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Die Wahrheit · 1911-08-04 · Heft 30 (4.8.1911) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 30 (4.8.1911)
Date
1911-08-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Seite 1 Nr. 30. Die Wahrheit -oder als Prokuristen in einer großen Speknlationsbänk oder als Rechtsanwälte in Wncherprozessen tätig gewesen." Sollte hier die Sache nicht vielleicht umgekehrt liegen, daß Marx und Ricardo, die beide Juden waren, manche ihrer Ideen -ans dem Talmud geschöpft haben? Und wenn nicht — so folgert Sombart weiter — diese tiefgründlicheu Erörterungen muf eine spezifisch jüdische Begabung für das Geld- und Kreditwesen schließen läßt, so ist es der Erfolg, mit dem sie zu allen Zeiten ihre Geschäfte betrieben haben. Und dabei wäre er glücklich noch einmal wieder bei dem jüdischen Reichtum angelangt. der ihm schwer auf der Seele zu lasten scheint (Seite 379): „Das fängt mit König Salomo an, der selbst unter den reichen orientalischen Fürsten durch * seinen Reichtum berühmt war, wenn er auch nicht gerade ans glücklichen Geschäften seinen 'Reichtum anfgebaut hatte (obwohl mau nie wissen kann!)." Wieder eine kleine Reverenz vor den Schlagworteu der Antisemiten. Und weiter ruft er pathetisch aus: „Von Salomo bis Bleichröder und B e r u a t o zieht sich der jüdische Reichtum wie ein goldener Faden durch die Geschichte, ohne au einer Stelle abznreißen. Ist das Zufall?" Er untersucht dann die Ursachen des jüdischen Reichtums, Meist aus die Lebensweise der Inden hin, die weniger üppig sei -als die anderer Völker, namentlich der Christen, rühmt die Sparsamkeit der Inden, aber all dies bietet ihm noch keine .genügende Erklärung (Seite 383): „Zu Reichtum würden die Umstände nicht führen können, weil dieser doch erst einmal erworben werden muß. ehe er erhalten und vermehrt werden kann. Und dazu gehört natürlich letzten Endes Talent und wenn dieses in einer Bevölkernngsgrnppe so verbreitet ist wie bei den Juden, läßt es auf ein besonderes Wesen schließen." Und wiederum schneidet er die Rassenfrage an und widmet einem neuen Abschnitt „Die rassenmäßige Begründung völkischer Eigenarten" eine ganze Reihe von Seiten. Er bekennt hier frank und frei (Seite 385): „Ueber den Zusammenhang zwischen bestimmten somatischen -(anthropologischen) Merkmalen und dem physischen Gehaben des Menschen — als Einzelwesen und somit auch als Gruppentyp — w i s s e n wir schlechthin nichts." Er wendet sich nochmals mit Entschiedenheit gegen die Rassentheoretiker und ebenso gegen die Anpassnngs- und Milieufanatiker, er stellt seine eigene Theorie auf, um die jüdische Eigenart „genetisch" zu deuten. Und dieser Ausgabe unterzieht er sich in dem letzten Kapitel »Das Schicksal des jüdischen Volkes." , : (Fortsetzung folgt.) Der Grwerbssrim Hichard Wagners. Es sollte 'uns gar nicht wundern, wenn nach den Verwffentlichungen des jüngsten Memoirenwerkes und anderer Beiträge zur Charakteristik des großen Tondichters die Gralshüter des unverfälschten Deutschtums von bangen Zweifeln heimgesncht Würden, ob ihr musikalisches Idol noch zu den rassereinen Germanen gerechnet werden darf. Es ist früher schon gelegentlich sowohl von. jüdischer wie von antisemitischer, Seite die (freilich von niemand ernst genommene) Behauptung ausgestellt worden, daß Wagners Abstammung väterlicherseits auf jüdische Herkunft Hinweise. Welch Prächtiges Beweismaterial für die totale „Verjndnng" dieses nur durch eine echt orientalische Reklame weit über Gebühr in die Höhe gelobten Komponisten enthalten nun die jüngsten Enthüllungen und andere authentisch beglaubigte Aeußernngen ans Wagners Munde. Das ganze kunstvolle Gebäude der antisemitischen Rassenpsychologie müßte ja in sich znsammenstürzen, wenn? dieser Mann, der alle charakteristischen Merkmale des „jüdischen Erwerbssinnes," der.wirtschaftlichen Ausbeutung selbst seiner nächsten Freunde in sich vereinigt, nicht jüdischer, sondern —/es ist.schrecklich zu sagen — wirklich und wahrhaftig rein arischer Abstammung wäre. Alle diese spezifisch jüdischen Untugenden und Laster finden sich bei diesem grimmen Gegner des „Judentums in der Musik," der uns erst aus dem Banne der orientalisch süßlichen Melodik befreit und aus dem Jungbrunnen