Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 29 (28.7.1911)
- Date
- 1911-07-28
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite'Ä. '; -• -Wahrheit. Mi. 29. Her lMeßM«üswöhl ^WZjDrohoüyrz-'Lmsri Lehen.'-gekommelieil-DpPr -der BWaliM-M^fx-^bhfutzc Fi^e chef/^Wfiü.d^TM^rrehe, ^uid Dberk'anchr Myö. -H el'fi,)äuß),Hröh- Wärde,,? tznWLeHürl^ )Dlnen seÄenvoÄn.^ort^ag'de^ Dl'Mo^6^rs.LÜaiMM TrfinÄrbei fimiAien; MitgesÄHW-8?l UZr-zaWeWeivUnÄM»8eik." i - Salzburg. Beim Festgottesdienste anläßlich .dettKmistitNierung.der hiesigen Kulmsgemeinde hat^-Herr Kantor H. Kohn in erhebender Weise ”$55*X LH"r i 'gtt ’Sj e USTß & i* äsü'Ul^^Am, 20. R-M^i^treWfier-^PoUzeilelter Herr^^Zakoö'^E/h r P4 itz/- welcher gwkch- -KiEg MtzlKe^liMerKMZW^ hieLürtigen LMvibrMziä GtttnlsinNschenMer- ^oWÜu^shMsess.Heftechet^nsHreiMeinerKnkMMd seiner, fonstiZ?p;FamM )esv.'jM-jMsges>DseyMWamyx.ä!LHo'lizejorHtzn. Äus diesem WlaßeJnid Dem'Jubilar voü 'allseirs' so diele' Beweise' von Ehrungen zuteil worden, daß - Derselbe aus diesem Wege seinen ' tiefgefühlten Dank entgegenzünehmen bittet. : ) Vagnjhely. (G r a b st e i n st e l l u n g.) In feierlicher Weise Wurde, das Grabdenkmal Dr. Arnold Weif s-e^s, des rühmlichst..bekannten Dichters und Schriftstellers des ältesten Sohnes des großen Rabbi Zoses W e i s f-e und seiner Gattin Charlotte s. A. auf dem hiesigen alten jüdischen Begräbnisplatze enthüllt und hielt bei diesem Anläße Profeßor Moritz A n t s ch e r l aus Wien, der Schwager des Verewigten, diesem .einen warmen Nachruf, der in den Herzen der an. dieser Feier teilnehmenden Verwandten und Freunde Dr. Weiße's nachhaltigen Widerhall fand, Die'meisterhafte hebräische Inschrift als Akrostichon widmete Sr. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. I. I. U ji g e r -Jglau dem Verewigten, an den auch zwei Verse aus seiner eigeueu herrlichen Dichtung „Chamisch-Osser" erinnern. Diese Dichtung und „Megillas Esther" für Purim schrieb der Verewigte für die jüdische Familie und namentlich für unsere Jugend, die er für unser Judentum erwärmen wollte. Seine Poesien und mehrere jüdische Novellen erschienen s. Z. in der „Neuzeit". Als Chefredakteur eines der größten deutschen Blätter.entfaltete Dr. Weiße in Hamburg eine bedeutende und überall anerkannte literarische Tätigkeit. Seinem angestammten Glauben, aber auch seinem Vaterlande blieb er in der Fremde immer treu und als Menschenfreund war er stets bereit, den Unglücklichen zu helfen. Diese, herrlichen Tugenden des in heimatlicher Erde ruhenden Dichters kamen im Nachruf anläßlich der Errichtung seines Grabdenkmales zum Ausdrucke und wir rufen dem guten Freunde die Worte zu: „Gesegnet sei dein Andenken!" Konstantinopel, 24. Juli. Gegen 2 Uhr nachmittags . brach in dem am Goldenen Horn gelegenen israelitischen Viertel Balat ein Brand aus, der sich nach zwei Richtungen, Legen das Griechenviertel Phanar und das Türkeuviertel Ejub fortpflanzt und bereits einen bedrohlichen Umfang annimmt. Es sollen bereits 400 Häuser niedergebrannt sein. Der Großvezier uud die Minister, die eben über den gestrigen Brand berieten, begaben sich sogleich auf den Brandplatz. Der Brand soll im israelitischen Spital ansgebrochen sein. Der Brand wurde gegen 9 Uhr abends gelöscht. Etwa 500 meist kleine Häuser sollen niedergebrannt sein. Die Obdachlosen begaben sich in Barken in das auf deni gegenüberliegenden Ufer des Goldenen Horns befindliche israelitische Stadtviertel Hasköj. Eine Barke kenterte, doch wurdendie Insassen gerettet. Der Keifer. Von Oberkantor M. A. Landau, Wiener-Neustadt. (Fortsetzung.) Unter, den vielen vornehmen Häusern, die dem Oberbelfer Jossale als besondere Auszeichnung zugewiesen wurden, befand sich auch das Chaim Schmnl Kazews. Zwei kleine Buben hatte Jossale in die Schule und spazieren zu führen und so kam er auch mit der reichen Familie in nähere Berührung. Wenn ans ihn auch die kostbar eingerichteten Stuben, die goldenen und silbernen Schmuckstücke, die schweren Plüsch- und Samtdecken einen gewaltigen Eindruck machen mußten, wenn er auch diese Pracht zum erstenmal in seinem Leben sah und in dem Klavier und dem Bücherständer die Verkörperung alles Wissens und Könnens erblickte, so hatte ihn doch-von allem Anfang an die schöne Tochter des. Hauses, , die er stets mit einem dicken Buch in der Hand antraf und die kaum seinen Gruß erwiderte, am meisten gefesselt. Was sollte sich ein Kind, das in den ärmlichsten Verhältnissen ausgewachsen war, Höheres und Reizvolleres vorstelleu, als dieses schöne, modern