Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 21 (2.6.1911)
- Date
- 1911-06-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8. Die Wahrheit. Nr. 21. für sie zur Gnade waudeln, wenn sie das letzte Leiden der Natur, zur höchsten Gottergebnng stempeln. — Ihr, die Ihr schreitet in des Tages Hellem Glanze, lenkt Euren Schritt mitunter auch hierher, ins Dämmerlicht, verschließt Euch sündig nicht den Erdenschmerzen, legt Mitleid in die ungerechte Wage, daß Euch der Alp der Mitschuld nicht bedrücke, so herbes Loos feig übersehen zu haben, gewähret was Ihr könnt und denkt daran., hier kämpfet in verzweiflnngsvollem Ringen das Daseiusrecht mit Daseinsnot. Und wenn dereinst in diesen Räumen aus schwergepreßter Brust in banger Stunde durch Stöhnen und durch Seufzer ein gutes Wort sich losringt für uns und unser Tun, das steigt wie Opferrauch hinauf vor Gottes Thron und von den Balsamtropfen, die ich mir träum, um seine Augenlieder, sinkt einer nieder auf dies Haus und füllt es an mit tiefgeheimnisvoüem Schauer! — Es wird das Herz gu groß für jede Brust und in die Nacht der angsterfüllten Seelen fällt es wie erster Hoffnungsschimmer, — es ist als hört man fernes Flügelranschen, als beteten ungesehen viel Tausende umher, f o feierlich, daß unwillkürlich sich die Hände falten und Einer ruft, die Anderen flüsternd nach: „Vor Jenem droben steht gebückt, Der helfen kann und Hilfe schickt,--" denn wir sind arm und schwach! Ich weiß es wohl, ich weiß es lange, für heiße Tat ist kaltes Wort gering, doch braucht's für unsere großmütigen Gönner der lauten Anpreisungen nicht. Sie stehen heute hier in unserer Mitte im Glanze freudiger Verklärung, so Untergriffen, so glatt verbreiteten Gefühles, wie es nur ein Gewissen glätten kann, das kein Versäumnis birgt in einer Falte. Wohl uns, daß es gelang wohltätigen Samen auszustreuen, daß uns die Gottessaat gereift in vollen Garben und unser frommer Wunsch aufwuchs zur seligen Tal, daß dieses Haus erstand zum Ruhme Gottes, ein neuer Merkstein auf dem Segenswege der rastlos waltenden Chewra Kadischa. So geb ich es denn getrost in Gottes Hand und stelle es in den Schutz des edelsten Herrn und Königs, der auf dem Haupte eine heilige Krone und ein geheiligt Herz im Busen trägt, ich stelle es in den Schutz der mächtigen Räte dieser Krone, die huldvoll ihre hohe Würde tragen und gebe es in den Schutz der brüderlichen Gemeinde und ihrer warmherzigen Leiter, die eng uns angegliedert unseren Zielen folgen, ich geb* es in den Schutz der edelmütigen Väter dieser hochgesinnten, hochgestimmten Stadt, die wahrhaft väterlich und hilfsbereit Wohlfahrt und Wohltat weife fördern, vor Allen aber rufe ich Euch Ihr Brüder von der Chewra Kadischa, Ihr sollt des Hauses Schutz und Wache fein; — kein rauhes Wort, kein harter Blick darf fallen; am Tore sitzt als Pförtnerin die Sanftmut, der Arzt wird Priester hier, zur Trösterin die milde Schwester und horcht aufmunternd den armen Kranken, wenn Worte sie verleihen ihrem Gram. O, traget Sorge, daß die Armen sprechen. Gram, der nicht spricht, sprengt das geschnürte Herz. — Ihr Schwestern, pernehmt: In grauen längst entschwundenen Zeiten schon, ist Krankendieust und Gottesdienst in Eins geflossen und eine Wurzel hat Krankenheil und Seelenheil gezeitigt; — der Tempel war das hohe Hospital, geweihte Priester raten Pflegedienste, kein Ort, kein Raum, kein zweiter Wirkungskreis, wie dieser hier, wo wieder Heilknnst sich mit Seelsorge verbindet, wo anskunftsreiches, niemals verzagendes, niemals versagendes Bemühen Schmerzlinderung nub Seelentrost zugleich bereiten. Und d i e hier helfen, die hier wachen, gehen auf mit jenen, die hier weltverloren dulden, in eine lautere Gotteskindschaft; was draußen auch die Welt mit argen Trieben scheidet, hier klärt es sich zu reiner Menschenliebe. Den Helfern hilft der immerwache Helfer und pflanzt in ihre Brust, Geduld und Andacht. O flüchtige Gnade sterblicher Geschöpfe, wie hoch kannst Du im Wohltun Dich erheben, wenn Du von Deinem zngemessenen Teil an Lebensfreude, au Andere willig schenkst, sie zu erquicken! — Des rühme sich der Mensch, wenn zwischen hoch und niedrig, wenn zwischen Opfermut und schnöder Selbstsucht er würdig wählt! — Ob ets wohl so gemeint, Jeremias^, der Alte? Jetzt noch ein letztes Wort an Euch, Ihr Freunde, die Ihr getreulich mitgeholfen habt, vom Anfang her. bis heute zur Vollendung; — laßt uns auch fernerhin Zusammengehen