Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 27 (14.7.1911)
- Date
- 1911-07-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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4 ' .Nr. 27:. - Die Wahrheit Seite 7 «(oder geworden > ist) für Gang und Richtung, - Wesen und Art des modernen Wirtschaftslebens, gleichsam also ihre qualitative Mder, wie ich es oben nannte, ihre dynamische Bedeutung. Das aber können wir am ehesten, wenn wir untersuchen, ob bestimmte. unser Wirtschaftsleben besonders auszeichnende Züge ähre erste entscheidende Prägung etwa von den Juden erfahren Haben: sei es, daß gewisse äußere Gestaltungen stand örtlich er -oder organisatorischer Natur auf ihre Wirksamkeit sich zurück-- führen lassen; , sei es, daß Geschäftsgrundsätze, die sich zu allgemeinen, unser Wirtschaftsleben tragenden . Wirtschaftsmaximen ausgewachsen haben, aus spezifisch jüdischem. Geiste geboren sind." 'Die beiden folgenden Kapitel, „Die Verschiebung des Wirtschaftszentrnms seit dem 16. Jahrhundert," und „Die 'Belebung des internationalen Warenhandels," schildern nun in großen Zügen, wie. sich -nach der Vertreibung der Juden ans -Spanien und Portugal die wirtschaftlichen Verhältnisse zu ungunsten der romanischen Völker und zugunsten Hollands, "Englands und Hamburgs verschoben haben. Sie enthalten sehr diel interessantes Material, das teilweise ganz neu und nnchekaunt war. In dem vierten Kapitel, „Die Begründung der modernen Kolonialwirtschaft," wird der Anteil der Inden an der modernen Kolonialmirtschaft in den verschiedenen Weltteilen nachgewiesen. Auch hier werden viele ganz neue Tatsachen ans den Kolonialländern beider Hemisphären angeführt. Wir erfahren, daß in. Barbados, Jamaica. Surinam, Martinique, St. Domingo, kurz -fast überall Inden die Begründer der Zuckerindustrie, des Plantagenbaus nsw. gewesen sind. Sombart erwähnt auch die -schon bekannte Tatsache, daß erst jüdische Gelder die beiden -ersten Reisen des Columbus ermöglicht hätten, und daß der erste Europäer, der amerikanischen Boden betrat, Luis de Torr es, ein Jude war. Hier macht er allerdings den bezeichnenden Zusatz: „So will es die neueste „aktenmäßige" Forschung." Nachdem er gewissermaßen so seine Reverenz vor -der antisemitischen Zweifelsucht bekundet hat, geniert er sich aber nicht im mindesten, in den fölgenden Spalten die Veröffentlichung der spanischen wissenschaftlichen Gesellschaft als historisches Faktum zu benutzen und seiner Beweisführung einzuverleiben. Aeberhanpt befinden sich in diesem Kapitel eine ganze Anzahl von Stellen, auf die die obeuerwähnte Charakteristik der Beweisführung Sombarts zutrifft. So schreibt Sombart auf /Seite 32: „In einer ganz seltsamen Weise sind die Inden .gleich mit der Entdeckung Amerikas ans das innigste verwoben, es ist als ob die neue Welt für sie allein, durch ihre Beihilfe entdeckt worden sei. als ob die Columb u s s e nur die G e s ch ä f t s f ü h r e r Israels gewesen seien." Auf Seite 40 steht: „Ganz dick sitzen die Inden in herrschender Stellung im Westen." Und auf Seite 41 heißt es gär: „Wenn sich die Verhältnisse in Amerika so weiter entwickeln, wse im letzten Menschenalter, wenn die Zuwanderungs- Kiffern und die Zuwachsraten der verschiedenen Nationalitäten dieselben bleiben, so erscheinen die Vereinigten Staaten nach .60 oder 100 Jahren in unserer Phantasie ganz deutlich als ein Land, das nur noch von Slaven. Negern und Juden bewohnt sein wird und in dem die I u d e n natürlich die wirtschaftliche Hegemonie an sich gerissen haben." Sombart selbst gesteht zwar gleich darauf zu: „Aber das 'sind . ZnknnftsspiegelnUgen, die in diese Zusammenhänge, wo . Vergangenheit und Gegenwart erkannt werden sollen, nicht hineingehören." aber schon auf Seite'44 heißt es wieder: „Kann man im Hinblick auf die eben berührten Tatbestände mit -einigem Rech! sagen, daß die Vereinigten Staaten es den Inden verdanken, wenn sie überhaupt da sind, so. kann man mit demselben Rechte behaupten, daß sie dank allein dem jüdischen Einschlag so da sind, wie sie da sind, das heißt eben amerikanisch. .'Denn das, was wir Amerikauismus nennen, ist ja zu