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Die Wahrheit · 1911-05-12 · Heft 18 (12.5.1911) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 18 (12.5.1911)
Date
1911-05-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Seite 9. Nr^ 18/:. Oesterr.-ungar. Oberkantor Tennenbanm-Ktnltgart. Am 1. Mai vollendete Herr Oberkantor Tennenbaum das erste Vierteljahr-Hundert seiner erfolgreichen und pflichteifrigen Tätigkeit als Kantor und Religionslehrer der Stuttgarter Gemeinde, die den erhebenden Anlaß benützte, um der allseitigen Hochschätznng Ausdruck zu geben, deren sich der Jubilar in weiten Kreisen als Mensch und Künstler zu erfreuen hat. Oberkantor Tennenbaum bekundete schon sehr frühzeitig seine hervorragende künstlerische Begabung. Muer alten Rabbinerfamilie eittstammend. wurde er am 16. März 1854-in Wisniez, Galizien, geboren. Als 1860 seine Eltern nach Budapest übersiedelten, sang er, kaum 9 Jahre alt, im dortigen Synagogen» chor mit. Der dortige berühmte Oberkantor Schyrr schätzte den früh begabten Knaben außerordentlich. Der Plan eines Impresario, mit ihm als Wunderkind 3 Jahre gegen eine Entschädigung von 12.000 fl. umherzureisen, wurde durch den Tod seines Vaters vereitelt. In, Budapest absolvierte- Tennenbaum auch,4 Klassen des Konservatoriums mit vorzüglichem Erfolge. Auf Rat seines Lehrers Prof. Eugesser. lehnte er verschiedene ihm augebotene.Bühneuengagements ab. 19 Jahre alt, wurde er als Oberkantor an die Klaus-Synagoge in Prag berufen, was weithin Sensation erregte. In Prag bildete er sich an der Orgelschule und im. Konservatorium weiter aus, wo er auch die ' Prüfung als diplomierter Bühnensänger mit einem Repertoire voü 16 Opern mit Allszeichnung bestand. Er blieb-der. Synagoge treu und erhielt bald die Stelle eines Oberkantors in Karlsbad. Hier wirkte er sehr erfolgreich, für die musikalische Ausgestaltung des Gottesdienstes, 1880 heiratete erdie Enkelin des berühmten Prager Rabbiners Hirsch Teweles, die ihm auch in künstlerischer Hinsicht eine würdige nn-d begabte Gefährtin wnr.de, 1886 trat er sein Stuttgarter Amt au. Auch hier winde ihm schon nach wenigen Wochen' ein Engagement au der Hofbühne angeboten, doch er widerstand auch-dieser lockeren Versuchung, durch ein sehr erfolgreiches Konzert führte -e-r sich .künstlerisch in Stuttgart ein. Eine glänzende Berufung mach-San Franzisko lehnte er ab. Seine Kompositionen,. vielfach von dem Kirchenvorsteheramte belobt, fanden allseitige Anerkennung und weite Verbreitung. Das Repertoir des Synagogenchores hat er um über 150 Nummern bereichert. Die K. -Oberkirchenbehörde betraute ihu wiederholt mit Unterrichtserteilung an Fortbildungskursen. Herrn Tenneubaunl uenneit viele Kantoren im In- und Auslande mit Stolz ihrem Lehrer. Von seinen Kompositionen sind bisher erschienen: LitirrgisM' Gesäuge 1908, Synagogengesänge für Mannerchor 1909. .^Derzeit beschäftigt er sich mit der Bearbeitung und Herausgabe der Stuttgarter. Feistsichen Gesänge. Die JubiläumsfeieKnahmbereits am Samstag in der Synagoge ihren Anfangs Beim Gottesdienste gelangten nur Tennenbaum'sche Kompositionen zu vorzüglichem Vortrage. Herr Kirchenrat Dr. K r o n e r, der dem zur Thora anfgerufenen Jubilar einen besonderen Mi-scheberach sprach, hielt eine ergreifende Predigt, in der er Tennenbaums verdienstvolles Wirken meisterhaft zeichnete. .Am Nachmittag brachte der von Teuuenbanm gegründete K i n d e r ch v r diesem unter Leitung des Herrn Lehrers I a f f e ein prächtiges Ständchen dar," nach welchem die Schülerin .Mathilde R o s e n f e l d eine hübsche Ansprache hielt und. Herr Jul. Fried manu ein schönes Geschenk überreichte. Herr Tennenbaum dankte tiefgerührt und überreichte jedem Kind sein Bild zum Andenken. Zahllose Gratulationen aller Art erfreuten den Jubilar und seine Familie. Auch die Karlsbader Gemeinde hatte sich mit einem wertvollen Geschenke nnd einem ehrenvollen Schreiben eingestellt. ' f Am Montag Abende, dem-eigentlichen Festtage, fand eine sehr , erhebende Feier im BiirgermnsenHi statt, zu der sich ein sehr zahlreiches Publikum eingefüudem halte. Die Absolvierung eines auserlesenen Könzertprogramms-- wechselte mit geist- und gehaltsvollen Reden. Der Vorsitzende^ des Komitees, Herr Kirchenvorsteher S. N ö r d l i n g er,' begrüßte die Versammlung mitherzlichen Worten. Das Programm des Konzertes bestand in folgendem: 1. Die Ehre Gottes, von Beethoven, gesungen vom . Syuagögenchor unter Leitung des Organisten Herrn Kantoren-Zeitung Mammel. 