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Die Wahrheit · 1911-05-26 · Heft 20 (26.5.1911) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 20 (26.5.1911)
Date
1911-05-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 20.; . ' ... . . Die Wahrheit Seite. T ’7b uub der Djebel Kaihärin .eüvä ^M^Meter^ Wese ganze Gruppe ist eine eh rfu r ch tgebietc«^Misses wel'He-:gleichsam mitA einer - majestätischen Würde ^anf -die an. ihrem Fuße .liegende Welt-.-herabblickt. ,/Welch ecSMe"!---sagt Palmer wört- Kch, . „hätte -sich, besser geeignet zttr-'B^kküdigüng,-- als dieser ältersgrane Felsen! Es war gewiß" kein'Zufall, der diese Wahl leitete, sondern die vollkommene Harmonie., zwischen Idee und Wirklichkeit,. welche an. diesem. Orte, zusammeutrifft und ans die^ -Einheit des göttlichen Weltplaues hinweist-". Gerade die Nacktheit der Felsen ist es/ die der Gegend die Großartigkeit und..! eigeiitiknlichd. Mchönheit verleiht. Noch erhöht wird der Effekt durch die.Durchsichtigkeit der Luft und den blendenden Glanz der Sonne; denn ein Teil des Berges glüht in rötlichem oder goldigem Scheins-' Während der andere in die tiefsten Schatten tüncht. Es, ist, als. wolle die Natur hier zeigen, daß auch da, wo sie am ödesten und unwirtlichsten anftritt, ihr dennoch eine wunderbare Schönheit eigen sein kann. A. v. S ch w ei g er-Lerch eüfe ld sagt in seiner ausführlichen und interessanten Schilderung hierüber unter anderem folgendes, von dem ich zur.näheren Kenntnis des „Gottesberges" hier Notiz nehmen will: „Der ganze Weg längs des roten Meeres führt znm Teil durch sandige Flächen und steinige, ab und' zu mit Mimosen besetzte Täler. Dann aber tritt man Unvermittelt in die schauerlich wilde Gebirgswelt ein. '^)ent Beobachter zunächst erhebt sich der granitene Sinai selbst init seinen blandnftigen Zacken. Etwas nördlicher liegt der Horeb mit seinem fast senkrecht in die Wüste Sin abfallenden 'Nordhange. Znm Horeb hinauf führt ein steiler Felsenpfad, wo eine -einzige Zypresse steht. Noch etwa 700 Fuß höher ragt der .Scheitel des Sinai, ein nngehenerer Granitblock, mit den Ruinen -eiüer christlichen Kirche und einerMoschee. Auf die Spitze des Sinai -also Hatten sich christliche und mohammedanische Göttesverehrer trotz der furchtbaren Gewitter, welche zn Zeiten die Bergmassen in ihren Grundfesten erschüttern, gewagt; nicht aber auf die Scheitelhöhe des. Horeb — des höch sten von allen — denn dort könne „kein Sterblicher verweilen,' wegen des anhaltenden Tosens und der geisterhaften Schauer. . ." So wird es uns durch die Geschichtsschreiber überliefert und man wird ihre Versicherungen immerhin gläubig hinnehmen müssen, angesichts der grandiosen Erscheinungen von Donner und Blitz, deren Wirkung in dem furchtbar wilden, braunen und schwarzen Granitgebirge auf der Erde nicht ihresgleichen finden soll". Von hier aus, so rufen die großen Propheten Israels begeistert aus, sind die ewigen Wahrheiten und die geistigen Grundlagen d^s zukünftigen Heilsstaates auf Erden in faßliche Formen und volkstümliche Institutionen eingekleidet worden, von hier ans hat der allwaltende Weltengeist die Erlenchtnngsfackeln der Menschheit angefacht, von hier ans wurde der Pfad' zur Werkstätte geistiger Freiheit geehnet, welcher der Welt die Grundlagen ihres Bestandes erhalten hat. Wenden wir daher unseren Blick ans Anlaß des bevorstehenden Offenbarungsfestes fenem erhabenen und ehrfurchtgebietenden Berggipfel des Sinai zu, von wo ans sich Gott in seiner Liebe, Gnade und Barmherzigkeit seinem, geistigen wahren Wesen nach den Menschen durch seinen „Vertrauten" Moses geoffenbaret hat. „Jissii 'korim scholaum loom ugwoaus kizdokok.“ Moritz Deutsch f. A. Biographische Studie vom. Königlichen Musikdirektor . A. F r i e d m a n n-Berlin. „Das Gebet soll und muß das Wesen nuferes Syuagogeu- .gottesdienstes bleiki.en, esdarf weder hinter Opfer noch hinter Gesang und Musik zurücktreten, , soll nicht durch Schnörkeleien und Schaugepränge berunzierk werden, soll in seiner erhabenen -Einfachheit ergreifen. Wer daß das. Gehet gehoben werde durch hie. Begleitung von Gesang und Musik, das ist gegenwärtig "Bedürfnis, und wenn Gesang "'und'Musik im Tempel in den Vordergrnnd träten am Sabbat und Festtagen, so dürfen, so -müssen sie. in unseren Synagogen als Begleiterinnen dem Gebet einen größereil Nachdruck, eilte tiefere Innigkeit