Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 30 (4.8.1911)
- Date
- 1911-08-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 . Die Wahrheit Nr. 30. Terrains durch Vorausbezahlung der noch.nicht fälligen, jährlich aözuzahleüdeu Darlehen zu gewähren.' Gemäß des' früher mit den Pflanzern vereinbarten Kontrakts haben die'Kolonisten im Laufe von 20 Jahren ihre Schulden an die Gesellschaft abzutwgeu, unb eine früher als nötig geleistete Zahlung darf. nur mit -unserer Einwilligung' stättfinden. Diese Klausel ist, wie man leicht erraten kann, deswegen dem Kontrakte beigefügt, um die Kolonisten zu verhindern, aus den ausgeb auteu Terrains Spetulatiousobjekte zu machen. Wir haben das Bewußtsein, eine Pflicht erfüllt zu haben, wenn wir uns bemühen, den Kindern der Kolonisten die Wohltaten des Landlebens auf dem Eigentum zu stchern, das ihre Eltern von unserer Gesellschaft zu sehr mäßigen Preisen erworben haben. Wir haben uns in nuferen Vermutungen nicht getäuscht, und der Beweis dafür ist, daß der inzwischen sehr gestiegene Wert des Bodens die Hauptnrsache der'gegen uns betriebenen Agitation ist. So beeinstnßt mau die Kolonisten, ihr Eigentumsrecht zu erlangen, indem man ihnen das zur Vorausbezahlung der Jahresschulden erforderliche Kapital vorstrecken will. Wir kennen nicht die Bedingungen, die man den Kolonisten stellt, aber es ist wohl auzunehmen, daß ste nicht allzu günstig für die letzteren find. Sind erst einmal ihre Grundstücke verkauft oder verschuldet, dann wird ein großer Teil der israelitischen Landlente sich wieder in die Städte znrückziehen und Handel betreiben. Ihre mühevolle Arbeit von 20 Jahren würde wie unsere Anstrengungen vergebens gewesen sein.- Um die Kolonisten von Manricio vor den Spekulanten zu schützen, haben wir ihnen größere Zuschüsse gewährt, damit sie noch mehr Vieh kaufen und so die großen Lüzernenfelder ausnutzen können, deren Ausbeute äußerst vorteilhaft ist. Wir glauben bei der ernsten Frage einer definitiven Abtretung des erworbenen Bodens vor dem festgesetzten Termin auf unserem Standpunkt beharren zu müssen. Wie bereits bemerkt, ist der Mehrwert zahlreicher Gebiete sehr beträchtlich. Die Kolonisten haben die Immobilien zu sehr mäßigen Preisen erworben, und Zn wiederholten Malen haben wir ihnen ganz erhebliche Vorschüsse gewährt. Es ist unsere Pflicht, die Kolonisten zu hindern, den trügerischen Vorspiegelungen nachzugeben, die man ihnen macht, um sie ihres Bodens zu enteignen. Ihre Arbeit hat ihren Besitz Früchte tragen lassen, deren sie und ihre K.inder sich freuen sollen, und nicht diese Spekulanten, die sie vom Wege abbringen wollen, den selbst zu betreten die Erfolge der Kolonisten sie veranlassen. Die allgemeine Lage erscheint: wenn auch noch nicht vollkommen, so doch günstig. Sie immer mehr zu verbessern wird in der Zukunft auch von den Kolonisten abhängen, die sicherlich vermöge der von uns lange eingeführten Selbstverwaltung der Kolonien die besten Maßregeln dazu treffen werden. Die Inden und das Wirtschaftsleben. (Fortsetzung.) Das heißt, sie verstießen gegen gewisse traditionelle Gepflogenheiten der damaligen christlichen Geschäftswelt, sie trieben „Kundenfang," priesen ihre Waren öffentlich au, verkauften zu billigeren'Preise usw. Jedenfalls stellt Sombart fest, daß das Sündenregister, das man während des 17. und 18. Jahrhunderts den Juden vorhielt, nichts enthielt, was der moderne Geschäftsmann nicht für das selbstverständlich Richtige erachtete, was nicht das tägliche Brotin jeder modernen Geschäftsführung bildete. Weit über das Ziel schießt Sombart jedoch wieder, wenn er aus dem Bestreben ver Juden, alle wirtschaftlichen Vorgänge nach eigenem Gutdünken so zweckmäßig wie möglich zu gestalten, ohne Rücksicht auf irgendwelche zünftlerische Satzuugen, entdeckungsfroh - ausruft - (Seite 180): „Das sind nichts anderes als die Ideen des „Freih a ndel s," der „freien Konkurrenz." , ist der ökonomische Rationalismus, ist der kapitalistische Geist,' ist eben die moderne Wirtschaftsgesinnung, bei deren Aus--- bildung die Juden eine so große, wenn nicht die entscheidende' Rolle gespielt haben." Im Judex und