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Die Wahrheit · 1911-04-28 · Heft 16 (28.4.1911) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 16 (28.4.1911)
Date
1911-04-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Die Wahrheit. Nr. 16. Wien. (Israelitische Ku It u s g e m eind e.) Dienstag, den 2. Mai 1911, 6 Uhr abends, findet eine öffentliche Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde, I. Seitenstettengaffe 4, II. Stock, statt. Gegenstand: Hundertjährige Gedenkfeier für den verewigten Präsidenten der isr. Knltusgemeinde Dr. Ignaz Knrand a. Wien Sonntag, den 23. d. M., fand im Kaiser Franz Josef- Jubiläums-Waisenhause, XIX., Probnsgoffe 2, im Beisein einer erlesenen Gesellschaft die feierliche Schlußstein l e g u n g statt. Nach weihevollem Vorrrag des „Matowu“ durch L Kantor Serebreuik, eröffnete der Präsident, David Ritter von Gurmann, die Feier mit einer Begrüßung, die in ein Hoch auf den Kaiser ausklang. Hieraus hielt Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n die Weiherede, in welcher er daraus hinwies, daß die moderne Waijenhaussürsorge ihren Ursprung ini Judentum hat, das iu Befolgung eines göttlichen Gebotes sich jederzeit liebevoll der Waise» annahm. Durch den Präsidenten der Knltusgemeinde, Dr. Alfred Stern, wurde die Schlußsteinlegnng vorgenommen. Er gab eine interessante Uebersicht der fünfzigjährigen Geschichte des Vereines zur Versorgung hilfsbedürftiger israelitischer Waisen. Mehrfach wurde auch des Schöpfers des schönen, gartenumrahmten Hauses, des kurz vor der Vollendung desselben verstorbenen Architekten, Banrates Wilhelm S t i a ß n y gedacht. Nach Verlesung der Schlüßsteinurkunde schloß die schöne Feier mit einem von Direktor Mautner verfaßten, von einem Zöglinge vorgelragenen Gedichte und der Aufführung des großen Snlzcr'schen „Hallelnjah", der unter Leitung Professor Sulzers vom Synagogenchor geradezu brillant wiedergegebeu wurde. Von großartiger Wirkung waren hiebei die Soli des I. Kantor S e r e b r e n i k. Wie«. Die jüdischen Architekten Wiens veranstalteten am 26. April im Festsaale des niederösterreichischen Gemerbevereiues zur Wahrung künstlerischer Jnlereffen bei dem geplanten Tempelneubau iu der Inneren Stadt eine Versammlung. Der Zweck dieser Versammluiig war das Eintreten der jüdischen Architektensckafr für allgemeine Wettbewerbe unter sämtlichen Architekten Wiens bei Vergebung öffentlicher Bauten der Kultusgemeiude. Ueber den Verlauf folgt iiächstens Bericht. Wien. Infolge Nailuimangels rvird über die dem Oberkantor Don Fuchs anläßlich der Vollendung seiner zehnjährigen Amtswirksamkeit in Wien zuteilgewordenen Sympathiekundgebungen in nächster Nummer berichtet werden. Wien. Herr Restaurateur Ch. Weiß und dessen Schwager Herr A. Korn, Hotelier, spendeten zu Ehren und Andenken ihres seligen Vaters und Schwiegervaters Herrn H. Weiß s. A., der am 16. v. M. im vierundneunzigsteu Lebensjahre verschied, dem Bethause Hammer-Purgstallg. 5. zwei prachtvolle, silberne Armleuchter. Die Leuchter samt Kerzen wurden auf den Betpultständer des Kantors gestellt und am Vorabend des ersten Peffachtages, eiugeweiht und ausgezündet. Beim Morgengottesdieust wurde» die Spender zu Thora gerufen. Herr Kantor Silbermann trug einen direkt dazu verfaßten Mischeberach gefühlvoll vor, welcher allgemeinen Beifall fand. Daun hielt Rabbiner Goldstein eine feierliche Ansprache, indem er .den gebührenden Dank im Namen der Gesamtheit aussprach. Der Obmann des Bethauses, Herr Wilhelm Brody, dankte im Namen des Gesamtvorstandes und verspricht das Andenken des Verblichenen stets in Ehre» zu halten. Mit einem Segeuspruch seitens des Rabbiners schloß die Feier. Am untersten Räude der Leuchter ist der Name des Herrn Ch. Weiß und Gemahlin und des Herrn Korn und Gemahlin graviert worden. Wien. Dienstag, den 26. d. M. fand unter zahlreicher Beteiligung das Leichenbegängnis des Herrn Rabbiners Aron F r i e d m a u n statt. Der Verblichene war durch viele Jahre Rabbiner an der „Schönlaternschul," Talmudlebrer an der hiesigen Talmud Thoraschule und genoß in allen Kreisen infolge seiner hervorrageudeu talmndischen Gelehrsamkeit große Achtung und Wertschätzung. Unter