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Die Wahrheit · 1911-07-07 · Heft 26 (7.7.1911) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 26 (7.7.1911)
Date
1911-07-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Redaktion und Sldininisträtion: Wien, II/, Novaragasse 27 Telephon: Redaktion 5107/VII1. Hnakhangige Herischrift für jüöische Kerugsprel»: Ganzjährig ...... Iv 1*.— Halbjährig.K Administration 4938/11, ff. k österr. Postsparkassa- Scheck-Konto Nr. 100.918. Interesse«. Für lkuttttsbeaiute: >t!„„zjäh»ig.K 10. - Inserate: Die viermal gespaltene Nonpareille-Zeile 25 Heller. Erscheint jeden Kreitag. Für Ausland: Abonnementsmib Jnsertions- <«a»zlährig.S Mark ' betröge sind in Wien zahlbar und klagbar. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ 6 Nadel oder l« Fre». |lr. 26 Wien, 7. I«li MHI. Inhalt: Aus der Woche. — Die Jude» aus dem Judeutume. und ba§ Wirtschaftsleben. — Adolf der Verkannte. — Verschiedene Nachrichten. — Literatur. — Austritte Die geehrten Kerren Abonnenten werden um umgehende Erneuerung des Aöonnements für das am l.§uCi 1911 öegonnene 3. Huartat ersucht, damit die regelmäßige Expedition des Mattes keine Anterörechung erleide. Ans der Woche. Mit den letzten Wahlen in Galizien sind die Wahlen für das österr. Abgeordnetenhaus nunmehr beendet und überblickt man das Endergebnis derselben, so bieten sich nebst erfreulichen Lichtblicken auch manche Schattenseiten, die die Aussicht in die Zukunft nicht so rosig erscheinen lassen, als sie in manchen Blättern gemalt wird. Das markanteste Ergebnis der abgeschlossenen Wahlkampagne ist die Absage Wiens an die Christlichsozialen und die hiedurch erschütterte Position der gesamten Partei, in-der innere Fäulnis und Zersetzung.ihre zerstörenden Kräfte von Tag zu Tag immer mehr zur Geltung bringen. Diese Tatsache ist vom Standpunkte des Fortschrittes gewiß nicht gering einzuschätzen, aber trotzdem bietet die gegenwärtige Situation noch ziemlich wenig Garantien dafür, daß bei denjenigen, die sich die Deutschfreiheitlichen nennen, und das Erbe der Christlichsozialen anzntreten gedenken, die Freiheit nicht vom nationalen Chauvinismus erdrückt wird, und da kämen wir Inden allerdings vom Regen in die Traufe. Höchst betrübend sind mannigfache Erscheinungen bei den Wahlen in Galizien gewesen. Abgesehen von dem Verluste der jüdischnationalen Mandate bildet das Blutbad von Drohobycz eines der traurigsten Kapitel galizischer Wahlgeschichte, das um so schwerer empfunden wurde, als es zur Evidenz kam, daß leider auch Inden an dem vergossenen Blute ihrer Brüder schuld trugen. Die jüdische Allgemeinheit atmete erleichtert auf, als Dr. Löwenstein seinen Verzicht aus dieses in Blut getauchte Mandat bekanntgab, und sie würde es entschieden verurteilen, wenn er durch seine politischen Freunde int Polenklub beeinflußt, sich nun eines anderen besinnen sollte. Oberrabbiner Löw in Szegedin hat seine Berufung nach Wien abgelehnt. Der Refus an sich wird von Vielen nicht als so großes Unglück angesehen, aber einstimmige Verurteilung findet die Form der Ablehnung, die mit dem hohen sittlichen Ernst, den man bei dem Träger eines solchen Amtes voraussetzen muß, nicht leicht in Einklang zu bringen ist. Mag aber das Urteil wie immer lauten, eine Lehre wird mit Sicherheit ans dieser wenig erquicklichen Assaire gewonnen werden können: daß man nämlich solche wichtige Angelegenheiten nicht mit leidenschaftlicher Exstase überhasten darf, sondern mit kühler Erwägung prüfen und erledigen muß. » * * Durch die gesamte jüdische Presse — siehe „Die Wahrheit" Nr. 20 — machte vor kurzem die Besprechung, eines jüdischen Adelsbrieses die Runde, die ganz unbegründete Anklagen gegen die Prager jüdische Gemeinde enthielt.Gegenüber den falschen Angaben der damaligen Mitteilungen ist, wie der Prager Korrespondent des „Israel." berichtet, festzustellen, daß 1. die Prager Kultusgemeinde den Adelsbrief so wie sie ihn übernommen hat, tatsächlich gut verwahrt hat, 2. daß auch das völlige Fehlen eines Adelsbriefes den Adel nicht alterieren würde, 3. daß die Anzeige bei der böhmischen Statthalterei eine frivole Denunziation ist, auf die die Statthalterei nichts unternehmen kann. Zur Basfewi-Angelegenheit selbst ist noch folgendes zu berichten: Jakob Bassewi war um besonderer Verdienste willen Hofjude geworden, 1621 von Ferdinand H. mit dem Adelsprädikate von Treuenberg geadelt worden und hatte sich gemeinsam mit einem Münzkonsortium, an dessen Spitze Fürst Liechtenstein stand, an finanziellen Operationen beteiligt, die der Staatskasse tu Zeiten äußerster Bedrängnis zugute kamen. Er siel später in Ungnade und floh zu Albrecht von Waldstein nach Jitschiu, er starb 1634 und wurde auf dem Friedhofe in Jungbunzlau beerdigt, wo sein Grabstein noch heute erhalten ist. Seinen Söhnen scheint das Recht auf den Adel abgesprochen worden zu sein, wenigstens führten sie das Adelsprädikat nicht. Die Prager jüdische Gemeinde bewahrte Bassewi Dankbarkeit wegen der Gründung der Großenhofsynagoge, wie auch wegen seiner bedeuteudeu Wohltätigkeit. In der Großenhofsynagoge bewahrte man auch seinen Adelsbrief auf und durch die Fährnissevon drei Jahrhunderten wurde der Adelsbrief bis in unsere Zeit gerettet. Arg mitgenommen ist er freilich worden. Denn als die Prager Kultusgemeinde ihn nach der Demolierung der Großhofsynagoge in ihren Besitz übernahm, waren nur mehr wenige Worte leserlich, das kaiserliche ' Siegel fehlte ganz; die Kultusgemeinde bewahrte ihn in einem eisernen Tresor auf, wo er bis vor kurzem, bei niemanden Interesse erweckend, verblieb. Vor ungefähr einem halben Jahre begannen sich in Budapest angebliche Deszendenten Jakob Bassewis zu regelt und Ansprüche auf den Adel ihres vermeintlichen Ahnherrn zu erheben. Wenig-

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