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Die Wahrheit · 1911-04-28 · Heft 16 (28.4.1911) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 16 (28.4.1911)
Date
1911-04-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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GemeüchL^l^At.DHeckWn HipDZrunde.^Das zweite liegt schanf' an der Siräße, lind das drilte'svirdvielleicht auf einem freiem . Platz.liegen. -Nur erhalten wir unsdas Bollwerk-rmserer Kräfte / die Eintracht. „In der Eintracht .liegt die Macht" 'heißt es in unserem Liede. Auch unsere Kultusgemeinde bekennt sich zu dieser Wahrheit. Sie besitzt,- wie wenige Gemeinden, das Bollwerk der - Einigkeit und es steht zu hoffen, daß unter der weisen.Führung unseres Worstandes und seines verehrten Präsidenten, dieses Bollwerk nicht abbröckle. Dann sollen immer/die verschiedenen Parteien kommen, die unter der Maske des Glaubens, unter der Maske der Nationalität, ja selbst unter der Maske der Freiheit, die Inden zn Staatsbürgern zweiter Klasse erniedrigen möchten, sie werden sich an dem Bollwerk unserer Einigkeit die Kopse einrennen. In der Hoffnung aus die Erhaltung unserer Einigkeit lade ich Sie ein, mit mir anzustoßen ans das Wohl unserer Knltusgemeinde und ihres 'Vorstandes, Sie leben hoch! Sodann ergreift unter herzlichen Ovationen der Senior der Versammlung, der greise Rabbiner Dv. Adolf Schmied!, das Wort zn einem kurzen Trinkspruch ans die Mitglieder und Förderer der Chewra Kadischa. der in dem Segenswünsche gipfelt, daß die Chewra Kadischa und die ehrenwerten Männer, die an der Spitze dieser heiligen Bruderschaft stehen, zur Ehre des Judentums stets weiterhin segensreich wirken. Toast des I. Bize-Präfidente» der Kultus gemeinde, Dr. Gustav Kohu, aus die jüdische» Wohltätigkeitsvereine undAnst alten: Liebwerte Festgäste! Wir sind heute hier bei unserer altersehrwürdigen Chewra Kadischa zu Gaste, die älteste jüdische Vereinigung unserer großen Gemeinde. Die Chewra Kadischa stellt auch überhaupt die älteste Form der Vereine bei den Inden dar, denn wo immer Juden sich seßhaft gemacht haben, ist immer sofort eine Chewra Kadischa gegründet worden. Das war auch ganz erklärlich: In früheren Zeiten sind unsere Glaubensgenossen, ob sie nun arm oder bemittelt waren, oft in einer unangenehmen Lage gewesen, sie wurden überall herumgestoßen und fanden nie dauernde Rast. Und da haben sie sich znsammengetan, um den Juden, welche im Leben nicht zur Ruhe kommen konnten, und so viel Drangsal' erfahren haben, wenigstens nach ihrem Ableben eine Stätte zn schaffen, aus welcher sie von der Mühsal ansrnhen durften. Darin bestand die ursprüngliche Ausgabe der Chewra Kadischa; aber mit der Zeit hat die Tätigkeit derselben andere Formen angenommen. Die Beerdigungen sind zumeist von den Knltusgemeinden übernommen worden und die Chewra Kadischa hat ihre Fürsorge mehr den Lebenden zugewendet und ihre Tätigkeit darin gesucht, den armen, bedrückten und bresthasten Glaubensgenossen hilfreich beizustehen. Nicht' mit Unrecht wird diese Festveranstaltung, zu welcher wir uns heute eingesunden haben, als ein Brudermahl bezeichnet und diese Bezeichnung kann eine dreifache Bedeutung haben: sie kann eine pietätvolle Erinnerung sein an das Wirken, an die Verbrüderung, sie kann ferner als ein glänzendes Zeugnis gelten für den Weiterbestand dieser Brüderlichkeit und sie kann auch als eine Einladung angesehen werden diese Bruderschaft weiter auszubauen. Redner verweist aus die großartigen Wohlsahrtsinstitutionen, denen die Chewra Kadischa Vorbild war, aus die ausgezeichneten Männer und Frauen, die dieselben gefördert haben und schließt mit folgenden Worten: - Und so möchte ich Sie, verehrte Festgenosseu, bitten, daraus, daß diese Wohltätigkeitsanstalten und Vereine blühen, wachsen und gedeihen, daß die Persönlichkeiten alle, die sich'.hingebungsvoll an der Leitung derselben betätigen, auch weiter Mitwirken, daß die edlen Zwecke erreicht werden, aber auch daraus, daß wir alle uns dazu ausschwingen, Freude am Wohltun zu finden, das Glas zu erheben. Möge Gott allen diesen Institutionen/ allen Persönlichkeiten, welche daran beteiligt sind, sowie allen werktätigen Mitarbeitern seinen vollen Segen geben! Hoch die Wohltätigkeitsvereine! Hoch deren Leitungen und hoch die Persönlichkeiten, die sich darum verdient gemacht haben! (Stürmische Hochrufe, lebhafter Beifall und. Händeklatschen.) Toast aus die Rabbiner^ DVifsenfchaft und Kunst, gesprochen /vom Bizppräfidenten der Chewra-Kadischa Herrn;phil. jar. Dr.