Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 22 (9.6.1911)
- Date
- 1911-06-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Die Wahrheit Nr. 22. Viehzucht ihre Hauptbeschäftigung bildeten, mit dem Boden verwachsen. Wir haben aber glaubwürdige Zeugnisse dafür, daß im römischen Reich noch im 5. Jahrhundert jüdische Possesoren und Kolonen sehr häufig waren, daß auf den Gütern der römischen Kirche in Sizilien viele Juden. ansässig waren, denen Papst Gregor I. ein viertel bis ein drittel des Pachtzinses Nachlassen wollte, wenn sie sich zum Christentum bekehrten. S. Caro, „Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Juden" 31 ff. Ich habe nur auf einen Teil der Unrichtigkeiten und uu- -erwiesenen Behauptungen hingewiesen. „Die Juden wurden Herren des Geldes und durch das Geld die Herren der Welt" (427). Das wollte S. in seinem Buche erhärten. Vieles in dieser Beweisführung ist unhaltbar. Mit großer Sachkenntnis und vielem Scharfsinn ist das Geöankengebände Ss. aufgefnhrt. Entfernt man jedoch alles, was er mit Gewalt hiueingezwängt, dann muß der künstlich errichtete Bau zusammenstürzen. Die Methode Sombarts ist im übrigen am treffendsten gekennzeichnet durch seine eigene Bemerkung: „Das Sabbatjahr hat auch den Sinn, daß man aufhört Bauer zu sein und wieder sich als Israelit alten Stils fühlt," d. h. das Sabbatjahr hatte nur den Zweck, daß der Israelit in jedem siebenten Jahre, seiner ursprünglichen Neigung gemäß, als Nomade leben sollte. Das bedarf wohl keiner weiteren Erörterung. Die Katastrophe von Saffed Ueber das schreckliche Unglück, dem so viele Menschen zum Opfer fielen, wird aus Jerusalem folgendes geschrieben: Das Dorf Meron ist zwei Stunden von Saffed entfernt. -Hier befindet sich die Höhle und die Grabstätte des Rabbi L>imou den Jochai und noch anderer großer Männer, die in dieser Gegend gelebt und gelehrt haben. Auch die Ruinen eines ans einem Felsen erbauten mächtigen Lehrhauses zeugen noch von der historischen Größe der Männer, die vor zweitausend Jahren ein der Religion und Wissenschaft geweihtes Leben gelebt. Hier ruhen auch die Gebeine des berühmten Rabbi Jochauan. lieber dem Grabe des in der Nähe ruhenden Propheten Hyfea ist eine Kuppel gewölbt und in der ganzen Umgebung verzeichnet mau Ruhestätten biblischer und nachbiblischer Geistesheroeu. Mit großer Verehrung wird die Grabstätte des Rabbi Simon in Meron gehütet, der auch von der uichtjüdischen Bevölkerung als „Zadik", der Gerechte, gefeiert wird. Am 18. Jjar — Mai — jedes Jahres, dem Sterbetage des großen Mannes, versammeln sich viele Tausende in diesem von einigen Mohammedanern bewohnten Dorfe, um sein Andenken festlich zu begehen. Es sind zumeist Einwohner von Saffed, Tiberias und der umliegenden Orte, die nach Meron kommen, aber auch Gäste und Pilger ans Jerusalem und verschiedenen Weltgegenden sind hier zu sehen. Auch die nichtjüdische Bevölkerung beteiligt sich an diesen Festlichkeiten, die -zwei bis drei Tage dauern. Der Gouverneur von Saffed, Hussein Efendi Ahbad. sowie die Notabeln der Stadt, die Polizeibeamten, der städtische Arzt und noch viele andere angesehene Araber waren diesmal zur Feier erschienen. Die Andachten wurden noch am Vorabend verrichtet, und mit Eintritt der Nacht verkündeten bereits tausende von Oellämpchen den Beginn des Festes. Aus den Fenstern der Stadt Saffed und der benachbarten Orte glanzen zahllose Lichtleiu und beleuchten den Berg von „Meron", in dessen Höhle der berühmte Verfasser des „Sohar" ruht. Doch den Höhepunkt der Feier bildet die große Illumination auf dem acht Meter hoch gebauten Dache der berühmten Höhle. Dort befindet sich ein mächtiger Steinkessel, in dem viele Tücher und Stoffe, mit reinstem Olivenöl durchtränkt. gu einer Festbeleuchtung entzüudet'werdeu. Um 10 Uhr abends wird der greise Rabbi von Saffed auf dieses Dach getragen und mit einer großen Fackel entzündet er das Kesselfeuer.; Die Huldigung für den „Zadik" hat ihren Höhepunkt erreicht. Tausende Menschen, die noch vor einigen Minuten im Gebete vor Gott