Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 17 (5.5.1911)
- Date
- 1911-05-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Leite 8. . — .. . . . , Die Wadrdeit^ .- ....:..... . . . 17. stehenden Vergleich der Richter Jerusalems mit den Richtern Sodoms. „Höret das Mort des Herrn, Ihr Richter Sodoms." Welch' ein Oxymorou! Und weiter: „Sorajich Sorstim". „Deine Vorgesetzten Widersetzliche". ' „Rodphe Schalom" „ Anstreber des Friedens" sollten sie sein, iii. Wirklichkeit sind _ sie >,Rodphe Schalmonim", Jäger stach Bestechnngen". Läßt sich ans diesen prophetischen Worten nicht manches Witzwort Heines und anderer, Kleinerer erklären? Auf das V. Kapitel nnseres Jesaias möchte ich beii ' Herrn Kritikus, der vergebens bei Pen.Propheten nach Wortspielen sucht, besonders ausmerksam machest.) Er. lese hier den Vers 7: . ... „Nnh er hoffte ans Rechtsspruch Und siehe da — Rechtsbruch aus Pflichttreu und siehe da — Klagegeschrei". (Mischpol—Mispoch, Zedokoh—Zeokoh). Gerade das Hebräische eignet sich vorzüglich durch das Anagramm, die Umstellung der Buchstaben, und die dadurch bedingte Aehnlichkeit der Worte zur Paronomasie, d. h. znm . witzigen Wortspiele. „Peer", die Krone und Epher, die Asche: wie geistvoll ist die Zusammenstellung bei Jesaias I-XI, 3. „Ich setze eine Krone statt der Asche auss Haupt." Es würde den Rühmen dieser skizzenhaften Bemerkungen übersteigen, wollten wir die Beispiele ans der Thora, den Propheten und Schriften hier noch weiter anführen. Ich erinnere noch an Jeremias, einen sicherlich auch nicht humoristisch beanlagten Propheten, und an seine berühmten bildlichen Wortspiele im ersten Kapitel seines Buches, Verse 12 und 13, die sich iu der Uebersttzung nicht so leicht wiedergebeu lassen. Anfüh'ren möchte ich auch das Anagramm Tiphla, gleich Verworfenheit und Tephilla, Gebet.- Ein Wort voll grimmiger Satyre findet sich Hiob H., 9, es ist das Wort., das von dem Weibe Hiobs dem Dulder zugerufen wird: „Borech Elohim, preise Gott und stirb", wenn man es hier nicht mit „lästere" übersetzen will. Das Weib in seiner Verzweiflung, fordert den von unsäglichen , Schmerzen Geplagten aus, den Herrn, wie gewöhnlich, zu preisen, um dann zu sterben. Auf einen schwer zu erklärenden Satz möchte ich hier aufmerksam machen, es ist der im Exodus, X, 10. Pharao sagt zu Moses und Aharon: „Der . Herr „sei so mit euch, wie ich euch entläffen werde". (Auch eine bittere Satyre.) . . . „sehet ,Raah^ ist vor eurem Antlitze". Schon Raschi sieht,in ,,Raah" einen „bösen Stern". Haben wir es hier nicht mit der egyptischen Gottheit ^,Rah" zu tun? Witzig erwidert Mbses (Ex. X, 29) dem grimmen Pharaoh auf dessen Wort: „Gehe hinweg von mir, hüte Dich, nicht wieder sieh'mein Antlitz", mit der satyrischen Antwort: Dir Haft recht geredet, nicht wieder werd' ich Dein Antlitz sehen". Und nochmals kehren wir zu dem Heldengedichte von Simson zurück. Wie höhnt er mit ätzender Satyre der Philister, da er ihnen sein witziges Rätsel ausgibi! (Richter, XIV, 14 ff). „Aus dem Fresser ging Fraß hervor und ans dem Sauren Süßes." Und die Lösung: „Was ist süßer denn Honigseim, was ist saurer (grimmiger), als der Löwe"? Darauf Simson: „Hättet ihr nicht mein Kalb an euerem Pflug gespannt, nimmermehr hättet ihr meines Rätsels Lösung erkannt." Wie, sind dies nicht genugsam Proben eines echten, charakteristischen, wahrhaft volkstümlichen Humors? Nach dem Angeführten wird man dem Herrn Kritikus es kaum mehr glauben, daß es dem „Alten Testamentes an Witz, Humor, beißender Satyre und Wortspielen fehle, eher wird man meinen,, er habe zu wenig in unserer Bibel gelesen. Darum rufen, wir ihm, ein klassisches Wort variierend, zu: „Mehr Bibel lesen, mehr Bibel lesen" . . . Die Alten und Großen haben dies gründlicher besorgt. Noch einige Satyren der Bibel seien hier angeführt. „Das Buch der Richter" ist daran besonders reich. Man lese Kap. VI, Verse 25—32, wie hier mit feinem Humor des Baal gespottet wird. Die Leute von Ophra wollen Gideon töten, weil er ihnen den Götzen und dessen Altar umgerissen hat. Joasch, der besorgte Vater, aber sagt zu den wütenden Stadtlenten: „Wollt ihr streiten fiir Baal? . . . wenn, er ein Gott ist, mag er für'.sich streiten, daß man seinen Altar