2. Liebestraum, von Liszt, gespielt von Fräulein Kaufmann. 3. Arie aus „Nachtlager in Granada" und „Wenn der Vogel naschen will", gesungen von Frl. Lipski. 4. Schuberts „Die Allmacht", gesungen von Herrn Dr. med. E. Levi. 5. Schuberts Psalm 92 für Solo und Chor, Solo Herr Lehrer Adler. 6. drei Klavieroorträge von Chopin und Liszt, gespielt von Herrn W. Hüls er. Z. Schumanns Spanisches Liederspiel, gesungen von Frau Konsul E h r e n b a ch e r- Edenfeld, Frau Missen hartes und den Herren Adler und Fi schütter. Am Klavier Herr Hüls er. Alle Künstler boten wahrhaft Großartiges nnd ernteten reichen, wohlverdienten Beifall. Herr Hüls er, vom Kgl. Konservatorium gottbegnadeter, genialer Künstler mit brillanter Technik, bot geradezu Unvergeßliches. Den Reigen der Ansprachen eröffnete Herr Kirchenrat Dr. Kroner in gewohnt meisterhafter Weise. Er gratulierte namens der Kgl. Oberkirchenbehörde und des Kircheuvorfteheramtes, welch letzteres den Jubilar durch Adresse und Geschenk ehrte. Geistreich beleuchtete der Redner die Behandlung von Gesang und Musik in der Bibel. Frau Konsul Ehrenbücher überreichte namens der früheren Mitglieder des Synagogenchores eine Staffelei mit grünem und silbernem Lorbeerkranz und den Bildern aller früheren Schüler und Schülerinnen. Frl. Gottschalk übergab mit hübschen Worten einen prächtigen Kranz namens der Chordamem Frau Stettiner trug ein hübsches Gratulationsgedicht vor. Herr. Kirchenpfleger Meyer sprach namens der Kollegen, Herr Lehrer A d l e r, Cannstatt, namens des Vereines israel. Lehrer nub Vorsänger Württembergs, Herr G u n d elf in ge r widmete watme Worte dem stets kollegialen. Vorgehen des Jubilars, Herr' Horn dankte dem Jubilar im Namen des Synagogeuchores, Herr Mayer namens des Beo t h o l d - A n e r b a ch - Vereines und Herr Siegfried Kahn schilderte Tennenbaums Wirken in der Synagoge in überaus geistreicher, humoristischer Weise. Herr Bez.-Rabb. Dr. Stöffel toastierte auf die Gemeinde Stuttgart. Auch eine große Anzahl von Telegrammen gelangte zur Verlesung, worauf Herr Nordlinger die Feier mit herzlichen Dankesworten schloß. Die in allen Teilen wohlgelungene Feier gereichte dem Jubilar wie der Stuttgarter Gemeinde in gleicher Weise zur Ehre. Möge dem Jubilar noch Jahrzehnte lang eine gleich erfolgreiche Tätigkeit beschieden sein. Wiener Kantvren-Klnb. Die Herren Kollegen werden aufmerksam gemacht, daß die Zusammenkünfte des Klubs, während der Sommerzeit, jeden Dienstag, L U.hr nachmittags, im Klublokale Cafö Ortner, II. Pratersträße 33, I. Stock stattsindeu. Die Herren Kantoren werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. Sitrratnr. Jüdischer Brautzug und Original-Chufsid. Für Piano zu zwei Händen von k. k. Kapellmeister Victor Kosteteeky ist soeben im Verlag der Buch- und Musikalienhandlung M. Landau. Czernowitz, erschienen. Mit dieser originellen musikalischen Novität wird der Verleger zweifellos einen großen Erfolg erzielen. Herr Kapellmeister Kostelecki, der den Taktstock so schön zu schwingen versteht, ist als Komponist keiu Neuling mehr und hat auch bereits Proben seiner Tüchtigkeit geliefert. Diesmal aber hat er die indische Volksseele abznlauschen versucht nnd dem jüdischen Brauch bei der Hochzeitszeremonie freien Spielraum gelassen. Es musiziert uns in reizender nnd melodischer Marschart einen jüdischen Hochzeitszng vor. als die Braut zur Trauung schreitet mid knüpft daran den Original-Chnssid, einen Tanz, dessen prickelnde Melodie die Anhörer hinreißt und begeistert. Es ist gleichsank der „Maseltow", dev mit diesem „Chussid" in belustigender Weise zum Ausdruck gelangt. Wer das Leitnlvtiv der jüdischen Volksmusik. die erst int Entstehen begriffen ist, kennt, der wird auch dem Verleger Dank dafür wissen, daß er den Anfang gemacht und Wurzel für ein großzügiges Unternehmen gelegt hat. das zur Förderung des jüdischen Volksliedes hiemit in Kraft tritt, zumal das Opus als „Sammlung jüdischer Original-Bolksmelodien Nr, 1" erschienen ist. Die gediegene Änsstattung des Werkes verdient besonders hervorgehoben zik werden, dafür sorgte die bestbekannte Kunstanstalt Roeder in Leipzig. Nicht zuletzt soll der außerordentlich billige Ladenpreis von L 1.20 — infolge der großen Auflage nnd des zu gewärtigenden Maffenabsatzes — erwähnt, werden. Zu beziehen durch sämtliche Buch- und Musikalienhandlungen des In- und Auslandes, sowie direkt vom Verlag»

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