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Die Wahrheit · 1911-06-23 · Heft 24 (23.6.1911) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 24 (23.6.1911)
Date
1911-06-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Die Wahrheit Seite %. dir. 24. fe.riler den Ausschuß, in fetueit. bisherigen erfolgreichen Beuuihnngen der Selbsthilfe fortznfahreu und seinen Bnudesgenieinden die moralische Verpflichtung einzuschärsen, sich nach besten Kräften daran zu beteiligen/daß ihren Rabbinern, Lehrern und Knltns- .heamten eine wirklich standesgemäße Jnvaliditäts- Alters- und Reliktenversorgnng zuteil wird." Die beiden Resolutionen wurden angenommen. Reichstagsabgeordneter Potthofs betonte in seinem Schlußwort nochmals, daß er es für richtig halte, daß alle 'Angestellten zwangsversicherungspflichtig seien. Wenn des weiteren nun hier von einer Seite die Meinung ausgesprochen sei, daß das G e s e tz einen Unterschied in konfessioneller Hinsicht mache und die Rabbiner den christlichen Geistlichen nicht gleichstelle, so sei das vollkommen unrichtig. Nach dem Versichernngsentwnrf -für die Angestellten unterstehen prinzipiell alle christlichen Geistlichen und Lehrer gleichfalls dem Gesetz, gewiß nur theoretisch, denn § 9 nimmt sie praktisch davon aus, aber nur weil sie schon euien gesetzlichen Pensivnsauspruch haben, sind sie vom 'Versichernngszwang befreit. Der Unterschied gegenüber den Jüdischen Geistlichen und Lehrern liegt ganz allein in der Tatsache, daß die christlichen Lehrer und Geistliche pensionsberechtigt find, die jüdischen aber nicht. Das Gesetz verfolgt nur das Interesse, daß alle Geistlichen und Lehrer der Sorge für Alter und Relikten überhoben seien, und wenn die jüdischen Geistlichen 'und Lehrer hiergegen durch eigne Kassen oder leistungsfähige -Gemeinden geschützt werden, so werden sie in solchem Falle durch § 9 den christlichen Geistlichen und Lehrern durchaus -gleichgestellt. Wenn nun etwa einzelne Gemeinden die Befreiung ihrer Beamten von der Zwangsversicherung beim Bnndesrat auf Grund der § 9 und 14 beantragen, so würde diesem Anträge auch dann nicht stattgegeben werden, wenn diese Genteinden in ihren Leistungen und der Sicherung ihrer Beamten gegen Alter und hinsichtlich der Relikten hinter der staats- .-beamtlichen Leistung nicht zurückstehen. Denn erforderlich sei auch, .daß die Sicherheit gegeben sei. daß diese Beamten nicht .-eines schönen Tages von der betreffenden Gemeinde entlassen werden und ihres Anspruches verlustig gehen können.. Es muß -also zn der Gewährung der gleicheil Leistungen auch die -l e b e n s l ä n g l i ch e A n st e l l n n g hinzutreten." Die Theo- und Angelologie, Dömonotogie nnd Magie nach den talmudischen nnd agadischen Anetten von Med. Dr. Gideon Brecher. Besprochen von A. Stößler in Olmütz. Es ist kein leeres Wort für euch, sondern es ist euer ^Leben". Diesen. Ausspruch des göttlichen Lehrers Moses möchte ich mit dieser Schrift in Beziehung bringen. Mehr als 60 Jahre sind im Strome der Zeilen dahingeschwnnden. seitdem .Med.-Dr. Gideon Brecher diese Arbeit als Beweis seiner Hochachtung und Wertschätzung für seinen Freund, den k. k. priv. -.Großhändler Bernhard Back in Proßnitz, veröffentlicht hat. Der gelehrte Autor hat bereits durch anderweitige zahlreiche Schriften fein eminentes Fachwissen und sein großes Interesse zum alten jüdischen Schrifttnme bekundet. Mit der vorliegenden Schrift Jedoch hat er sich bemüht, die transzendentalen Gegenstände ans dem Labyrinthe der talmudischen und agadischen Schriften .zn sichten und zu sondern und dieselben womöglich facfjiueife und systematisch zn ordnen. Der Verfasser hat bei dieser höchst verdienstvollen Arbeit, durch welche er seinen damaligen Zeitgenossen den Geistesgehalt des überlieferten Schrifttums in klarer und gemeinverständlicher -Sprache überlieferte, aus der Quelle edelster Begeisterung und geweihter Gefühle geschöpft. Er hat dabei aber auch bei 'Wahrung v o l l stän d i g er Originalität den unermeßlichen -Ozean der Gemara. und Agada sowie die einschlägigen Werke Der b edente n d fte n Gelehrten (manchmal aus dem Gedächtnisse) als Stndienqnelle