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Die Wahrheit · 1911-05-19 · Heft 19 (19.5.1911) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 19 (19.5.1911)
Date
1911-05-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 19. Die Wahrheit Seite 7. Regelung der Mohelim-Fvage. Die seit vielen Jahren im Zuge befindliche Regelung 'der Mohelim-Frage wird in dem Sinne erledigt, /daß der Vorstand, wie bisher zur Vornahme von Beschneidungen bei mittellosen ^Parteien auf Kosten der Knltnsgemeinde nur Aerzte. bestellt, und ln der diesbezüglichen Kundmachnng nur diese zur. Vornahme /Don Beschneidnngen empfiehlt. , - / - Auflassung des RettgiorrsleHrer-Kurses. Die seinerzeit für eine 4bezw. 5jährige Dauer ins Leben gerufene Lehranstalt zur Ausbildung israelitischer Religions- - llehrer für Volks- und Bürgerschulen ist mit dem Schuljahre „1910/11 abgeschlossen. Nach eingehender Beratung wird beschlossen, in Anbetracht des Umstandes, daß durch die Zahl der tu dieser Lehranstalt ansgebildeten Kandidaten ans längere Zeit hinaus für den Bedarf von israelitischen Religionslehrern für die Wiener Volks- und Bürgerschulen in entsprechender Weise vorgesorgt ist, zu Beginn des Schuljahres 1911/12 einen neuen -Kurs nicht zu eröffnen. Die Beschlußfassung über die eventuelle Wiedereröffnung dieser Kurse bleibt einem späteren Zeitpunkte Vorbehalten. Stiftungen. Verliehen wird die Elise Herz Ausstattnngsstiftnllg, 1 Platz mit einem Betrage von K 780.—, ferner die Jakob Josef und .'Fanny Schnabl Armen-Stiftung im Betrage von K 400.—. Es werden weiters eine Reihe von Subventionen-, Steuer- und Personal-Angelegenheiten erledigt. Vor Eingang in die Tagesordnung der Plenarsitzung vom 14. Mai dankt Herr Vorsteher Dr. Jakob Engel als Präsident des isr. Tempelvereines für die Gemeindebezirke Mariahilf und 'Neubau dem Herrn Präsidenten Dr. Alfred Stern, sowie den Herren Vorstandsmitgliedern für ihr Erscheinen bei den vom genannten Tempelvereine für seinen Obmann-Stellvertreter, Herrn 'Friedrich Pollak, aus Anlaß dessen 80. Geburtstages veranstalteten feierlichen Gottesdienst und spricht gleichzeitig im Namen 'des Jubilars für das Gratnlationsschreiben des Knltusvorstandes den Dank aus. _ 38. Generalverjammlimg der Israelitische« Alliau;;n Wien. Mittwoch, den 10. d., um 6 Uhr abends, fand im Saale der israelitischen Knltusgemeinde unter Vorsitz des Präsidenten Herrn David R. v. Gutmann die diesjährige General-Versammlung der „Israelitischen Allianz zn Wien" statt. Unter den Anwesenden bemerkte man außer den Vorstandsmitgliedern der Allianz, den Herren Vizepräsident Dr. Alfred Ster n. Oberrabbiner Dr. Güdema n n, Dr. Arthur K u r a n d a, Dr. Sigmund W a h r m a n n, Generalrat Adolf K l e i n, Dr. Felix ,.K a tz a u, Wilhelm P a p p e n h e i m, Großindustrieller Ferdinand Bloch, M. B. Eißler, Richard Bettel heim, die Herren Gemeinderabbiner Dr. Bach und Dr. Rofenmanu, die ..Kultusvorsteher Dr. Maximilian Steine r, kais. Rat K a u d e r s und Adolf S ch r a mek, Regiernngsrat Drv S. Fra n kf u r ter, 'kais. Rat Dr. Theodor Liebe n, kais. Rat Johann Liechtenst a d t, Inspektor Prof. K a n i tz, Prof. A n t s ch e r l, die Redakteure Dr. Josef S. Bloch und Dr. M. Löwy, die Inspektoren der Baron Hirsch-Stiftung Wilhelm Engländer und Nathan Sperber, sowie zahlreiche andere bekannte Persönlichkeiten. Präsident Herr David R. v. Gntmann eröffnete die Versammlung, indem er des in diesem Monate gefeierten 'hundertsten Geburtstages des Dr. Ignaz Knranda gedachte, der einer der Begründer der Israelitischen Allianz war und durch sein ganzes Wirken so viel zur Ehre des Judentums, sowie zur Förderung der Ziele des Vereines beigetragen hatte. Herr David v. Gutmann schilderte auf Grund seiner persönlichen Erinnerungen in überaus lebendiger Weise die begeisterte Tätigkeit Knrandas, des ersten Präsidenten der Allianz Josef w. W erth ei mer, sowie der anderen Mitbegründer des Ver- -eines und hob hervor, daß die Allianz auch gegenwärtig im Geiste dieser Männer geleitet werde; sie sei seit vielen Jahren