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Die Wahrheit · 1911-05-05 · Heft 17 (5.5.1911) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 17 (5.5.1911)
Date
1911-05-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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. i--» nss. sv ,PibärtiK>t^>>>d.Mminifträtioi(: Wien, XI/, Nvvaragasse 27 Telephon: Redaktion 51Ö7/VHI. "DntMWWe« Heiischrtst,für^tzöifche_ Werngsprei»: Ganzjährig .r . . . . K t».— chaÄISM'? 1 C- .$.^0 tjlbmiitiftr.anou.4938/11. ' ' ';:;V'.' " 1 ' .. " ' , i? yft. -tl. ofterr.-Poftsparkasia- Intere^err. Für Kultnsbeamte: Ganzjährig.K 10. Die viermalHejHaltene ■ Nonpareitte-Zeile.4L Heller. Erscheint jeden Kreitng. Für Auslaild: :\i? . . AborniememSnuo Jurernons- Ganzjährig.8 Mark betrüge sind in Wien zahlbar < r-.-ndötlagbür:' Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ 8 Rubel oder >8 Frc*. WhMt:^ÄiA de?"Woche. — Ignaz Kürandas 100. Geburtstag. — Frage und Antwort an Herrn Professor Köhler. — Wortspiel, Witz, Satyre, , Humor in der Bibel. -—Die Juden in der Technik, der Kunst, der Wissenschaft und als Entdecker und Erfinder. — Ein katholischer Gelehrter Vorwurf des Ritualmordes. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: Ein Apikores. — Das zehnjährige Amtsjubiläum des _ ' ÖbefMitor' Don Fuchs. — Austritte ails dem Judentume. ' OjVJ i **!.* . ‘ .-- KNAMten Kerren Köonnenten werden uw , freMtzlichM'lnsendung des Aöonnementsöetrages für du.s laufende Hnartat er sucht. L-LLÄ^Ons der Woche. -DiL-EpMerÄtilugen für die Reichsratswahlen sind überall in vollstem Gange' und darum ist es höchste Zeit, daß' auch die -jüdische--Wählerschaft zu den Kandidaturen in jenen Wahlbezirken, in d^nen sie bestimmenden Einfluß hat, Stellung nehme , Mh;MsMondDe, betreffs der sogenannten jüdischen Mandate fich choNste Klarheii verschaffe. Von diesem Gesichtspunkte aus -^vollenzunächst mit den beiden Wiener Mandaten. . Kaiviertel und ^eopoldstadt I, beschäftigen. Im ersten Bezirke, mp LiebstMMHsherigeil Abgeordneten Hofrat Kn r a n d a auch Gemeiüderat'Dr^ Hein seine Kandidatur angemeldet hat, düjffMkiWWeiK Äendernng eintreten; weniger klar liegen aber die VerhältnM im Wahlbezirke Leopoldstadt I. Hier treten. abgesehen-lMWem chriftlichsozialen imb sozialdemokratischen Kandi- ^hatlr.N,,3 jüd.ifchl-Kewerber in den Wahlkampf, u. zw. Dr. Ofn er / 'äWeMMsozialer, Gemeinderat Dr. Mittler als bürgerlichfort- --schrittlicheriuud Jrlgenienr Stricker als jüdischnationaler Kandidat, letzterer allerdings nur mit den Aussichten eines Zählkandidaten. . WMem ^ch^Dleiden erstgenannten wird sich das Gros der 'jüdischen' Stimmen zuwenden? Der Ausgang der eben durchgeführtaw^Bezirksratswahlen im zweiten Bezirke gibt einen Anhaltspunkt für^,. die Beantwortung dieser Frage. Von den im ersten, knid^Mveiten Wahlkörper abgegebenen fortschrittlichen, 'd.' h/jnvischkn' Stimmen hat die bürgerlichfortschrittliche Partei, drennüreUWiHbüng Dr. Mittlers steht, zwei Drittel und die f.n e r nur ein Drittel erhalten. Das beweist zun^ptstldestep, ..daß die Freiheitlichsozialen nicht mehr das Recht haben, die Führung der Inden in der Leopoldstadt für sich in Anspruch zu nehmen und daß die energische und zielbewußte Tätigkeit Kr. Mittlers im der jüdischen Wählerschaft vollste -MMMUMet- Dstepbden mannigfachen Gründen, die gegen Dr. Ofner - alsMbgeö-vdüeten des Wahlkreises Leopoldstadt I sprechen, wird ^-nichr^mWÄnrbcht auf seine engen Beziehungen zu den Sozial- ^bW^MU^Ungew.iesen, und da muß es die jüdischen Wähler /.LUMeM:empören, daß diese sich erdreisten, in einem Bezirke ^.'Mit?