auch später inrText nennt^r.danngleich die Juden „die Väter des F r e i hä n d-e l s7" . In' dein offensichtlichen Bestreben: .die Inden überall; in den Vordergrund zu drängen, legt er ihnen söggr noch eine andere Vaterschaft aitf, bie einen: giemÜc^/ o\Vthiö)eii ^eigef^mac^ hat. Weil nämlich früher grämlichL -Koukurreuteil /deu Jilden oen; Vorwurf gemacht haben, jte bieOualität!berf^leiei*=teii und; verschlechterten, daß sie ‘ mit reglemeiltswidrighergestellten Waren Handel 'trieben, nennt er (S. 172) die Juden auf einmal auch die "„Väter des S Nr rch gät s', im alleriveitesten Sinne." Nun weiß der arme Unglückliche, dem man anstatt eines edlen Mokkas einen schauderhaften Malzextrakt vorsetzt oder schnöde Margarine aufs Brot streicht, doch wenigstens, aus wen er schimpfen soll! ' Mit der Entdeckung der Anfänge.der Freihandelspraktikeu endet der erste und längste Abschnitt des Buches. Im Eingänge des dritten Abschnittes „W i e jüdisches W e s e n e n t fta n d," gibt Sombart der .Meinung Ausdrnck, daß er die Aufgabe, die er sich gestellt habe, eigentlich schon gelöst hätte, da er die Bedeutung der Inden für das moderne Wirtschaftsleben geschildert habe und allen Zusammenhängen zwischen Judaismus und Kapitalismus nachgegangen sei. Dänin nun nicht aber gerade die besten Leser das Buch mit dem Gefühl schmerzender Unbefriedigtheit ans der Hand legen, müsse - auch noch die Frage: Woher-kommt denn diese jüdische Eigenart, die als letzte Erklärung für den großen Einfluß der Juden in unserem Wirtschaftsleben, angeführt sei, wohin geht sie? beantwortet werden. Entweder könne diese Eigenart den Inden seit Anbeginn der Geschichte im Blute stecken oder im Laufe der Geschichte — im Altertum oder später — ihnen ins Blut gekommen sein. Bei Erörterung dieses Problems kommt Sombart zuerst ans die Rassen frage zu sprechen und weiß auch hier wieder verständige Worte zu sinden, um die Verblendung der Rassetheoretiker zu geißeln. 11. a. schreibt er: (S. 339): „Es ist als ob bei der Behandlung just der „Judenfrage" und zumal an dem Punkte, wo sie mit dem allgemeinen „Rassenproblem", sich schneidet, alle Teufel sich v ersch w o ren hätten, um, die Köpfe zu verwirren." Sombart behauptet nicht, daß es eine jüdische Rasse gibt, aber es gibt nach ihm eine a n t h r opologische Eigenart der Juden. Er zitiert hier die Worte A. Ruppius: „Als sicher kann aber gelten, daß die Bekenner der mosaischen Religion noch gegen. Ende des 18. Jahrhunderts nach vielen Jahrhunderten strengster Inzucht innerhalb eines realitip kleinen und räumlich beschränkten Kreises eine durch anthropologische Merkmale von ihrer christlichen Umgebung scharf unterschiedene Gemeinschaft bildeten. Die Gesamtheit derjenigen Personen, welche genealogisch von dieser Gemeinschaft abstammen, kann man.- — mangels eines besseren Wortes für anthropologisch einheitliche MenscheNgruppen —als e i n e R a s s e und zwar als die j ü d is ch e Rasse bezeichnen. Dies ist doch schließlich nur ein Spiel mit Worten, das mit der ersten Behauptung in Widerspruch steht. Sombart spricht dann von . einer „Konstanz des jüdischen Wesens" und behauptet/daß gewisse Besonderheiten der jüdischen Psyche sich soweit zurückführen ließen, wie die Geschlossenheit der ethnischen -Gruppe reiche, die wir Juden neunten. „Schon den Aegyptern graute vor den. Kindern Israels." Sechs Ursachen weiß er für diese Konstanz auzuführen, vor allem die Religio n, di e -Gleichheit i h r e r w i r t s ch a f t l i ch e n Tätigt ei t. die Vega b u n g f ü r G e l d g e s ch ä f t e. Schon in den ältesten -Zeiten besaßen die Juden ein erstaunlich hohes Maß von Per- 'trantheit mit ökonomischen und kreditwirtschaftlichen Problemen (Seite 377): „Wenn mau die Zeit bedenkt, in der.der Talmud entstanden Ist (200 v. Ehr. bis 500 nach Ehr.) und gegen ihn alles das 'hält, was uns das Altertum und das Mittelalter an nationalökonomischen Einsichten hinterlasseu haben, so kommt man aus der Verwunderung gar nicht heraus. Sprechen doch viele der Rabbanen, als hätten sie - mindestens Ricardo oder Marx gelesen,. oder wären sie ein paar Jahre als Broker auf 'der Stock exchaNge