Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 22 (9.6.1911)
- Date
- 1911-06-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Tie Wahrheit Seite 7. Nr. 22; ' , Neben den Volksschulgegenständen wurden an 6 Schulen ivou 6-, Lehret» in 8 Abteilungen au 115 Kinder Unterricht in -Handfertigkeit (Slöjd) erteilt. Für die Anschaffung von Slöjd-, Materialien und Werkzeugen wurden 476 K 47 H, an Reinnnerationen für die Erteilung dieses Unterrichtes 850 K verausgabt. So wie das Kuratorium durch Einführung des Handfertigkeits-Unterrichtes in den Stiftungsschulen nach Aussage der maßgebenden Faktoren im Lande schon vor 15 Jahren bahnbrechend gewirkt hat, wendet es nunmehr dem gegenwärtig' in .'pädagogischen Blättern des Auslandes propagierten „Werkunter ri ch t e" sein Ängenmerk zu. Dieser beruht anf-dem -Grundsätze, daß der Unterricht von der ersten Klaffe der Volksschule ab so geführt werde, daß sich die Schüler möglichst'selbsttätig ihr Wissen erarbeiten, solches selbstständig in ein Können mmwandeln : und in Werk, Zeichen und Wort zur Darstellung bringen. In den Mittelpunkt des Elementarunterrichtes tritt somit das w e r k t ä g i g e Schaffeu, der „W erknn terr i ch t," an den sich aller übrige Unterricht in Kenntnissen und 'Fertigkeiten so viel als möglich auschließt. Der Werkunterricht -nimmt die Ideen Fröbels und anderer Pädagogen aus und verwertet sie entsprechend, um die Anschauung zu vertiefen, Hand und Gehirn zu . bilden, Intellekt und Handfertigkeit zu psiegen. Das Kuratorium hat im Juli 1910 den Kreisschulinspektor Wilhelm Engländer in Tarnow sowie die Schulleiter Emauuel .'Kelhoffer in Sassow und Salomvn Fränkel in Gologory nach 'Leipzig entsendet, damit sie im dortigen Lehrerseminar für Knabenhalldarbeit einen Kurs für Werkunterricht absolvieren, sich ans diese Werse die neue Methode gründlich aneigueir, um dieselbe entsprechend den geänderten Verhältnissen in Galizien bei unseren Schulkindern äuzuwendeu. Zu Beginn des Schuljahees 1910/11 wurde an den Schulen in Tarnow. Sassow und Gologory zunächst in der 'I. Klasse der Werkunterricht eingesnhrt und werden die gemachten -Erfahrungen im nächsten Jahresberichte ausführlich dargelegt werden. - Auch in diesem Jahre wurde den Lehrern wiederholt nahegelegt, der Pflege der Jngendspiele, dem Turnunterrichte und der Veranstaltung' von Anssingen vollste Aufmerksamkeit Mznwenden. Es haben. am Turnen 4577, an Jngendspielen 4743- und an Anssiügen 3522 Schüler teilgenommen. - Der Schulbesuch, sowie die durch den Unterricht erzielten Resultate können in den meisten Schulen als sehr befriedigend bezeichnet werden. Nicht allein bei den von den Stistnngsschnlinspektoren, sondern auch von mehreren Landesschnlinspektoren .Mid fast sämtlichen Bezirksschulinspektoren vorgenommenen Visitationen wttliren beinahe durchgehends sehr gute, in einzelnen Fällen ausgezeichnete Erfolge konstatiert. Der.- von. dem Kreisschulinspektor Wilhelm Engländer in Tarnow dem k. k. Landesschulrate für Galizien vorgelegte Plan ^ures; versuchsweise in 3 Stiftungsschulen eingeführten abgeänderten methodischen Verfahrens beim Lese- und Schreibnnterrichte in .der. I.- Klasse, welcher bereits mit Erlaß vom 7. Mai 1909, Z.l;H4M0, genehmigend zur Kenntnis genommen wurde, Alaützte -WH'Mrlaß-vom-M. August 1910, Z. 45721, auch für das IcächM'Schuljahr die Genehmigung. JnHem Mstreben, an möglichst vielen kleinen Orten Gali- ^ziensXdie^Erieiümg desHDsscklllülnterrichtes an jüdische Kinder tunlichst,-zst. fordern, Hai -das Kuratorium, welches bereits im Vosfahre -fürdie -vypAer Israelitischen Allianz zu Wien begrüDeten-Schülen ni.Bndzanow und Olesko 2 Lehrer unter Karenz .Bezüge beiN'laubte und ans dem Peusionsetat der Stiftnng^-Hließ.. auch/ für .zwei weitere in Aussicht genommene Schulen.ist'Miemirow-mnd Potokzloty 2 Lehrer beurlaubt. Seilw.^unausgesetz'tei Fürsorge wendet das Kuratorium der 'Bessernllg-'dest iilateriellett Lage der Lehrerschaft durch Erhöhung der Gehalte, Zuwendung von Unterstützungen bei Krankheit und Todesfall ^rc.'