unermüdlich für unsere bedrängten Glaubensgenossen in Rußland, Rumänien und in anderen Ländern tätig' habe neuerlich wieder eine, kostspielige kulturelle Aktion zugunsten der Aermsten unter den Armen in Galizien eingeleitet, und es sei eigentlich ein Rätsel für' ihn, daß es in Wien und in ganz Oesterr e ich hal b w e gs g n t s i t ui er te Gl a n b eit sgenofse n geben Mnne, die in diesen schweren Zeiten nicht wenigstens den Mindestbeitrag von 0 Kronen jährlich zu zahlen bereit sind, um sich in die Listen der Allianz als Mitglieder einzntragen. (Großer Beifall.) Ueber Antrag des Herrn Dr. Josef S. Bloch wurde von der Verlesung des umfassenden Jahresberichtes, der sich bereits feit mehreren Tagen in den Händen der Mitglieder befand, Abstand genommen. Herr kais. Rat Liechtenstadt sieht sich trotz Anerkennung der Emigrautenfürsorge seitens der Wiener Allianz zu der Erklärung veranlaßt, daß nach dieser Richtung noch immer allzuwenig geleistet werde. Er habe im vorigen Jahre ans einer Studienreise durch die Vereinigten Staaten Gelegenheit gehabt, wahrznnehmen, wie unzulänglich die Fürsorge sei. die von staatlicher Seite den österreichischen Auswanderern zuteil werde. Er habe auch in Hamburg gesehen, wie die unerfahrenen jüdischen Emigranten und Emigrantinnen auf mannigfache Weise ausgebeutet wurden. Man könne nicht genug tun, um das unglückselige Agentenwesen, namentlich an der östlichen Grenze in Galizien zn bekämpfen und Redner appelliert an die Leitung der Allianz, daß sie, wenn, wie beabsichtigt, eine Aktion zur Regelung des Emigrationswesens eingeleitet wird, dieselbe nicht nur nnterstützen. sondern sich au die Spitze der Aktion stellen möge. Dr. Martin Imalis erwiderte darauf, ans einem genanen Studium des Jahresberichtes habe er mit großer Befriedigung entnommen, daß die Allianz den geäußerten Wünschen zuvorgekommen sei und gerade auch ans diesem Gebiete eine ausgezeichnete Organisation, die sich über ganz Europa erstrecke, geschaffen habe. Herr Wilhelm Pappenheim bemerkte, daß mit dem Hinweise auf das Agentennnwesen tatsächlich der Nagel auf den Kopf getroffen wurde. Es seien vielfach leider unsere eigenen Glaubensgenossen in der Nähe der Grenze an der Ausbeutung der unerfahrenen jüdischen Auswanderer beteiligt. Die Schntzkomitees der Allianz, sowie die mit denselben korrespondierenden zahlreichen Informationsstellen in Rußland tuen ihr Möglichstes, um dem Uebel eutgegenzuwirken und die Allianz werde sicherlich jede ernste Aktion zur Regelung des Emigrationswesens nnterstützen. Die Herren M Bau m, S. Deiches und I. K ein wünschten Aufklärungen zum Berichte, welche ihnen vom Präsidenten erteilt wurden. Herr B a n m beklagte die viel zn geringe Beteiligung weiter Kreise, namentlich in den Proviuzstädleu am -Hilfswerke der Allianz, den geringfügigen Eingang an Tempelspenden und den Umstand, daß der Beirat, der statutarisch aus 15 Mitgliedern bestehen sollte, nur vier Mitglieder zähle. Sekretär Herr Dr. K a m i n k a bemerkte darauf, daß die Bildung eines Propagandakomitees bereits in Aussicht genommen wurde. Eine Ergänzung des Beirates, dessen Wirksamkeit sich übrigens statutarisch nur auf Beratungen über eine eventuelle Inanspruchnahme des Vereinskapitales erstrecke, sei aus dem Grunde derzeit undurchführbar, da nach den Statuten in den Beirat nur Mitglieder gewählt werden können, welche Stifter, Gründer oder Mitglieder des Vereines auf Lebenszeiten sind (d. h. die einen einmaligen Beitrag von mindestens 4000, 1000. bezw. 200 Kronen zum Stammvermögen geleistet haben. Herr Prof. A n t s ch e r l sprach seine besondere Freude darüber aus, daß der Jahresbericht diesmal die weitverzweigte Tätigkeit der Allianz nicht nur in Worten, sondern auch in beigefügten Bildern zeige, was zur Popularisierung des Vereines viel beitragen werde. Er regte an, daß der Verein im Winter auch Borträge veranstalten möge. Der Vorsitzende Herr David R. v. Gut mann hielt hierauf, den im Berichtsjahre verstorbenen Vorstandsmitgliedern

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