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Die Wahrheit · 1911-06-02 · Heft 21 (2.6.1911) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 21 (2.6.1911)
Date
1911-06-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Die Wahrheit. Seite 9. Nr. 21. "Bndweis, S. Grünberger-Gnttenberg, Pros. Dr. Ad. -Biach-Brüx, I. Katz- BLlcan, Dr. Schwenger-Neuhans, H. Kohn-Reichenau, Dr. D. Svitzer- -Jranzeusbad, S. Beinkcles - Chotebor, Religionslehrer Grzyd - dtussig. Z. Piskaty-L:nz, Rabbiner Dr. Link-Hoheiiems, I. Beriiseld-Stryj, "David Coen-Triest n. s. w. Nachdem der Einberufer Herr Religiouslehrer Wilhelm Breuer alle -Ecschieneilell, insbesondere die Herren Inspektoren und Rabbiner, begrüßt' batte, wird an die Wahl des Bureaus geschritten. Zum Vorsitzenden wird .Herr B. B reue r. zu dessen Stellvertreter Herr Professor Dr. Heinrich P o l l a k, zn Schriftführern die Herren Dr. M. R o s e n s e l d und „Isidor F a l l i t s ch e k gewählt. Der Vorsitzende bespricht hieraus die Ursachen, die zur Gründung des Bundes sühren. Ans der Nor der Zeit mnd der Zeit der Not heraus tritt der Bund ins Leben. Er soll echte, aufrechte Lehrergestuiiung kräftigen, und diese wird Werte und Worte schaffen, welche der Schule nrcr znin Vorteile gereichen; sie wird die Behörden über Schul- und Standesfrageu auskläreu, mit Ueberzeuguugsrreue für die Wahrheit emtreren und die Gerechtsame des Standes sowie 'Das Recht des Einzelnen zu wahren wissen. Der Bund muß gegen die Schwierigkeiten kämpsen, die dem erfolgreichen Wirken des Lehrers, namentlich seitens des Elternhauses, entgegenarbeiten. Hier' heißt es den .Hebel ansetzeu; der Wiederervbernug des Elternhauses gilt in erster Reihe der friedliche Kampf des Bundes. Der Bund muß aber auch mit Macht für die rechtliche Stellung der Lehrer eintrelen. Es sei seine Pflicht zu Handeln, mit Energie zn handeln. Der Bund werde hiebei sicherlich Form und Anstand zu wahren verstehen, aber auch, wenn nötig, den Kampf nicht scheuen. Redner schließt unter lebhaftem Beisalle der Versammlung mit einem dringenden Appell zur Einigkeit, und erteilt hierauf dem Referenten, Herrn Professor Dr. Adolf W e i ß, das Wort, der sich gleichfalls mit den "Aufgaben des Bundes beschäftigte. Nach diesen Aitsführnngen, die seitens der Versammlung mit stürmischem Beifall aufgenommeu wurden, nimmt Herr Rabbiner Dr. Fenchtw a n g das Wort. Er sagt, es sei unverzeihlich, daß erst jetzt an die Gründung eines solchen Bundes geschritten werde. In Deutschland habe mau die Notwendigkeit eines engen Zusammeilschlnffes der Lehrerschaft schon längst erkannt und infolgedessen herrschen dort auch geregelte Zustände. Er sieht in dem Bunde, der scheinbar einen realistischen Zweck -verfolgt, die Rettung des Idealismus, weil dieser durch die dem Lehrer io ft zuteil werdende Behandlung leicht schwinden könne. Die Versammlung zollt den geistreichen Anssührnngen Dr. Feuchtwallgs lebhaften Beifall und der Vorsitzende dankt dem Redner insbesondere für die herzlichen Worte, die er für die Lehrer gefunden. Hierauf werden die Anträge des Referenten 1. Gründung eines Oesterr. Israel. Religiouslehrerbnndes, 2. Herausgabe einer Bundeszeitung, einstimmig angenommen. Herr S. K n lk a Beantragte zum 5. Punkte der Tagesordnung, chas bisherige vorbereitende Komitee möge mit den Vorarbeiten betraut iverden; Herr Schulhof stellt den Zusatzantrag, . das Komitee habe das Recht der Kooptierung. Beide Anträge werden augenommen. Mit Dankesworten an die. Erschienenen schließt der Borsitzeilde die 'Versammlung um ^lO Ubr. „ J. 3?—k. Wien. Herr Leopold Neu mann hat anläßlich des Ablebens -seiner Gattin Frau Rosa N e u m a n n geb. A n f r i ch t einen Betrag von Bl 2000. — für die Armen-Anstalt der isr. Knltusgemeinde Wien gespendet. Wien. (I ü d i s ch e r S ch u l v e r e i n für den IX. Bezirk. S e e g a s s e 36.) Der genannte Verein, der sich durch seine veranstalteten „Elternabende" bereits den Namen der Popularität erworben, und seit Jahren bestrebt ist, Kinder im jüdischen Geiste zn unterrichten und zu erziehen, hat in diesem Jahre zum erstenmale einen „Lag beaumer“ Äusflng in der Vorwoche arrangiert. Die Schuljugend, etwa 100 Kinder beiderlei Geschlechtes, unternahm unter Führung der beiden Lehrer, der .Herren Brenner und Müller einen Spaziergang auf den Kobenzl. Dort wurde dann gejaust und bis zum Abend in Gottes freier Natur. gespielt. Auch viele Gäste, Kinder wie Große, nahmen an der fröhlichen Partie teil.. „Schade"! sagten sie alle, daß sich „Lag beaumer“ nicht in vier Wochen wiederholt. Wien. Ans Anlaß der silbernen Hochzeit, die Herr Isidor Kerner und seine Gattin Frau Antonie Kerner geb. Menkes am 25. Mai a. c. begangen haben, sind dem Jubelpaare vielfache Gratulationen und Sym- 'pathiebeweise zugegangen, insbesondere vom Krankeil-Uiiterstützungs-Verein ..