Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 25 (30.6.1911)
- Date
- 1911-06-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Redaktion nnd Ildniinistration: Verngsprei»: Wien, II/, Novaiagasse 27 Lelevhon: Redaktion 5107/VIII. Anakhängige Seitschrift für jüöische Äanzjiivrig.K 14.— Halbsährig.K 1.— Administraliou 4938/11. Ä. k. osterr. Postsparkasia- Sweck-Konro Nr. 100.918. Interessen. Für JfiiUu-sbeantte: (Mniiühibriu . ..K 10 - In lernte: Die viermal gespaltene Nonpareille-Zeile W Heller. Erscheint jeden Kreitng. Für Ausland: AbonnemeniSnnd Insertion«- «it„»ziüvria.8 Mark betrage sind in Wie» zahlbar nnd klagbar. Motto; „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ (5 Rubel oder l»i Frrs. Kr. 25. Wien. BO. Imn Inhalt: Airs der Woche. — Das Blutbad von Drohobycz. — Eine Aktion zugunsten Hilsner's. — Rabbiner Dr. Adolf Frankl-Grün in Kremsicr. — Eine Entscheidung des Verwaltungsgerichtshoses. —; Die Inden und das Wirtschaftsleben. — Aus dem Lande der Inquisition. — Verschiedene Nachrichten. Are geehrten Kerrerr Monnenten werden um umgehende Erneuerung des Köonnemenls für das am 1. Anti 1911 beginnende 3. Huartat ersucht, damit die regelmäßige Expedition des Mattes keine ZLnterbrechnng erleide. Ans der Woche. Die schwere Niederlage, welche die Wiener Christlichsozialen bei den Wahlen erlitten, hat nicht nur ihren parlamentarischen Vertreter im Kabinett, den Handelsminister Dr. Weißkirchner, um das so liebgewordene Ministerporteseuille gebracht, sondern auch mittelbar, infolge der Erschütterung der bisherigen Arbeitsmajorität, bei welcher die Christlichsozialen nicht mehr mittun wollen, den Ministerpräsidenten Baron Bienerth zur Demission veranlaßt. Zu seinem. Nachfolger wurde Baron Gautsch ernannt, dem die Allfgabe gesetzt ist, eine neue Konstellation der Parteien im Parlamente herbeiznsühren. Trotz der großen Sympathien, die Freiherr von Gautsch in allen politischen und gesellschaftlichen Kreisen genießt, .kann man sich bei seiner Ernennung dennoch eines gewissen bangen Gefühls nicht erwehren, denn er scheint nur ein. Platzhalter zu, fein für jene finstere Gestalt aus den Feudalzeiten, die bei jedem Ministerpräsidentenwechsel aus der Versenkung emporsteigt und für den Zug nach rechts nicht nur seine eigene Persönlichkeit, sondern auch den großen Einfluß seines vielvermögendeu Anhangs zur Verfügung hält. Bisherblieb es nur bei den Versuchen und zum Glücke für Oesterreich behielt die Erkenntnis die Oberhand, daß ein moderner Staat, will er seine Existenz nicht untergraben, immer die Richtung nach vorwärts und nicht nach rückwärts nehmen muß. * * - Betreffs Auflassung der Wiener Neligionslehrerbildungsanstalt wird uns geschrieben: Vor einiger Zeit ging durch die jüdischen Blätter die Mitteilung, daß die Wiener Knltusgemeinde die zur Heranbildung von Religionslehrern kreierte Bildnngsanstalt wegen der immensen Erhaltungskosten und mangels Verwendung der Absolventen für eine Reihe von Jahren außer Wirksamkeit zu setzen gedenke. Diese Mitteilung mußte jeden Kenner der Verhältnisse schmerzlich berühren, da obbezeichnete Anstalt die einzige in W i e u gewesen wäre, die es dem strebsamen isr. Zögling ermöglicht hätte, sich nach entsprechender Vorbereitung der Reifeprüfung fürdas allgemeine Volksschulfach zu unterziehen. Von den vielen Wiener Anstalten zur Heranbildung von Lehrpersonen stehen — theoretisch genommen —nur die beiden k. (.Anstalten isr. Kandidaten, bezm. Kandidatinnen offen. Nun hatten sonderbarerweise trotz unserer herrlichen Staatsgrundgesetze seit einer Reihe von Jahren dortselbst keine Zöglinge isr. Konfession Aufnahme gefunden. Hier soll und muß ehestens im Sinne unserer gesetzlichen Normen eine gründliche Remednr geschaffen werden. In k ü r z e st e r Zeit finden die Aufnahmsprüfnngen in den erster Jahrgang obbezeichneter Unterrichtsanstalten statt. Hoffentlich werden die Direktionen der k. k. Bilduugsanstalten zur Heranbildung von Lehrpersonen beiderlei Geschlechtes einsichtsvoll genug sein und einer Reihe von isr. Zöglingen angesichts der sich so mächtig betätigenden freisinnigen Gesinnung der Wiener Bevölkerung die Aufnahme zugestehen. Selbstredend wird 'es. seinerzeit nicht an den entsprechend „nachdrücklichen" Bemühungen fehlen dürfen, um jungen isr. Lehrpersonen beiderlei Geschlechtes den Eintritt in den städtischen Schuldienst neuerdings zu eröffnen. Ist doch im Sinne unserer gesetzlichen Normen das Amt an öffentlichen Volksschulen allen unbescholtenen österreichischen Staatsbürgern zugänglich, die hiezu an einer öffentlichen Bildungsanstalt die entsprechende Qualifikation erlangt haben. * * Aus der Kultusdebatte im ungarischen Abgeordnetenhause, über welche wir letzthin berichteten, wären noch die bemerkenswerten Ausführungen des Kullirsministers Graf Zichh über die jüdische Autonomie zu erwähnen: „Ich halte die Schaffung einer jüdischen Autonomie sowohl vom Gesichtspunkte der staatlichen Aufsicht, als auch der Kulturpolitik für überaus wichtig, wie ich denn auch die Organisierung der Ausbildung der Rabbiner und des Schulwesens für unaufschiebbar erachte. Nun aber kennt das Gesetz allerdings nur eine israelitische Konfession, doch ist es zweifellos, daß das Zusammenwirken der Orthodoxen und der Neologen unter den heutigen Verhältnissen kaum denkbar ist. Es bestehen diesbezüglich außer persönlichen Momenten auch gewisse wirtschaftliche Gegensätze. Im Wege eines Oktrvi möchte ich die neue Organisation schon vom liberalen Gesichtspunkte ans nicht schaffen. Täte ich dies dennoch, daun müßte ich sicherlich über ein Meer von Interessen und Gefühlen hinwegschreiten. Ich werde binnen Kurzem den Versuch machen, die besonderen zwei Gruppen zu einer gemeinsamen Tätigkeit anfzufordern. Unabhängig von dieser Frage aber will ich die Angelegenheit der Rabbinergnalisikation regeln. Allerdings hat die jüdische Konfession auch jetzt ein ausgezeichnetes Rabbinerseminar — das Bndapefter Institut ist eines