-jüdisHev -Majorität einen getauften Juden als Reichsrats- -kmldidat.eirchnfzustellen. Für Renegaten und Abtrünnige, die aus ''^eiHMMMakterschwäche oder anderen selbstsüchtigen Motiven in Zeiten der Gefahr unser Lager verlassen haben, ist kein Platz in jüdischen Bezirken und klar und deutlich muß es ihnen gesagt werden, daß jüdische Stimmen für solche Leute nicht zu haben, sind. Aus diesem Grunde begrüßen wir auch mit vollster Befriedigung die Agitation, die von jüdischnationaler Seite, gegen die Wiederwahl Professor Dr. Redlichs im Wahlbezirke Nikolsburg-Göding in Mähren eingeleitet wird, und wir hoffen, daß nach dem Beispiel, das die jüdischen Wähler im ersten Wiener Bezirke bei den letzten Gemeinderatswahlen gegeben haben, auch die Führer und Mitglieder der mährischen Kultnsgemeiuden wissen werden, was Selbstachtung ihnen gebietet. -r- * * Bei der letzten Volkszählung war bekanntlich von der galizischen Statthalterei ein strenges Verbot der Eintragung der jüdischen Umgangssprache erlassen worden. Die Zuwiderhandelnden waren von den politischen Behörden in Strafe genommen worden. Der gleiche Vorgang wiederholte sich in der Bukowina. Infolgedessen wandten sich viele von dieser Willkür Betroffene mit Beschwerden an das Reichsgericht. Diese Instanz hat mm jene Beschwerden, welche die Verordnung als mit den Staatsgrundgesetzen unvereinbar anfechten, in nicht öffentlicher Sitzung als unzitlässig zurückgewiesen. Jene Beschwerden, welche auch die Geldstrafen bekämpfen, werden erst in der nächsten Session des Reichsgerichtes verhandelt werden. -r- . * -i- Einen überaus gehässigen Angriff auf. die Person des deutschen Kaisers leisten sich schon wieder die „Deutsch-Sozialen Blätter," das Organ der Llebermannffchen Antisemitenpartei. Der Abgeordnete Liebermann v. Sonnenberg ist bekanntlich derjenige gewesen, der in den Novemberdebatten von 1908 das Wort geprägt bat: das sei das schlimme, daß der Kaiser nicht deutsch fühle. Diese Bemerkung in der mannigfaltigsten Weise zn variieren, haben sich die „Deutsch-Sozialen Blätter" seit der Zeit stets angelegen sein lassen. Besonders erregt es den Zorn dieser Muster-Arier, daß der Kaiser von antisemitischen Vorurteilen frei ist und mit Juden verkehrt, sowie ihnen auch äußere Ehrungen erweist. Mit Bezug hierauf schreiben nun die „Deutsch- Sozialen Blätter" wutentbrannt in ihrer Nummer vom 19. April: „Allmählich, aber unaufhaltsam wird der alte deutschblütige Grundadel aus seinem angestammten Grttndsitze verdrängt. An seine Stelle tritt der .körperlich und geistig ganz anders geformte semitische Börsenadel, der seinem ansgeborgten Gelde und einer ungesunden Laune es verdankt, daß er, dessen Ahnen in dem üblen Schmutz des Ghettos zu Hause waren, empor-

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