dies Liebeswerk vollwirkend zu erhalten, .nehmt die Erinnerung. mit an diese Stunde, gedenkt der Armen schmerz- und sorgenbleich und steht uns bei das große Weh zu mindern, Gott wird's vergelten Euch und Euren Kindern. Mithin eröffne ich im Namen der Chewra Kadischa dies-, unser szeretethäz mib stelle es in den Dienst der leidenden Menschheit! Nach dieser Rede des wirklichen Menschenfreundes erscholt lauter, nicht endenwollender Applaus, welcher wohl auch der Dankesausdrnck der Anwesenden fein wollte für die wirklich unermüdliche, segensvolle Tätigkeit, welche Hofrat Winlerberg schon seit Jahren im Interesse der Chewra und deren. Jnstitutionen ausübt. Sekretär Dr. Franz M e z e y verlas nun die Geschichte der Anstalt; er zählte alle jene Menschenfreunde ans, die die- Verwirklichung dieser Institution durch Stiftungen und Spendengefördert haben und widmete schließlich den Künstlern und Industriellen, die an dem Gebäude mitgearbeitet habeu, Worte höchster Anerkennung. Nachdem noch Rabbiner Dr. Jllos A d l e r in einer tiefempfundenen Rede den Segen Gottes anf die Anstalt herab-- gefleht hatte, begaben sich die Festgäste in das Gotteshaus der Anstalt, in dem ein Gottesdienst abgehalten wurde. Die Anwesenden haben hierauf die Anstalt besichtigte jedermann war entzückt von der Meisterleistnng des Architekten Lajta, der nicht nur ein künstlerisch vollendetes, sondern einsehr praktisches Heim für die unheilbaren Kranken geschaffen-' hat. ' Bis diese Zeilen erscheinen, sind über 100 Kranke bereits in ihrem Heim untergebracht, möge den Hoffnungslosen hier Lebenskraft bieten der zu erwachende Glaube an der menschlichen Solidarität! - Verschiedene Nachrichten Wien. Die Vakanz der Oberkantorstelle am Leopoldstädter Tempet istendlich erledigt. Nach einem mit enthusiastischem Beifall seitens des Publikums ausgenommenen Probevortrage des Oberkantores M o r g e n st e r Irans Sebastopol wurde derselbe vom Vorstände, vorbehaltlich der noch nachzuholeudeu.Bestätigung durch das Plenum, als Oberkantor für den Leopoldstädter Tempel engagiert. Wien. (Gründung des Oesterr.-Jsrael.Religionsl e h r e r b n n d e s.) Ueber Einladung eines vorbereitenden Komitees zur' Gründling eines Reichsbnndes der Religionslehrer versammelte sich fast die gesamte Religionslehrerschaft Wiens am Donnerstag, den 25. Mai, in Gnth's Restaurant, II., Stefaniestraße, zu einer Vorbesprechung. Es waren erschienen die Herren Inspektoren Rabbiner Dr. Fenchtwang, Rabbiner Dr. Taglicht, Professor M. Kanitz, Amtsleiter Julius Braun, ferner Herr Direktor S. Heller (Blindeninstitut), Herr Rabbiner' L. H. Reich, Dr. Templer, ferner die meisten Religionsprofessoreil an den Wiener Mirrelschulen und eine überaus große Zahl von Religionslehrern und Lehrerinnen an Volks- und Bürgerschulen, Herr. Oberlehrer Jufeld ans Baden und Religionslehrer Fried aus Amstetten. Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann hatte in einer überaus herzlich gehaltenen. Znstimmungskuudgebiing sein Fernbleiben entschuldigt, ebenso die Herren Rabbiner Dr. Rosenmann, Herr Inspektor Dr. Langfelder, Herr7 Rabbiner Dr. I. M. Bach, Herr Religionsprosessor Dr. Frankfurter, die Herren Religionslehrer Dr. M. Goldberg, A. Neubauer, A. Süß,. N. Karpfen, M. Kornstreicher, R. Schlesinger und andere. Aus vielen Provliizgemeindeii waren von Rabbinern und Religionslehrern Schreiben eingelangt, in welchen den wärmsten Sympathien für die Bestrebungen des zu gründenden Bundes Ausdruck gegeben und zugleich der Beitritt angemeldet wird. Solche Schreiben langten ein von den Herren Rabbiner Dr. Sckächter-St. Pölten, Rabbiner Dr. L. Bardowicz-Mödling, Religionslehrer S. Jellmek-Ober-Hollabrunn, Adolf Lemberger-Schlöglmühl, M. 2L Landaii-Wr.-Nenstadt, M. Recht-Krems, Prof. Dr. Grünfeld-Brünn, Rabbiner Dr. Adolf Hahn-Kromau, Dr. R. Färber-Witkowitz, Dr. Spira- Mähr.-Ostran, Dr. Oppenheim-Olmütz, Religionslehrer B. Baiimgarten- Kremsier, Ludwig »Kraus. Leopold Löwuiger, A. Vigdor-Mähr.-Ostran^ I. L. Rabiuowitz-Boskowitz. K. H. Grünwald-Göding, S. Lustig-Brünn, Oberlehrer Max Winder-Holeschan, Rabbiner Dr. -Maiidl-Nentitschein,. Religionslehrer H. Adler-Gorlic, Religionslehrer Gutmami-Tescheii, Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld-Prag, Professor Dr. Nathan Grün-Prag. Rabbiner Dr. M. Friediger-Prag, Dr. Friedrich Weiß-Eger, Martin Friedmann- Horazdowiz, H. Klauber-Klucenitz, Dr. R. Feder-Raiidnitz, Dr. K^Kieberger-