Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 19 (19.5.1911)
- Date
- 1911-05-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 19. . Die Wahrheit ' ' Seite 11. Km Apikore^. Von Babette Fried, Prag. . (Fortsetzung.) So stand sie eines Abends wieder in Gedanken vor dem '-Bilde der Mutter. In dem Zimmer war tagsüber eine unerträgliche Schwüle gewesen/ Sie hatte die Fenster,' welche in einen großen Garten gingen, geöffnet^ und unn strich der erfrischende Abendwiud über die Wipfel der Bäume und die niederen Blumenbeete hin und führte den köstlichen Blumen- und Blütenduft hinein, bis zu der Einsamen, in Gedanken und -Erinnerungen Versunkenen hin. Sie bemerkte nichts davon. Sie fühlte nicht den Zauber dieser herrlichen Dämmer» stunde. Sie hörte auch nicht, wie jemand leise die Thür öffnete und zn ihr heranschlich. Erst als sie sich von - starken Armen umschlungen fühlte, da wandte sie sich um mld rief, sich selbst vergessend aus : „Ludwig!" „Ja, Ludwig, da ist er wieder, sonnverbrannt und des Wanderns müde, nnd ein trautes Heim, und ein liebes Weibchen suchend. Werde ich znm drittenmale weggeschickt werden?" „Nein, nein!" tönte es ihm jubelnd entgegen. „Nach zwei Niederlagen endlich ein Sieg. Dank Dir, teueres Mädchen, tausend Dank, Du sollst diese Stunde niemals .zu bereuen haben." Das Glück der endlich Vereinigten zu schildern, ist unnötig. So viel Fantasie hat jeder, um es sich vorstellen zu können. .. Leo kam aus dem Garten gelaufen, wo er mit einigen Jungen gespielt hatte, als er hörte, daß Onkel Doktor angekommeu sei. Seine Vermittlung war nicht mehr notwendig, trotzdem blieb er immer dabei, wenn der Onkel bei feiner Braut weilte. Einmal, als der Knabe gerade abwesend war, wagte Martha an ihren Verlobten eine Frage zu richten, die ihr schon lange auf den Lippen schwebte. „Wo hast du deine schöne Reisebegleiterin gelassen,,. Ludwig?"— „Gelassen habe ich sie in.Prag/wie sie es wünschte, wo sie getzt ist, weiß ich nicht. Vermutlich auf der Suche nach ihrem verschwundenen Ehegemahl."- , , ' „Besaß sie wirklich einen solchen? „So sagt sie. Es scheint auch wahr zu sein. Denn die -Verwalterin des Hauses, .in welchem sie in Prag gelebt hatte, und bei der sie sich nach der jetzigen Adresse ihres Mannes erkundigt hatte, erzählte ihr, daß bald nach der Flncht mit dem Sänger, her Mann mit dem/Kinde weggezogen sei. Er hätte alles verkauft nnd sei irgend wohin - in die Provinz gezogen. 'Wohin? Das wisse niemand im Hanse." „Armes Weib", sagte Martha mitleidsvoll. „Was wird sie jetzt anfangeu?,' .' „Spare dein Mitleid für einen würdigeren Gegenstand. Ein Weib, das den Mann und ein Kind freiwillig verläßt, um mit einem Liebhaber durchzngehen, verdient es nicht." . „Sie jammert mich dennoch. Wer weiß, wie tief sie ihren Fehltritt bereut haben, mag. Und Rene ist ein fürchterlicher 'Gemütszustand, das glaube mir, da ich sie oft genug empfunden Habe; Kannst du ihr nicht behilflich sein, den Verschollenen ausfindig zn machen? Ich denke, , einem Manne Mißte dies eher, gelingen, als einer alleinstehenden Frau." „Gewiß,- mein Kind, aber ich kenne ja seinen Namen nicht. Sie gestand mir.ja einst, daß der Name, unter dem sie auftrat, und ich sie kennen lernte, nur ein angenommener, ein -Künstlername sei. Ein letzter Rest von Schamgefühl verbat ihr, den Namen, den sie .geschändet, preiszugeben." „Hat sie auch zu leben?" „Dü kannst dir denken, daß ich sie nicht mittellos zurückgelassen habe. Bevor sie ein Engagement findet, dürfte das hoffentlich reichen," Dieses Gespräch wurde durch den Eintritt Leos unterbrochen. So verflossen