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Die Wahrheit · 1911-05-19 · Heft 19 (19.5.1911) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 19 (19.5.1911)
Date
1911-05-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Nr. 19. Die Wahrheit Herr Dr. Alfred Ster n ergriff nun namens der Kultusgemeiude zu einer überaus herzlichen Begrüßung das Wort und feierte den Jubilar als Zierde unserer großen Gemeinde. Es gratulierten hierauf Frau Präsidentin Strauß namens des Frauenvereines, Herr Dr. Löwy namens des Humanitäts-Vereines, der eine Prachtvolle Adresse widmete, worauf der Jubilar mit bewnudernswerter Frische seinen Dank für die ihm zuteil gewordenen Ehrungen zum Ausdrucke brachte. Hiemit schloß die schöne, des seltenen Anlasses und des verdienstvollen, trefflichen Jubilars durchaus würdige Feier. B. Verschiedene Nachrichten JDieu. Samstag. 20. d. M., wird beim Gottesdieuste des theologischen Vereines, IL, Tempelgasse 8. Herr Noch H ah a mu die Predigt halten. Beginn des Gottesdienstes 8 Uhr morgens. Lokal der Bibelschule. Wien. (A n f r u s.) Der am 22. März 1911 verstorbene Orientalist Dr. M. Altschüler (vergl. „Wahrheit" vom 31. März d. I.) hat im Jahre 1895 ein Werk herausgegeben, das unter dem Titel „Llumeiim" Essays aus der jüdischen Geschichte enrhält. Bon diesem Werke, sowie von der im Berlage „Lumen", Wien-Leipzig, herausgegebenen „Vierteljahrsschrifr für Bibelknnde, talmudische und patrisiijche Studien", 111. Jahrgang, Heft HI, welche Beiträge aus der Feder des hervorragenden Forschers G. R. S. Med d, London, und des Wiener Gelehrten Algyogyj enthält, sind 300 ^emplare vorrätig. Diese zwei Werke werden nun zu Gunsten der in tiefster Armut zurückgebliebenen Lebensgefährtin, welche den von schwerem, unheilbaren Siechtume heimgesuchten Gelehrten feit Jahren in selbstlosester Weise pflegte, verkauft. Au alle Freunde der jüdischen Wissenschaft und Geschichte sowie an alle sonstigen Edeldenkendeu. ergeht uun die Bitte, durch Ankauf dieser interessanten Werke, welche zum Preise von 4 X in der Währingersiraße 60, I. Stiege, Hl. Stock. Tür 12, abgegeben werden, zur Linderung der Not der Hinterbliebenen beizutragen. Wien. (Humanitärer Verein z n r U n t e r st ü tz u n g jüdischer Kurbedürftiger in Wien, H/l, Große Sradtgut» gaffe 7.) Am 4. Mai I. I. fand die Generalversammlung dieses Vereines im Restaurant Herlinger statt. Der Obmann des Vereines Herr Dr. Isidor L. Braun begrüßte die Erschienenen, insbesondere den als Gast anwesenden Gemeiuderat Ernst Neustadt! und berichtete über die Tätigkeit des Vorstandes im abgelanfenen Berichtsjahre. Unter anderem erwähnte er, daß der Verein 19 Kranke im Karlsbader Hospiz und zwei im Gleichenberger Spital untergebracht hat. Ferner wurden Kurbeiträge an arme Kranke in die Kurorte gesendet null die Kosten der Reise in die Kurorte in einzelnen Fällen bestritten. Zum Schluffe appelliert der Obmann an die Frauen und Mädchen, ein Komitee zu bilden und durch ihre Mithilfe und Agitation zum Aufblühen und Gedeihen des Vereines beizntragen. Herr Schriftführer I. Sperling verliest hieraus den Rechenschaftsbericht. Der Bericht widmet dem verstorbenen Vorstandsmitgliede Herrn Ernst Rehbe.rger einen ehrenden Nachruf. Hierauf erstatteten die Herren Dr. S. W i s ch n o w i tz e r und I. Kerner den Revisionsbericht. Nachdem dem Vorstände von der Generalversammlung einstimmig das Absolutorium votiert wurde, wurden die Wahlen vorgenommen. In den Vorstand wurden gewählt die Herren: Dr. Isidor L. Brau n, Proseffor M, R. S a lzm a n n und Max Wagner. Prokurist S. Sperling, Schirmfabrikant Jakob Heber, die Bankbeamten Moriz Rosenblatt und Richard Bruck, die Kauflente M. K r u g. Adolf Deutsch, M. P r o p p e r, Josef Mohr, W. K i l l i m, Waisenrat S. Kulka, Armenrat Leo H e l l e r, Disponent Hugo Heller, Kultusbeamter Rcmy Friedman n, Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Max