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Die Wahrheit · 1911-05-05 · Heft 17 (5.5.1911) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 17 (5.5.1911)
Date
1911-05-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 17. Die Wahrheit' Seite 9. <nu, Auch' 1870 leitete er als dirigierender - Arzl der Barackenlazarette die Wege der Verwundeten,, Seine Verdienste wurden chon Kaiser ' Wilhelm ' und her Kaiserin Augüstä wiederholt anerkanlit. Er: starb 1900. . ' V'. Einer der größten medizinischen Forscher des 19. Jahrhunderts war der 1885 gestorbene Gi)ttinger Anatom und -Pätholog Jacob H e n l e. Als gelehrter Forscher hat Heule der medizinischen Wissenschaft unvergängliche Dienste geleistet., Zahlreiche und Umwälzende Entdeckungen sichern seinem Namen Unsterblichkeit für alle Zeiten. Die allgemeine und spezielle Anatomie kennt kaum ein.Gebiet, dessen. Erkenntnis nicht durch Henles geniale Forschungen gefördert und vertieft worden wäre. Seine „Pathologische Untersuchungen," ein Buch von klassischer Bedeutung, in dem zuerst mit Nachdruck der Gedanke von dem parasitären Ursprung der Infektionskrankheiten verfochten. wird, habeil unverkennbar die wissenschaftlichen Änschaunngen Robert .Kochs, des Schöpfers der modernen Bakteriologie, entscheidend beeinflußt. Bahnbrechend auf dem Gebiete der Ohrenheilkunde wirkte der Wiener Hofrat Adam Politzer. Schon 1863 ^veröffentlichte Politzer ein neues Verfahren zur Behandlung von Mittelohrerkrankttngen, dessen große Bedeutung für die ^Ohrenheilkunde sich rasch über die -ganze wissenschaftliche Welt verbreitete und den Namen seines Erfinders mit einem Schlage berühmt machte. Mit Prof. Hermann Cohn, dem 1906 in Breslau verstorbenen hervorragenden Ophtha l m o l o g e n, ist eine .Zierde der deutschen Wissenschaft dahingegangen. Nicht nur ein Helfer für viele .Tausende von Leidenden, er war auch ein bahnbrechender Forscher, ein Genie im Anffinden neuer Wege für die Wissenschaft, und ihrer Anwendung in der Praxis. -Neben der Ophthalmologie war die. Schulhygiene seine .Hauptdomäne. Bekannt , sind seine Massenuutersuchnugen von Schulkindern. Die Institution der Schulärzte ist sein Werk. Dem Hnmboldtverein für Volksbildung hat er lange Jahre unschätzbare Dieliste geleistet, Hermann Cohn ist einer der wenigen -Inden, die es in Preußen zu einem ordentlichen Professor gebracht haben. ' Unter den zahlreichen Auszeichnungen, die ihm zuteil geworden, sei die Goldene S l a a t s m e d a i l l e f. ü r H y g i e^u e erwähnt, die ihm im Jahre 1883 der Kronprinz Friedrich Wilhelm persönlich überreichte. Zu den berühmtesten Vertretern seines Faches gehörte auch der 1907 verstorbene Psychiater und Nervenarzt Professor Emanuel MeNdel. Es gibt wohl kaum ein Land in Europa, wohin er nicht berufen worden wäre. Neben seinen umfassenden Kenntnissen war es seine 'unvergleichliche Art, mit Menschen mmzngehen. die ihm gerade des geistigen Zuspruchs Bedürftige znführte. Wissenschaft, praktische Erfahrung und Menschentum wirkten bei Mendel zusammen^ um ihn wie selten einen befähigt ..zu machen, auf dem Gebiete, wo so häufig neben dem Arzt der Richter zu sprechen hat, anf dem der psychiatrischen Begutachtung, klare und auch, dem Laien einleuchtende Urteile abzngeben. Jahrelang wirkte er bei allen großen Prozessen in Deutschland Mit, wo es einer solchen Begutachtung bedurfte. Als mit dem Bürgerlichen. Gesetzbuch auch das Jrrenrecht neu zu fassen war, schrieb er: „Die Geisteskranken im Entwurf zum Bürgerlichen -Gesetzbuch." Die endgültige Fassung der bezüglichen Bestimmungen ift j.fcift ausschließlich' nach seinen Vorschlägen erfolgt. Ein ihm kongenialer Gelehrter, der auf einem verwandten -Gebiete reiche Lorbeeren sich erwarb, war der weltberühmte Mediziner und Kriminalpsychologe C e s a r e L o m b r o s o. Er war lauge Jahre an den Universitäten Pavia. und Turin als 'Professor tätig. Seilte Arbeiten. namentlich die über.Verbrecherpsychologie,'Genie und Wahnsinn nsw. erregten überall das größte Aufsehen und wurden in alle.Knllnrsprachen übersetzt. Esssstarh,^73 Jahre^all,.am 1'9..Oktob'er 1909. . , . (§4- 9169.