dem Brautpaare mehrere Wochen auf die .angenehmste Weise. Doktor Braun machte Anstalten, sich in seiner Vaterstadt als praktischer Arzt niederzulassen. Martha hatte ihre Stellung als Lehrerin gekündigt. Mit dem Schluffe des Schnjahres sollte sie ihre liebgewordene Tätigkeit als Lehrerin znrücklegen. Zn Anfang der Ferien sollte die Hochzeit stattfindeu. Eine einfache Trauung ohne jede andere Festlichkeit, daun eine längere Hochzeitsreise, denn Martha hatte bisher noch wenig von der Welt gesehen. Leo sollte indessen bei Tante Jnlchen bleiben, weiche zur Hochzeit kommen, nnd ihn dann mit sich nehmen sollte. Da war er gut ausgehoben. Einige Tage .vor der Hochzeit wandelte Ludwig mit seiner Braut hinaus aus den guten Ort, um dem Gebräuche gemäß das Grab seiner Eltern zu besuchen. Der Apikores fügte sich in allem der besseren Einsicht seiner erwählten Lebensgefährtin, welche diesen Graberbesuch als angezeigt, nnd würdigen Abschluß seiner Junggesellenjahre erklärte. Bei dieser Gelegenheit suchten beide das Grab Leos auf. Sie erwarteten es wie gewöhnlich ohne Blumenschmuck zu finden. Denn, wer kümmerte sich um das Grab eines Fremden? Selbst Leo pflegte. wenn er es am Jahrzeittage oder gar gelegentlich einer Beerdigung aufsnchte, nur ein Steinchen als Zeichen treuen Gedenkens auf den einfachen Grabstein zu legen. Wie erstaunt waren sie daher, als sie schon von ferne einen Strauß frischer weißer Rosen ans dem Hügel schimmern sahen. Wie wuchs aber ihr Staunen, als sie näher traten und die F o r m dieser Blnmenspeude betrachteten. Es waren weiße Rosen, kunstvoll in K r e u z e s s o r m gebunden. „Das hat keine jüdische Hand hierher gelegt!" meinte Martha. „Wer aber könnte es getan haben?" meinte sinnend der Doktor. (Fortsetzung folgt.) Aufruf! Wir endesgeferügten Vorstände des heil. Landes für Zion, Jerusalem, Jaffa, Hebron, Zefas, Liberias und Kolonien für Witwen. Waisen, Greise, Sieche nnd Kranke, die den Rest ihres Lebens dort beschließen, um den Allmächtigen für Euer Wohlergehen zn bitten, machen unfern teuren Landesbrüdern und Schwestern bekannt, daß das Komitee für die in den , Büchsen gesammelten Gelder liub Spenden oan -rsa "2-ii Wien, aus Sr. Hochwürdeu Herrn Dr. M. Güdemanu, Kultusvorsteher Herren Adolf Schramek,' Dr. Alfred Berger, Rudolf Kohn nnd Herrn David Kohn (Baden) besteht. Komiteesitz ist laut Vereinbarung des Oberkuratorinms der nng.-galiz. Gemeinde Jerusalem: Wien, IL, Novaragasse 21. Inkassant ist Herr S a m u e l Hör n st ein, II., Ne ft roygas s e 8. Durch: obiges Komits gelangen die gesammelten Gelder in unsere Hände und werden ihrer heiligen Bestimmung richtig zngesührt d. h. . u n t e r ö st e r r. u n g. sowie g a l i z. Arme gehörig verteilt. Da aber in letzter Zeit zahlreiche Täuschungen mit Büchsen für Galizien mit Namensauffchrift aarr bsz Tsa -a-r Erez Israel in Wien vorgekommen sind, halten wir die hier Unterzeichneten Vorstände, es für besonders nötig, P. T. aufmerksam zu machen, daß Gelder, welche nicht für genanntes Komitö einlaufen, überhaupt nicht u n t e r unsere li A r nt e n, w e der O e st e r r. -U n g. n o ch G a l i z., v e rt e i l t w e r d e n. . Indem wir hoffen, daß unser Aufruf Anklang finden wird (P. T. können auch bei obgen. Komitee genaue Informationen erhalten) zeichnen wir mit brüderlichem Gruß Jerusalem im Monat Nissan 5671. -Elieser Nüssen Kohane S p i r a, Abis S ch ö n f e l d, Mayer Aron L a n d n e r. Vorstände der isr. Gemeinde für Oesterr.-Ung. Siegel. David Weber, S. Freund, A. W o l l e n st e i n. Vorstände der isr. Gemeinde für Galizien. Siegel.