I a c o b s o h n und Zahnarzt Loms Kaufman u. Als Revisoren Dr. S. W i s ch n ow i tz e r und O. Kerner. Wien. (Synagogen- Verein „Beth Jsrael"). Am 30. April l. I. fand im Vereins-Sitzungssaale die Generalversammlung. des Vereines statt. Der Obmann Herr Max Rosen selb eröffnete dieselbe mit einer herzlichen Begrüßungsansprache an die zahlreich erschienenen Mitglieder, sowie an den Delegierten der isr. Knltusgemeinde Herrn Kultusvorsteher Adolf Schramek, den er der Versammlung vorstellte, und die denselben lebhaft akklamierte. Der Vorsitzende richtete wie schon so oft, auch bei dieser Gelegenheit an den Herrn Delegierten das höfliche Ersuchen, er möge im Kultusvorstande dahin wirken, daß der längst gehegte und wiederholt vergebens urgierte Wunsch des Vereines Beth Israel, seinen Funktionär als Chewra-Mann anzuftellen, doch endlich erfüllt werde. Herr Kultusvorsteher Schramek dankt für die ihm dargebrachte Ehrung, versickert den Verein der Sympathie des Kultusvorstandes, und verspricht das Begehren des Vereines zu unterstützen. Hierauf widmete der Obmann dem dahingeschiedene» Ehrenmitgliede des Vereines und Erbauer der Synagoge Herrn 11. Baurat Wilhelm Stiaßny s. A. einen warmen, tief empfnndeuen Nachruf,^,den die Versammlung stehend anhörte, und in welchem nicht allein der weltberühmte Name und die edlen Charakterzüge des Verblichenen, sondern auch seine besondere, seltene Eigenschaft als volkstümlicher herzensguter Mensch und treuer Jude in beredten Worten geschildert wurden. Der Obmann teilte ferner niit, daß in Würdigung der hervorragenden Verdienste des Verstorbenen um den Bau des Gotteshauses, der Vorstand beschloffen hat, deffen Name im Jahrzeit- und Maskirbuche des Vereines zu verewigen. Nach Erstattung des Revisionsberichtes durch den Rechttungsrevifor Herrn Jakob B ram, wurde über deffen Antrag dem Borstande einstimmig das Absolutorium erteilt und der Dank ausgesprochen. Die hierauf vorgenommenen Vorstandswahlen ergaben folgendes. Resultat: Als Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt: Die Herren Julius B r e ch e r, Alex. L a n d au, Dr. Leo L a n d a u und neugewähltu die Herren Dr. Anselm Holpern, Hermann Bartfeld, Jakob- Bram, als Rechnung'srevisoren die Herren Isidor B e l f, B. H. Seinf e l d, S. S chi n d e l, als Schiedsrichter die Herren Wilh. Flieg, Emil Pomeranz und Mark. Schneid. Bei der am 8. Mai l. I. erfolgten Konstituierung wurden gewählt: Die Herren Max Rosenfeld^ als Obmann, Jg. Zolles als Obmann-Stellvertreter, Alex. Land au. als Schriftführer, David Ko li eb als Schriftführer-Stellvertreter und- Jakob Weichsel d a um als Kassier. > Wien. (B e t h a u s v e r e i n A d a ß I es ch u r n u, IX., Pfluggasse 5). Samstag, den 20. Mai 1911, nachmittags 6 Uhr. findet im.; Bereinsbethause ein Bortrag des Herrn Rabbinatskandidaten Belä Fischer' statt. Thema: „Lebensphilosophie im Talmud" (Vortrag IV). Wien. Der Verein „Adas Jisroel" (Schiffschnl) versendet den Jahresbericht pro 1910. Ans demselben ist die allgemeine Tätigkeit ans denn Gebiete der Fürsorge , für die rituellen Bedürfnisse der orthodoxen Inden-- schüft Wiens, ersichtlich. Die Ausgaben erreichen die stattliche Höhe vom mehr als X 70.000.—, denen die Einnahmen in gleicher Höhe gegenüber-- steheu. Hervorzuheben wären die Posten für Gehälter von X 17.000.—,- Snbventionen und Spenden re. für verschiedene'Vereine und jüdische Jnstittltiouen X 5792.80, Kaiser Franz-Josefs-Jubiläums-Armenbeteilung X 174.