versunken waren und ihren Kummer beweinten, werden vom Geiste der Fröhlichkeit angehaucht und singen im Chore tausendjährige Hymnen, die wieder das tausendjährige Leid eines ganzen Volkes schildern. Es dauerte bloß drei Minuten und der Festplatz verwandelte sich zu einem Leichenfeldei Das Steingeländer des Daches war eingestnrzt und 80—100 Personen fielen acht Meter tief zu Boden. Unter diesen waren sieben ans der Stelle tot und SO bis 40 schwer verwundet. Der städtische Arzt, ein junger Mohammedaner, leistete die erste Hilfe; doch waren keinerlei Medikamente und Verbandstoffe zur Hand. Der Gouverneur stellte sich sofort an die Spitze des Rettungswerkes, reitende Boten holten die Aerzte ans Saffed, die mit Tagesanbruch ans der Unglücksstätte eintrafen. Der edelsinnige Gouverneur leitete persönlich den Transport der Kranken nach Saffed, wo das noch nicht vollendete Spital, eine Stiftung der Baronin Rothschild aus Paris, eiligst für dreißig Kranke eingerichtet wurde. Es wurden rasch Betten herbeigeschafft, nötige Bettwäsche in dieser armen Stadt aufgebracht — die Gattin des Gouverneurs stellte sämtliche Leintücher, die sie hatte, für die Kranken zur Verfügung uitb. der aus Ungarn stammende Rabbiner I. Horovicz. der zufällig hier weilte, erklärte im Namen der demschholläudischen Palästinaverwaltnng, für'die Rettnugskosten bis zum Eintreffen anderweitiger Hilfe aufzukommen. Er stellte den behandelnden Aerzten sofort eine größere Summe zur Verfügung und gab auch eine Unterstützung für die Witwen und Waisen der verunglückten Opfer. Am folgenden Tage sind weitere vier Personen den Wunden erlegen. Einige sehr arme Familien haben bei dieser Katastrophe ihren Ernährer verloren, drei Handwerker sind Krüppel geworden und einige befinden sich noch in lebensgefährlichem Zustande. Der Gouverneur besuchte die Kranken im Hospital und verabschiedete sich unter Dankesworten von Rabbiner Horovicz, den er bat, sich auch der unglücklichen Waisen und Witwen anznnehmen und feinen Dankesgruß der deutschholländischen Zentrale für die Gemeinden des heiligen Landes mitzuteilen. Förderung des Uolksjchttlunlerrichtes in Galistrn. Das „Kuratorium der Baron Hirsch-Stiftung zur Beförderung des Volksschulnnterrichies im Königreiche Galizien und Lodomerien mit dem Großherzogtume Krakau und im Herzog- , tnme Bukowina" erstattet nachstehenden Bericht über die Tätigkeit dieser Stiftung im Schuljahre 1909/191.0. Im abgelanfeuen Schuljahre wurden in den 43 Schulen der Baron Hirsch-Stiftung von 154 Lehrpersonen und zwar 126 Lehrpersonen für die Volksschulgegenstäude und 28 Lehrpersonen für das Hebräische, in 140 Klassen 6227 Schüler unterrichtet. Ueber die Verteilung der wirkenden Lehrkräfte, die Kosten der einzelnen Schulen, des Unterrichtes, der Bekleidung und Beköstigung enthält die am Schluffe des Berichtes angeführte Tabelle nähere Daten. . - Die Wirksamkeit unserer Schulen wurde von maßgebender; Stelle auch in diesem Schuljahre dadurch gewürdigt, daß das^ hohe k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht . 4 Schulen das Oeffeutlichkeitsrecht verliehen hat. und zwar: Mit Erlaß vom 25. August 1909, Z. 34084, der Stiftnngsschnle in Pomorzany, mit Erlaß vom 16. August 1910, Z. 32051, der Stistungsschnle in Czernelica und/ mit Erlaß vom 16. August 1910, Z. 33443, der Stiftungsschnle in Zalozce; seither mir Erlaß vom 18. November 1910,, Z. 46786, der Stiftungsschnle in Jablouow. Es besitzen nunmehr von 43 Stiftungsschnlen folgende 31 das Oeffeutlichkeitsrecht : Vohorodczany,- Bojan,! Burßtyn, Czernelica, Dgbrowa, Delatyn. Dnkla, Gliniany, Gologory, Gwo^dziec, Jablouow, Jagielnica, Jezierna, Kolomea, Mielec. Mouasterzyska, Obertyn^Ottyuia, Pomorzany. Rawaruska,Rozwadow,Sadagora^ Sassow, äuiatym Solotwina, Tarnow, Tysmienica, Zablotow, ^iabno, Zalozce, Zborow. Von den 41 in Galizien errichteten Schulen sind 17 höheren und 24 niederen Typus, . 30 Schulgebäude sind Eigentum der Stiftung. An 13 Orten wurden Schulräume gemietet, wofür 12.091 K 65 H an Mietzins entrichtet wurden.