer Hingebung diente, wird fein Andenken in Ehren bewahrt werden. Das Leichenbegängnis findet Freitag, den 4. August, l/210 Uhr vormittags, vom Gemeindetempel, XVIIL, Schoppenhauerstraße 39, nach dem Zentralfriedhofe statt. Wie«. (Ein abgängiger Sohn.) Kantor Jakob Jurawietzky aus Warschau, der sich gegenwärtig mit zwei jungen Söhnen aus einer Gesangstournee durch Deutschland befindet, bittet alle Jene, die über den Aufenthalt seines Sohnes Ferdinand Kenntnis haben, ihm durch die Redaktion dieses Blattes oder direkt Nachricht zukommen zu lassen. Derselbe ist vor 10 Jahren (im Alter von 18 Jahren) zur Ausbildung am Konservatorium nach Budapest gegangen, ist dort 7 Jahre geblieben nnd hat wiederholt große Konzerte mit reichem Erfolge gegeben. Seit 3 Jahren ist der Vater ohne Nachricht; er weiß nur, daß der Sohn Budapest verlafien hat, um ein Engagement an einer Oper anzutreten. *) Zwei unveröffentlichte Briefe Richard Wagners an Robert von Hornstein, herausgegeben von Ferdinand Frhr. v, Hornstein (München, E. W. Bonsels Verlag). Wien. .Vorige. Woche Dienstag fand - die .Beerdigung des inn 61. Lebensjahre'verblichenen Großindustriellen Max Eis l e r im Beisein seiner Familienangehörigen und Freunde statt. Nach wirkungsvoller Rezitationdes „28.22nr-toruiru" durch I. Kantor Serebrenik widmete Herr' Oberrabbiner Dr. Güdemann dem allzufrüh Verblichenen einen seine Tugenden und Verdienste würdigenden Nachruf. Frankfurt. Die vor. einigen Wochen erschienene Ankündigung der öffentlichen Versteigerung kostbarer deutscher Golhschmiede-Arbeiten aus der allberühmten Sammlung des v e rsto r b en e n B a r o n s Karl. Meyer von Rothschild in der Galerie Petit in Paris, hat weit üben die vonl Kunstmarkring aus interessierten Kreisen hinaus Aufsehen erregt und bei vielen Befremden und Wißbegierde nach der Ursache der Veräußerung einzigartiger Schätze durch die Familie von Rothschild hervorgerufeu, daß sich besonders hier in Frankfurt lebhafte Teilnahme am- Schicksal des Rothschild-Schatzes kundgab, ist leicht begreiflich. War er doch hier zusammengebracht worden und teilweise jahrelang der öffentlichen Besichtigung zugänglich, war man stolz darauf, daß ihn die Mauernvon Frankfurt beherbergten, als er infolge Erbteilung zersplittert und ins Ausland wanderte, nnd der Stadt verloren ging. Die Versteigerung hat bereits stattgefunden und für 119 Nummern einen Erlös von 1,663.000 Franken gebracht. Zur Geschichte der Frankfurter Rothschild- Sammlung, von Schätzen umgeben, sei noch manches hier erwähnt, das gewiß noch von Interesse ist. Freiherr Mayer Karl von Rothschild, der' zweitletzte Chef des Frankfurter Hauses, 1869 Abgeordneten zum konstituierenden Norddeutschen Reichstag, später auch Mitglied des preußischen: Herrenhauses auf Lebenszeit, war der Besitzer, des Silberschatzes, der nur' eine kleine, eine ihresgleichen suchende Kunstsammlung darstellte. Die untergebrachten Sammlungen gipfelten in der Abteilung für Prachterzeugnisse der Goldschmiedekunst des 13. bis 18. Jahrhunderts. Sie enthielt einen märchenhaften Reichtum an Schaugefäßen. Prunkschalen, Kannen„ Tafelaufsätze, Kelche, Pokale, silbermontierte Trinkgefäße rc. rc. Am 16. Oktober 1886 starb Karl v. Rothschild und in demselben Jahre nahm dessen Witwe, Freifrau Louise, die erste Teilung am Knnstschatze vor, die sich auf den wertvollsten Bestand erstreckte. Es ging bei dieser Teilung ebenso gerecht wie summarisch zu. Fünf? Teile waren zu machen. Zwei Experten, ein Knnstgelehrter und ein Kunsthändler halfen