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Die Wahrheit · 1911-05-26 · Heft 20 (26.5.1911) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 20 (26.5.1911)
Date
1911-05-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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ferite 8. Die Sulzer, der den begabten, strebsamen Deutsch unter seine Fittige nahm. Als nämlich beider Wiener Kultusgemeinde in der Seitenstettengasse die zweite Kantorstelle vakant wurde, empfahl' Sulzer für diesen Posten den Konservatoristen Deutsch. Es be-^ Durste , nur des Hinweises, und Deutsch wurde neben Sulzer als zweiter Kantor engagiert. Es war kein leichtes für Deutsch, an der Seite eines Sulzer zu amtieren und sich auch zu behaupten. Sulzer, der den Wiener Gottesdienst ebenso seine Gesaugsmethode verbreitet wissen wollte, ließ den jungen Deutsch an erste kantorale Funktionen heran. So ost Deutsch vorbetete, errang er mit seiner großen, wohlgebildeten Tenorstimme und seinen! künstlerisch abgeklärten Vortrag ungeteilten Beifall. Sein Gesang lockte viele Zuhörer ins Gotteshaus und verschaffte ihm viel Ruhm und Anerkennung. Alle prophezeiten dem 2. Wiener Kantor eine große Zukunft, und sein Ruf drang weit über die österreichische Hauptstadt hinaus. Der Wiener Gottesdienst galt in den ersten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts als Muster und Vorbild für die jüdischen Gemeinden der Diaspora. In den jüdischen Gemeinden Nordeuropas regte sich ebenfalls der Wunsch nach einem geregelten Gottesdienst. Zn diesen gehörte auch die Hauptstadt Schlesiens, Breslau. Diese hochgebildete Gemeinde berief zur Realisierung der gottesdienstlichen Neuerung ihren ersten zeitgemäßen Kantor in der Person Deutschs aus der Kaiserstadt Wien. Sein Probevortrag fiel glänzend aus. Er begeisterte die Gemeinde durch seine vorzüglich geschulte, wohlklingende und umfangreiche Tenorstimme. Sein Vortrag war künstlerisch vornehm und von tiefem Verständnis für die hebräische Sprache durchdrungen. In Deutsch war vieles zur höchsten Vollkommenheit vereinigt. Er war Chasan, Sänger, Komponist, vielseitig gebildet. So ausgerüstet für das Vorbeterfach trat Deutsch am 20. November 1844 sein Amt in Breslau an. Hier bot sich ihm ein weites Arbeitsfeld. Ohne Muße und Ruhe gab er sich feiner großen Aufgabe hin, den Breslauer Gottesdienst nach dem Muster feines großen Meisters und Lehrers. Sulzer, zu gestalten. Zunächst organisierte er einen gemischten Chor, studierte mit demselben die gottesdienstlichen Gesänge und brachte dessen Leistungen ans eine künstlerische Höhe. (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. Samstag, den 27. Mai d. I., wird Herr Rabbiner Dr. D. Fenchtwang beim Vormittag-Gottesdienste im Leopoldstädter Tempel eine Predigt halten. Wien. (S a b b a t n ach mittag-Vorträge im Bet- , Hamidrasch-Talmud Thora, Wien, II, Malzgaffe 16.). Vor mehr als 60 Jahren von einem 17 Jahre alten, lerneifrigen Bachur an der Preßburger Jeschiwa geschrieben, im Jahre 1865 gedruckt, bildete die in herrlichem Hebräisch geschriebene, episch-lyrische Dichtung „R n t h" des unvergeßlichen Gelehrten und Menschenfreundes EmanuelBau.mg arten wenige Tage vor dessen drittem Todestage — 19. Jjar — den Gegenstand eines Vortrages durch Professor A n t s ch e r l. Neu klangen die schönen hebräischen Verse und wurde der Wunsch nach einer Neuauflage dieser klassischen Dichtung „R n t h" allgemein rege. Wie gute , klassische Musik immer ihre Bewunderer findet, so finden in gutem Hebräisch geschriebene Verse stets aufmerksame, dankbare Zuhörer, das zeigte uns der genannte Vortrag zur Genüge. Wien. Die ordentliche Generalversammlung der Adas Iisroel findet Donnerstag, den 25. Mai. 3 Uhr nachmittags im Saale des Beth- .Hamidrasch, IL, Gr. Schiffgasse 8, statt. Tagesordnung: 1. Bericht des, Obmannes. 