Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 27 (14.7.1911)
- Date
- 1911-07-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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dem übereinstimmenden Urteile der Lehrer das . Pensum ohne Ueberbürduug der Schüler bewältigt werden kann. Für die VII. und Vlil Gymnasial- und für die VI. und VII Realklasse wurde ein Reform-Lehrplan genehmigt, der zunächst im kommenden Schuljahre -versuchsweise an zwei'Anstalten zur Einführung gelaugt und eine Aenderung der Methode mit sich bringt. Die Mitarbeit der Schüler soll in den zwei obersten Klassen mehr hervortreten, als es bisher geschehen und im Anschlüsse an den Vortrag des Lehrers, der in der Regel nicht länger als 30 Minuten dauern soll, eine Diskussion stattfinden. Die Diskussion zwischen Lehrern und Schülern tritt an die Stelle der bisherigen Art des Examinierens. Die Note ist das Ergebnis der aus diesen Diskussionen gewonnenen Wahrnehmungen des Lehrers über die Kenntnisse und Leistungen der Schüler. Als fakultative Einrichtung wird in der Nähe jener Anstalten, an welchen der Reform-Lehrplan versuchsweise zur Einführung gelaugt, ein Lesezimmer eingerichtet, in welchem die von den Religionslehrern in den Vorträgen angegebene und sonstige geeignete Literatur aufliegt. Während der Wintermonate finden daselbt Diskussions-Abende der Schüler statt, die durch . ein Schüler-Referat eingeleitet werden. Die freiwilligen Meldungen zur Inanspruchnahme des Lesezimmers und zur Teilnahme an den Diskussionsabenden erfolgen bei den Religionslehrerü der beiden genannten Anstalten.' Die Teilnehmer bilden eine Schulgemeinde in'jener Organisation, in welcher dieselbe an der k. k. Staatsrealschule im II. Wiener Gemeindebezirke in allen Klassen bestehen. Die Themen für die Diskussiousabende werden von.der Schulgemeinde den Neligionslehrern vorgeschlagen und es hat an jedem Diskussionsabend einer dieser beiden Herren oder ein Mitglied des , zur Ueberwachnng der Reformen bestellten Kuratoriums anwesend zu sein. Im Zusammenhang mit der Reform des Religionsunterrichtes au den Mittelschulen wurde beschlossen, in den Wintermonaten einmal im Monate durch zu berufende Gelehrte Vorträge, zumeist geschichtlichen oder literarischen Inhaltes für, die Schüler der zwei obersten Klassen der. Mittelschulen abhalten zu lassen. Diese Anträge werden vom Vorstande en bloc angenommen. Zur Rabbinerfrage^ Der Präsident referiert über die mit dem Oberrabbiner Dr. : Immanuel Löw gepflogenen schriftlichen und mündlichen Verhandlungen, motiviert die Einberufung der Vertraueusmänner- Bersammlnng und bringt schließlich das nachfolgende Schreiben des Oberrabbiuers Dr. Löw vom 9. Juni d. I. zur Verlesung. Dieses Schreiben lautet: Hochverehrter Herr Präsident! Hochgeehrter Vorstand! Der 8. Juni, au dem ich das Glück hatte, vor der Vertretung Ihrer Gemeinde erscheinen zu dürfen, und von ihr gewählt zu werden, war für mich ein Lebeuserntetag. Die Stellung, die Sie mir anboten, die Größe der Aufgabe, die unverdient ehrende Form, in welcher die Berufung geschah, waren für meinen Entschluß trotz mancher abmahnender Stimme entscheidend. Wenn ich mich über die Annahme dieses ehrenvollen Rufes nicht gleich bindend äußerte, so geschah dies nur, weil ich meiner Familie, meiner Gemeinde über die Berufung vor der Entscheidung berichten mußte. Dies ist im Laufe der vorigen Woche geschehen. Als ich heute Ihr herrliches Berufungsschreiben trauenden. Auges las, war ich fest entschlossen, mich Ihnen zur Verfügung zu stellen Und zu versuchen, ob ich mit Anspannung aller Kräfte, das große Vertrauen, das Sie mir entgegen brachten, rechtfertigen kann. Da stellte sich mir unmittelbar nach Erhalt Ihres Berufungsschreibens ein unvorhergesehenes Hindernis in den Weg. Der Magistrat der Stadt Szegedin, aus den Zeitungen über meine Berufung nach Wien informiert, hat sich in seiner! heutigen