hiebei. Jedesmal fünf Stücke ans der Sammlung wurden ansgewählt, die den Sachverständigen gleichwertig erschienen und gleiche Stücke zngewiesen. Erben hierbei waren die 5 Töchter des Freiherrn Carl. und der Freifrau Louise, nämlich: Baronin Salomon v. Rothschild, James v. Rothschild, Herzogin von Gramont, Fürstin v. Wagram, sämtlich in Paris und Lady Rothschild in London. Die oben erwähnten Spezialsamm-- lungen blieben weiter bestehen. Die Teilung geschah erst nach dem Tode der Freifrau. Louise, nämlich im Jänner 1895 unter sich.. In Frankfurt' verblieben nur zwei alte silberne von einem hiesigen Goldschmiede angefertigte Humpen. Ueberhanpt ist für Frankfurt der Silberschatz verloren^ Köln. Bei Gelegenheit des Besuches des Kaisers und der Kaiserin in Köln war zu allen aus diesem Anlaß veranstalteten Feiern und Festlichkeiten Rabbiner Dr. Frank vom Oberbürgermeister geladen; zunächst zur Enthüllung des Kaiser Friedrich-Denkmals und Einweihung der Hohen-. zollernbrücke, dem Galamahl im Gürzenich und zur Rbeinfahrt auf Kaiser-- schiff. Außerdem erhielt Dr. Frank eine besondere Einladung, sich nach Aufhebung der Tafel in den Jsabellensaal zu begeben, wo die Majestäten Cercle abhalten.würden. Hier wurde derselbe von dem Oberpräsidenteil' der Rheinprovinz, Staatsminister Freiherrn von Rheinbaben und dem Oberbürgermeister dem Kaiser vorgestellt. Der Kaiser erkundigte sich eingehend nach den Verhältnissen der israelitischen Gemeinde. Auch fragte der Kaiser, wie das Verhältnis der verschiedenen Konfessionen untereinander' wäre, was der Rabbiner unter Hinweis auf 'seine langjährigen guten Beziehungen zu dem Kardinal Fischer als durchaus erfreulich bezeichnen dürfte. Hierauf erbat sich der Rabbiner vom Kaiser die Erlaubnis, den von dem' Judentum gebotenen Segensspruch über ein gekröntes Haupt sprechen zu dürfen, was derselbe gern gestartete Nnd nach Schluß desselben dem Rabbiner warm die Hand drückte. Auch der Kaiserin wurde , der Rabbiner' auf besondere Veranlassung des Kardinals -Fischer vorgestellt, die aucheinige liebenswürdige Worte an denselben richtete. Nach der Cour ging es in den vor der Stadt bereitgestellten Equipagen zum Kaiserschiff, und da traf es sich, daß der Kardinal Fischer, Weihbischof Müller, ein hiesiger evangelischer Geheimrat und der Rabbiner Dr. Frank zusammen fuhren, worauf von evangelischer Seite. bemerkt wurde, daß hier der Friede unter den Konfessionen herrsche und daß der sogenannte Antisemitismus, als er in voller Blüte stand, hier in Köln keinen Boden gefunden habe, fügte aber hinzu, das habe auch vor allem seinen Grund in dem Charakter der jüdischen Bevölkerung Kölns, die allerseits Achtung und Anerkennung verdiene.; Literatur „Österreichischer Ratgeber für Kleintierzucht, Obstnnd Gartenbau". Wir können uns einen.fortschrittlichen Kleintierzüchter^ sowie alle jene, die sich mit Obst- -und Gartenbau befassen, ohne einen „Ratgeber" nicht -vorstellen. Sind doch beide Gebiete so weite und abwechslungsreiche, wir könnten beinahe sagen, noch unerforschte, daß der Bezug einer gut redigierten Zeitschrift unumgänglich, notwendig ist. Undda möchten wir die Aufmerksamkeil unserer Züchter und Freunde auf obigen „Ratgeber" lenken, denn wie. viel Wissenswertes nnd Lehrreiches diese'Halbmonatsschrift — die nur 41 5.— pro Jahr -kostet — enthält/ ersehen wir abermals -ans der 'uns vorliegenden Nr. 7, vierter Jahrgangs — Wegen Probenummern wende man sich an den Verlag in Frendeuthal> österr. Schlesien, der solche umsonst versendet. - :