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Die Wahrheit · 1911-07-14 · Heft 27 (14.7.1911) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 27 (14.7.1911)
Date
1911-07-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Die Wahrheit Nr. 27. Gemeinde zu meinem Geburtstage ausgesprochen haben. Es freut mich aufrichtig, aus Ihrem Schreiben zu ersehen, daß auch unter, den Mitgliedern Ihrer Gemeinde die Erinnerung an jene-große Zeit lebendig geblieben ist, in der alle Unterschiede der-Konfession und der Landesangehörigkeit zurücktraten' vor dem Bewußtsein der Zugehörigkeit zum großen deutschen Vaterlande, das. mit Einsetzung feines Lebens zu verteidigen jedes Staatsbürgers schönste Ehrenpflicht ist. Berlin, 30. .Oktober 1890. - Hochachtungsvoll ergebenst Graf Moltke, Feldmarschall." Ans der Wiener Knltnsgemeinde. (Aus deu Plenarsitzungen des Kultusvorstandes vom 20. Juni und 6. Juli 1911 unter dem Vorsitze - des Präsidenten Dr. Alfred Stern.) Spital-Erweiterung. Der Präsident berichtet, daß das an das Spital der Kultusgemeinde angrenzende Haus XVIII. Gürtel. 99, welches durch die Muuifizenz des verstorbenen Freiherrn Albert von Rothschild in den Besitz der Kultusgemeinde gelangte, im Augnsttermiue frei lvird lind nunmehr zur Adaptierung des Hauses geschritten werden muß. Im engen Zusammenhänge mit diesen Arbeiten wird eine gründliche Adaptierung der älteren Trakte des Spitalgebäudes vor sich gehen müssen. Die Kosten für diese Arbeiten werden eine sehr bedeutende Höhe erreichen. In dieser Angelegenheit hat der Präsident eine Zuschrift an den gegenwärtigen Chef des Bankhauses S. M. von Rothschild. Herrn Baron Louis Rothschild gerichtet, in welchem darauf hingewiesen wird, daß das Hans zwar nicht unmittelbar zur Aufnahme von Kranken dienen dürfe, daß aber in dasselbe eine Reihe von bis nun im Spitale selbst bestndlichen Institutionen, welche für den Spitalbetrieb von größter Wichtigkeit sind, zu verlegen wären, um auf solche Weise eine bessere Ausnützung der Räumlichkeiten der eigentlichen Spitalstrakte zu erzielen. Bei den Vorberatungen betreffs der Adaptierungen habe sich ergeben, daß viele Einrichtungen des Spitales manche Rückständigkeit aufweisen, auf welche schon früher, insbesonders anläßlich hoher und höchster Besuche, mit welchen das Spital beehrt wurde, hingewiesen worden ist. Hinsichtlich des mit diesen Adaptierungen verbundenen Kostenaufwandes gibt der Präsident in dem Schreiben der Meinung Ausdruck, daß die Arbeiten in dem Falle, als die Gemeinde an deren Durchführung unter Bestreitung der Auslagen aus eigenen Mitteln schreiten sollte, angesichts der gegenwärtig äußerst ungünstigen Finanzlage der Gemeinde sowie im Hinb licke auf die vielen an die Gemeinde heran tretenden dringenden kulturellen Anforderungen auf ein Minimum beschränkt werden müßten und setzt dann fort: „Es ist nun ein Ihnen, hochgeehrter Herr Baron, bekanntes Faktum, daß das Spital der Gemeinde, dieses eminente Wohltätigkeits-Institut derselben von Ihrem seligen Herrn Großvater zum Andenken an Ihren seligen Herrn, Urgroßvater geschaffen, durch die Muuifizenz Ihres seligen Herrn Vaters und Ihrer Herren Onkel erweitert und ausgestaltet wurde und bis auf den heutigen Tag den Rang des ersten Wohltätigkeits-Institutes der Gemeinde sich bewahrt und zu einer Muster-Anstalt sich entwickelt hat, welche den Vergleich mit den bestbetriebenen Spitälern des In- und Auslandes nicht zu scheuen hat." Mit Rücksicht , auf die Dringlichkeit der Adaptiernngsarbeiten — wird iii dem Briefe weiters ausgeführt — habe der Präsident diese Angelegenheit auf. die Tagesordnung der am 6. Juli d. I. stattsindenden Plenarversammlung des Kultusvorstandes setzen lassen. Der interessante Brief schließt folgendermaßen: „Zum Schluffe beehre ich mich Euer Hochwohlgeboren folgende Tatsache zur Kenntnis zu bringen: Das Rothschild-Spital —- so wird es allgemein im Volks- - munde genannt — erfordert einen Jahresaufwand von rund K 400.000.