einem großen Teile nichts anderes als g e r o n n e u'e r I u d e ng e i st." . : Derartige Absurditäten, die ans des Verfassers Vorliebe für blendende Paradoxe entstanden sind, vereinigen sich allerdings schwer mit dem wissenschaftlichen Charakter des Buches, mnd tun ihm nur Abbruch. Das folgende Kapitel: „Die Begründung des modernen Staates," ist nur kurz. Sombart schildert darin den Anteil der Juden au der Heranbildung des modernen Staates und stellt diesen Anteil als weit größer dar, wie man bisher annahm. Er deduziert: „Der Jude verkörpert den modernen K a p i t a l i s in u s uitb der F it r st ver b i n d e t sich mit dieser Macht, um seine Stellung zu erobern oder zu erhalten." Aber die Belege, die in den beiden Unterabteilungen „Die Inden als Lieferanten" und „Die Juden als Finanzmänner" angeführt werden, vermögen durchaus nicht zu überzeugen. Wir glauben, daß Sombart hier sowohl beit Einfluß der Fürsten als auch den des Kapitalismus und der Juden weit überschätzt. Bei der Bildung des modernen Staates haben weder die Fürsten noch der-Kapitalismus die ausschlaggebende Rolle gespielt, die Sombart ihnen zuschreibl. Wie sind denn die modernen Staaten entstanden? Der Staat Friedrichs des Großen brach bald nach dem Tode seines Gründers zusammen, das Weltreich Napoleons hatte nur einen kurzen Bestand. Aber nun traten die Völker selbst auf den Plan, und ans dem Eiuheits- und Freiheitsdrang der Völker heraus entstand der moderne Staat, das moderne Deutsche Reich, das moderne Italien, das moderne Frankreich, Griechenland usw. Und auch die Staaten, deren ursprüngliche Regieruugsform sich nicht änderte, wie Oesterreich. Rußland, Türkei usw., mußten diesem allgemeinen, elementaren Ausbruch des Volkswilleus ihren Tribut in Form von Zugeständnissen an den Bolkswillen zahlen. Der Kapitalismus Harle damit nichts zu tun. Daß Juden in früheren Jahrhunderten namentlich als Heereslieferanten eine Rolle spielten, daß die Macht der „Hofjuden" groß war, wird , gewiß keiner leugnen. Aber das rechtfertigt noch nicht die Rolle, die Sombart ihnen zuschreibt. Uebrigens finden sich gerade in diesem Kapitel einige der so perhorreszierren „Werturteile." So steht auf Seite 50: „Aber wenn wir auch unter den Regierenden des modernen Staates keine Juden finden, so können wir uns diese Regierenden, können wir uns den modernen Fürsten nicht gut ohne Juden denken. (Etwa wie Faust nicht ohne Mephistopheles.") Und auf Seite 58 heißt es gar: „Aber der bekannteste der deutschen Hofjnden, der recht eigentlich als deren Grundbild gelten kann, ist der Süß-Oppenheimer am Hofe Karl Alexanders von Württemberg." Dieses „Werturteil" ist übrigens grundfalsch. Die Hofjudeu erlangten ihren großen Einfluß nicht nur deshalb, weil sie Geld hatten, sondern vornehmlich auch dadurch, daß sieklug und weitschauend waren uub oft iu der uneigenttützigsteu Weise die Interessen ihrer Auftraggeber wahruahmen. Deshalb kann mall Süß-Oppenheimer auch nicht als Typus des Hofjnden hiustellen. wenn auch wohl nicht alle Beschuldigungen, die man gegen ihn erhob, uub die zu seinem traurigen Ende führten, gerechtfertigt waren. Näher hätte es vielleicht gelegen, den alten Anselm Rothschild, dem der Landgraf Wilhelm voll Hessen während der Franzosenzeit sein Vermögen zur Aufbewahrung übergab, als Grlindbild aufznstellen. (Fortsetzung folgt.) Ioharmislrader Eindrücke. „Wem Gort will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welk." Dieses bekannte Mendelssohns'che Volkslied kommt einem gern iu den Sinn, wenn man nach langer Zeit wieder einmal die schönen Berge anfsncht, um seine abgespannten Nerven in Ordnung zu bringen. Und da es von meinem Bestimmungsort in das nahe, und doch durch ungeschickte Bahnverbindung so ferngerückte Riesengebirge, welches man bei gutem Wetter sogar mit freiem Auge sehen kann, anmulend zu. einer Reise eiulädt, so machte ich mich für einige Tage dahin auf den Weg. Mein Ziel war Johannisbad. Um dahin zu gelangen, passiert man mehrere größere Orte, unter anderen die Stadt Trautenall. Da hier mehr als eine Stunde Aufenthalt ist, so war es schon in meinem Plane, den Herrn Rabbiner und