-- Markus Spitzer: ... . Pkeine hochverehrten, Herren! . / / . Wir haben ilns hierin ' festlicher Stimmung zum Lobe und zum Preise der Chewra-Kadischa versammelt, welcheheute wie ehedem in unverwüstlicher. Jugendsrische einen geheimnisvollen, unsagbaren Zauber ans unsere Glaubensbrüder ansströmt und. in ihrem segensreichen - Wirken nnd Schaffen die Gewähr ihres ewigen Bestandes in sich birgt. Ist ja unsere.heilige Bruderschaft die Trägerin einer großen, erhabenen Idee und unsterblich wie diese. Wenn wir den Dahingeschiedenen gegenüber unsere Pietät ansüben, bezeugen wir unsere Menschenachtung und Menscheuwertung,, welche die Wurzel ist, aus-welcher das Gute und Edle emporsprießt, beugen wir uns in Ehrfurcht vor dem göttlichen Geiste, der im Lebenden waltete,und ihn befähigte, auregte und anspornte, mitznwirken an dem Wohle des Ganzen und Jedermann, wäre der Kreis seines Schaffens noch so begrenzt und stünde derselbe auch aus der niedrigsten sozialen Stufe, kann in seinem Berufe, als Familienvater, als Freund 'nnd Wohltäter im Dienste der Allgemeinheit Segensreiches leisten, sich ein ehrendes Denkmal im Herzen der Nachwelt errichten und würdig erscheinen, daß sein Andenken geehrt und sein Name der Vergessenheit entrissen wird. In diesem Augenblicke erhebt sich mein geistiges Auge zu einer anderen Chewra-Kadischa, die alle Zeiten nnd alle Länder, alle Nationen, Völker und Stämme umfaßt, die von den Anfängen der Kultur bis in die späteste Zukunft, vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang die Welt mit ihrem Ruhme erfüllt, zu jener heiligen Vereinigung der Weisen, Dichter, 'Denker, Forscher nnd Künstler aller Zonen und Epochen, welche mit ihrem hellen, erleuchteten, weitansschauenden Geiste "der Menschheit neue Bahnen gewiesen, die zur beglückenden, alle Fesseln sprengenden /Zivilisation führen, jene Feuersäulen, die den Völkern in der Wüste der Unwissenheit, des Aberglaubens und der Barbarei voranziehen, um sie in das gelobte Land des Wissens, der Erkenntnis und Kultur zu leiten und gleich dem .Dichterkönig David, der in einem herrlichen Psalme von sich rühmt „Mirn Schnchar" das Morgenrot erwecken, welches das Ausgehen der Sonne der Freiheit, der Humanität und der Gerechtigkeit kündet. Alles, was der Menschgeist erdacht und erforscht, ersonnen und ergründet, was das Meuschenherz mit den .zartesten Empfindungen nnd den innigsten Gefühlen erfüllt, alles Wünschen, Sehnen und Hoffen, alle Stimmungen, Strömungen und Regungen der Volksseele haben sie in ihren Werken, und Schöpfungen als teueres Vermächtnis der Vergangenheit an die Zukunft niedergelegt und zum herrlichsten Ausdrucke gebracht. Ans diesen Schöpfungen leuchtet ein Glanz ans, der einen verklärenden Schimmer über längst dahingegangene Geschlechter breitet, ringt sich jener Geist empor, der den toten Gebeinen neues Leben einhancht, längst dahingeschiedene Völker, welche, um mit einer Vision des Propheten Esechiel zu sprechen, einst Schrecken verbreiteten im Lande des Lebens und mit ihren Waffen die Welt, erzittern und erbeben machten, ans . ijjreit Gräbern erstehen. läßt und den mächtigen, unaufhaltsam dahinbrausenden Fluten der Vergessenheit, die das Vergängliche in ihren unergründlichen Schoß herabziehen, Halt gebietet. In dieser Chewra Kadischa nehmen' die Weisen. Denker und Dichter, welche unserem Volke entstammen, einen Ehrenplatz ein; sie standen stets im Kampfe Und Wettstreite der Geister in vorderster Reihe und die - glänzenden Siege, welche Geistes- und Gedankenfreiheit und Veredlung der Menschheit erfochten, sind auch, ihre Siege. . Sie haben im Reiche der Weisheit, ans allen Gebieten des Wissens und der Kunst, ans dem Felde tiefsinniger Forschungell Herrliches und Großes hervorgebracht und den jüdischen Namen, zur höchsten Ehre gebracht. Das mlvergleichliche,. jüdische Schrifttum, geschrieben in der ehrwürdigen, klassischen, heiligen hebräischen Sprache, in der Muttersprache unseres Volkes, in welchem der Flügelschlag des Gottesgeistes rauscht, mit seinen mannigfachen Gestaltungen, Ver-

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