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Die Wahrheit · 1911-05-12 · Heft 18 (12.5.1911) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 18 (12.5.1911)
Date
1911-05-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. . .; Die Wahrheit.,^ .• ... ' Nr.. 18/. mehr gelingen. Und mein Herz / ist tot,. für jede- Liebe §bgesiörben:^'/' V:■■ V -- - ' '• .f!Mesesmal begnügte MHoW ,BMn:,Vicht.'.'ö'aWit,c-.4ine. Verbeugung zu machen und fortzugehen. Er flehte, versprach ' und drohte--äbev - müßtesich schließlich mit ihrer Versicherung znftiebeir -geben/ haß sie' ihm und seiner Familie Freundschaft Lis/züm Tod? krewähren sverbe/ilnder in jeder Lage' des Lebens nuf sie rechnen könne — nur nicht als seine Braut. .; ■ -'Sohatte sich der Doktor - einzweitesmal einen/ Korb geholt und' war schließlich froh, als er die Erlaubnis erhielt, rhr hie und'da schreiben zu dürfen, nebst dem Versprechen, daß sie seine Briefe beantworten werde. — So hatte jetzt .Martha auch von ihm selbst erfahren, daß er iu nicht gar. langer Zeit nach Hause kommen werde. Wie sie', sich auf dieses Wiedersehen.freute! Sie und der Knabe, den er . ihrem Schutze auvertraut hatte, und welcher jede Furcht vor diesem Besuche überwunden hatte, denn er fühlte, daß ihn der Onkel Doktor picht aus dem Herzen der guten, treuen Tante, verdrängen könne. VIII. . Jetzt befand sich derjenige auf der Heimreise, an den si^ Tag und Nacht mit den wärmsten Gefühlen dachte. Hatte sie schon früher ein Interesse für ihn gehabt, und nur nach heftigem inneren Kampfe es über sich vermocht, seine zweite Werbung zurückznweisen.' so war. er ihr während der Zeit, wo er ferne von ihr weilte, teuer..geworden. Seine wunderbaren Briefe, seine Sorgfalt für das ihm doch fremde Kind, das Vertrauen, das er in sie setzte, indem er trotz des zwischen ihnen Vorgesalleneu, sie zur Beschützerin und Erzieherin desselben erwählet/ dies alles halte allmählich die starre Rinde geschmolzen, welcher der au ihr begangene Verrat um ihr Herz gebildet. Der Spott, mit denen seine Briefe durchsetzt waren, erschien ihr nach reiflichem Nachdenken, zu hem sie jedes Schreiben anregte, als das, was er ihr wirklich war: Das Produkt einer nicht von energischer Hand geleiteten Erziehung, die Errungenschaft irregeleiteten Nachdenkens. Man hatte ihm in seiner früheren Jugend den Spitznamen Apikores gegeben und sein auf Abwegen geleiteter-Geschmack fühlte sich durch diese Benennung nicht nur nicht verletzt, sondern wahrhaft geschmeichelt, und er hatte alles daran gesetzt, ihn auch zu verdienen. Dieses hatte seinen Ideen und seiner Ausdrucksweise den Stempel des Sarkasmus aufgedrückt. Martha aber ließ sich von der Außenseite seines Wesens nicht mehr täuschen. Sie wußte nun, was davon zu halten, sie wußte auch, wie ihn zu behandeln, damit durch die es verhüllende Kruste des Egoismus das Gold seiner edlen Denkungsart, sein-gutes, echt jüdisches Herz zum Vorschein kam. ' Martha setzte große Hoffnungen in ihre nächste Zusammenkunft mit dem heimkehrendeu Doktor. Leo hatte sie die, unbewußte Vermittlerrolle zugedacht. Sie hatte sich alles schon im Geiste zurechtgelegt. Wenn er sie noch liebte, wollte sie freudig die Seine werden. Und sie zweifelte keinen Augenblick daran. Hatte er doch die große Reise nur zu dem Zwecke unternommen, um den ihm von ihr zugefügten Schmerz ertragen zn können, und las sie doch aus jeder Zeile seiner nicht vielen, aber langen und ausführlichen, Briefe heraus, daß sie ihm noch immer teuer sei. - Jetzt war dieser Brief aus Alexandria gekommen und hatte ihre , ganze Hoffnüngsfreudigkeit verdrängt, die einem grenzenlosen Jammer gewichen war. Zum örstenmale im Leben war sie die Beute wilder Eifersucht geworden. Diese Frau, welche er sich in seiner Gutmütigkeit an den Hals binden ließ, schien ihr Verhänguis geworden zu sein. Das immerwährende Beisammensein, wie es bei einer Reise nicht anders sein kann, wie leicht konnte es zum Beginn eines Liebesverhältnisses, führen, das dann später fortgesetzt wird? Wie konnte sie, die alternde Lehrerin, welche ihn schon zweimal abgewiesen, wodurch sie ihn in die Gefahren einer Weltreise gestürzt, wie konnte sie den Vergleich mit einer jungen schönen Künstlerin aushatten, welche ihm gewiß, in der zuvorkommdsten Weise entgegenkam? Sie klagte das Geschickan,'- welches Ihr diese Fremde.- entgegenführte, um ihrech Weg zu kreuzen,- sie klagte sich ' selber an, die das Glück fnchr. gewürdigt hattedas -sich ihr gebotene Sie hätte bloß die Hand änszüstreckenbrauchen/üm-es zufaffeüRch auf ewig festznhaltesu/ ' : ' In solchen - Momenten des Seelenschmerzes stellte sie Pch vordasBildihrerMiitter'uudrallgderzweifllUlgsvolldieHättde^ ' - '''./Mütter^ Mütter!" 