Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 19 (19.5.1911)
- Date
- 1911-05-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Die Wahrheit Nr. 19. Gott will auch den Untergang der Frevler nicht, denn alle Menschen sind seine Geschöpfe - und das Werk seiner Hände".2) „W kehren zur Hölle; die Frevler zurück. alle Völker, die! gott-> vergessenen'" Ws. .9» 18). R. Josua sagt hierauf : „Die, gottvergessenen Völker fahren zur Hölle, aber die Frommen unter den Stationen sind des ewigen Lebens teilhaftig.3) Diese Stellen, ’ denen man. noch einegroße Unzahl anfügen könnte,- stellen Gott glicht als: ein ^schreckhaftes, grauenerregendes!Wesen" dar, wohl aber als den Gott der Milde und des Erbarmens. Auch der von S.'chehanptete Fremdenhaß dürfte hiemit genügend widerlegt sein. S. meint, es sei gleichgiltig, ob eine in den Religionsschriften ausgesprochene Meinung widerlegt wird, Hauptsache sei, daß sie einmal ausgesprochen wurde. Das ist durchaus nicht richtig. Die einen weiten Zeitraum umfassende Entwicklung der jüdischen Religion, bei einem Volke, dem ja S. eine besondere Beweglichkeit des Geistes zuschreibt, hat auch ihre großen Kämpfe. Meinungen tauchen auf aber sie gelangen nicht zum Durchbruch. Stimmen erheben sich, abersie werden zum Schweigen gebracht. Sie werden wohl alle im Talmnd registriert, weil da die weitestgehende Redefreiheit gewährleistet ist, Siegerin jedoch bleibt die rein sittliche Idee. Es muß daher genau und mit Sachkenntnis untersucht werden, welche Meinung der religiösen Anschauung und Praxis als lebender Bestandteil eingesügt wurde und ihren Platz bis auf die Gegenwart normgebend behauptet hat. „In der jüdischen Religion ist alles Wohlüberlegtheit, Zweckbedachtheit. Sie kennt nicht den Zustand des Rausches, in dem sich der Gläubige mit der Gottheit vereinigt (242). S. hat sich in die jüdische Literatur vertieft und sie mit erstaunlichem Fleiße durchforscht. Aber um ein Volk richtig zu beurteilen, müßten nicht blos Bücher, sondern auch die lebenden Urkunden — das waren hier die Juden der Gegenwart — herangezogen werden. Er besuche nun einmal die jüdischen Bethäuser aller Schattierungen, auch die des Ostens, sie werden seine Behauptung entkräften. Es wird vielleicht -genügen, wenn er Seite 231 seines Buches nachliest, wo er den Bericht eines Gewährsmannes wiedergibt: Ich habe nie einen Menschen sich so peinigen, die Brust zerschlagen, zum Himmel aufschreieu, zum Allvater aufweinen gesehen, wie den Barvn Rothschild am langen Tage in der Synagoge. Von den Anstrengungen des langen Betens und seiner Teilnahme am Gesang fällt er häufig ohnmächtig hin. es werden ihm dann starke narkotische Pflanzen aus seinem Garten vor die Nase gehalten, um ihn wieder zur Besinnung zu bringen. Man vermißt da die Wohlüberlegtheit, Zweckbedachtheit und berechnende Nüchternheit. „Was aber nun weiter die jüdische Religion dem Kapitalismus gar verwandt macht, ist die vertragsmäßige Regelung zwischen Jahwe und Israel. Das ganze Religionssystem ist im Grunde nichts weiter als ein Vertrag zwischen Jahwe und feinem auserwählten Volke ... Gott verspricht etwas und gibt etwas und die Gerechten haben ihm dafür eine Gegenleistung zu machen", (245). Die Widerlegung dieser Aufstellung möge man in Güdemanns Schriften *) Nachlesen. Es ist auffallend, daß S. die Arbeiten Güdemanns, den ich wohl als den bedeutendsten jüdischen Theologen der Gegenwart bezeichnen darf, keiner Berücksichtigung würdigt. __ (Fortsetzung folgt.) Aus der Wiener Knltnsgemeinde. (Ans den Plenarsitzungen des Kultusvorstandes vom 2. und 14. Mai 1911, unter dem Vorsitze des Herrn Präsidenten Dr. Alfred Ster ».) Einlauf. Note der k. k. nieder-österr. Statthalterei betreffend Kenntnisnahme der am 27. November v. I. vollzogenen Wahlen in 2) Pesikta rabb. c. 40 p. 167 b ed. Friedmann p pb '"> nöK ttrrv na .... rrrrarn jan-osr anso •>na’K ,n^a ama p jrntP’a am« tjtp-o ban® aw> jrrraKa sk pan na*pn pwp apy?s naipn ar6 .TH’ ’WJflbT 3) Tosefta Sanhedrin ed. Zuckermandel XIIL 2 Kn a’.n^K ’N2V ♦ton tbvsh pbft arb v'v riiairo a’pHat V' 4) Güdemann, Das Judentum in seinen Grundzügen und nach seinen geschichtlichen Grundlagen 1902, Jüdische Apologetik 1906. den Knltusvorstaud, sowie der am . 