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Die Wahrheit · 1911-07-07 · Heft 26 (7.7.1911) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 26 (7.7.1911)
Date
1911-07-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Seite 7. Nr. 26. Die Wahrheit -artigen äußeren Bedingungen gelebt Und, gearbeitet Hat. -Wären Pe alle im Orient geblieben oderi«! heiße Länder verschlagen Worden, so hätte natürlich ihre Eigenart anch^ Eigenartiges -gewirkt, aber die Wirkung wäre kei.ne, so dhuansische gewesen. Sie hätten vielleicht eine ähnliche Rolle nur gespielt, wie heute etwa die Armenier im Kaukasus,, wie. die. Kübylen in Algier, wie die Chinesen und Afghanen oder Perser, in Indien. Aber es wäre niemals zu dem K n a l l e f f e k t der m e n s ch l i ch e n K u l tu r : dem m oder n e n K a p i t a l i s m u s g ek o mm e u." - : Von diesen beiden Darlegungen, die in nuce den Hauptlinhalt, des Buches, wiedergeben, hat die erstere, die von den Ursachen des Niederganges Spaniens nsw. handelt, gewiß viel innere Wahrscheinlichkeit für sich. Es ist auch schon in diesen Blättern wiederholt ans die Lehre der Geschichte hingewiesen worden,, daß es mit einem Volke, das seine Inden vertrieb, noch immer wirtschaftlich abwärts gegangen ist. Ob es aber Sombart gelungen ist, auch für die zweite Behauptung den Beweis, zu erbringen, dürfte nicht so ohne weiteres als sicher angenommen werden. Sombart meint zwar, daß der Teil seiner Ausführungen, der die Eignung der Inden zum ."Kapitalismus erklärt, ebensowenig wie der, der ihren Anteil am Aufbau der modernen Volkswirtschaft als Tatsächlichkeit darstellt, in den Grundgedanken erschüttert werden kann. Beide Teile, schreibt er, könnten Berichtigungen und Ergänzungen erfahren, die Richtigkeit ihrer Gedankeugänge dürfte aber nicht zu widerlegen sein. Diese Behauptung erscheint etwas gewagt. Das Problem, das Sombart hier anfstellt. die Wagen, die er aufrollt, sind noch so neu und unerforscht, daß es noch langer Zeit und eingehenderer Studien bedarf, ehe man hier ein zuverlässiges, feststehendes Urteil abgeben .kann. Bei dem letzten Hauptabschnitt des Buches, der die Frage nach der Herkunft des jüdischen Wesens und nach dessen -eigener Wesenheit zu beantworten sucht, hat- Sombart selbst -nicht das Gefühl ruhiger Sicherheit und gibt selbst zu, daß man die Dinge auch anders anschauen kann. Darin hat er sicher recht. Sombart bemerkt daun noch, daß sein Buch ein einseitiges Buch sei, weil es nur den Anteil der Inden am Aufbau des modernen Kapitalismus schildert, ohne die andern Faktoren, die darin beteiligt gewesen sind, auch nur zu erwähnen, daß es kein Thesenbnch sei, nnd nicht etwa eine bestimmte „Geschichtsauffassung" als richtig erwiesen hinftellen wolle, und daß es endlich, weil es ein streng wissenschaftliches Buch sei, auch keine Werturteile enthalte. Das Bnch spreche auf ca. 500 Seiten auch nur von Juden, ohne auch nur. an einer einzigen Stelle so etwas wie eine Bewertung der Inden ihres Wesens und ihrer Leistungen durchblicken Zn lassen. So ganz . richtig ist das nun nicht, an einigen Stellen gibt der Verfasser, wie wir noch Nachweisen werden, auch ein Werturteil ab. Das Vorwort sebst schließt sa schon bezeichueuderweise mit einem Werturteil, da der Verfasser — was ihm natürlich nicht als Vorwurf angerechuet werden soll — schreibt: „Daß diese letzte Art der Bewertung die Einschätzung einer bestimmten Bevölkerungsgruppe ganz nnd gar von der persönlichen Lebenserfahrung abhängig macht, liegt ans der. Hand. Wie gewiß sehr viele von uns modernen Menschen, ganz ohne zu wollen, zu einer Hochbew'ertuug gerade der Inden gelangt sind, das hat ein für allemal in klassischen Worten unser geliebter Fontane ausgesprochen in seinen Versen: A u m einem F ü u f u it dsie ö z i g st e tt. Aber die zum Jubeltag da kamen, Das waren doch sehr andere Nameü/ > Auch „saus peur et rdproche“, üMä Furcht und Tadel, Aber fast schon von prähistorischem Adel: Die auf „berg" und auf „heim" sistd ^är nicht zu fassen. Sie stürmen ein in