=^^ •Sj&tof: Dr. Hermann Munck, der 1909 sein goldenes Doktorjnbiläum feierte, gehört zu den^ hervorragendsten lebenden Vertreter der Physiologie. Er hatte noch zu den letzten Schülern von Johannes Müller gehört; auch Virchow und Traube, zählten zu seinen Lehrern.' Vornehmlich aber beein- Pußte ihn. du Bois-Reymond, der ihn zur Erforschung der feinsten physiologischer Probleme anregte. 23 Jahre alt, trat er dann in den Lehrkörper der Berliner Universität ein, der er seit 1897 als ordentlicher Honorarprofessor angehört. Ein Menschenalter hindurch hatte er auch an. der Tierärztlichen Hochschnle (bis 1907) als Professor und Leiter des physiologischen Laboratoriums gewirkt. In jüngeren Jahren hat er auch als Arzt dem Vaterlande gedient und in den drei großen Kriegen sich ausgezeichnet; so erwarb er das Alsenkreuz und vor Paris das eiserne Kreuz am weißen Bande. Um das bayerische Militärsanitätsweseu erwarb sich Verdienste der Generalarzt a. D. Dr. Stein, der 1908 im Alter von 85 Jahren gestorben ist. Er war Inhaber des eisernen Kreuzes und der goldenen Sanitätsmedaille. Bor einigen Jahren noch gab es in Bayern nicht weniger als 16 jüdische Generalärzte im Generalsrang. Es ist ganz unmöglich, die Verdienste anch nur der bekanntesten jüdischen Mediziner hier anfzuzählen, deshalb müssen wir uns darauf beschränken, nur noch die folgenden Namen vom besten Klange auznführen: A. B a g i n s ki, B. Ba g i n s ki, Karl Weiger t, Julius C 0 h n h e i m, Arthur F r ä n k e l, G. Kluge, David G r n b y. Alb. Neiße r, O. Las s a r. I. Neu mann, den großen Kliniker Ludwig Traube, F. Hen 0 ch, Itklins H i r s ch b e r g, August Hir s ch, Julius Wolfs. H. Senator, I. Israel, Wilhelm Winternitz, Stärk, Schnitzler, Kaposy, Lang, Oser, Gustav Hirschfeld, den aus Bayern gebürtigen und dort geadelten Berliner- Bakteriologen von W a s s e r m a n n, die ordentlichen Professoren an der Königsberger Universität I a f f e und Lndimar H e r m a n n, sowie den langjährigen verdienstvollen zweiten Vorsitzenden des Vereinsbnndes deutscher Zahnärzte, Dr. Konrad Cohn. 7 (Schluß folgt.) Cm katholischer Gelehrter gegen den Uorwnrf des Kitnalmordes. Bekanntlich behaupteten die Kreise, welche an einen Ritualmord bei den Inden glaubten, n. a. auch, daß diese Sitte in den jüdischen Religionsgesetzen begründet sei und ihren Ursprung in dem Molochdienst zur Zelt der Selbstständigkeit des jüdischen Staates habe, Ueber die darauf bezüglichen Zustände läßt sich nun ein Mann vernehmen, dem zlt mindest keine beabsichtigte Parteinahme für die Inden zuzntraueu ist. Es ist Pater E v orist ns Mader, Professor der Exegese am Priesterseminar zu Tivoli (Rom), der in einem mit tiefen Wissen und wissenschaftlicher Gründlichkeit gearbeiteten Buche „Die Menschenopfer der alten Hebräer und der benachbarten Völker" untersucht. (Ein Beitrag zur alttestamentlichen Religionsgeschichte. 5. und 6. Heft des 14. Bandes der „Biblischen Studien", herausgegeben von Prof. Dr. O. Bordenhewer in München, Herdersche Verlagsbuchhandlung in Freiburg i. B., 1909, 5,60 M). In der Einleitung lHßt Mader die darüber existierende Literatur Revue passieren. Von dem Vorkommen der altteftamentlichen Menschenopfer und den Vorboten derselben im Pentateuch ausgehend, erklärt er den Standpunkt der revolntionistischen Literarkritik, welche die Verbote für Produkte nachexilischer Zeit und den Molochdienst für einen wesentlichen Bestandteil der alttestamentlichen Religion hält. Als Gegenschriften repräsentierten sich die Arbeiten des protestantischen Theologen B a n d i s s i n, van Hovnackers und K a mp h a n se n s, die jedoch nicht nachgewiesen haben, daß der Molochknlt importierter Götzendienst sei. Schließlich weist Mader die von dem katholischen Priester und Gelehrten Mommert 1905 erschienene Schrift über „die Menschenopfer bei den alten Hebräern" gebührend zurück: „Sein ganzes Vorgehen", urteilt Mader, „läßt sich nur aus der Tendenz erklären, der jüdischen Religion, wie sie heute noch besteht, den Ritnalmord und das Vergießen von Menschenblut als vorgeschriebene Knltform nachzuweisen, um alle anfznmuntern, diesen barbarischen und g 0 t t e s r ä u b erischen Kult, welcher Mord und Tot sch l a g z n m Range göttlicher Gebote erhebt, samt den

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