1.,Jänner d. I. vollzogenen Wahl der' beiden VHe-Präsidenten der' Knltnsgemeinde. Resolution! gefaßt/in einer, von; den' jüdischen Architekten ' Wiens einberufenen Versammlung vost!WchliMxn der/lWiener Knltnsgemeinde-' betreffend die Änsschreibnüg allgemeiner Wettbewerbe - unter s ä M tli che n Architekten. Wiens bei, den bevorstehenden ^Neubantett-cher-Gemeinde. Von der Zentralvereinigüng /der' Architekten der im Reichsrate, vertretenen /Königreiche^ und.:.' LHuhereuteBefürwortung der Aktion der jüdischeil Architekten Wiens, betreffend die allgemeine . und öffentliche Konkurrenz bei den bevorstehenden Neubauten der Kultusgemeinde.! Dankschreiben mehrerer Soldaten der Wiener Garnison, für die rituelle Verköstigung anläßlich der diesjährigen Pessachfeiertage in der Speisehalle des Vereines „Einheit". Dankschreiben der Frau Amelie Os er für die Aufnahme ihres Gatten des Herrn Hofrat Prof. Dr. Leopold O s e r sei. And. in die Haskarah des Stadllind Leopoldstädter-Tempels. Im Einlaufe wird ferner berichtet, daß die neu errichtete Mikwah am 2. Mai 1911 der allgemeinen Benützung übergeben wurde. Die neue Mikwah befindet sich im II. Bezirk, Floßgasse 14. Die Projektierung undder Ban dieses Bades erfolgte in ritueller Beziehung im gemeinsamen Zilsammenwirken des Rabbinates der Wiener Kultusgemeinde und der Rabbiner des Vereines „Adaß Jisroel" und entspricht in hygienischer Beziehung allen Anforderungen. Der. Betrieb der alten, seit vielen Jahren im „Wolsenbade", II. Obere Donanstraße 81, bestandenen Mikwah wurde eingestellt. Im Einlause befindet sich weiters die Mitteilung, daß der Knltilsgemeinde die Gebührenbegünstigung im Sinne -des T. P. 27b des Gebührengesetzes ans Anlaß des Ankaufes eines neuen Friedhofgrundes zuerkannt wurde. Spenden. Bon Herrn Moriz Edlen von Kuffner znr Verteilung an Arme anl. des Pessachfestes X 680.—, von Herrn Anton Winter, anl. der Jahrzeit nach seinem sel. Vater Herrn Ignaz Winter zur Verteilung an Arme X 100;—, von Herrn Ingenieur Oskar D i a m a n t zur Verteilung an vier Arme, anl. des Pessachfestes X 4.—, von Herrn Dr. Moriz und Friedrich Weil zur Erinnerung an Frau Therese Weil. s. A. eine silberne' Menorah. — Spenden im Gemeindebethanse Leopoldstadt: von Herren: Samuel Pisk X 20.—, Rabbiner Dr.. M. Rosen mann X 10.—, Alois Thenmann X 150.-, Rabbiner Dr. Adolf Schmied l X 20.—, Rabbiner Dr. Fenchtrvang X 10.—, Hermann Witrofsky X 100.—, Julius BeckX 200.—, Wilhelm Herzog X 30.—, Rektor Dr. Ad. Schwarz X 20.—, Ignaz Reiner X 70.—, Bernhard Engel X 110.—, Gustav Leichter X 100.—, Theodor K r i e s- Haber X 50.—, Dr. Herrn. L ö rv i X 100.—, Rabbiner Dr. Bach X .10.—, Martin R o senberg X 60.—, Siegmund Spiegel X 100.—, Moriz Di*»[teilt X 50.—, Moriz Ko r w i ll X 75.—, Ignaz Blum X 50.—, Berthold Kuschnitzky X 100.—, Simon Menzeles X 45.—, Adolf F e i n X 20.—, zusammen X 1585.—. Von Herrn Alfred Schlesinger, s. A., ein Legat für das israel. Spital in Wien X 20.000.—, von Frau Bertha Salier, an-, läßlich des Ablebens ihres Gatten k. k, Oberlandesgerichtsrat i. R. Dr. Ignaz Salter, s. A., für Arme X 400.—, von Herrn Anton Winter,' anl. der Jahrzeit seines sel. Vaters Herrn Ignaz Winter für Arme X 100.—, von einem Anonymus für wohltätige Zwecke X 100.—. Erweiterung des Spitals. Das Vertreterkollegium berichtet, daß die Freiherrliche Familie Rothschild das an das Spital der israelitischen Knltusgemeinde anstoßende Haus, XVHL, Währingergürtel 90 schenkungsweise in das Eigentum der Wiener israel. Knltnsgemeinde übergeben habe. Das Haus ist dazu bestimmt, das bisher in einer Privatwohnnng untergebrachte- Kaiserin Elisabeth Krankenpflegerinnen-Jnstitut aufzunehmen, hauptsächlich aber durch Schaffung von Wohnränmen, welche bisher im Spitale uutergebracht waren, den Krünkenbelegranm des letzteren zu erhöhen. Behufs Vornahme der erforderlichen Adaptierungen wird den derzeitigen Mietparteien des genannten Hauses im Mai. pro August 1911 gekündigt. In Anerkennung der hervorragenden Verdienste, welche sich'der verewigte k. k. Hofrat Dr. Leopold Os er in nahezu 40 jähriger Wirksamkeit als Primarius und Direktor des Spitales der israelitischen Kultusgemeinde erworben hat, wird die Aufnahme des Namens des Verstorbenen in die Haskarah ches Stadt- und Leopoldstädter Tempels beschlossen.