den Tranergästen bemerkte man den Präsidenten der Kultusgemeinde Dr. Stern, den Vizepräsidenten der Chewra-Kadischa Dr. Markus Spitzer, Kultusvorsteher Steiner, Verwalter F r e i st a d l, Sekretär Brau n, Vorsteher M. B o n d i, den Vorstand der Schöulaternschul, Dr. Bloch, die Rabbiner Doktor F e u ch t w a u g; Dr. G r u n w a l d, Dr. G e l b h a u s, Doktor M a n d l. P a p o, K r a m e r, H o f m a n n, G o l d st e i n. Oberkantor Baue r. Architekt K e st e l und Vertreter verschiedener Vereine. Laut letztwilliger Verfügung des Verstorbenen wurde kein Nachruf gehalten. Der Kondukt bewegte sich zur Talmud Thoraschule Malzgaffe, wo die Schüler mit den Lehrern Aufstellung nahmen. Wien. Die außerordentliche Beliebtheit, deren sich die am 22. d. verblichene Gattin des hiesigen Hof- und Gerichtsadvokaten Tr. Hermann Fialla. Frau Julie Fialla, in werteren Kreisen erfreute, laut in beu zahllosen herzlichen Kondolenzen zu Tage,-die dem Gatten, den beiden Söhnen, Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Erwin Lothar Fialla und Advokaturskonzipieat Dr. Alfred Fialla, der in Frankfurt am Main domizilierenden Tochter Frau Stephanie Forchheimer und dem Schwiegersöhne Großindustriellen Karl Forchheimer zukamen, sowie in der ungemein großen Beteiligung 1>ei dem am 24. d. stattgehabten Leicheudegängniffe. Prag. (I u b i l ä u m s - F e st f e i e r.) Der Nächstenliebe- Verein für verschämte israelitische Hausarme in Prag beging anläßlich der siebzigjährigen Wiederkehr des Tages, an welchem seine Gründung stattfand, eine Jubiläums-Festfeier. Dieselbe wurde durch einen Festgottesdienst cingeleilet, welcher Souutag, den 23. April stattfaud. wobei der Rabbiner und Prediger der Tempelgemeinde, Se. Ehrwürden Herr Dr. Schwarz, die Festpredigt abhielt, worauf anschließend an dieselbe eine Andacht für die Gründer, Stifter. Wohltäter und Verwalter des Vereines verrichtet wurde. Psalmgesänge und das vom verstärkten Tempelchore neu einstudierte große Hällelujah unter Leitung des Chordirigenten Herrn K aufm a n u beschlossen den Festgottesdienst. a Sonntag, den 23. April, nachmittags 4 Uhr, ^faud im großen Sitznngssaale des Altstädter Rathhauses, in welchem bisher stets die Generalversammlungen stattfande», eine Festsitzung, zugleich die 70. ordent-- liche Generalversammlung stath Bor der Erledigung des sestgesetzteir Programms hielt der Direktor des Vereines, Herr I: II. Dr. Ludwig. Bend in er die Festrede. Zu dieser Festsitzung hatten sowphl bie benr- Vereine an gehör enden Damen wie auch von Vereinsmitgliedern eingeführte Gäste Zutritt. Die aus Anlaß' des 70jährigen Bestandes des Vereineserschienene Jubiläums-Festansgabe gelangte hiebei zur Verteilung. Ans dem uns vorliegenden 112 Seiten umfassenden Bericht entnehmen wir ein übersichtliches Bild von der 70jährigen Tätigkeit sowie von der großzügigen Wirksamkeit des Vereines. Jährlich werden bar K 30.000 bis X 35.000 in den letzten 20 Jahren an Unterstützungen verausgabt. In dem Zeitraum von 70 Jahren wurden der Wohltätigkeit K 1,172.054 68 bar zugeführt, und anläßlich der Ileberschwemmung iiw Jahre 1880 außerdem an 292 notleidende Familien Kleidungsstücke, Bettuud Hauswäsche, 2000 Stück Effekten, verabreicht. Der Veruiögensstand,. der bei dem 50jährigen Jubiläum sich auf Oest. Währ. fl. 124.921-05belief. beziffert sich bei seinem 70jährigen Jubiläum auf L 475.95032, welche nur m Fvndwidmuugen bestehen. Die jahrein, jahraus einlaufenden Spenden werden total der notleidenden Menschheit zugewendet. Mit besonderer Genngtnung erwähnt der Bericht die hervorragenden Mitglieder und Wohltäter des Vereines; hievon seien nur hervorgehoben: Seine- Majestät der Kaiser Ferdiuaud der Gütige, Ihre Majestät die Kaiserin Maria Anna Carolina, Seine Eminenz der Durchlauchtigste Kardinal Erzbischof Friedrich Fürst zu Schwarzenberg, die an der Spitze der Jahresbeiträge mit Oe. W. fl. 50 durch viele'Jahre glänzten. Eine ' statistische- Tabelle der 70jährigen Einnahmen und Ausgaben. Ein Verzeichnis der' Vorstandsmitglieder während der 70jährigen Periode umfaßt die stattliche Anzahl von 88 Vorstehern, worunter der jetzige Direktor und Leiter des- Vereines, der Direktor Herr