—, wovon die Hälfte durch Stiftungen, die Hälfte aus Gemeindemitteln gedeckt wird. Die Erfordernisse wurden Seite 5. schon in diesem Jahre und noch mehr in den nächstfolgenden Jahren eine weitere, gesteigerte Inanspruchnahme der Gemeindemittel zur Folge haben und es dürste der Gemeinde, welche mit Jahresdifiziten arbeitet, kaum möglich sein, das Spital, welches unter allen Wohltätigkeits-Institutionen der Gemeinde den ersten Rang einnimmt, in dem bisherigen, oder gar noch in gesteigertem Maße zu subventionieren. _ Ich lese in den Zeitungen von einer größeren spende Ihres Herrn Bruders für den Bettina-Pavillon und ich überlasse es nun Euer Hochwohlgeboren, aus all dem von mir Vorgebrachten die Ihnen geeignet erscheinenden Konklusionen zu ziehen." Dem Briefe lag ein ausführliches Promemoria der Spitals- Direktion und der Primarärzte des Spitales bei. Nachdem die Aussicht vorhanden fein dürfte, daß für die Erfordernisse der Adaptierungsarbeiten im Spitale selbst, sowie in dem nenerworbenen Nebenhause Sorge getragen werden wird, nachdem ferner die Vornahme der Adaptierungen dringlich ist und dieselben am besten während der Sommermonate vorgenommen werden können, wird es dem Präsidenten überlassen, diesfalls die entsprechenden Verfügungen zu treffen. Mittelschttl-Religionsrrnterricht. Anträge der Un t err i ch ts ko m Mission und des Vertreter-Kollegiums betreffend die Einführung eines neuen Lehrplanes für den i sra e l. Religionsunterricht in der I. bis VI. Gymnasial- und in der I. bis V. Real-Klasse vom Schuljahre 1911/12 ab. Der neue Lehrplan soll den Schülern Erleichterungen bringen. Im Publikum werden von verschiedenen Seiten entgegengesetzte Anschauungen über den Religionsunterricht an Mittelschulen in seinem gegenwärtigen Ausmaße und in der Verteilung des Lehrstoffes geäußert. Namentlich war in den letzten Jahren vielfach von mancher Seite über den hebräischen Unterricht geklagt worden. Der Lehrplan, nach welchem bisher unterrichtet wurde, ist auf Grund des Plenarbeschlusses vom 11. Juni 1901 eingeführt. Wiewohl derselbe gegen die früheren Lehrpläne Vorzüge besitzt, lehrten gleichwohl die Erfahrungen, daß auch ihm sowohl in der qualitativen nnd quantitativen Auswahl des Lehrstoffes, wie in der Anordnung und Verteilung Mängel nnd Lücken anhaften, deren Beseitigung zur Erreichung des angestrebten Lehrzieles geböten erscheint. Der gegenwärtige Entwurf bemüht sich nach Möglichkeit den divergierenden Anschauungen Rechnung zu tragen und durch eine Reduzierung des hebräischen Lehrstoffes und durch eine passende Auswahl der Stellen, die vom Hebräischen ins Deutsche übersetzt werden, sowie durch eine entsprechende Verteilung des Stoffes den Unterricht ersprießlicher und das Ziel leichter erreichbar zu machen. Der neue Entwurf ist aufgebaut auf dem neuen seit September 1908 giltigeu Lehrplan für Volks- und Bürgerschulen. In den Lehrplan für Mittelschulen sind daher jene Gebetstücke nicht ausgenommen, die schon in der Volks- und Bürgerschule gelehrt werden. Für die ersten nnd zweiten Klassen wird für das Uebersetzen ausschließlich das Gebetbuch gewählt und zwar im Hinblicke darauf, daß die Schüler dieser Klassen die fleißigstell Besucher des Jugendgottesdieustes sind und es daher zweckmäßig erscheint, daß sie die Gebete, die sie sprechen, soweit dies erreichbar ist, auch verstehen. Der Lehrplan für die Oberstufe ist zullächst durch die Allfnahme eines neuen, bisher nicht behandelten Lehrgegenstandes, nämlich der deutschen Bibellektüre, erweitert worden, um unsere Jugend mit dem ethischen und dichterischen Inhalt der Bibel durch diese Lektüre einigermaßen bekannt zu machen. Es sind im allgemeinen manche Stücke des alten Lehrplanes, die für das Verständnis zu schwierig oder auch nach ihrem Inhalte nicht ganz geeignet erscheinen, ausgeschieden worden. Der Lehrstoff ist für die einzelnen Klassen so verteilt, daß nach

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