— rc.. Die Generalversammlnng findet am 25. d. M. um 3 Uhrr nachmittags, statt. Auf der Tagesordnung steht n. A. die Ernennung de? Herrn Markus B o n d i zum .Ehrenmitgliede, Ergänzungswahlei!, Anträge- und Interpellationen. ' ' Wien. Sonntag, den 14. d. M., wurde der im 68. Lebensjahre. Heimgegangene Religionslehrer Ignaz A s ch k e n e s, tief betrauert von. seinen Familienangehörigtn nnd allen, die seinen edlen Charakter kennen zu lernen Gelegenheit hatten, zu Grabe getragen. Rabbiner Dr. Abele s widmete dem Verblichenen einen seine Vorzüge würdigenden Nachruf. Er ruhe in Frieden! gün'fttiuv Jüdische Geschichte von der Zerstörung des zweiten Tempels bis in die Gegenwart, in Charakterbildern dargestellt, mit 13 Bildnissen. — VouS. Müller. — Stuttgart 1911; Verlag von I. B. Metzler. — M. 2.75. Einer der glänzendsten Namen, von denen, die sich mit der Darstellung jüdischer Geschichte befassen, ist der Heidelberger Pädagoge S. Müller. Ihm ist die Bearbeitung der ebenso schwierigen, wie umfangreichen Materie Lebensbedürfnis geworden, und selten hat es einer wie er verstanden, alle Phasen der Entwicklung so zu beherrschen, um sie mit Meisterschaft zu lebendigen Bewußtsein zn bringen. Bei der Heraus-- gabe seiner vortrefflichen „Kleine Bibel" vor sechs Jahren hat der verdienstvolle Verfaffer das Erscheinen eines jüdischen Geschichtsbuches' in Charakterbildern angeküudigt. Diese Arbeit liegt nun vor uns und mit ihr sind die Wünsche,. Bedürfnisse und Hoffnungen, die weite Kreise bezüglich der Neugestaltung des jüdischen Geschichtsunterrichtes feit" langem fühlten, in Erfüllung gegangen. Die Geschichte der Juden nnd des Judentums seit der Zerstörung des zweiten Tempels wird,im Rahmen der'Welt- und der Kulturgeschichte in stimmungsvollen Charakterbildern der Jugend vertraut gemacht, und es wird ihr ein Einblick in die Größe und Erhabenheit des jüdischen Schrifttums dieser Zeit, in das sich auch^ die moderne Kultur in mannigfacher Beziehung eingebettet hat, in klarer, vergleichender Uebersicht vermittelt. Es herrscht nicht nach „Leitfaden"-Art das Prinzip des Lehrstoffes, bei dem Gemüt Und Wille leer ausgehen und „Steine statt Brod" gereicht werden. Die neuartige Anordnung und- Darstellung des großen Wissensstoffes weitet vielmehr den Blick und das Herz, indem sie die großen Repräsentanten neuer Zeiten und neuer Ideen als die Träger der Geschichte zeigt und an ihren Dichtungen, Briefen undmarkanten Aussprüchen ihr Charakterbild entrollt. Das ist in jeder Hinsicht unvergleichlich wertvoller als das „Einprägeu" des Stoffes; es regt zur' Selbsttätigkeit an und bereitet so ans die freie wissenschaftliche Methode der Hochschule vor. Nicht zu den geringsten Verdiensten des Buches gehört auch, daß es von dem Gedanken ausgeht, daß jede unserer religiösen Parteien in ihrem Sinne das Wohl des Judentums zu fördern bestrebt ist und daß es eine Andersdenkende verletzende Ueberhebung ist, wenn eine" Partei die Wahrheit für sich allein in Anspruch nimmt. Im Einzelnen mögen folgende Materien besonders hervorgehoben sein, die tatsächlich als Muster historischer Darstellung gelten könnend Rabbi Me'ir und Beruria; das lichtvolle Bild des Talmuds; die Großen der spanischen Zeit; Israels Leiden im Mittelalter; Abarbanel und Renchlin; Manaffe den Israel und Spinoza; sowie die instruktive Behandlung der neuzeitlichen Geschichte. Das mit großer Lebendigkeit und Klarheit geschriebene Buch verdient indeffen ein über die engen Grenzen der Schule weit hinansreichendes Interesse, das es um so mehr finden wird, als seine seelenvolle Darstellung zum Nachdenken veranlaßt und auch den Laien befähigt, sich seiner Führung anzuvertrauen. Die Ausstattung ist sehr ansprechend und gediegen; die Bilder sind von anerkennungswerter Klarheit und wie der Druck scharf und deutlich. Das Werk darf in jeder Beziehung als eine sehr wertvolle Bereicherung unserer jüdischen Geschichtsliteratur bezeichnet werden, sowohl für die Berufswelt und das. jüdische Hans, als auch für das gesamte gebildete Publikum. Wir wünschen dem überans verdienstvollen Werke die weiteste Verbreitung und dem Verfasser auch den idealen Erfolg, den er durch sein hervorragendes Schaffen ehrlich und redlich, verdient hat. Elberfeld, im Mai 1911. Hermann Z i v i.

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