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Die Wahrheit · 1911-06-16 · Heft 23 (16.6.1911) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 23 (16.6.1911)
Date
1911-06-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Seite 5. Nr. 23 Die Wahrheit ihrem Munde erfahren, welche großen Vorteile ihnen ans der jüdischen Arbeit erwachsen sind, wie sehr die Rentabilität ihrer landwirtschaftlichen Betriebe gestiegen ist, seitdem sie von den jüdischen Kolonisten europäische Arbeitsmethoden und die Benützung moderner landwirtschaftlicher Geräte erlernt haben. Es ist auch durchaus unrichtig, daß die jüdischen Kolonisten sich weigern, die ottomanische Staatsbürgerschaft anznnehmen, Ich kenne viele Unter ihnen, die begeisterte ottomanische Vaterlandsfrennde sind. Würde man den jüdischen Ansiedlern die Naturalisation erleichtern, so würden sie . alle freudig Ottomanen werden und noch eifriger als jetzt dem Aufschwung und'dem Fortschritt des Landes-ihre Kräfte weihen. Denn die Inden sind ja mit uns Arabern stammverwandt, und wenn das Abendland, wo sie Jahrtausende hindurch in der Verbannung lebten, ihnen auch seinen Stempel anfgedrückl hat, so sind sie im Grunde ihres Herzens doch Morgenländer geblieben, die in unserem Lande heimisch sind. Der Orient den Orientalen!" Diese judeufrenndliche Aeußerung des vornehmen Jäffaer Arabers hat im garrzen Lande großen Eindruck.gemacht nnd wird in d<:r arabischen Presse lebhaft besprochen. 4- * - Der jüngste Bericht des nordamerikanischen Handelsdepartements enthält interessante Daten über die Inden der nordamerikanischen Republik. In den Jahren 1904—08 kamen 1,600.000 Einwanderer nach Amerika, davon waren 403.772 Juden. Gegenwärtig gibt es in New-Iork 6 Stadtteile, die fast ausschließlich von Juden bewohnt werden, und kurzweg als jüdische Ghetti bezeichnet werden können. Laut einem statistischen Ausweise der Chicagoer Handelsvereinignng gibt es in dieser Stadt 50.000 Inden, die untereinander sich ausschließlich des Jargons als Umgangssprache bedienen. In Cleveland, wo bis 1900 Juden und Italiener nurin geringer Zahl vorhanden waren, bilden diese heute einen bedeutenden Teil der Bevölkerung. Dasselbe gilt auch von, Philadelphia, Baltimore, Cincinatli und anderen Städten. Früher kamen-die jüdischen Emigranten gleich den übrigen irr der Absicht nach Amerika, um daselbst eine neue Existenz zn begründen. In den letzten 2—3 Jahren kamen die Juden zumeist bloß, um sich ihren bereits dort besindlichen Verwandten anznschließen. 930/o der im Jahre 1908 nach Amerika gekommenen jüdischen Einwanderer wurde die Landung deshalb gestattet, weil sie zu ihren bereits in Amerika befindlichen Familienangehörigen gekommen waren, wie z. B. Frau und Kinder znm Manne und Vater, der Vater zn seinen Kindern usw. Ueberhanpt übt die Familie auf die Inden eine große Anziehungskraft. Hinsichtlich der Berufe nahmen die Inden den wichtigsten Platz in dem Schneidergewerbe und dem Handel mit fertigen Kleidern ein. In der letzten Zeit jedoch hat sich dieses Verhältnis stgrk verschoben. Heute kommt ans 100 italienische Schneiderinnen bloß eine jüdische. Heute wird die Kleiderkonfektion zum größten Teile von Italienerinnen'als Heimarbeit' betrieben. Hingegen ist die Zigarettenfabrikation fast ausschließlich Heimarbeit jüdischer Mädchen und Frauen. In Cleveland isi die Hauptbeschäftigung der Inden Kleiderhandel und Zigarrenfabrikation. In Pittsburg gab es ün Jahre 1909 200 jüdische Motorführer und Tramway-Kondukteure. ~ Von 1000 aus Rußland eingewauderten Familien liegen Aenßerungen über ihr Hausbndget vor. Sie verdienen alle mit Ausnahme von 5 Familien 10—30 Dollar die Woche. Der Verdienst der Frauen in den jüdischen Familien ist sehr gering. Die jüdischen Familien bewohnen durchschnittlich vier Räume, so daß jeder.Raum durchschnittlich von zwei Personen bewohnt wird. ' y- - ' - Trotz der berüchtigten Enge im untereren Ostende von Newyork, das zumeist von Inden bewohnt ist, ist die Sterblichkeit daselbst, keine größere, als in den geräumigeren Stadtteilen. Dieses Ergebnis ist, wie der offizielle Bericht hervorhebt, zunächst der hygienisch einwandfreien Lebensweise der Juden und dann der strengen Aufsicht der Behörden über die öffentliche