2. Jahresbericht für das Jahr 1910. 3. Bericht der Revisoren. 4. Antrag des Vorstandes: Ernennung des Herrn Markus Bondi zum Ghrenmitgliede. 5. Ergänzungswahlen für den Vorstand (1 Mitglied mit 5- und 2 mit 2jähriger Funktionsdauer). 6. Wahl dreier Revisoren. 7. Anträge und Interpellationen. Wie». (Jir. Wvhltätigkeits- und Krankennnierstützungs-Verein „Mazmiach Jeschna"). Sonntag, den 21. Mai l. I. fand im Sitzungssaale der Synagoge „B e t h Israel", in Anwesenheit des Gesamt-Vorstandes und geiadener Gäste, die feierliche Ueberreichung der Ehren-Mitglieds-Diplome an die Vorstandsmitglieder Herren Louis F l a m m und Alexander Lauda u, statt. Der.Präses Herr Ignatz I o l l e s, in seiner gewohnten Redegewandtheit, würdigte in einer launigen Ansprache im Namen des Gesamtvorstandes und der Mitgliederschast die Verdienste der Ehrenmitglieder um das Gedeihen des Vereines während ihrer 20jährigen Wirksamkeit ini Vorstand, die die Veranlaffung zu ihrer Ernennung waren, nnd überreichte an dieselben mit einer herzlichen Beglückwünschung die künstlerisch ansgeführten Ehrendiplome. Die Herren Louis F l a m m und Alexander Landau dankten in bewegten Worten für die ihnen zu Teil gewordene Auszeichnung, und machten bei dieser Gelegenheit für den Verein namhafte Spenden. 8. Wahrheit. . Nr. 20. . Wie». (Bet-Hamidrasch „T a l m u d T po r a" II. Malzg. 16,)? Sabbatnachmittag-Vortrag am'27. Mai, Rabbiner Mr Fl e sch: „Die S e p hir a". Beginn 3 30. - Wien.- (B eth aus ver e i n Ad aß Jeschurun, IX., Pfluggässe 5). , Samstag, den 27. Mai 1911, nachmittags 6,Uhr. findet im Vereinsbethause ein Vortrag des Herrn Rabbinatskandidaten Böla Fischerstatt. Thema : „Lebensphilosophie im Talmud". > Schluß des Cyklus- (Vortrag V). Wien. Wer der erhebenden Konfirmationsfeier am vergangenen Sonntag im Brigittenaner-Tempel beiwohnte und der sah, wie die jüdischeweibliche Jugend in hellen Scharen zum Gotteshaus strömte, der mußtedie Ueberzengung gewinnen, daß. wir in einer Zeit des Wiedererwachensdes Judentums leben. Mag man was immer gegen die. Norm der- Mädchenkonfirmation einwenden, die Tatsache, daß unsere weibliche Jugend niit Stolz und Ostentation ihre Zugehörigkeit znm angestammten Glauben bekundet, bietet die stärkste Gewähr für den Fortbestand des- Judentums. Solche Gefühle aber -in die Herzen der.Jugend zu. pflanzen,, ist die erhabene Aufgabe unserer Religionslehrer und volle Anerkennung, gebührt den Herren Religionsprofessor Dr. A. W e i ß und Bürgerschul- Lehrer Isidor F a l t i s ch e k, die diesmal aus der Staudinger- und- Jägerschuie int XX. Bezirke, mehr als 50 Schülerinnen-ins Gotteshaus führten, damit dieselben vor offener Bundeslade den Eid der Glaubenstreue leisten. Die Feier selbst gestaltete sich in der solennsten Weise. Oberkantor Joses B a s s e r bot unter Chornnd Orgelb'egleitung eine wahrhaft künstlerische Gesangsleistung' und unser exzellenter Kanzelredner- Rabbiner Dr^ Armin A b e l e s, fand in seiner Ansprache das richtige Wort, das zu Herzen der Jungen und Alten drang. Von den christlichen Lehrkräften waren Herr K r a t s ch i n g e r, Frl. K ö n i g und Frl.. Stadl mayer erschienen, denen Ehrensitze in der Vorstandsloge angewiesen wurden. Die Knltusgemeinde war durch Herrn Vorsteher Karl Freund vertreten und vom Tempelvorstand waren nur die Herren Heinrich W e i n e r nnd Beck anwesend. Erwähnt sei noch, daß die Schülerinnen Margit Klei n