gaüzen Nasseit, Meyers kommen in Bataillonen, Auch Pollacks, und die noch östlicher ilwhnen; Abram, Jsack, Israel - Alle Patriachen sind zitr Stell', Stellen mich freundlich an ihre Spitze, Was sollen mir da noch die Jtzenplitze! Jedem bin ich was gewesen. Alle haben sie mich gelesen. Alle kannten mich lange schon . . .! Und das ist die ^Hauptsache! — Kommen Sie, Cohn! Das Sombartsche Buch, das den Zusammenhang de» Judentums mit dem Knalleffekt her menschlichen Kultur, dem Kapitalismus, im einzelnen beweisen soll,, zerfälltin drei Hauptabschnitte: 1. Der Anteil der Juden am Ausbau dermo d e r n e n Volkswirtschaft. 2. D i e B e f ä h i g n n g d e r I n d e n z u tu Kapitalismus, und ' 3. Wie j n d i s ch e s Wesen entstand. Diese drei Abschnitte sind wieder in vierzehn einzelne Kapitel geteilt. In dem ersten Kapitel, das die Überschrift trägt: „Ermittlnngsmethoden, Ärl und Umfang des Anteils" setzt Sombart auseinander, nach welchen Leitgrundsätzen er bei seiner Arbeit zu Werke gegangen. (Fortsetzung folgt.) Adolf der Ucrkannte. In der letzten Zeit ist sehr viel von ausgezeichneten Sammlern die Rede gewesen, die kostbare Handschriften, alte Geräte, seltene Bücher und Schätze des Knnstgewerbes znsammen-- getragen, um von Zeit zu Zeit den Knnstmarkt durch die Ergebnisse ihres emsigen Eifers zu verblüffen. Nur ein Mann, der im leidenschaftlichen Sammelrrieb alle diese Kenner und Liebhaber überbietet und der. obendrein den gewaltigen Vorzug hat, zumeist nicht totes, sondern lebendiges Material zum Ergötzen der Mitmenschenznsammenzntragen, stand bisher im Dunklen, man nennt ihn kaum, und wenn man ihn erwähnt, so beurteilt man ihn summarisch, ohne auf den schimmernden Reichtum, auf die glänzende Mannigfaltigkeit seines Privatmnseums, das er mit echter Humanität bisweilen zur Schau stellt, zu achten. Es ist wirklich höchste Zeit, diesem Verkannten gerecht zu werden. Er heißt Dr. Adolf Bartels, trägt den Titel Professor, lebt in Thüringen, und betätigt sich in Literaturschrifteu als Virtuose des Ein- und Abreilens, Anfzühlens nnd Abzirkelus. Aber das sind nur technische Vor- und Nebenübnngen für seine Hauptwirksamkeit, die nicht hoch genug anzuschlagen ist: er sammelt nämlich mit einem rührenden Eifer, mit einer beispiellosen Hingebung, mit einer ergreifenden Liebe zur Sache deutsche Literalurjnden, die er von Zeit zu Zeit öffentlich allsstellt, ohne daß die stumpfe Welt Herz und Auge für diese kostbare und lehrreiche Darbietung hätte. Wenn man sagt: er sammelt, so drückt man sich eigentlich ungenan ans. Der opferwillige Mann tut mehr: er erforscht, er entdeckt, er erriecht seine geliebten Ausstellungsobjekte. In allen Ecken und Enden Deutschlands läßt er nach ihnen graben, in allen Luftschichten des literarischen Milieus erwittert er ihre Nähe, in den fremdartigsten Varietätell erkennt er ihre Gattung, er scheut keinen halsbrecherischen Salto mortale nnd keinen Gang zu den Müttern, um zu ihnen §n gelangen nnd die Welt durch die kostbaren Spezialitäten zu überraschen. Immer neue, wunderschöne Inden zieht er im Literatnrbereich an den Tag, Volljuden. Halbjnden, Vrerteljuden, Exemplare von wundervollem Farbenglanz, die bisher völlig unbekannt waren — zwei unter den schönsten von den Mengewonnenen heißen Paul Heyse und Friedrich Spielhagen — aber sollte man es für möglich halten? — von keiner Seite wird ihm Dank nnd Anerkennung oder allch ilur ausgiebige Beachtung zuteil. Den Inden selbst, deren verborgenste Schönheit er ins hellste Licht stellt, muß alles Solidaritätsgefühl abhanden gekommen seindie Nichljnden, denen er einen ganz neuen Einblick in die exotische Farbenpracht ihrer Umgebung gewährt, lassen ihn links liegen. Diese und jene sprechen, wenn sie seiner überhaupt gedenken, mit unbegreiflicher Herzenskülte von seiner „antisemitischen" Betriebsamkeit. Der zarte Adolf, der Sammler auserlesener Judentypen, ein Antisemit?! Seit die Welt steht, hat es keine krassere Ungerechtigkeit gegeben ....

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