J. TL Dr. Ludwig Bendieiier, bereits vor 45 Jahren in den Vorstand gewählt wurde und der derzeitige Kassier des Vereines, Herr Moritz Austerlitz, bereits vor 43 Jahren in den Vorstand gewählt wurde. Bifenz Donnerstag, den 20. April, am Pessachfeste. feierte unser Kantor Herr Jsak Lewitin, die Barmizwah seines Sohnes Adolfs Gymnasialschüler. der. zur Thora gerufen, die Haftorah mit Gefühl und, Verständnis vortrug. Nachmittags fanden sich die Vorstandsmitglieder in der Wohnung des Herrn Lewitin zur Gratulation ein, wobei der Konfirmand eine der Gelegenheit angemessene Rede hielt und sein Vater in einer wirkungsvollen Ansprache den Zweck und die Bedeutung der Barmizwah beleuchtete. Der Vorstand nahm bei diesem Anlässe Gelegenheit- Herrn Lervitin die Zufriedenheit und Anerkennung für dessen hervorragende Leistungen auszudrückeu. M. M. Berlin. (Ra b b in e r D r. U u g e r leide r.) Rabbiner Doktor Rudolf U u g erleider ist am 25. d. M. im Alter von 78 Jahren infolge eines Herzschlages gestorben. Dr. Ungerleider, ein geborener Oesterreicher, folgte Ende der 1860er Jahre einer Berufung durch die hiesige israelitische Gemeinde, bei der er über ein Vierteljahrhundert das Amt eines Seelsorgers bekleidete. Der treffliche, allgemein geschätzte Mann war anläßlich seines 25jährigeu Dienstjnbiläums der Gegenstand besouderer' Ehrmrgen, die vom seiner-großen Wertschätzung' Zeugnis ablegten. Ungerleider, der auch Präsident des Deutschen Rabbiuerverbandes war, galt als Kanzelreduer vvil starker Beredsamkeit und großem Wissen. Bon Alt nnd- Jung verehrt, zog er sich vor zehn Jahren ins Privatleben zurück, um den Rest seiner Tage, fern von den Geschäften, in wohlverdienter Muße zu verbringen. Au der Bahre des Verewigten trällern dessen Gattin, Neffen und Nichten und die zahlreichen Freunde und Verehrer des edlen Verblichenen. Die Tranerfeier findet Freitag, Vormittag 11 Uhr, in der Neuen Synagoge, Oranienburgstraße, statt, dem Schauplatz der Wirksanikeit des Verstorbenen. Daran schließt sich die Beisetzung auf dem Frieds- Hofe in Weißensee. K. k. priv. Lemberg-Czernowitz-Jassy Eisenbahn-Gesellschaft. Der gefertigte Verwaltungsrat gibt sich die Ehre, die Aktionäre der k. k. priv. Lemberg-Czernowitz-Jassy Eisenbahn-Gesellschaft zu der anr Samstag, den 29. April 1911, um 10 Uhr vormittags im Saale des Oesterr. Ingenieur- und Architekren-Vereines in Wien (l., Eschenbach- 'gaffe 9), stattfindenden 55. (ordentlichen) Generalversammlung einznladen.. Gegenstände der Verhandlung sind: 1.-Bericht des Berwaltungsrates üb'er die Geschäftsführung im Jahre -1910. 2. Bericht des Revisions-Ausschusses über den Rechnungsabschluß pro 1910. 8. Antrag des Verwaltungsrates über die Verwendung des Reinerträgnisses. 4. Wahl des Revisions- Ansschuffes. 5. Wahlen in den Verwalttmgsrat. Jene Herren Aktionäre, welche der Generalversammlung beiwohnen. oder ihr Stimmrecht nach Maßgabe der Stattlten ausüben wollen, habenihre Aktien bis inklnsive 21. April 1911 iit Wien bei der k. k. priv. öfter-- reichischcn Länderbank; in Graz bei der Filiale dieser Bank; in Graz beider Wechselstube der Steiermärkischen Eskompte-Bank und der Filiale der" k. k. priv. österreichischen Länderbank; in Lemberg bei der k. k. privgalizischen Aktien-Hypothekenbank; in Krakau, Czernowitz oder Tarnopol. bei den Filialen dieser Bank; in Berlin bei der Berliner Handelsgesellschaft, der Deutschen Bank, der Nationalbank für Deutschland und der Bank für Handel und Industrie; in Frankfurt a. M. bei . der Deutschen Vereinsbailk; in Stuttgart bei der Württembergischen Vereinsbank; in Paris bei der Banque Imp. Roy. Privilegiäe des Pays Autrichienc- Succnrsale de Paris; in London bei der Anglo-Austrian-Bank nnd der Filiale der k. k. priv. österreichischen Länderbank mittels doppelt auszüfertigender Konsignationen (wozu Blankette bei den genannten Kassen unentgeltlich verabfolgt werden)-zu..erlegen und erhalten mit der Empfangsbestätigung hierüber die Legitimationskarte zur Generalversammlung. In: Vertretungsfalle müssen die auf der Rückseite der Legitimationskarten vorgedruckten Vollmachten eigenhändig unterfertigt werden. . -" -

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