und Marie Basel das Glaubensbekenntnis äußerst eindrucksvoll znm Vortrage brachten. X. Ch. Wien. Herr Dr. M. Reiß, Sohn des k. k. Gymnasialprofessors. Dr. I. R e i ß, wurde in die Verteidigerliste des k. k. Oberlandesgerichtes- Wien eingetragen. Wien. Herr Karl Baue r, Gesellschafter der Firma Brüder Bauer, hat sich mit Frl. Fritzi K o h n, Tochter des Herrn Salo- K o h n, k. k. Hoflieferanten und Chefs der Firma Heilmanu Kohn und Söhne, verlobt. Brünn. Der hiesige Kultusvorstand hat zufolge Beschlusses des Gesamtvorstandes vom 18. d. M. dem Oberkantor Herrn Josef H e l l e r in besonderer Würdigung seiner verdienstvollen Tätigkeit bei der künstlerischen Hebung des Tempelgesanges und seiner außerordentlichen Bemühungen in der musikalischen Ausbildung des Tempelchores nebst speziellex- Anerkennung den Titel eines C h o r d i r e k t o r s verliehen. Znaim. Donnerstag, den 18. d. M. fand unter zahlreicher Beteiligung der hiefigen Gemeinde das Leichenbegängnis des in allen Kreisen hochgeachteten Herrn Adolf R i e s e n f e l d statt. Die kantorale Funktionversah Kantor H a n d g r i ff in erhebender Weise und Rabbiner Dr^. Ka h an widmete dem Dahingeschiedenen einen tiefempfundenen Nachruf, in welchem er deffen Frömmigkeit, seinen Wohltätigkeitssinn und seine- Friedensliebe würdigte. Lnhatschotvitz. Dr. Siegfried F r a n k l hat seine Praxis als Badearzt wieder eröffnet. Dr. Frankl ist der einzige jüdische Arzt im Kurorte Lemberg. Die Lemberger Handels^ und Gewerbekammer veranstaltet am 24. d. eine Festsitzung, um.ihrem verdienstvollen Präsidenten Samuel v. Horowitz, der sein fünfundzwanzigjähriges Jubiläum als Mitglied der Kammer und zugleich seinen 70. Geburtstag feiert, ihre leb-- haften Sympathien und Dank für seine bisherige ersprießliche Wirksamkeit auszudrücken. An der festlichen Begehung dieses Tages werden sich auch andere Gesellschaftskreise und zahlreiche humanitäre Anstalten, deren Mitglied der Jubilar.ist, beteiligen. Der israelitische Kultusvorstand in Lemberg hat zur Ehrung seines vormaligen Präsidenten von Künstlerhand eine Plakette anfertigen lasten, die dem Gefeierten in angemessener Form am- Gedenktage überreicht werden soll. , Krakau. Am 16. d. M. am vollzog Herr Bezirks-Rabbiner- .Dr, M. Engel aus . Kreuz in Kroatien die Trauung des anmutigen Fräulein Natalie Lustbader mit Herrn Carl Czop nicki in erhebender formvollendeter Weise. Wir hatten bei diesem, erfreulichen Anlassezugleich angenehme Gelegenheit, einen interessanten Vortrag über Chassidismus zu hören. Bersecz. (Ungarn). , Am 13. . Mai-Kl. I. starb hier der Kultusbeamte, Herr David Weiß. Eine länge Reihe von Jahren standder Verstorbene in Diensten der'hiesigen Gemeinde und war infolge seineraußerordentlichen Frömmigkeit, Bescheidenheit und Verträglichkeit bei allen, die ihn kannten, hochgeschätzt und. beliebt, Ein sprechender Beweis für die Wertschätzung, deren sich der Dahingeschiedene erfreute, war auch das am 15. d. M. stattgkfnndene Leichenbegängnis. Die Chewra-Kadischa widmete ihm ein Ehrengrab. Eine unübersehbare Menge. Leidtragender folgte denr. Sarge, der von den acht Söhnen des'fBerblichenen zur letzten Ruhestätte getragen wurde. Die ergreifende Grabrede des Herrn Rabbiner Dr. S i d o.n, sowohl als auch die von Herrn. Kantor S p i w a k gefühlvoll vorgetragenen Trauerpsalmen ließen kein Auge 'tränenleer. Der Dahiugeschiedene, der im 68. Lebensjahre stand, hinterläßt, außer den acht Söhnen; von denen vereine als Oberkantor in Karlsbad bestens bekannt ist, eine 'trauernde Witwe und eine Tochter. . f ' r r . .

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