Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 29 (28.7.1911)
- Date
- 1911-07-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 29 Oesterr.-ungar. Kantoren-Zeitung , Seile 9. Kantorenschnle. Schon lange wird der.Mangel eines tüchtigen kantoralen Nachwuchses schwer empfunden und die - ungenügende Ausbildung derjenigen, du sich dem kantoralen Berufe znwenden, ist eine zener Ursachen, die ans die soziale Stellung des Kantors im höchsten Grade schädlich einwirken.. /In Erkenntnis dieser Tatsache hat der Vorstand des österr. ung. Kantoren-Bereines sich schon längere Zeit mit der Idee der.Gründung einer behördlich autorisirten Kantorenschule in Wien beschäftigt, doch die Verwirklichung derselben wurde hinausgeschoben, weil man hoffte, .daß die geplante jüdische Gemeindeorganisätion auch die Lösung dieser Frage, die ebensosehr die Interessen der Gemeinden wie .die der Kantoren, tangiert, in die Hand nehmen werde. Da nun das Zustandekommen der erwähnten Organisation für absehbare .Zeit nicht zu erwarten ist, andererseits aber die Notwendigkeit eines geregelten Studienganges für die Kantoratseleven — schon Mit Rücksicht auf die Berechtigung, den Titel „Kantor" führen zu dürfen und .zur Abwehr der freiberlterischen Elemente, die ohne jede sachliche und moralische Qualifikation sich in den kan- .toralen Beruf hineindrängen — sich immer dringender erwies, hat der Vorstand des österr. ung.' Kantoren-Bereines in den letzten Monaten die Angelegenheit energischer betrieben nnd in .zahlreichen Sitzungen die Aktivierung der Kantorenschule vorbereitet. Der sorgfältig ansgearbeitete Lehrplan ist fertiggestellt, .der Lehrkörper ans anerkannt tüchtigen Fachgenossen ansgewählt, .die behördliche Genehmigung steht in sicherer Aussicht nnd nach den hohen Feiertagen des Henrigen Jahres soll die Kantorenichule, die auf einen zweijährigen Studiengang berechnet ist, eröffnet werden. Bei dieser hochbedeutsamen Aktion rechnet der Vorstand -des österr. ung. Kautorenvereines mit Sicherheit auf die moralische und materielle Unterstützung der israelitischen Knltusgemeinden und aller Jener, denen die Pflege und Fortentwicklung des jüdischen Svnagogengesanges nnd mitinbegriffen die Fürsorge für den jüdischen Gottesdienst am Herzen liegt, und hoffentlich wird sein diesbezüglicher Appell an diese Kreise nicht ohne Wirkung bleiben. Stuttgarter Synagogengesänge. 'Komponiert '1861 von Professor Dr. Jmannel Fa ist. anläßlich des LOjährigen Synagogenjubiläums herausgegeben 1911 von Oberkantor I. T e n n e n b a u m. Besprochen von kaiserl. Rat Josef Singer, Wien. Beim Lesen der das Vorwort vorliegenden Werkchens ^,S t n t t.g a r t e r S y » a g o g e u g e s ä » g e" einbegleitenden Worte fühlen wir uns allerdings, was Tendenz und Form betrifft, jedes Weiteren enthoben. Ein Synagogengesangswerk, welches ans Veranlassung eines israel. K i r ch e u v o r st e heran: t e s, auf besondere Anregung der musikverständigeu israel. .K i r ch e n Vorsteher, eines israel. K i r ch e n r a t e s. von einem Musiker allerersten Ranges wie Dr. Jmauuel F a i ft, komponiert, wurde, kann sich jedem Einzelnen von uns nicht -anders als vollständig erschöpfend als das vorführeu, was es enthalten foll, zu welchem Zwecke es komponiert wurde — mit -einem Worte als kirchliches S y n a g o g e n g e s a n g sw e r k. Man mißverstehe.uns nicht und fasse unseren ehrlichen .Hinweis beileibe nicht als^ ironisierende Glosse auf — im Gegenteile! Wir wünschten allen Ernstes/- daß alle in der neuesten oder auch älteren Periode veröffentlichten Synagogengesangswerke, was Aufball, Harmonisierung und Stimmführung betrifft, die gleich ausgezeichnete Signatur dieser „Stuttgarter . 