Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 19 (19.5.1911)
- Date
- 1911-05-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Seite 5. Nr. 19. _Die Wahrheit Absicht knudgibt, für uns Juden den Militärdienst durch eine Militärsteuer zu ersetzen, denn es ist Pflicht -eines jeden, das Vaterland zu verteidigen, und die Inden haben stets dem Vaterlande nnd dem Staate gegenüber ihre Pflicht erfüllt." Diese Kundgebung trägt.die Unterschrift von 136 Kursier Juden, durchweg Söhne und Enkel von jenen heldenmütigen „Nikolajewer" Soldaten, die wegen ihrer Tapferkeit und ihres Opfermutes die volle Freizügigkeit in ganz Rußland erhalten hatten. __ Leopold pll» weil, Oberrabbiner zu Szegedin. Zn seinem 100. Geburtstage. . In öernähora, einem kleinen, alten Markte im Bezirke Blansko in Mähren, ist Leopold L ö w am 22. Mai 1811 geboren worden nnh somit werden in diesen Tagen 100 Jahre seit der Geburt dieses hervorragenden Mannes verflossen sein. Dies sei uns ein Anlaß, einige Reminiszenzen aus seinem Leben . -aufzufrischen. Uls Schüler des vornehmen Talmudisten Rabbi Nachilin Trebitsch, Landesrabbiner in Nikolsburg, kam Löw im Jahre 1841 nach Nagy-Kanizsa, dann k846 nach Papa und zuletzt in die große ungarische Gemeinde Szegedin, wo er .ein reiches Arbeitsfeld für seine seltenen Fähigkeiten fand und seinen Ruf als berühmter Kanzelredner begründete. Unter den Rabbinern erster Größe, welche im 18. Jahrhundert lebten nnd wirkten, nimmt Leopold Löw einen hervorragenden Platz ein. Im Jahre 1875 im Monate Mai hatte Schreiber dieser Zeilen, empfohlen durch den Rabbiner und Prediger Dr. M. K a y s e r l i n g, Gelegenheit, diesen trefflichen Seelsorger in einer längeren Konversation kennen zu lernen. Mit Vorliebe sprach er wohl von seinem Heimatslande Mähren, aber trotzdem war er durch und durch ein Ungar im wahren Sinne des Wortes. Er liebte sein neues Vaterland über alles und es kann kein glänzenderes Zeugnis' für den Patriotismus der Juden in Ungarn geben, als die trene Hingebung, die dieser große Kanzelredner fürdie nngarische Sache besaß. Sein Einfluß ans die damalige ungarische Judenheit war auch ein bedeutender und seine Reden und Werke wurden gerne gelesen. 'Viel hatte Leopold Löw unter den Unruhen des Jahres 1848 zu leiden und er wurde ob seiner mächtigen Sprache auf der Kanzel nnd seiner. Anregungen, dem Lande treu zu sein, in dem Bndapester Nengebäude interniert. Der Häscher gab es viele im eigenen Lager. Leopold Löw war einer der hervorragendsten nnd begabtesten Geister, lvelche das Judentum unter den Seelsorgern produzierte nnd wird diesem Manne von Bedeutung stets eine ehrenvolle Stelle in der Geschichte der glänzenden Gelehrten als Rabbiner und Schriftsteller gesichert sein. Die zahlreichen 'Werke, welche er hinterlassen hat, sind glänzende Beweise seinerhohen Bildung, seines Geistesreichtnms und seines allumfassenden Wissens. Sie besitzen eine harmonische Schönheit, wie sie von schriftstellerischen Seelsorgern nach ihm selten erreicht wurde, und sie sind zugleich anziehend und belehrend. Leopold Löw,. der persönlich ohne alle Ansprüche, liebevoll, gefällig, wohltätig, voll Rechtlichkeit nnd Religiosität war, verschied am 13. Oktober 1875 nnd das gesamte Judentum fühlte schmerzlich seinen Heimgang, besonders aber seine ihm so treu ergebene Gemeinde. Er hinterließ herrliche, vornehme Söhne,, und unter diesen Dr. Jmanuel Löw, Rabbiner in Szegedin, der gleichfalls zu den begabtesten Kauzelrednern zählt. Albert L ö w. Inden nnd Indenlnm in der Darstellung Werner Somdarts. Bon Dr. I. Tag licht. (Fortsetzung.) In hervorragender Weise, sagt S., habe die Religion die Juden zur Begründung der kapitalistischen Wirtschaft befähigt. Wenn auch die Religion als der Ausdruck einer besonder» Geistesrichtung, also einer subjektiven Eigenart erscheint, so trete doch das Religionssystem, in das der einzelne hineingeboren ist, diesem als ein fest gegebenes Objektives gegenüber. Hier macht S. folgende mit dem behandelten Problem nicht zusammenhängende Bemerkung: „Die Inden sind