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Die Wahrheit · 1911-07-21 · Heft 28 (21.7.1911) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 28 (21.7.1911)
Date
1911-07-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Oette 8. Die ÄZäWeit. UM. WrLliHkeit war bei M Nüiiou so groß,/baß Let Talmud. Ekme MrafeÄrrf das LäÜgnen h'erMben setzte, wohl über bieW ünt LM MaübeU äü der Äuferstehüug' der Töteü tüt/ melche im Wgeülätz zur älltzeinein -b'erMftet'en Erkenütilis der Förtdäutr 8er Seele naich dem TöL'e/ ein geglaubtes Dogma ivar. Hat die Seeie ihre Pilgerfahrt Hieüitzden üöÜend'et) hat si'e die Prösiiläen, welche iü den Tempel, die Vorhalle, welch e in Lie FürsteUwöhnung führen, durchschritten, dann kehrt sie in ihre Wohnung heim. . " Als das höchste physische Uehel, wird der zeitliche Tod von Nr Seele schmerzhaft empfunden. Drei StiiUmeu, sb lchrten die Rabbiueu, erschallen von eiueni Ende der Welt ziim andern. Nämlich die Stimme der Sönnensphäre, die Stimme des Städterüses und die Stimme der Seele, zur Zeit, da sie den Die Seele des Menschen, sagte Rabbi Chasda, trauert über sich selbst sieben Tage lang. Sie ist mit ihrer abgelegten Hülle und durch sie mit dem Erdenleben, noch in einem gewissen Zusammenhänge. (Nach der Lehre der asten Perser weilt die Seele des Gerechten in der ersten und zweiten Nacht nach dem Tode,, neben dem Haupte des Leichnams. Die Seele lebt in einer seinen, ätherischen Hülle fort und nachdem sie noch drei Tage nach dem Tode bei dem Leichnam verweilterhebt sie sich zu jenem Gipfel, wo Gericht über sie gehalten wird.) Rabbi Abahu sagte, alles was von dem Verstorbenen gesprochen wird, weiß derselbe, bis die Leiche mit Erde bedeckt ist. Tröstungen der Leidtragenden gewähren der Seele Befriedigung und Ruhe. Rabbi Elasar sagte: Wenn der Fromme das Zeitliche segnet, gehen drei Scharen der diensttuenden Engel ihm entgegen. Die eine Schar spricht: „Er gehe ein in Frieden". Die zweite spricht: „Er, der gerade gewandelt". Die dritte Schär spricht: „Er komme in Frieden und ruhe auf seiner Lägerstätte." Die abgeschiedenen Seelen werden dem Engel Dnme übergeben, unter dessen Obhut alle ohne Unterschied verharren. Jede Seele wird vor das Gottesgericht geführt, wo sie selber Zeugnis von ihren Handlungen im Erdenleben gibt. Seelen, die weder Verdienste haben, noch schuldig befunden werden, fahren in das Gehinom, kommen aber durch Reue und Sehnsucht wieder herauf. Die Sünde selbst, welche der Mensch begehet auf dieser Welt, gehet vor ihm einher am Tage des Gerichtes. Die Auferstehung der Toten findet am Ende der Tage statt, wo Gott mit seinem himmlischen Tau die Materie wieder beseelen wird. Letztere (nämlich die Auferstehung) ist der Nation heilig geworden, so daß der strikte Glaube an derselben, als ein Arfciculus fidei festgesetzt worden ist. (Forschung folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wie». Der hier anwesende Generaldirektor der Philadelphia- Chicago Grand .Opera Company, Herr Andreas D i p p e I, hat den Heldenbaritou find. jur. Friedrich Scharr, Sohn des Oberkantors Mayer Scharr und Schüler des Gesangprofeffors Adolf Robinsohn ab Herbst dieses Jahres engagiert. Wien. (Bethausverein „Am Volkert.") Unter unerwartet starker Beteiligung sowohl der Bethausvorstandsmitglieder als auch der Eltern der Schüler fand am 2. Juli die z w e i t e öffentliche S ch l u ß p r ü f u n g an der im Jahre 1909 errichteten Sprach- und Bibel schule statt. Während im Vorjahre, dem ersten Schuljahre, nur 60 Schüler die Bibelschule besuchten, weist das heurige Schuljahr schon eine Anzahl von 168 Schülern aus, darunter eine stattliche Reihe, die das Gymnasium oder die Realschule besuchen, weshalb fvZar in 5 Abteilungen durch 3 Lehrkräfte Unterricht erteilt wurde. Das Jntereffe an der Schlußprüfung würde durch das Erscheinen illustrer Gäste und gewiegter Pädagogen gehoben. Trotzdem ganz aparte, die Fähigkeiten der Schüler herausfordernde Fragen gestellt wurden, wußten die Schüler in schlagfertiger Weise zutreffende Antworten zu geben, wodurch eben der Beweis erbracht wurde, daß die Unterrichtsmethode keine schablonenhafte gewesen ist, sondern daß die Kinder den Geist und den Kern der hebräischen Sprache erfaßt haben, manche Einrichtung der jüdischen.Religion, sowie viele ihrer Satzungen und die Ursache der Fest- und Feiertage verstehen. Der Erfolg wurde allseitig als durchschlagend bezeichnet, zumal die Kruder nicht mir die Gebetstücke und manche Kapitel aus den Büchern Moses geläufig lesen und zum Teile übersetzen konnten, sondern auch die Gebetordnung für Werk-, Sabbath- und Festtage, sowie für die Neumoudstage genau kannten und die Rezitationsgebete und Sprüche praktisch erlernt haben. Hiemit haben die Lehrer den Beweis erbracht, daß durch zielbewüßte pädagogische Anleitung der Schüler die Liebe zur angestammten Religion: 'gedeckt ünd dsts jntereffe für die Erlernung ' des Urtextcs üftfr s'ögar der-Grammatik gehoben witd? In läng eben Ansprachen lobten die Herren- Klapsrahviner-.-Mbeles-,Md. Lehrer Josef Aytscherl den Eifer. und- ^leiß. der Schüler, hoben die Vorteile/ des gedeihlichen Religionsunterrichtes hervpr und zolltest den eifrigen Lehrern ihren Beifall. Viele an'- weftnden Eltern drücktest dem Sektiönsvvrständ ihren Dank'füb die umsichtige Leitung und für .den stNerlbärtet "großest Erfölg ans. - Nicht unerwähnt-' soll stoch. hleiben, ,:.daß mt dem vom HermstLehxer Nußbaum geleitetest Barmizwähkurse 10 Schüler und hievon,6 Schüler unbemittelter. Esiern teilgenommen haben, die jodänü äst dem betteffeudenDäbba'the zur Thvra. gkrufenwdrden<Pnbchstd' 'die fochohl die Gebete vor und nach der Häftorast, als auch diese selbst Mit schwünghäftem Pathos und gutem Verständnis vortrugen. Hiebei wurde seitens der Schulsektion die Verordnung getroffen^ daß der Klausräbbiner an den Barmizwah eine Ansprache hält und daß das Kind unbemittelter Ätern sowohl Töllis und Tephitin als auch ein Gebetbuch erhält- Durch die Errichtung dieser Religionsschule ist sonnst dem in diesem Bezirksteile langentbehrtest Bedürfnisse vollauf Rechnung, getragen worden. - . Wiener-Neustadt. Sonntag, den 16. d. M. war es ein Jahr, daß der frühere langjährige Vorsteher der Kultusgemeinde Herr Ignatz. Schis ch a s. A. gestorben war. Ästs diesem Anlaß veranstaltete die hiesige Chevra-Kadischa eine Trauerfeier am Friedhofe, zu der der Vorstand der Chevra .unter Führung seines Präses, Herrn Adolf M a er .sen- und viele Mitglieder der Chevra und der Gemeinde erschienen waren. Nachdem Herr Oberkantor L an d a u in ergreifend schöner Weise däö Dl inole räcHamim gesungen, hielt Herr Rabbiner Weiß eine kleine Anspracheworauf der Vizepräsident der Chevra Herr Fabriksdirektor' Friedrich W e i s k o p f die Bedeutung der Feier und des Mannes in formvollendeter Rede würdigte. Salzburg. Aus Äulaß der Errichtung einer neuen Kultusgemeindefür das Herzogtum Salzburg hat in der Synagoge, Lasserstraße 8. eine Festfeier stattgefunden, der als Festgäste in Vertretung der Landesregierung Herr Baron M Urbach, in Vertretung des Gemeinderates Herr GR^ Zickler, ferner eine Abordnung des Presbyteriums der evangelischen Gemeinde und Finanzprokurator Hofrät Dr. von Medikus an wohnten. Die Feier, welche einen überaus würdigen Verlauf nahm, wurde mit einer Hymne von Sulzer eröffnet, ivoranf Rabbiner Dr. Altmann die Festpredigt hielt. In dieser entwarf der Redner ein anschauliches Bild der Entwicklung der jüdischen Gemeinde in Salzburg, schilderte iu beredten Worten die Bedrängnisse, welchen die Jndeuschaft in früheren Jahrhunderten im salzburgischen ausgesetzt war, bis endlich im vorigen Jahrhunderte- Kaiser Franz Josef der I. auch den Inden volle konfessionelle Gleichberechtigung gewährte. Die Rede, welche auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck machte, schloß mit wärmen Dankesworten für die Behörden, welche die endliche Konstituierung der neuen Kultusgemeiude bewilligt haben, füst die liebevolle Fürsorge, welche die Kultusgemeinde Linz der hiesigen. Filialgemeinde bisher angedeihen ließ und mit einem Segenswunsche für das weitere Gedeihen der neuen Gemeinde. Dem hierauf von dem Chor' gesungenen 43. Psalm von Mendelssohn folgte das'Weihegebet und vor dem geöffnetest Tore das Kaisergebet mit anschließender Volkshymne, dievon der ganzen Gemeinde mitgesnngen wurde. Damit schloß die schöne Festfeier. Budapest. In der Gemeinde Szamos-Krasso starb kürzlich der älteste Mann Ungarns, der 117jährige Jsak Reich. Er war früher Rabbiner und erfreute sich bis in' die letzte Zeit in der ganzen Gegend eines besonderen Rufes. Ununterbrochen wurde er von Glaubensgenossen ausgesucht, die seinen Rat erbaten. Er war viermal verheiratet und seine vierte Frau starb im vorigen Jahr-im Alter von 93 Jahrein Er hinterläßt ein ansehnliches Vermögen, namentlich seine stmfangreiche Bibliothek soll überaus wertvoll sein. Reich hat eine interessante und bewegte Vergangenheit gehabt. Er stammte aus Polen. Sein Vater war als Schneider den Truppen zugeteilt,- die am Siebenjährigen Krieg teilnahmen. Das erste Unternehmen Reichs war die Eröffnung eines Branntweinladens, des allerersten in Ungarn.. 1825 wurde er Soldat und diente bei den Maria- Theresia-Husaren, jenem Regiment, däs im Siebenjährigen Krieg in Berlin einzog. Das Schicksal verschlug Reich bis nach Mailand, wo er später ansässig.wurde. Er verpflanzte die Tokayer Reben nach Oberitalien, wo sie vortrefflich gediehen. Während seiner Militärdienstzeit verfaßte er die erste ungarische Bibelübersetzung. Im Jahre 1848 hätte er als Soldat mit ins Feld ziehen sollen. General Damjanich erlaubte ihm jedoch, den Feldzug als Rabbiner mitzumachen. In späteren Jahren befaßte sich Reich mit Landwirtschaft, Vieh- und Geflügelzucht. Er stand mit dem Wunderrabbi von Sadagora in Verbindung, derihn mehrmals besuchte. Die Gestalt Isaak Reichs ist in mehreren Erzählungen Jökais verewigt. Berlin. Unter überaus ' zahlreicher Beteiligstng, namentlich aus- Aerztekreisen, wurde Montag, den 17. d. M. Geheimrat Professor Doktor Senator auf dem alten jüdischen Friedhof in Berlin zu Grabe getragen. Vorher fand in der Leichenhalle eine Gedächtnisfeier statt. An dieser nahmen ein Vertreter des Kiiltusistinisteriums, der Rektor der Berliner Universität und zahlreiche/Professoren.der medizinischen Fakultät teil. Der Akademisch-medizinische Verein -sowie"'drei jüdische Studentenverbindungen hatten Deputationen mit Banner entsandt/:. Eine Fülle von Kränzen wurde auf dem Sarg niedergelegtt Nachdem.die Feier mit Gesang eröffnest worden war, hielt Rabbiner Dr. H o chf e l d die. Gedächtnisrede. . Dann trat der Stadtverordnete Louis' S a ch s , an, d.iä Bahre, um im Aufträge der Repräsentanten der jüdischen Gemeinde'demsToten einen warm empfundenen Nächruf zu widmen. Nach tihm-sprachen Geheimrat Dr. Le ff er namens der Assistenten des Verstorbenen; und.Geheim'rat Dr. Krüns für die. Medizinische Gesellschaft. Nach - einem Schlußgesang ' erfolgte die Beisetzung: -;

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