'Synagogengesänge" trügen. Vorliegendes ' Werkcheu entstand 1861, also zu einer Zeit, da das namentlich deutsche Judentum Lur Modernisierung des jüdischen Gottesdienstesdrängte; der Kantor mußte, nach christlichem Beispiele, ein Funktionskleid ^Ornal), -die Chormütze und den zusammengelegten Tallis rc. anlegen, um den Gottesdienst auch äußerlich möglichst zeitgemäß .zu gestalten. In diese Zeit fällt auch die uns unbegreifliche Sucht, in gesanglicher Beziehung möglichst all das zu eliminieren, was an die ehrwürdige alte Synagoge erinnert (m:?n) und diese vorliegenden, von Herrn Oberkantor Kollegen Tennenbäum überaus verdienstvoll veröffentlichen „Stuttgarter Synagogengesäuge" können, nebst anderen, als kulturhistorische Zeugen jener Modernisieruugsperiode des alten Synagogengesanges hingestellt werden. Wir akzeptieren dankbarst all die Meisterarbeiten eines Jmanuel Faist. namentlich in Berücksichtigung des Umstandes, daß er, gleich den christlichen Mitarbeitern das jr»x tw. immerhin unter der Fessel der Unfreiwilligkeit litt und daß ihm, wie mir der nunmehr verewigte Oberkantor Eichberg persönlich mitteilte, der oanins firmus zu den verschiedenen Kompositionen zugeteilt wurde. Wir konstatieren auch, daß der berühmte Komponist. was Motive und Verarbeitung des Stoffes betrifft, dem Bannkreise des jrx -pw sich nicht entzogen hat (siehe Nr. 24'; Nr. 49; Nr. 61 — wpn und 61b mn avz '3). Die Kompositionen allesamt werden als Meisterschöpfnngen sicherlich die beifälligste Aufnahme finden und werden hiemit, auch namentlich für Stndienzwecke, würmstens empfohlen. Dem Herausgeber, Herrn Kollegen Tennenbaum, jedoch gebührt doppelter Dank, doppelte Wertschätzung: einmal, daß er durch die trefflich vollzogene Veröffentlichung des Werkchens, namentlich in pädagogisch-historischer Beziehung, dem Synagogengesange diese treffliche Studie einverleibte; und dann (wenngleich auch sein Name nur an zwei Stellen schüchtern eiugeführt erscheint, Nr. 52 und 615), daß er dennoch mit chasanischer Gefühlsinnigkeit dafür eintrat, daß dem Werkcheu noch vor Torschluß weuigstens, was m und zr betrifft, der synagogale Charakter nicht ganz vorenthalten blieb. Das Werkcheu selbst wird, namentlich als Mnsikstudie, wärmstens empfohlen. Ischl, im Jnli 1911. Konkurs. Lai der israel. Kultusgemeinde Bisenz gelangt mit dem 1. September a. e. die Stelle eines II. Kantors und Sekretärs der zugleich Schoehet und Koreh sein muss, zur Besetzung. Musikalisch Gebildete und solche, die Baal Tokea sind, gemessen den Vorzug. Fixum 1800 K. pro Jahr. Gesuche sind bis 8 August a. c. einzureichen. Der israel KultusTorstand. Konkurs. Bei der israel. Kultusgemeinde Strassnitz gelangt die Stelle eines musikalisch gebildeten ZEsüaxrtors der zugleich Koreh, Schoehet und Bodek ist und die Approbation eines orthodoxen Rabbiners bat, zur Besetzung. Mit dieser Stelle i-r ein fixer Jahresgehalt von K 1400. — nebst Nebenemolumenten uud Naturalwohnuug verbunden. Bewerber wollen ihre Gesuche unter Anschluss von Zeugnissen über ihre bisherige Verweudung bis 1. August 1. J. an den gefertigen Kultusvorstand übersenden. Die Reisespesen werden nur den zum Probevortrag Berufenen und Akzeptierten vergütet. Strassnitz (Mähren), am 10. Jnli 1911. Der Kultusvorsteher : Sig. Rebenwurzel. Austritte uns dem Judentum. BeIknß Irene, geb. Io. Februar in Großwardein. Ungarn, DI. Baumgasse 54. S a x l Ernst. Realschüler, geb. 2. November 1895 in Wien, XV. Füns- Hausgasse 5. 11 n g e r Lea Mattel, geb. Friedfertig, Private, geb. 10. Mai 188? in Brody, U. Kastellezgasse 11. Miller Hugo Robert Dr.. geb. 28. März 1387 in Leipzig, XVI. Neulerchenselderstraße 35. Müller Heinrich, Hochschüler geb.? IV. Biktorgasse 18. P a tzowski Anna. geb. 20. November 1831 in Wien, XIX. Trauttmannsdorfgaffe 56.