Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 16 (28.4.1911)
- Date
- 1911-04-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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: 1 Nr. 16. ,.-v -Zweignugen und Gliederungen-mitfeiner erhabenen Einfachheit- ./ -«glühenden Bered tsamkeit' farbenprächtigen Poesie, -dem;^ zudem -. chöchsten Idealen iemportragendelt^ Lrchwunge^ alle -Tiefen durchdringenden Verstände, mit der nnerschütterljchen Glaubensinnigkeir und Glanbenstrene, den kostbaren Schätzen der Weisheit.'den -Grundsätzen der reinen/Sittlichkeit, den Lehren der Liebe, Milde und Barmherzigkeit, bildet ein unzerstörbareshochragendes, un- -vergängliches Monument der Kulturarbeit und legt ein glän- .zendes Zeugnis ab für die gigansische Geistes- und Schaffenskraft des Judentums, für 'die treue, gewissenhafte Hingebung und bewunderungswürdige Aufopferung im Dienste der hohen "Mission, zu der es unter allen Völkern der Erde berufen und .erkoren wurde. Dieses Schrifttum hat unser Volk durch die Stürme der -Geschichte, durch die von der Feindschaft und dem Hasse einer .ganzen Welt erfüllten Jahrtausende heil und unversehrt getragen, in den Zeiten des geistigen Verfalles desien Wiedergeburt bewirkt und zu neuem, reichen, fegenspendenden Leben anfgerüttelt .und ist bis zum heutigen Tage jene unversiegbare Quelle, ans 4>er stete Verjüngung. Hosfnnngsfrendigkeit und Lebensfrische -geschöpft wird.- In früheren Zeiten war jedes Haus eine Stätte der jüdischen Wissenschaft, die Gemeinden brachten große Opfer, um Lehrhänser und Unterrichtsünstalten zu erhalten. Zahlreich waren jene Männer, welche sich dem eifrigsten Studium unseres Schrifttumes widmeten und sich an seinem reichen Inhalte erbauten und begeisterten. In unserer Zeit sind die Rabbiner und Lehrer fast die einzigen Repräsentanten der jüdischen Wissenschaft, sie sind die Driester, deren Lippen die Lehren bewahren sollen, die auf ihren Schultern die Bnndeslade zu tragen und die,, wahre Gottes- Dämpfer. für unsere heilige Religion, für nufer herrliches Schrifttum zu kämpfen haben. Freiten wir uns, daß wir au' unserer Spitze Rabbiner und Lehrer haben, allen voran unsere hochverehrten Herren Oberrabbiner Dr. Güde mann und Rabbiner Dr. Sch mied l, welche mit außerordentlicher Gelehrsamkeit, glänzender Beredsamkeit einen lauteren goldenen Charakter verbinden, und geben wir unserer aufrichtigen Genugtuung darüber Ausdruck, daß Wirbel diesem jüdischen Feste hervorragende Vertreter der Wissenschaft, gottbegnadete Künstler, ausgezeichnet durch unverbrüchliche Liebe und Treuezu unserem angestammten Glauben, begrüßen dürfen und ich bin überzeugt, daß Sie begeistert meiner Einladung Folge leisten und Ihr Glas erheben werden auf das Wohl, die Gesundheit utid langes Leben dieser Männer, welche unserer. Gemeinde zrlr Zierde, dem Judentum und der ganzen Menschheit zur Ehre gereichen. Sie leben hoch! (Lebhafter, auch altender Beifall und Händeklatschen.) Mit diesen Reden waren die offiziellen Toaste beendet und es sprachen hierauf der Präsident der Allianz, Herr David Ritter v. Gutmann auf die Pflege des Familiensinnes und die hohe Bedeutung der Frau für das jüdische Heim. Rabbiner Dr. Gruuwald erwiderte-namens seiner Amtsgenossen auf .die an die Adresse derselben gerichteten Worte des Dr. Markus Spitzer und toastierte> nach einem geistvollen, polemisch gegen 'Prosessor Sombart sich wendenden Speak über „Tachlis" auf die jüngsten Mitglieder der Chewra. Kaiserl. Rat R u z i c z k a erhob sein Glas auf die Männer von der Presse, welche zu jeder Zeit und überall eiutreten und kämpfen, um Gleichheit und Recht zu wahren und Unrecht, und Drangsalierungen entgegeuzutreten. Dann feierte Kultnsvorsteher S. Brod in einem Toaste auf Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n den obersten geistigen Führer des Wiener Judentums und schließlich dankte 'Regierungsrat Dr. Neumann namens der Presse für die ihr Wirken anerkennenden und freundlichen Worte des kais. Rates Rliziczka. Dann "folgten, wie schon oben ermähnt, die ausgezeichneten gesanglichen und musikalischen Darbietungen, die die Festversammlnng bis gegen Mitternacht beisammen hielten. Seite 7. Galisifcher Hilfsverei». l -Sonutag- ^deu 9^'April d'. I. fand./ m den Räumen der israelitischen Humanitätsvereine Mnei B^rith, IX., Universitätsstraße 4, die Generalversammlung des Hilfsvereines für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien statt. Den Vorsitz hätte der Präsident des Vereines, Herr Sigmund Mayer, dem I. Vizepräsidenten,. Herrn Prof. Dr. Arthur Mah l er, abgetreten. Nachdem der Vorsitzende die Versammlung eröffnet und die Anwesenden mit herzlichen Worten begrüßt harte, widmete er den seit der letzten Generalversammlung verstorbenen Mitgliedern der Vereinsleitung,. den Herren Adolf Baer, Karl Hirsch und Banrat Wilhelm S t i a ß n y, ferner dem in der Berichtsperiode dahingeschiedenen Obmanue der Ortsgruppe Kolin, Herrn Bernhard Mandelik, Worte innigen Gedenkens, die von den Zuhörern stehend augehört wurden. Sodann machte er die Mitteilung, daß der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien durch eine Zuschrift bekannt gegeben habe, daß er wegen einer zur selben Zeit stattfiudeuden öffentlichen Plenarsitzung leider nicht in der Lage fei, einen Delegierten zu entsenden, ferner daß die Großloge für Deutschland augezeigt habe, es werde Herr Dr. Paul Nathan sie bei der Generalversammlung vertreten. Den Bericht über die Tätigkeit der Verenlsleitung erstattete Magistratssekretär i. R. Dr. Wilhelm Löwy. Mit Rücksicht darauf, daß der Jahresbericht sich im Besitze der Vereinsmitglieder befindet, konnte er sich hiebei darauf beschränken, diese Tätigkeit in. kurzen Zügen darzustelleu. Er erklärte, daß die Bemühungen der Vereinsleitung im Berichtsjahre insbesondere darauf gerichtet waren, jüdischen Handwerkern in Galizien, die einen schweren Kampf um das tägliche Brot führen, jene Voraussetzungen für ein besseres Fortkommen, die ihnen noch häufiger als den Handwerkern der westlichen Länder fehlen, dadurch zu schaffen, daß der Versuch gemacht wurde, in einzelnen Städten Gewerbetreibende derselben Branche in Produktivgenossenschaften zu vereinigen. Solchen Genossenschaften werden nämlich seitens des k. k. Gewerbeförderuugsamtes unter billigen Bedingungen Maschinen und eventuell auch Motore beigestelltihre Mitglieder können, wenn es nötig ist, durch einen Wanderlehrer einen Fortbildnngsunterricht erhalten und dadurch die Mängel in ihrer technischen Ausbildung beseitigen; endlich erhalten solche Genossenschaften zuweilen von Seiten des Landes billige Kredite. Dazu kommt, daß jene Genossenschaften, wenn sie auch den Einkauf von Rohmaterialien und den Verkauf der Erzeugnisse ihrer Mitglieder sich zum Zwecke setzen, die Rohmaterialien in größeren Mengen und daher billiger als der einzelne Handwerker einkaufen und eine Konkurrenz zwischen ihren Mitgliedern beim Verkauf der Waren ansschalten können. Die Vereinsleitung hatte sich schon in früheren Jahren mit diesem Gegenstände beschäftigt, indem sie sich der ohne ihr Zutun entstandenen Tischlerg e n o s s e u s ch a f t in T a r n o p o l annahm und in I a w o r o w eine B ü r st e n b i n d e r g e u o s s e n s ch a f t zustande brachte. Da sich das Technologische Institut in Lemberg, das mit der dortigen Handelsnnd Gewerbekammer in Verbindung steht, bereit erklärt hatte, ihre Tätigkeit in Hinsicht auf die Errichtung von Genossenschaften mit Rat und Tat zu unterstützen, ging die Vereinsleitung im Berichtsjahre mit dieser Anstalt, die sich ebenfalls die gleiche Aufgabe, jedoch selbstverständlich ohne Rücksicht auf die Konfession der Gewerbetreibenden gestellt hat, Hand in Hand. Die Bürstenbindergenossenschaft in Jaworow erhielt seitens des k. k. Arbeitsministeriums die Zusicherung eines Darlehens von L 8000.— für die erforderlichen Maschinen unter der Bedingung, daß der zu bestellende kommerzielle Leiter voll ihm genehmigt, ferner ein geeignetes Lokal für die gemeinsame Werkstätte beschafft und daß vom galizischen Landesansschuß ein Betriebskapital von K 8—10.000 gewährt wird. Der kommerzielle Leiter und das Lokal sind bereits vorhanden; die Gewährung eines Betriebskapitals seitens des Landesausfchusses steht jedoch dermalen noch aus. Im Berichtsjahre wurden folgende Prodnktivgeuossenschaften, die ausschließlich oder zum großen Teile aus jüdischen Gewerbetreibenden bestehen, errichtet und registriert: Die Tischlergenossenschaft in Bolechow, die . - i Die Wahrheit