Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 15 (14.4.1911)
- Date
- 1911-04-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. Die Wahrheit Nr. 15. zahllosen Fällen durch wissenschaftliche Leistungen wie als Praktiker ausgezeichnet haben. (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. Donnerstag, den 6. d. M. fand im Seiteustettenteinpel die Trauung des Enkels des Herrn David Ritter v. G n t Ul a u n, Herrn Willy v. G u l m a n u, mit Fräulein Hedy Edle F r y d m a n von Prawy start. Die Einladungen waren auf den intimsten Kreis beschränkt, und das mir reichem Blumenschmuck dekorierte Gotteshaus war bis ans das letzte Plätzchen von der vornehmsten Wiener Gesellschaft besetzt. Die herrlichen Sulzer'schen Trauungsgesänge wurden durch Oberkantor Don Fuchs unter Affisteuz des vom Chormeister Professor Sulzer geleiteten Chores vollendet vorgetragen, und den Tranungsakt vollzog Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n u, der an das Brautpaar eine gemütvolle Ansprache hielt. , Wien. Herr Alois Mandler hat sich mit Fräulein Sidonie N e u m a n n, Tochter des Herrn Max Neu m a n n m Wien, verlobt Wien (Todesfall). Im 91. Lebensjahre verschied in der Nacht vom 3. zum 4. Avril die Bagüjhelyer Rabbiuerswitwe Frau Charlotte Weisse, die frühere langjährige Präsidentin des dortigen isr. Frauen- Bereines und gewesene Gattin des berühmten Oberrabbiners Josef Weisse s. A. In den Armen ihrer jüngsten Tochter der Frau Professor Angnste A n t s ch e r l, die die gute Murter nach ihrer Uebersiedlung nach Wien bis zu ihrem Tode mit wahrer, aufopfernder Kindesliebe unermüdlich gehegt und gepflegr hatte, hauchte die Witwe nach dem unvergeßlichen, großen Rabbi Joses Weisse s. A. ihre Seele aus, wurde von Wien nach Vagujhelyän Ungarn überführt, und an der Seite ihres berühmten Gatten in besonders feierlicher Weise bestatrer. Die ganze Gemeinde nahm an der Leichenfeier teil. Am Sarge sprachen ihr Sohn Rabbiner Dr. Samson Weis s e -Berlin, Oberrabbiner Dr. Filipp R o s e n b e r g -Bagnjhely und der Schwiegersohn Profeffor Moritz Autsch e r l -Wien. Im Namen des Waag-Neustadtler isr. Frauenveremes sprach die Borstandsdame Frau Sch w ig'e r rührende Worte des Abschiedes. Die Dahiugeschiedene, eine wohltätige, edle, biedere und tugendhafte Frau, hat neben ihrem großen Galten ihre letzte Ruhestätte gefunden. Zn ihren Füßen ruht der Dichter und Schriftsteller Dr. Arnold Weisse, ihr ältester, im August vorigen Jahres verstorbene erstgeborene Sohn. Ihr aller Andenken sei gesegnet. Wien. (Jüdisches Theater.) Direktion: M. Siegler, Hotel Stefanie, II. Taborstraße 12. Sonntag, 16. luib Montag, 17. April zum erstenmal „Jziojs Mizrajem", Operette von Prof. Horowitz. Sonntag Nachmittag, halb 4 Uhr „Kune Lemel", von A. Goldfaden. Montag Nachmittag, halb 4 Uhr „Bar Kochba", Operette von A. Goldfaden. Dienstag. 18. April Ehrenabend der Frau Rosa Siegler. Größter Lachabend der Saison, zur Aufführung gelangt: I. Abt. „Bar Kochba" (Prolog), IL Abt. „Das lustige Weibl", IEL Abt. der zweite Akt ans „Kune Lemel", IV. Abt. der erste Akt ails „Chaim in Amerika". Mittwoch, 19. April „Opferung Jsak's" von A. Goldfaden. Donnerstag „Jziojs Mizrajenr" von Prof. Horowitz. Baden. Der Kultusausschuß der israel. Kultus gemeinde Baden hat in seiner Sitzung am 30. März 1911 den Beschluß gefaßt, ihren« Ehrenmitgliede und Gönner, Herrn David Ritter von G u t t m an n anläßlich der Vermählung seines Enkelkindes Herrn Willy v. G u t m a n n mit Fräulein Hedy Edle F r y d m a n von P r a w y eine Glückwnnschadreffe zu überreichen. Zn diesem Zwecke wurden am 5. April die Abordnung der israel. Knltusgemeiude Baden u. zw. Herr Rabbiner Wilhelm R eich, die Kultusvorsteher Herren Moritz Lettner und Anton Schneider, vom Herrn David v. G ut ma n n empfangen. Bei Ueberreichnng der prachtvoll aus gestatteten Adreffe hielt Rabbiner Reich an Herrn von G u r m a n n eine sehr erhebende Ansprache, worin er betonte, daß die israel. Kultusgemeinde Baden sich verpflichtet fühlte, jede Gelegenheit zum Anlaß zn nehmen, um sich ihrem Gönner, welcher auch die Zierde des Judentums ist, dankbar zu zeigen. Auch die Herren Lettner und Schneider gaben dem Wunsche Ausdruck, daß Herr v. G u t m a nn auch ferner der Knltusgemeiude Baden gewogen bleiben möge. Herr von G u t ni a n n, von dieser Ehrung ans das tiefste gerührt, dankte hiefür in der herzlichsten Weise mit der Versicherung, daß ihm Baden, in deren Mitte er so viele Jahre schon verbringt, sehr am Herzen liegt und sein , Augenmerk stets auf dasselbe gerichtet halte. Herr v. G u t m a n n war auch sehr erfreut zu erfahren, daß zu der, einen Tag später stattfindenden Vermählung des Herrn Willy v. Gut m a if it, für die israel. Kultusgemeiude Baden dre Herren Rabbiner Wilhelm Reich, Moritz L e i t n e r, Anton Schneider, für den israel. Franeu-Wohltätigkeitsverein Baden, Frau Julie Lettner und Frau Marie Schreiber erscheinen werden. Am Tage nach der Vermählung sandte Herr David Ritter von G utm a uh, an die Kultusgemeinde Baden eine Spende von K 500.—' zur sofortigen Verteilung an Badener jüdische Arme. Köln. Der 10. Ziouisten-Kongreß findet vom 9. bis 15. August (15. bis 21. Ab 5671) in Basel in den Räumen des Stadt-Kasinos statt. Karlsruhe. Die Wahlen zur jüdischen Ldndessynode, die vor drei Jahren wegen der Gebetbuchfrage sehr lebhaft waren, vollzogen sich diesmal ohne besondern Wahlkampf. Nur ist H eid e l b er g-Sladt rangen Liberale und Konservative gegeneinander. Ter bisherige konservative Vertreter unterlag dem Liberalen. .Dagegen siegte mit großer Majorität der 1 zionistische Kandidat Dr. P f ä l z e r-Weinheim über seinen liberalen Gegner in H ei d e l b e r g-L an d. Neben Dr. Pfälzer gehören der Synode wieder die Leiden zionistischen Vertreter von Karlsruhe-Stadt, Bähr und Dr. Levis, an. Auch unter den gewählten Orthodoxen gehören zwei der' zionistischen Bewegung . an, Dr. Würzburge r-Rappenau und Dr^ Simon-Heidelberg. Von den 21 weltlichen Sitzen der Synode sind im ganzen nur sechs den Liberalen zugefallen. Allerdings erhalten sie- