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Die Wahrheit · 1911-07-21 · Heft 28 (21.7.1911) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 28 (21.7.1911)
Date
1911-07-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Die Juden und das Mirtschafts- - leben. -- . (Fortsetzung.)' , ' Das folgende, sehr umfangreiche und 'hochinteressante Kapitel ist „Die Kommunalisierung des Wirtschaftslebens" betitelt. Sombart sucht hier der Entstehung der Wertpapiere, der Wechsel, der.Banknoten und der Partialobligationen nachzugehen und schildert auch den Handel mit Wertpapieren und die Entstehung und die Bedeutung der Börsen und. die schließliche Kommerzialisierung der Industrie Es heißt im Anfänge des Kapitels Seite 61: «Die folgende Darstellung soll den Nachweis erbringen, daß au all diesen Vorgängen die Inden s ch ö p.fe r i s ch e n A n t e i l genommen haben, ja daß die in dieser Entwicklung zum Ausdruck kommende Eigenart des modernen Wirtschaftslebens recht eigentlich dem jüdischen Einflüsse ihre Entstehung verdankt." Ader Sombart verspricht hier mehr, als er halten kann. Schön ein paar Seiten weiter muß er zugestehen: „Den Anteil der Juden an der Entstehung dieser Einrichtung quellenmäßig" nachzuweisen, ist wohl eine Aufgabe, die nie restlos wird gelöst werden können. Selbst dann nicht, wenn man sich mehr mit der Stellung der Inden in früheren- Wirtschaftsepochen befaßt haben, selbst daun nicht, wenn man die bisher fast ganz vernachlässigten und doch gerade für die hier erörterten Probleme entscheidend wichtigen Partien der Wirtschaftsgeschichte, wie namentlich die Geschichte des Geld- und Bankwesens auf der Pyrenäenhalbinsel während der letzten Jahrhunderte des Mittelalters besser bearbeitet haben wird als bisher. Aus dem einfachen Grunde, weil' sich die Genesis wirtschaftlicher Organisationen ebensowenig wie die von Rechtsinstituten iit ihren letzten Gründen „quellenmäßig" wird Nachweisen lassen. Es handelt sich ja dabei, wie die Haüptvertreter der „quellenmäßigen" Rechts- und Wirtschaftsgeschichte selbst oft genug hervorheben, nicht um „Erfindungen" oder „Entdeckungen", die von einem bestimmten Tage datieren, sondern mu langsame, gleichsam organische Wachstnmsprozesse, deren Anfänge sich im Dunkel des Alltagslebens verlieren." Sehr richtig! Aber dann muß man doch auch nicht gleich alles dem jüdischen Einflüsse Nachweisen. Und bei der Besprechung der „Aktie" heißt es (Seite 69): „Und danach wäre auch die Frage: welchen Anteil die Juden an der Herausbildung des modernen Aktieuwesens gehabt haben, 150 bis 200 Jahre auf die Versachlichung des ursprünglich noch stark persönlich orientierten Aktienverhältniffes Einfluß ausgeübt haben. Einen unmittelbaren Einfluß vermag ich nicht nachzuweisen. Und über die Partialobligation schreibt Sombart (Seite 74): Aber recht eigentlich zur Entwickelung ist das Institut der privaten Partialobligationen doch wohl erst in neuer Zeit gekommen, seitdem sich die Aktiengesellschaften so rasch vermehrt haben. Ich vermag also auch hier über den unmittelbaren Anteil, den die Juden an ihrer Ausbildung etwa gehabt Haben, nichts Bestimmtes zu sagen". Im übrigen enthält gerade dieses Kapitel eine wahrhaft staunenswerte Fülle von Material, das der Verfasser mit großem Fleiß zusammengetragen hat. Von dem Tobias der Bibel, dem die „Jnhaberpapiere" auch schon bekannt waren, bis zu Rotschild, von den Gelehrten des Talmud bis zu den Schöpfern der modernen Elektrizitätsindustrie. Rathenau nsw., ist alles angeführt, was nur irgendwie für den Anteil der Juden an Handel und Wandel der Jahrtausende sprechen kann. Auch für den, der sich schon mehr mit dieser Materie befaßt hat, wirdgerade dies Kapitel viel Neues und Interessantes bieten. Sombart will nur, wie wir schon an seinen eigenen Worten nachgewiesen haben, zu viel beweisen. Auch wird er sich sozusagen selber untreu, indem er hier an verschiedenen Stellen mit einem Male auf die statistische Methode zurückgreist, deren Unzulänglichkeit er selber dargetan hat. So z. B. wenn er um chie Rolle, die die Juden bei den Gründmigen der Jahre 1871/73"gespielt haben, zn zeigen, die — sicherlich sehr anfechtbaren Zahlen der jüdischen Gründer anführt, und ferner, wenn er, um die Beteiligung der Inden an der heutigen Industrie ^zu demonstrieren, uns-erzählt, daß es 108 jüdischen- Direktoren und 511 jüdische Anfsichtsräte in Deutschland, gibt.. Der Schlußsatz des Kapitals: „Denn bedenken muß man, daß diese selbe Bevölkerungsgrlqipe, die fast, ein Siebentel .aller Direktorposten und fast ein Viertel aller Aufsichtsratsposten besetzt, von der Gesamteinwohuerzahl des Deutschen Reiches genau — ein Hundertstel ausmachl", mutet fast wie ein alter antisemitischer Bekannter an. Beinahe dasselbe möchten wir von den Eingangsworten des folgenden Kapitals: „Die Herausbildung einer < kapitalistichen Wirtschaftsgesinnung", sagen denn da heißt es Seite 136 : Und.das ist es, worauf ich nunmehr die Aufmerksamkeit des Lesers lenken möchte; auf die Tatsache,' daß unsere Volkswirtschaft ihr Gepräge nicht nur insoweit von den Juden miterfahren hat, als wichtige Teile ihrer äußeren Struktur ihnen ihr Dasein verdanken, daß vielmehr auch das inunere Getriebe des modernen- Wirtschaftslebens, daß auch die Grundsätze der Wirtschaftsführung, daß das, was mau den Geist des Wirtschaftslebens oder vielleicht noch treffender der Wirtschaftsgesinnung nennen kann, größtenteils auf. j ü dischen Ei iiflu ß sich, znrückführen läßt." Allerdings meint Sombart es hier ganz anders wie unsere Antisemiten, Er untersucht.nämlich in diesem Kapitel alle die Vorwürfe die man im Laufe der Zeiten den Inden gemacht hat, geht auf alle die Klagen ein, die neidische Konkurrenten über die Inden erhoben haben, und kommt endlich zn einem Ergebnis, das für die Inden nur ehrenvoll ist. Er meint,' in jenen Zeiten sei allerwegen tüchtig beschummelt worden, man dürfe sich aber nicht an Worte klammern; so heißt es auf Seite 140: Schaut man sich dann aber die Geschäftspraktiken an, die man den Inden zum Vorwürfe machte, so findet man sehr bald, daß viele von ihnen mit Betrug — auch wenn man den Begriff sehr weit faßt etwa im Sinne einer absichtlichen Verletzung oder Unterdrückung der Wahrheit oder einer arglistigen, ans Vermögensschädigung gerichteten Täuschung kaum etwas zu tun haben. Die Bezeichnung „Betrug" ist vielmehr offenbar dazu bestimmt, schlagwortartig die Tatsache zum Ausdruck zu bringen, daß die Inden bei ihrer Geschäftsführung auf die bestehende Rechts- oder Sittennormen nicht immer Rücksicht zu nehmen pflegten. ■ (Fortsetzung folgt) Das Transsjendentate im Talmud von Dr. S. Brecher Besprochen von A. Stößler, Olmütz (Fortsetzung.) Im vorigen Artikel habe ich die Natur und das Wesen der göttlichen Engelschaaren nach den vorliegenden Studienquellen Dr. S. Brechers besprochen und' habe mir gestattet darauf hinzuweisen. daß ich auch die anderen Abschnitte der interessanten Schrift des geehrten Alltors b’i veröffentlichen werde. Ich komme tlnn diesem Versprechen umso freudiger nach, als in der nachstehenden Schrift die „t r a n s s z e n d e u t a l e n" Gegenstände aus dem Werke Dr. S. Brechers zu Behandlung gelangen, die allseits großes Interesse erwecken dürften. Ich lasse nun hier den Inhalt des zweiten und dritten Abschnittes der Schrift Dr. Brechers, betreffend die Dämonologie und Seelenlehre in gedrängter Kürze folgen: „Dem Reiche der (crtam dem Lichtgebiete der höheren Welt,, steht als Gegensatz ein Reich der- Finsternis, des Verderbens, des Hemmnisses, der Negation gegenüber, Den Uebergang der guten Region in jene der Kakodämonen macht Satan. In den biblischen Schriften erscheint Satan nicht ausgeprägt als-das böse Prinzip; -denn in der Bibel stellt er sich mit den anderen Engeln vor Gottes Thron. Erst in dem nachexilischen Buche der Chronik findet sich eine Andeutung der später ansgebildeten Idee eines Feindes, Verführers und Anklägers der Menschheit. ' Als Verführer „ohn ->D) war Satan bei der Bereitung des goldenen Kalbes in der Wüste tätig. Als Moses die Höhen

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