Hingerissen." Der Name Gideons Jerubaal („es wird Baal mit ihm streiten") erinnerte ein späteres Geschlecht an den köstlichen Humor seines Vaters. '/... Ist jemals eine blutigere Satyre über die Despoten geschrieben worden, die, ohne innere Vorzüge, nur, gleich dem Dörnstranche, selbst' die Zedern''Libanon-verbrennen können?' Mänlese dies Spottgedichts ^Pon den, Bäuineü, die sich , einest König, wählen wollten", wie .es im ' ,-Buche -der .Richter" (MP7.IX,- 8—Io))'anfgezeichnül ist 'nn-ist man ''wird bst Kraft und Schärfe einer 'Satyre. kennen slernen,.' welche die. Lauge des. Spottes ausgießt über die Paüme'^ die ,, zuerst' .zum- Ölbastme, dann //zustiFeigenbastine,^ftidÜch' züM^ Weinstocke gehend allen, d^ KoniMrone astbstten,. und)) schsteßlich beim..Doriistrstilche länhest.^DerMnsiKigestviW verstM^ '' SMagen^ ivih das.Büch, der Könige ans', und,'.lesen wir im H. Teile, Kap: XVllI,Vers 27, wie Elijah n der Baalspfaffen spottet: „ Rufet mit lauter Stimme, denn er (Baal)-.ist ein Gott, er ist wohl in Gedanken,' oder in Geschäften) oder anft Reisen; vielleicht schläft er und wird erwachen." Da riefen sie Mit lauter Stimme . . .; aber' da war kein Laut) und keiner antwortete und kein Aufmerken/' Das wäre kein „ ätzender Höhn^?'. Vergleichen wir damit die Satyre" auf die Götzen im PialM 0XV. Verse 4—8. „Ihre Götzen sind Silber und Gold,Werft von Menschenhänden. Einen Mund haben sie und reden, sticht', Augen.' und sehen Nicht" und so ferner. „Ihnen gleich werden ' ihre Verfertiger", schärfer können die Götzenanbeter wohl.kannst verhöhnt werden. Und dann die berühmten sälyrischen Stellew über die Götzen und ihre Verehrer in Jesaias, Kap. XLIr Verse 6—7 und XLIV, Verse 9 — 17. Wir .wollen unsere Skizze mit der wahrhaft dramatisch-, lebendigen Satyre schließen, welche wir als Hainaus Glück nnd» Ende bezeichnen möchten. Sie findet sich im Büche Esther) iiy VI. Kapitel aufgezeichnet. Wie da der König, dem .in der Nacht der Schlaf geflohen, zu Haman, der den Stin.zMardechaiskaum mehr erwarten kann, spricht: „Was ift git tiiii niit eiiieirr Manne, den der König zu ehren verlangt?" und der eitle Tropf' nur an' sein „liebes Ich" denkt und znm. Könige spricht: „Da bringe man das königliche Kleid. . . und das Roß, worauf' der König geritten ist, als die königliche Krone auf sein Haupt gesetzt worden,, und man gebe das Kleid und das Roß in ' die Hand eines' von den' Fürsten des Königs und lasse ankleiden den Mann, den der König zu ehren verlangt.und lasse ihn reitew auf dem Rosse durch den Platz der Stadt und rufe vyr ihm her: Also geschieht dem Manne, den der König zu ehren verlangt." Und wie nun Haman . diesen seinem Auftrag, an Mardechai selbst vollziehen muß, geht es da nicht wie ein satyrisches . Kichern durch die Reihen derer, die noch immer diese köstliche Geschichte von dem Sturze eines eingebildeten Narren lefeir?* Die wenigen angeführten Stichproben, beweisen wohl -genügend, daß es „dem Büche der Bücher" auch nicht an dem fehlt, was das Leben würzt und erheitert. Und wir könneistmist gutem Gewissen sagen: Der jüdische Witz — oder ist diesmichi ein Pleonasmus )— führt uns zu der Urquelle der Bibek zurück. Heitere Lebensanschannng liegt im Wesen des Judentnmes Die' Bibel zeigt uns xdie Menschen in ihren Vorzügen: sther auch in ihren Schwächen. Und läßt über diese leuchten dieSbünedes göttlichen Humors. Dr. Max. Grnnfeld. Die Inden in der Technik» der Knuste der Wissenschaft und als Forscher, Entdecker und Erfinder. (Fortsetzung-.) " Dem Prof. Dr. Jakob Herz, einem bekannten Arzr nüd Menschenfreund, hat man nach seinem Tode auf denr Lnitpoldplatz in Erlangen sogar ein D e n k m a l. gesetzt, ..nji? es znm Entsetzen aller. Antisemiten hente'noch steht. .In 'ähnlicher Weise ehrte die Universität,Ma n che ster das AndMeü des 1907 verstorbenen Professors der Pathologie )Dr. 'Julins- Dr e s ch fe l d durch Aufstellung seiner Büste - in derUniversitär) Dreschfeld war . ein Würzburger Jude: Ein Dtipe.ü.dium für' Studierende der Medizin trägt seinen Namen. , . .> ^../. '-)DaT'.ehMstölle und verästtwortungÄstiche Ilmt 'ches:Dirigenten' eistes^Lazäretts für die im Kriege Verwundeten ii'ahnr : 1866 der äüg'eseheüe Berliner Arzt Geheimrat Dr. Kr ist e l l er