sicherlich das ,gottesfürchtigste< Volk, das jemals auf Erden gewandelt ist. In zitteritder Angst haben sie immer gelebt, in zitternder Angst vor Gottes Zorn." „Ich fürchte mich vor Dir, daß mir die Haut schaudert, und entsetze mich vor deinen Gerichten." „Diese Worte des Psalmisten (119, 120) haben zu allen Zeiten für das jüdische Volk ihre Gültigkeit gehabt. Welch ein Gott aber auch, was für ein schreckhaftes, grauenerregendes Wesen" usw. Zur Bekräftigung dieser Ansicht führt S. noch zwei Zitate an. Ist das auch objektive Darstellung? Ans den Psalmen, die das Innigste und Rührendste an Herzeusfrömmigkeit, die vertrauensvolle Hingabe an den gütigen, allerbarmenden Gott enthalten nnd darum das Gebetbuch eines großen Teils der Menschheit geworden sind, weiß S. nur diesen einen Satz hervorzuheben. Und was sagt denn dieser Satz? Bedeutet er wirklich die zitternde Furcht vor der Zuchtrute Gottes? Ist nicht vielleicht das Sichkleinsnhlen des in der Zeit auftretenden und in die Zeit eingehenden Jndwiduums gegenüber dem Ewigen, Unendlichen in diesen Worten ansgedrückl? Ist die Zerknirschtheit, die sich hier knndgibt. nicht hervorgerufen durch die plötzlich anfsteigende Erkenntnis, wie weit der Mensch von den Höhen entfeint sei, denen er znstreben sollte, von den Höhen wahren edlen Menschentums? Dem schwachen, sündigen aber gläubigen Menschen sagt nun der Richterspruch seines Gewissens, wie hart das Urteil sein müßte, wenn er nach seinen Taten gerichtet würde. Daß dieser Vers übrigens nur eine Gefühlsweise des Gläubigen darstellt, geht aiis dem von S. zitierten Kapitel klar hervor. Der eine tritt bebend vor Gott hin, der andere voll Vertrauen aus die Güte nnd Gnade Gottes. Wie oft in diesem Psalm von der Gnade Gottes die Rede ist, hat S. übersehen. „Möge mir deine Huld widerfahren, deine Hilfe nach deiner Verheißung" (V. 41). „Dies ist mein Trost in meinem Elend, daß deine Verheißung mich erquickt" (50). „Sei mir gnädig nach deiner Verheißung" (58). „Voll ist die ganze Erde von deiner Gnade" (64). „Gut bist du und tust Gutes" (68). „Möge deine Gnade mich trösten" (76). Es bedarf übrigens keiner einzelnen Zitate. Die Psalmen sind die Darstellung des Anschmiegens an den himmlischen Vater, wie ein Kind an seine Mutter sich schmiegt. Wohl ist da mtd in der Bibel überhaupt auch von Bestrafung die Rede. Irr einer auf dem Sittengesetz anfgebauten und von diesem zusammengehaltenen Gemeinschaft muß der Böse — wenn er vom Bösen nicht abläßt nnd es nicht bereut — bestraft werden. Das Böse rächt sich — das liegt in der Natur der Sache — an Kindern und Kindeskindern, aber von dem reuigen Menschen wird das Unglück abgewendet, denn „Gott ist gnädig, barmherzig, langmütig, voll Liebe und Trene, er bewahrt die Huld bis ins tausendste Geschlecht, vergibt Sünde, Missetat und Schuld" (Exod. 34,6). „Vergißt wohl ein Weib seines Säuglings, wird es seiner Leibesfrucht sich nicht erbarmen? Wenn sie es auch vergäßen, ich würde dein nicht vergessen" (Jes. 49,15). „Ist denn ein teuerer Sohn mir Ephraim, ein Kind der Wonne, denn so oft ich von ihm rede, muß ich lange an ihn denken. Darum regt sich mein Inneres um ihn, ich erbarme mich seiner, spricht der Ewige" (Jer. 31,19). „Wie eine Mutter ihr Kind tröstet, so werde ich euch trösten" (Jes. 66, 13). Das ist die jüdische Auffassung von Gott, die auch das spätere Schrifttum und das ganze Leben der Inden beherrscht. Er ist ein Gott der Liebe und des Erbarmens, des Erbarmens für alle seine Geschöpfe. Als die Aegypter in den Meeresflnten untergingen, wollten die Engel des Himmels ein Jubellied anstimmen. Gott aber sprach: „Wie, ihr könntet einen Lobgesang ertönen lassen, während meine Geschöpfe mit dem Tode ringen" *) „Er richtet die Welt in Gerechtigkeit, entscheidet über die Nationen in Geradheit" (Ps. 9,9). Hiezu sagt R. Levi (4. Jh.): „Errichtet sie (die Nationen) mit Wohlwollen, nämlich des Nachts, während sie schlafen und keine Sünde begehen, damit sie Bestand haben, i) Megilla 10 b ttDvrs rc'prt “iök rrr» i&b mssn wp'r .n-i'D Bna*K crx'r a’2 ppnus vr