'ries sie'-müer.Schlüchzeil dem Bllde zü,- >,rvärst Dü ' doch ' bei' mirhebliebeii,'als meine Beraterin imd FühreriN, Dü hättefl mir deü Weg gezeigt den ich.zn wandelnhatte, niemals wäre -ich so elend'geworden l Dü bist fort' von mir und hast die Unerfahrene ' sich selbst und' ihrem unseligen Trotze überlassen." -' So klagte sie und" bedachte nicht, die' Törichte, daß sie damals, als die Mütter noch lebte,-ihr kein'Gehör gegeben. Sie hatte sie vor dem leichtsinnigen Doktor Friedländer gewarnt. — sie hatte das Verhältnis mit diesem hinter dem Rücken der Mutter fortgesetzt: Die Mutter drängte sie zu einer Heirat mit einem der vielen Bewerber — sie hatte alle fortgewiesen und doch waren diese Klagen ihr einziger Trost. (Fortsetzung-folgt.) Aufruf! . Unter dem furchtbaren, niederschmettc.rnden Eindrücke, welchen, diein Ergebenheit gefertigte israelitische Kultusgememde Tachau schmerzlichgetroffen, erlauben wir uns, an Ihr mitfühlendes Herz zu appellieren. Am 28. April l. I. würde durch einen verheerenden Brand der in der Judengasse gelegene, altehrwürdige Tempel bis in den Grund vollkommen zerstört. In tiefster Seele gerührt, stehen wir Tachaner Juden vor den Ruinen unseres im Jahre 1818 erbauten Gotteshauses. Die heilige Stätte,, an welcher durch den frommen Sinn unserer Gemeinde noch täglich der- Morgen- und Abendgottesdienst abgehälten wurde, ist leergebrannt, enw trostlose Schuttmasse. Allein nicht nur der Tempel, sondern auch die anderen vier Häuser der Gemeinde, in welchen die Wohnungen der beiden. Funktionäre, die Schule, das Sitzungslokal und das rituelle Bad unter-- gebracht waren, wurden durch den Brand vollständig, vernichtet Unsere Gemeinde ist sehr arm und durch sehr hohe Knltuslasten bedrängt; wir stehen vor einer finanziellen Katastrophe, wenn wir nicht die. milde. Unter-' stützung edler Glaubensgenossen in reichlichem Maße finden. W.ir klammern.^ uns an diese Hoffnung, daß es nns gelingen möchte, die sichtbaren Stätten, unserer Glaubensübung, namentlich das Gotteshaus und das Bad, bei weitgehender Selbstbesteuerung in bescheidener Ausführung wieder? aufzubanen. Jede Gabe .fördert ein edles Werk zur Ehre Gottes und unseres- Volkes. Tachau (Böhmen), am 30. April 1911. Jsr. Kultusgememde Tachau: S. Strauß, Dr. M. Wohl- Vorsteher. _ Rabbiner. „Atlas." Lebens-, Militärdienst-' und Renten - Versicherungs- Aktien-Gesellschaft, Wien, I., Franz Josefs-Kai (Atlashof). In der am? 6. d. M., unter Vorsitz des Präsidenten Herrn kais. Rat W. H. L a m b r echt und in Anwesenheit des landesfürstlichen Kommissärs, Herrn Alois Palisa, Oberinspektor im k. k. Ministerium des Innern äbgehaltenen XI. o rd en'tl i ch en :G en era l v e rsa m m lün g wurde vom Herrn Direktor Jaques Sch ein er der Jahresbericht pro 1910 verlesen. Ans demselben geht hervor, daß 3487 Anträge über eine Versicherungssumme von X 11,295,618 eingerichtet wurden und 2644 Polizzen über X 8,328.53b Bersicherungssumme zur Ausstellung gelängten.. Der Bersicherungsbestand' am 31. .Dezember 1910 umfaßte 16.161 Polizzen über X 37,726.385- Versichernngssumme und X 20.114 Leibrente; außerdem waren noch - X 25.559 Jnvaliditätsrente mitversichert. Die Prämieueingänge stellen sich ans X 1,739.926-96 und sind, in der. Lebensversicherung um X 81.538-36 gegen das Vorjahr gestiegen.' Die Prämienreserve und die Prämienüberträge belaufen sich ans X 7,465.295-21. und weisen gegen das Vorjahr eine Erhöhung um X 1,081.561-27 ans. Die Gewährleistungsfonds der Gesellschaft haben die Höhe von X 9,140.157-12. Von dem nach vorschriftsmäßiger Dotierung des Dividendenfonds der Versicherten ,im Betrage von X 43.453-62 vorhandeneii Betriebsüberschnsse per X 12.626-76 wurden weitere X' 10.000 "dem Dividendenfond der Versicherten' überwiesen; der Rest von X 2626-76 auf neue Rechnung vorgetragen. . - Druckfehler-Berichtigung. In? dem iu voriger Nummer veröffentlichten. Artikel? „W ö r t s p t e l, Witz, S a t y r e, Hum o r in B i b e i" von Dr. M. G r ü nfel d haben sich zwei, sinnstörende - Druckfehler ein geschlichen. Seite U, 2. Absatz,' Zeile 19 bleibt das „nicht^- weg und. soll die Stelle lauten: ^,die allerdings im Talmud und Midraschzu'.-suchen' ist.^ Seite 8/ rechte Spalte, - vorletzter Absatz, Zeile 4 soll esstatt „dem in der Nacht", richtig „d e n in der Nacht" heißen.- - ■ '

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