-zu und atlßerdem wurden ganz bedeutende Zu- - wendungeist sämtlicheistLHrern, welche außerhalb ihrer Dienstorte .mittelschulpflichtige Hlder zu erhalten' hatten, aus den Mitteln der Baronin Clara föojt Hirsch Kaiser-Jubilänms-Stiftnng zur llnterstützustg'von. Knaben und - Mädchen in Oesterreich votiert. ' Außer dem für den Unterricht für Volksschulen verausgabten Betrage von 446.708 K 19 H wurden für Unterstützung ^der Kinder durch Verteilung von neuen Büchern, Heften und sonstigen Schnlregnisiten 9.261 K 88 H verausgabt und aus den Mitteln: der Jubiläums-Stiftung wurde für Ausspeisung und Bekleidung der unsere Schulen besuchenden Kinder 52.012 K 24 H zur Verfügung gestellt. Au Subventionen wurden wie im Vorjahre für die von den Kultusgemeinden in Brody und Zablocie erhaltenen Schnlen 10.350 K bewilligt. Moritz Deutsch f. A. Biographische Studie vom Königlichen Musikdirektor A. F r i e d m a u n-Berliu. Fortsetzung. Der Beifall des Kantors und des Chores steigerte sich mit jedem Gottesdienst und die Gemeinde drückte oft ihre große Zufriedenheit dem nengewählten Kantor aus. Der neugeschaffene Kultus lockte auch Andersgläubige ins Gotteshaus und Deutschs hervorragende Fähigkeiten wurden auch von Musikern nichtjüdischer Konfession anerkannt und gewürdigt. Kein Wunder, wenn Deutsch zur solistifchen Mitwirkung in Oratorien aufgefordert wurde. Deutsch entledigte sich der ehrenvollen Aufgabe mit künstlerischem Geschmack und die Tageszeitungen hoben die Beherrschung des oratorischen Stils sowie die geschmackvolle Vortragsart beim Solisten hervor. Allein Deutsch begnügte sich nicht mit dem Errungenen. Er studierte weiter bei den hervorragendsten Musikern Breslaus, wie Dr. Banmgart. Mosevius und Seidel und war bestrebt, die gewonnenen Kenntnisse aus das Kantorat zu verwerten. Deutsch brachte nicht allein die Sulzerschen Gesänge im Gottesdienst zur höchsten Vollendung, sondern er entfaltete auch seine eigene Muse hierbei. Mit allen musikalischen Gesetzen allsgerttftet, komponierte er Chöre und Rezitative für den Gottesdienst. Alle seine Gesänge tragen den Stempel eines bedeutenden Chasan und eines hervorragenden Musikers. „Es tut not," schrieb er. „daß der Komponist sich in den Geist des heiligen Textes versenke, dem er in Tönen einen erhöhten Ausdruck verleihen will; da ist unerläßlich, daß er ganz erfüllt sei von jenen heiligen Gefühlen, die er in einer zur Andacht versammelten Gemeinde wecken will." Unter dieser Anschauung vertonte Deutsch die hebräischen Gebete. Kein Wunder, daß seine Gesäuge bei dem Beter tiefe Andacht Hervorriesen und sein Ruf weit über seine Wirkungsstätte hinaus drang, der Breslauer Gottesdienst wurde als Muster und Vorbild für viele deiltsche Gemeinden hiugestellt. Nach solchen Erfolgen wurde Deutsch ausgefordert, eine Kantorenschnle einznrichten, deren Zöglinge als Religionslehrer am Rabbinerseminar zu gleicher Zeit ausgebildet werden sollten; Wahrlich ein herrlicher Gedanke! Stimmbegabte deutsche Jung-? linge strömten nach Breslau, um sich die edle Gesangsmethode des Meisters Deutsch anzneigueu und auch zllgleich am Rabbinerseminar ihre Religionslehrerprüsnng zu absolvieren. Deutsch ging mit großer Liebe und Aufopferung ans Werk und viele Kantoren. die noch heute in großen Gemeinden amtieren, verdanken Deutsch ihre Ausbildung. Der Unterricht erstreckte sich aus alle Disziplinen, die ein Kantor in einer gebildeten Gemeinde nötig har. Vor allem sollten die Eleven ans dem Mund des Meisters das alte Chasonns in modernem Geist vernehmen. Deutsch fixierte die altjüdischen Intonationett und brachte dieselben seinen Zöglingen bei. Auch das moderne Rezitativ wurde im Institut doziert, um die angehenden Kantoren vielseitig für ihren Berns vorznbereiten. Alle diese Gesänge sammelte Meister Deutsch und veröffentlichte sie später nach einer 15jährigen segensreichen Dozenten-Tätigkeit in einer Sammlung. „Vorbeterschnle" genannt. Seiner Bedeutung für das jüdische Kantorat entsprechend, zeigte der allgemein bewunderte und verehrte Meister Deutsch großes Interesse für alle Erzeugnisse ans dem svnagogalgesanglichen Gebiet. Ein ans der Feder des Königsberger Kantors H. Weintranb erschienenes Werk »Lotürs bes adonöj“ veranlaßt Deutsch zu einer musikwissenschaftlichen Auseinandersetzung, die noch heute von großem Interesse ist und die ich daher hier