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Die Wahrheit · 1911-05-19 · Heft 19 (19.5.1911) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 19 (19.5.1911)
Date
1911-05-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit. Nr. 19. Der Allianz, den Herren'Fritz Singer und Hofrat Siegmnnd T a u s s i g einen warmen Nachruf. Er gedachte ferner des Verlustes, den die Allianz durch das Hinscheiden des Frh. Albert von Rothschild erlitten, der die im Verlaufe der Jahrzehnte eingeleiteten Hilfswerke der Allianz mit großer Freigebigkeit gefördert hatte, sowie des Hingeschiedenen Baron David Günzdnrg, Präsident des Zentralkomitees in St. Petersburg nnd des Lord Swaethling, Präsident des mit der Allianz in Verbindung stehende Rnsso Jewish Comittee in Lvtldon. Der Nachruf wurde von der Versammlung stehend angehört. Sodann wurden der Jahresbericht und die Bilanz einstimmig genehmigt und über Antrag des Herrn Joses Beer der Vereinsleitung der Dank der Versammlung ausgesprochen. Die turnusmäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder, die Herren David R. v. G u I m a n n, Oberrabbiner Dr. M. Güdem a n u, Wilhelm Pappenheim, Michel Benies nnd Ferdinand Bloch wurden per Accalamation wieder gewählt und die Kooptationen der Herren Moritz B. Eißler und Richard B e t 1 e l h e i m genehmigt. Mit Dankesworten au die Erschienenen und einer warmen Bitte, im weitesten Kreise für die Allianz wirken und dieser zahlreiche Freunde und Förderer zusühren zu wollen, schloß der Präsident die Sitzung. . In der Versammlung wurde von vielen Seiten mit besonderer Anerkennung der überaus reichhaltige Inhalt des diesjährigen Jahresberichtes hervorgehoben, der eine sehr eitigehende und anschauliche Darstellung über die Schulen und Kindergärten der Allianz in Galizien, ferner eine ausführliche Schilderung der Verfolgungen der Juden in Rußland und in Rumänien und der zu Gunsten der Verfolgten geleiteten Hilfswerke, der vielseitigen Emigrantenfürsorge, der Aktion für die Opfer der Unruhen in Persien und der sonstigen Hilfswerke enthält. Wir haben aus dem Berichte bereits interessante Auszüge gebracht. Unter den dem Vereine in jüngster Zeit zngegangenen Widmungen ist besonders ein Stifterbeitrag des Herrn k. k. Obersinanzrates Dr.- Julius Petschek in Prag auf den Namen Dr. Julius nnd Frau Bertha Petschek im Betrage von 4.000 Kronen zu erwähnen. Wie uns vom Bureau der Allianz mitgeteilt wmche, wurde der Bericht an die außerhalb Wiens wohnenden Mitglieder durch Vermittlung der Leitungen der Filialen oder der Vertrauensmänner versandt, an welche eventuelle Reklamationen zu richten fiiib. Die übernatürlichen Erscheinungen in der Patin nach der wissenschaftlichen Anschammg. Bon A. Stößler, Olniütz. Selbst gebildete und freisinnige Menschen lieben es nicht selten, in Glaubensfachen das Dunkel oder Halbdunkel walten zu lassen. Es ist aber zweckmäßig, die ganz richtige Anschauung Lessings zu teilen, daß es für die Allmacht und Allweisheit des göttlichen, weltleitenden Wesens weit entsprechender ist, das Ziel seiner Welt-. Völker- und Menschenleitung auf ganz n a t u r l i ch e m Wege, durch die vom Uranfang bestimmte regelmäßige Einwirkung seiner Naturgesetze erreichen zu sehen, als etwa mittels übernatürlicher Erscheinungen, wodurch eine Unzulänglichkeit des ursprünglich bestimmten Gottesplaues bekundet werden müßte. Einer der hervorragendsten Philosophen aller Zeiten spricht diesbezüglich die Allsicht ans, daß die meisten Menschen am liebsten alles, was nicht auf den ersten Blick mit der Vernnnst übereinstimmt, als etwas Außernatürliches auffassen; er dagegen fei bestrebt, die Lehren der Religion mit denen der Vernunft auszugleichen. Was er mit den Gesetzen der Natur übereinstimmend erklären kann, das erklärt er auch dafür. Seine Behauptung geht ferner dahin, daß