verleihen." So schrieb AbrahamG ei g er in seinem Gutachten an den Vorstand der jüdischen Gemeinde zirBerlin über die rituale Statthaftigkeit der Orgel bei dem synägögalen Gottesdienste. Der jüdische Gottesdienst ist nach Geiger „der volle Ausdruck der tiefinnersten Ueberzeugnug, die umfassende Darstellung aller anregenden Glaubenswahrheiten, aller das Gemüt ergreifenden Ahnungen, er kleidet alle Beziehungen zn Gott, je nach deren Auffassung, in tiefempfundene Worte, er ist nicht erschöpft mit der Darlegung der augenblicklichen Gefühle des einzelnen, er erfüllt sich mit der ganzen geschichtlichen Vergangenheit, mit allen Verheißungen und Erwartungen für die Zukunft, und zwar der gänzen Glaubensgemeinschaft. Bei dieser tiefen Bedeutung und umfassenden Wichtigkeit des Gottesdienstes ist es demnach naturgemäß, daß der Drang, ihn rein, in geläutertem Inhalt und veredelter Form und Darstellung zu bringen, sich immer erneut, nicht zur Ruhe gebracht werden kann, bis' er seine volle Befriedigung gefullden. daß er mit der fortschreitenden Vertiefung der religiösen Erkenntnis gleichfalls Schritt halten will, nach neuem, entsprechendem Ansdruck ringt." Zur Realisierung dieser hohen Anschauung fand Geiger in Kantor Deutsch eine große Stütze. Deml in Deutsch umarmteu sich Tanro und Awando zu einem harmonischen Bund. Auf Taur-o gründet sich sein ganzer Bildungsgang, daher hatte er auch Sinn für Awando, für einen edlen, geläuterten Gottesdienst. Geiger und Deutsch gingen Hand in Hand in der Ausgestaltung des Breslauer Gottesdienstes. Dieser durch Schaffung von neuen Mnsikstücken. jener durch Bearbeitung des Gebetbuches. So wird es von großem Interesse sein, den Werdegang Deutschs zu erfahren. Moritz Deutsch erblickte am 16. Dezember 1818 in Nikolsbnrg (Mähren) das Licht der Welt. Seine wohlhabenden Eltern ließen dem ungemein geweckten Knaben eine vielseitige Erziehung angedeihen, indem sie ihn sowohl im Hebräischen als auch in weltlichen und musikalischen Disziplinen unterrichteten. Ein besonderer Wunsch der frommen Eltern war es, daß der kleine Moritz sich dem Talmndstndium widmen sollte, um später dem Rabbinerberuf zn wählen. Deutsch genoß zuerst in seiner Vaterstadt einen gediegenen hebräischen Unterricht, dann bezog er 1840 die Universität Prag. Die Großstadt bot ihm reichlich Gelegenheit, neben seinen umfangreichen theologischen Studium auch seinen inneren Drang für Gesang imd Musik zn befriedigen. Seiner großen Begabung imd seinem unausgesetztem Fleiß ist es zu verdanken, daß er, noch im Jünglingsalter stehend, die rabbinische „Licentia clocencli“ erlangte. Um seine talmudischen Kenntnisse zu erweitern und zn vertiefen-, ging Deutsch nach Wien. Hier hörte er in der Seiteustetteugaffe den Gottesdienst unter Snlzer, über den Deutsch später die Worte schrieb: „Der Schöpfer dieses neuen Synagogengesanges, dieser auserwählte Cha-san, dieser Originelle, dieser Unnachahmliche." Der Snlzersche Vortrag machte ans den jungen Theologen einen überwältigenden Eindruck, so daß in ihm der Gedanke erwachte, das weitere Studium der Theologie fallen zn lassen und sich dem Kantorenfach zu widmen. Die Anschauung des Talmuds, der beit Bekennern des Judentums für die beiden intellektuellen Träger der Gemeinde den Lehrer, ri, und den abgesandten Vertrauensmann für die Andacht, tgs rrbw, hohe Verehrung einflößt. Deutsch wählte den letzten Beruf, weil er für Gesang und Musik ganz besondere Neigung verspürte. Eine Prüfung bei Meister Snlzer bestätigte, daß der junge Theologe für das Kantorfach alle liötigeu Fähigkeiten, wie hervorragende Stimme, gutes Gehör! und tiefes mltsikalisches Verständnis für den Vortrag hebräischer Gebete besaß. So widmete sich Deutsch dem Borbeterbernf und hatte an dem großen Organisator des Synagogeugesanges, Salomon Snlzer, eine kräftige Stütze. Deutsch oblag mit großem Fleiß und Eifer seinen Musikstudien am Wiener Konservatorium, und die bedeutendsten Musiker der Residenz waren seine Lehrer. Der Eleve D. machte hervorragende Fortschritte und errang bei Mnsikaufführnngen im Konservatorium den ersten Preis, seine große Begabung für Gesang und Musik wurde von den größten damaligen Meistern der Musik nicht allein jüdischer, sondern auch christlicher Konfession rühmend anerkannt. Unter den jüdischen Musikern war es besonders

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