Reinlichkeit zu danken, t( ..;; 'sjs- ~ * . . ' cH,. Präsident Taaft hat dem Kommandanten Obersten Garrad eine scharfe Rüge erteilt, weil er befohlen hatte, daß ein gewisser Blohm nicht zur Offrziersprüfnng zugelassen werden sollte, weil er jüdischer Abstamnurug sei. Allerdings nannte Oberst Garrad noch andere Gründe, wie: daß der Vater Blohm^s ein Schneidergeschäft betreibe. der junge Blohm mit Unteroffizieren und gewöhnlichen Soldaten verkehre, ein Umstand, der nicht geeignet sei, die notwendige Scheidewand zwischen Offizieren und Soldaten zn ziehen. Präsident Taaft will die angeführten Gründe nicht gelten lassen und hat den Kriegsminifter angewiesen, den Fall zn nntersnchen. Ob der Vater Schneider sei oder nicht, sei gleichgiltig. Oberst Garrad habe kein Recht, das Avancement des jungen Blohm zn verhindern, nur weil dieser Jude sei. Der Präsident bedauere auf das tiefste, daß ein Offizier solche Rassenvorurteile in einem offiziellen Dokument ansgedrnckt Habe. Wenn sonst nichts gegen Blohm vorliege, so sei er znm Offiziersexamen znznlassen. Inden nnd Dentschtnm. Eine Reihe bekannter Gelehrter nnd Schriftsteller hat neulich Gelegenheit genommen, sich zur Judenfrage zn änßern. Dabei hat sich wieder einmal gezeigt, daß viele, die keineswegs Judenfeinde oder Antisemiten sind, ihre eigenen Ansichten über Toleranz, jede Logik und alle gemachten Erfahrungen zn vergessen vermögen, sobald es sich um Inden handelt. Dieselben Deutschen, die es mit Recht Deutschen übelnehmen, wenn sie die Religion ihres jeweiligen Wirtsvolkes an» nehmen, die es deutschen Prinzessinnen verargen, wenn sie selbst einer Krone wegen ihre Religion wechseln, verlangen direkt oder indirekt, daß die Juden in Deutschland sich taufen lassen sollen, um als vollberechtigte Deutsche anerkannt zn werden. Dennoch lehrt die Erfahrung, daß Deutsche in Amerika mit Vorliebe Sauerkraut essen. Bier trinken, frisch, frei, froh und fromm turnen, gern die Wacht am Rhein. Ich weiß nicht, was soll es bedeuten und andere deutsche Lieder singen, freudig die deutsche Heimat wieder besuchen nnd dabei dennoch so gute amerikanische Bürger sein können, daß ihnen von den amerikanischen Staatsmännern und anderen leitenden Persönlichkeiten das Zeugnis ansgestellt wird, sie gehörten zu den besten Bürgern des Landes. Dasselbe Zeugnis ist von berufenster Seite orthodoxen wie liberalen Juden in Amerika. England, Holland und anderen Ländern ansgestellt und, was noch mehr sagen will, durch patriotisches und loyales Verhalten. Tätigkeit nnd Leistung verdient worden. Warum in aller Welt können in den Augen Dentscher geborene Deutsche oder Leute deutscher Abstammung, trotz allem, ja wenn sie nicht einmal die Sprache des Landes sprechen, güte Amerikaner nnd warum Juden, die im Lande geboren sind, deutsch sprechen und Deutsche sein wollen, nicht auch in den Augen dieser Deutschen glite Deutsche sein?' Die sogenannte semitische Rasse kommt ja hier nicht in Betracht; denn diese abznlegeu, steht ja nicht in der Macht der Juden, kann also auch nicht als Bedingung gestellt werden für ihre Verschmelzung mit den Deutschen. Auf die Forderung, die Juden sollten Chri st eit werde lt, ist sehr richtig mit der Frage geantwortet worden, ob sie protestantisch, katholisch, griechisch-katholisch, ob sie Methodisten, Mormonen werden oder welcher der unzähligen christlichen Sekten sie sich anschließen sollen. Auf die Forderung, die Inden sollten die deutschen.Volkssitten annehmen, könnte man ebenso fragen, ob sie die Bayern, ob sie Ostpreußen oder Rheinländer, Sachsen oder Friesen sich znm Muster nehmen, kurz welche Sitten sie eigentlich annehmen sollen, um als perfekte Deutsche angesehen zn werden. Viele Eigenheiten haben die Inden ganz von selbst anfgegeben und die ihrer Wirtsvölker angenommen. So sprechen sie nnd schreiben deutsch nnd sehr oft sogar ein besseres als die. die sie nicht als Deutsche anerkennen wollen. Die Zahl der Hebräisch auch nur einigermaßen verstehenden Inden in Deutschland ist minimal, wird höchstwahrscheinlich übertroffen von der der Hebräisch verstehenden Christen im Lande und den jüdischen Jargon verstehen sie ebensowenig. Dabei könnten die Inden

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