gekleidete uüd modern frisierte Mädchen, das schön deutsch und polnisch sprechen konnte? So erschrak er bei ihrem jedesmaligen Anblick wie vor. einem höheren Wesen, er sah und hörte gar nichts, sondern verschlang nür sie Mit seinen Blicken;, sie war das Alfa und Omega seines Fühlens und.Denkens, und auch außerhalb des Hauses stand sie wie lebend vor seinen Augen. Blume stand vor ihm, wenn er mit seinen Schülern die Segensprüche einbüffelte; Blume stand vor ihm beim Talmudstudium; Blume stand vor ihm, wenn er Trenderl goß .und-. Ratschen schnitzte; Blume sing sogar an, Gegenstand seiner'Tränme zu werdend Und so sah 'er sich emsitzen^ '8i'e" eMm "berühmten Wänderprediger ' -MM.E'M^rusfr dÄKr.Gsste''4hE! SpeiseSdrrÄMHsif/Mer das- ÄebeNihsi' -föÄieböMÜ GMdchMe > itiib1 rnurpMollte^rer 'ihrbffeitt^dgKlM Herz ansschütten und sie bitten, ihn neben sich^-älslnsirMMM, ffMitzen Mensch eit > W - dulden i 'tnld i'itl diesem" HöchMfühl - machte er'-eine kühne 'WetidnUchnsind-i; — -Mlche''Tücke--des6 m'enschen-- feindlichen Traumes'!- ~ dürLag er ans dem harten Boden wir wehen Gliedern und sah allmählich die ' Nackte Wirklichkeit' die kalte, finstere Kammer und das--harte Lager. ' - . Aber der Traum' war zU' schön, zu greifbar gewesen,--als daß Jossale ihn sobald hättet vergessen können. Der Anblick -des schönen. Mädchens 'war'' für -ihn'' jetzt eine noch größere Qual, und um ihr anszuweichen,'dachte er ernstlich daran-, seinen Meister zu bitten, dieses- Häns 'einem - anderen Belfer - au'zA vertrauen, damit er Blume nicht täglich'sehen müsse. Aber da fielihm noch rechtzeitig ein, daß er einem ganzen Verhörewerde standhalten müssen.' Denn der Meister mußte ja mit Recht vermuten, daß er wahnsinnig sei) Wie könnte ein vernünftiger Mensch so ein Haus, wo man so viel Geld und so gutes Essen bekam, ohneweiters an'sschlagen? Und was würden sich die Leutedenken, die ihn wegen seines' ruhigen und anständigen Betrageusbald gerne litten, w ns w ü r d e s i ch B l u m e d e n k e n? Daswar fürihn ausschlaggebend. Blume durfte nichts Arges von ihm-denken. Schon hatte sein Meister an ihm einige Unregel-- Mäßigkeitenaussetzeu müssen, aber nun raffte er sich rechtzeitig wieder auf. Er mußte trachten, seinem Ideale gleich zu werden/ damit ihn das Mädchen nicht mit Geringschätzung anblicke. Und so begann er denn mit Feuereifer ganze Nächte 'zu lernen undzu büffeln) Er suchte Sprachlehrer auf und lernte seine Lektionen .mit-solcher-Inbrunst, -daß er in nicht gar länger Zeit gutedeutsche und polnische Bücher lesen und verstehen konnte., Ja, mul wurde Jossale gar kühn, als er da in die papierene Welt: geblickt hatte und etwas offenere Angen bekam. Jetzt kaufte er sich gar einen alten Meidinger und begann auf gut Glück — Französisch zu lernen. ' . . . Und das Glück war ihm hold. Eines Tages traf er Blume allein zuhause an und wieder wollte er sich schüchtern vorbeischleichen, als er in ihren Händen ein kleines Bändchen mit Goldschnitt sah und auf dem Decket, die ihm wohl vertrauten Worte, las: Wielands ..Oberon," Und nun faßte er Mut und fragte sie) wie ihr das Werk gefalle und als sie ihm sagte, daß sie es, eben lesen wollte, da begann er ihr m überschwenglichen Worten die Schönheit dieser Dichtung, vor Augen zu führen und wie sie ihn in seiner ehrlichen Ueberzengirng so verständnislos anblickte, wie etwa' einbekanntes Tier ein neues Scheunentor, dawurde unserem Jossale inne^. daß sein Ideal zwar schön,-sogar-sehr schön sei, aber im Grundr doch uichts anderes als ein ga^iz gewöhnlicher Mensch wie er und seinesgleichen. - Da erst wuchs seine Kühnheit; und nun erst.wagte er es^ mit ihr so ganz einfach zil reden, wie mit anderen Leuten undnun fand er zu seiner Frende ein . liebes, gutes, aber ganz ungebildetes Mädchen. Das Zusammentreffen mit Blume war von diesem Momente an für ihn. nichts Schreckliches' mehr) Er sprach mit ihr viel und oft und er erzählte ihr von seinen Studien und seinen Büchern und gelegentlich ' fragte er sie, ob er ihr Bücher bringen, ober ihr manches vv.rlesen und erläutern dürfe. Und sie sagte nicht „Nein)" 1 “;- Jossale kank* jetzt öfter als ^gewöhnlich, auch seine Kleidung, war jetzt besser als: gewöhnlich. Der Umstand, daß er sich völligkostenlos als Lehrer angeböten hatte): mtb daß er mit Blume sogar seine mageren Kenntnisse) im. Französischenzu teilen begann, chatte ihn auch bei den .sonstrauhem Ellern seiner schönen Schülerin beliebt gemacht und „Cchaim Schul schenkteihm sögan eine silberne"Spindelichr. -;; r-'- n- - - . Gortse'tz,;ugiffplAt.j s