Sitzung über Antrag des . Bürgermeisters mit der Angelegenheit beschäftigt und fordert mich über Beschliiß des Senates soeben in einem ausführlichen warm .gehaltenen 'Schreiben, ans. Vaterstadt und Vaterland, nicht zu verlassen. Der Umstand, daß wir bei den vorwöchentlichen Landtagswahlen in der Minorität geblieben sind, gibt dem gänzlich ungewohnten Vorgehen: des Magistrates eine besondere Bedeutung und schließt die Möglichkei t des Widerspruches aus. , Ich empfinde das Dazw.ischentreten der Behörde, so ehrend es für mich ist, persönlich als ein Unglück, das mich verhindert, den Gipfel meiner Laufbahn zu erreichen. Bei den heutigen Zeitläuften aber ist eine ähnliche Aeußerung der zweitgrößten Stadt Ungarns von einer Bedeutung, die über die Grenzen des Einzelfalles, auf den sie sich bezieht, hinausgeht. Schweren Herzens verzichte ich auf das Glück und auf die Ehre, mich in den Dienst Ihrer Gemeinde zu stellen. Das Wohlwollen, dem ich bei Ihnen begegnete, und die Auszeichnung, die Sie mir zuteil werden ließen, , find der höchste Lohn meines dem Dienste des Judentums gewidmeten Lebens. 'Genehmigen Sie den Ausdruck meiner ganz besonderen Hochachtung, mit dem ich zeichne eines löblichen Vorstandes dankbar ergebener Dr./ Immanuel Löw m. p. Szegedin, den 19. Juni 1911. Es wird beschlossen über diese Angelegenheit zur Tagesordnung überzugehen. Die Frage der Besetzung des Rabbinerpostens am Leopoldstädter Tempel soll im Herbste zur neuerlichen . Verhandlung gelangen. Es wird eine Reihe von Subventions-Ansuchen erledigt und eine Erhöhung der Bezüge der im Dienst der Israel. Kultusgemeinde stehenden Schächter beschlossen. . * * * ' Spendenliste. Bon Herrn Vertreter Solo Cohn für einzelne Petentinnen, deren Ansuchen um Aufnahme in das L. D. Königsberg'sche Institut nicht berücksichtigt werden konnte, X 300, als Ansstattuugsbeitrag für ein armes Mädchen X 100, für den Knaben Karl Tauftet X 240, zusammen X 640. Bon. Frau Julie Thenen für das Siechenhaus X 200. für das Knabenwaisenhaus X100, für das Mädchenwaisenhaus X100, für Arme X100, zusammen X 500 anläßlich des Todestages ihres Schwiegersohnes des Herrn Sebastian Jakobsohn. Von den Herren Ludwig, Siegmnnd und Gustav Stroß anläßlich des Todestages ihres Schwagers Herrn Doktor Emauuel Stroß für hilfsbedürftige Witwen X 300. Von Frau Emma Jmmergut s. Ä. ein Legat für Arme X 100, für Wohltätigkeitszwecke X 80, zusammen X180. Von Herrn Dr. Alfons Thorsch zur Verteilung von Stipendien an Schüler der Bibelnnd Talmudschule des Bet-Hamidrasch- Vereines X 200. Von Frau Rosa Oestreicher zur Verteilung an Arme X200. Von Herrn M. A. Pollak für die Hinterbliebenen der Opfer iu Drobobycz X 100. Von Frau Marie Jakobsohn für das isr. Siechenhaus X 50, für das Knabenwaisenhaus X 50, zusammen X 100. Von F. Ernst für arme Kranke und für die Hinterbliebenen der Opfer in Drohobycz zusammen X 21. Als Kcanzablösungsspende für den verstorbenen Herrn Leopold Dörfler von dessen Freunden für das Mädchenwaisenhaus X 10. Von Herrn A. Messinger für Arme'X 3. Spenden im Gemeindebethauje Leopoldstadt: Von den Herren: Jakob Theumann X 40, Rabbiner Dr. M. Rosenmann X 10, Dr. Julius Weiß X 20, Heinrich Weiß X 20, Alois Theumann X 60, zusammen X 150. Die Inden nnd das Wirtschaftsleben. (Fortsetzung.) Sombart bemerkt ausdrücklich, daß er. sich bei seinen Untersuchungen nicht der üblichen st a t i st i sch e n Methode bedient habe, einmal weil auch die beste Statistik noch nicht alles, oft. sogar nicht einmal das Wichtigste von dem aussage, was gefragt sei, und weil ferner die statistische Methode in den allermeisten Fällen wegen des.ungenügenden Zahlenmaterials überhaupt nicht anwendbar wäre. Er habe deshalb eine andere Methode, die er die genetische nennt, verwandt,, die er wie. folgt kennzeichnet (S. 3): . ermitteln wollen wir vor allem, inwieweit' eine Bevölkerungsgruppe. (Juden), bestimmend wird