benützt, trotzdem ihm in der Provinzstadt weder großaugelegte Bibliotheken noch sonstige Behelfe zu Gebote standen, 'die eine solche Arbeit immerhin zu erleichtern nnd zn vervollständigen vermögen. Nun gehe ich ins Meritvrische der Sache über und ersuche die geerirten Leser, mit Aufmerksamkeit dem gelehrten Verfasser zu folgen, der die Natur und die Funktionen der göttlichen Engelscharen — nach den talmudischen und agadischen Ueberliefernngen — in folgender Weise schildert: „Als höchster, absoluter Gesetzgeber und Weltmonarch, als König der Könige, thront Gott auf hocherhabenem Throne, von dem Heere der Engel und Seraphim umgeben. Die diensttuenden Engel (MaL’ache haschores) bilden den unermeßlichen Hofstaat Gottes in unaussprechlicher Menge. Sie wurden am zweiten Schöpfungstage durch das göttliche: Werde! ans dem Nichts hervorqernfen. Aber nicht ein - für allemal wurden die himmlischen Wesen erschaffen, sondern „täglich" erschafft Gott eine Engelschar (na). Diese lobsingen ihm. gehen dann weg und kehren zurück in den Fenerstrom (-m ■h irra) und „ans jedem Worte, das dem Munde Gottes entströmt, wird ein Engel erschaffen". Gott preisen nnd ihm lobsingen, ist ihr himmlischer Beruf. „Sechshundert nnd viernnduennzig Tausend Engel heiligen den großen Namen täglich. Bon Sonnenaufgang bis Sonnenllntergang sagen sie: Heilig, heilig, heilig! Sie geben sich einander die Ehre und eine Engelschar spricht zur anderen: Gepriesen sei der Name seines herrlichen Reiches!" Reich Lakisch sagt, es existieren sieben Himmel. Der erste heißt „Wilon" und ist der unterste Himmel. Der zweite heißt „Rokia". An diesem sind die Sonne, der Mond, die Sterne nnd die Planeten befestigt. Der dritte heißt „Schechakim", daselbst wird für die Frommen das Manna gemahlen. Der vierte heißt „Sebnl". Dort besindet sich das obere Jerusalem, der Tempel und. der Altar, ans welchem Michaöl. der große Engelsürst, opfert. Der fünfte heißt „Maon". Dort sind Scharen diensttuender Engel, welche des Nachts Loblieder singen, am Tage aber, zur Ehre Israels (welche nur Gott loben), stille schweigen. Der sechste heißt „Machon". Hier sind die Schatzkammern des Regens nnd Taues nnd die Wasserbehälter, die Kammern des Sturmes und die Höhle des Dampfes. Die Tore sstcd Oüii Feuer. Der siebente heißt „Arnboth'. Dort ist Recht, Gerechtigkeit, Tugend, Schütze des Lebens, des Friedens und des Segens; die Seelen der Frommen (nach ihrem irdischen Ableben). Geister ruid Seelen derer, die noch geboren werden sollen und der Tan, durch welchen Gott, einst die Toten wieder beleben wird. Daselbst sind ferner Ophanim (Rüderengel), Seraphim (Glntengel) und die heiligen Chajot (Tierengel) und der Thron der Herrlichkeit. Ueber ihnen thront in Arnboth der König, der lebendige Gott, der Hohe und Erhabene. Finsternis, Gewölk nnd Nebel umgeben ihn. — „Wie! Finsternis wäre bei dem, wo das Licht wohnt?" — Ja,. in den äußeren Gemächern. Die llnermeßlichkeit jener Regionen wird von/Rabbi Jochanan ben Saccais in Jahren ansgedrückt. So sind von der Erde -bis zum Himmel 500 Jahre Weges. Die Dicke des Himmels ist 500 Jahre Weges stark und ebenso weit ist der Weg von einem Himmel znm anderen. Drei Scharen Engel kamen herab mir Harfen und Zithern, als Adam das erste Opfer darbrachte. Engel hieben der Schlange Hände und Füße ab. Ein Engel plagte Pharao, als er die Sara zn sich nahm. Engel erschienen dem Abraham im Haine Mamre in Gestalt eines Bäckers, eines Schiffers und eines Arabers. Achtzig, nach anderen 120 Tausend Engel, tanzten vor Jakob, als er das Hans Labans verließ. 4000 Miriaden Engel stellten sich als Kämpfer für Jakob gegen Esan dar. Als Amram seine Frau Jochebet, von der er sich ferngehalten, wieder anfnahm, stimmten die Engel den Chor an: „Die Mntter freue sich ihrer Kinder". 22.000 der diensttuenden Engel stiegen mit Gott auf Sinai herab, welche alle den Namen (hx) mit dem ihrigen vereinigten und standen Israel bei, als sie, .durch die Stimme Gottes er- . schreckt, zwölf Millien von ihrem Standpunkte znrückwichen. Als Gott das Tempelzelt „Mischkan" aufrichten ließ, deutete er den

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