die Wissenschaft das Kriterium für eine Glanbenswahrheit abzugeben habe, daß daher alles, was einem wissenschaftlichen Lehrsätze zuwider ist, auA nicht Gegenstanddes Glaubens sein und von der Religion gelehrt werden darf- Uebernatürliche Erscheinungen seien durchaus keine Veränderungen in dem Gange der Natur oder in dem Willen Gottes. Diese Erscheinungen sind , ebenso wie die Alltäglichkeit' eine von Gott bei der Schöpfung prädistinierte Regel für den- Lauf der' Dinge in einer "gewissen Zeit;-nur uns scheinen solche Vorkommnisse ein Heraustreten der Dinge aus. dem natürlichen Gange. In diesem Satze liegt der Kern des ganzen Gedankens^ daß selbst das scheinbar Unnatürliche im Bereiche des Naturganges nichts als „natürlich" ist. Die meisten Fachgelehrten und Forscher sind jedoch einig;, darin, daß die suggestive Einwirkung ganz natürlicher Umstände und Erscheinungen ans das Seelenleben (Psyche) deseinzelnen Individuums das Gepräge des „Uebernatnrlichen" anfdrückt, welcher Umstand gewöhnlich von übereifrigen Zelotew und Finsterlingen als Merkmal des allgemeinen Waltens der Gottesmacht in der Natur (Vergeltuugslehre) bezeichnet wird. Schauen wir nur mit aufmerksamem Ohr und Auge auf die natürlichen Folgen jener i r r i g e n Anschauungen hin!' Diese sind höchst beklagenswert und von unübersehbarer Tragweite. Sie stehen sowohl mit den Forschungen der Wissenschaft, als auch mit dem wahren Geiste der Religion im krasseste u Widerspruche. Ein aufmerksamer Blick in die Geschichte des Mittelaltersdürfte diese Anschauung"znr Genüge bestätigen. » Die Natur geht freilich, wie vom Anbeginne her, die ihr vorgezeichneten Wege und die Zeit bewegt sich immer gleichmäßig fort. Aber der von den Menschen durch jene heterogenen Anschauungen hervorgerufene Geist hat eine wilde, giftig gärende — man könnte sagen misanthropische — Zeitperiode geschaffen, in welcher die Borniertheit im Vereine mit dem Obskurantismuswahre Orgien feiern. ' Man darf und soll daher die Mühe nicht scheuen, hinabzusteigen in das dunkle Getriebe jener Elemente, die vergebens bestrebt sind, jeden Aufschwung des klaren' Denkens.zu hemmen und zu Hintertreiben. ' Man muß endlich. den Mut finden, den v e r m eint e n religionseifrigen und systematischen Hetzern, die sich nicht scheuen, selbst die w a l t e n bell l m achtGottes als zweckdienliches Mittel zu irgendwelchen Sonderinteressen sowie zur Erreichung irgendwelcher dunkler Ziele — zu mißbrauchen, die Verheißungen des großen Propheten Jesaja, zuzurufenr „Ki-nosacli aleciiem Adonai ruacli tardemo, waja’zem ese’necliem“, d. h. „Ausgeschüttet hat über euch der Ewige den Geist der Verwirrung und verdunkelt hat er euren. Blick". > Daß dieses Prophetenwort von hoher nnd «inversester Bedeutung ist, davon legt auch — nach der jüngst gehaltenen. Rede des Geheimrates Prof. Dr. Delitzsch in Berlin —^ die Lehre des Christentums hinreichende Beweise ab, dem diealttestamentarischen Glaubensheroen als die sichersten undg l a u b w ü r d i g st e n Zeugen des Heils gelten, auf deren Autorität und empfangenen Verheißungen diese Lehre ihreersten Grundpfeiler aufbaute. Es würde das Ziel der vorliegenden Schrift überschreiten,, wollte ich heute noch ins Meritorische dieses Gegenstandes eingehen und werde ich mir daher späterhin gestatten, diese Fragebetreffend die übernatürlichen Erscheinungen vom Standpunkte der „dogmatischen" Forschung eingehend zu erörtern. Die Inden in der Technik, der Kirnst^ der Wissenschaft und als Forscher» Entdecker nnd Erfinder. (Schluß.) - Den Nobelpreis für Physik erhielt 1908 der Physiker an der Pariser Sorbonne G a b r i e l L i p.p m a n n. Er machte sich besonders durch bedeutsame Erfindungen auf dem Gebiete der Photographie bekannt und war der erste, der ein brauch--

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