der germanischen Volksseele seine kerndeutschen Touwerke geschöpft hat, „harmonisch" vereinigt. Wer das „Glück" hatte, mit Wagner in nähere persönliche Beziehungen zu treten, wurde, sofern er nicht selber ein armer Teufel war, unbarmherzig von ihm angepumpt. Napoleon, die Fürstin Metternich, Moruy und der Baron von Erlanger wissen ein Liedchen hiervon zu singen. Inden hat Wagner mit besonderer Vorliebe in Kontribution gesetzt. Generalkonsul Jacques Hahn in Frankfurt a. M., dessen Gastfreundschaft er oft genoß, hat dieser Freundschaft nicht unerhebliche Summen geopfert. Als Wagner im Sommer 1860 sich in Paris niedergelassen hatte ilnd die Große Oper durch Vermittlung der Fürstin Metternich und ans Befehl des Kaisers Napoleon III. die Vorbereitungen zur Aufführung „Tannhänser" traf, befand er sich infolge einer Reihe von Fehlschlägen in äußerster Geldverlegenheit. Rettung kam ihm plötzlich von vorher ganz unbekannter Seite. Er berichtet darüber im zweiten Bande seiner jetzt erschienenen Selbstbiographie: „Was mir die Beschwerden, denen ich entgegenging, sehr erleichtern zu wollen schien, war das freundschaftliche Verhältnis, welches der junge Bankier Emil E r l a n g e r mit mir einzngeheu sich angelegen sein ließ." Albert Beckmann, der von der französischen Regierung als Preßagent benutzt wurde und' auch dem Bankhanse Erlanger Dienste leistete, spielte den Vermittler. Als er Richard Wagner mitteilte, Einil Erlanger wünsche ihn kennen zu lernen, gab Wagner die charakteristische Antwort, von einem Bankier habe er nichts anderes nötig als sein Geld. Auf diesen Scherz erwiederte Beckmann jedoch zur angenehmen Verwunderung Wagiiers sehr ernsthaft, gerade in diesem Sinne wünsche Erlanger ihm nützlich zu werden. „Ich lernte infolgedessen," so fährt Richard Wagner fort, „einen recht angenehmen Menschen kennen, welcher zunächst von einer wirklichen Liebe zu meiner Musik, die er in Deutschland häufig gehört hatte, zu teilnehmender Gesinnung für mich bestimmt worden war." Erlanger bot sich unn an, Richard Wagners „Bankier" während seines Anfenthaltes in Paris zu werden. Das heißt, Wagner überließ ihm feine — geringen und unsicheren — Einnahmen, und Erlanger stellte ihm regelmäßig soviel Geld zur Verfügung, als er zur Befriedigung seiner Lebensbedürfnisse brauchte. „War auch der ilimjMig mit Herrn Erlanger von all den Umständen begleitet, welche die bloße Gutartigkeit eines Menschen nicht aufznheben vermag, so fand ich doch in ihm jederzeit einen trenergebeneu und für mein Wohlergehen sowie für das Gelingen meiner Unternehmung ernstlich besorgten Menschen," so schreibt Richard Wagner. Später, nachdem der „Tannhäuser" so schmählich zu Fall gebracht worden war, unternahm Erlanger den Versuch, eine halbe Million Franken zur Gründung eines eigenen Pariser Richard Wagner-Theaters zu sammeln. Daes ihm mißlang, trat er, nach Wagners Zeugnis, „von seiner ferneren Teilnahme au meinem Schicksale zurück". Aber Wagner ist, wie der „B. B. C." mit Recht hervorhebt, offenbar ungerecht, wenn er diese Episode mit dem bitteren Urteile abschließt: „Im kanfmännischen Siline betrachtete er den mit mir eingegangenen Vertrag als eine Art von Geschäft, welches nun eben nicht reüssiert habe." Es scheint vielmehr aus allen Umständen hervorzngehen, daß Baron Emil Erlanger, als er sich dem bedrängten und verkannten Künstler znm „Bankier" anbot, nur ans Zartgefühl diesen Ausdruck wählte, für den das Wort Helfer richtiger am Platze gewesen wäre, daß er dann aber, wie so viele damals, doch das Vertrauen in die Sendung des Schöpfers der „Zukunftsmusik" verlor. Als ein Pnmpgenie allerersten Ranges hat Wagner sich alsdann in der Affaire mit Robert von Ho nt ft eiu gezeigt. den er aus Rache für eilten mißglückten Pnmpversnch in seinen jetzt veröffentlichten Memoiren als einen körperlichen und geistigeit Tölpel darstellt. Nun hat aber auch Robert von Hornstein. Memoiren hinterlassen, die sein Sohn vor einigen Jahren herausgegeben hat. Die für Wagner kompromittierenden Blätter jedoch hatte der Herausgeber schonend und taktvoll unterdrückt, und erst die Rücksichtslosigkeit der Bayrenther Veröffentlichung veranlaßt jetzt den Sohn des Miß-

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