„8 iwias C h e il", dem Herr Kerner durch fast zwei Dezennien seine geschätzte Kraft als Schriftführer verdienstlich widmet. Der Verein „Liwias -Chen" hat nun diese Feier seines beliebten Schriftführers zum Anlasie genommen, um diesem ein sichtbares Zeichen seiner Verehrung und Anerkennung durch Widmung einer silbernen Taffe zu bieten, welche durch Äbmauii-Stellvertreter Herrn Josias G o l d s ch m i d t in Anwesenheit fast aller Vorstandsmitglieder mir feierlicher Ansprache überreicht wurde. Ein Festmahl vereinigte dann die versammelten Damen und Herren zn einem gemütlichen Abend, in deffen Verlauf mehrfache Toaste ans den gastfreundlichen Jubilar, seine w. Gattin und Familie gebracht wurden und Vorstandsmitglied Herr Jakob Maerz durch den Vortrag hebräischer Gesänge die Gesellschaft lauge in angeregter Stimmung erhielt. Karlsruhe. Hier ist der Kammersänger H. R o s e n b e r g nach langem Leiden gestorben. Er gehörte lange Zeit zn den hervorragendsten Mitgliedern der hiesigen Oper und wußte, auch nachdem seine Stimme schon an Wohlklang eingebüßt hatte, durch seine Gesangstechnik und sein vornehmes Spiel das Publikum stets aufs höchste zn begeistern. Rosenberg war am 15. Dezember 1849 in Bukarest geboren und wnrde ans 1. Juli 1876 für die hiesige Hofbühne verpflichtet, nachdem sein Gastspiel als Älmaviva in Figaros Hochzeit über alles Erwarten gefallen hatte. In allen seiilen lyrischen Partien, als Walter im Tannhäuser, David in den Meistersingern, als Postillon von Loujnmeau. Georg Brown in der weißen Dame, als Tamiuo in der Zanberflöte und vielen anderen Parrien zeigte er ein vielseitiges Talent und eine echte Künstlerschaft. Nach ZOjähriger Tätigkeit trat er in den Ruhestand, blieb aber noch bis zuletzt als Gesangslehrer tätig. Hamburg. Oberkantor R o s e n b l a t t hat folgendes Schreiben erhalten: „Das hohe k. u. k. Ministerium des Aeußern hat die t. u. k. Botschaft in Berlin über Wunsch des Herrn Oberst-Kämmerers Seiner k. u. k. Apostolischen Majestät beauftragt, Euer Hochwolgeboren für die Vorlage der Komposition „Gebet für den Landesherrn" den Allerhöchsten Dank mit dem Beifügen bekauutzngeben. daß dieselben der k. u. k. Familien- Fideikommiß-Bibliorhek einverleibr werden wird, lieber eine von der genannten k. n. k. Barschaft erhaltene Weisung, beehrt sich das k. u. k. General-Konsulat Euer Hochwolgebyren vom Vorstehenden in Kenntnis zu setzen, v. F r a n k e it e d. k. u. k. Bizekonsul u. Gereut., Kine wahre Keschichte. Jung' Fritze studierte Juristerei Uud hatte viel freie Stuudeu. Drum trat er flugs der „Kadimah" bei Au der er Gefallen gesundeu. Er wurde ein glühender Zionist Uud wegen der Taufbewegung Geriet, wie es leicht Euch begreiflich ist. Sein junges Gemüt in Erregung. Da jetzt' er sich hin uud schrieb ein Gedicht Daun noch ein's uud immer schöner. Für die Täuflinge war es ein Strafgericht, Ihm brachte es reichliche Löhne r. Eines Tages erschien ein ganzer Band: „Getaufte und Baldgetaufte." Ich habe selbst einen Goi erkannt. Als er's antiquarisch sich kaufte. D'riun batte verschwendet der gute Fritz — Es schmerzt mich, hier es zn sagen. Seinen ganzen Vorrat alt Mutterwitz Und die Taufe war doch nicht erschlagen. „Was brauch ich die Taufe," dachte er jetzt, „Ae Kleinigkeit — seh' der an da — „Wie war' es, wenn man politisch hetzt?" — „Wozu schuf Gort den Knranda?" Auch dieses Kapitel war bald erschöpft, Und neugierig fragte mau: „He da? Wer wird als nächster vierzeilig geköpft Von dem Dichter-Juristen B e d a?" Uud weil ihm jeglicher Stoff ging ans. Setzt' Fritze sich hin — ich wette — Und schrieb nun für die „Fledermaus" 'neu Stilß — getauft „Operette." Doch damit war es noch nicht zu End'. Der Dichterdrang ist mächtig, Und Fritze rang bestürzt die Hand', Grad als er übernächtig. ..Wie halt ichs aus? Man lacht nicht mehr, Ob ich auch noch so witzig. Mag fallen über Knranda her . Oder Ensebeus — (ernst Itzig). Halt! Liberalismus? Jetzt fällt mir erst ein Das uralt neue Kapitel, Kann wieder spitzig und witzig sein, Nun gestatten es mir doch die Mittel. Da wird noch gar mancher Kumpan entdeckt, Der wo ein Mandat will tragen, Und den ich noch nicht mit Kot be—fleckt. So ganz unter uns zn sagen." Gegen „Deutschtum und Freisinn" zog er ins Land Und wohlgereimt ruft er: „Pfui! Schmählich! Der Liberalismus ist eine Schand, Gott laß weiter ruhen ihn selig."

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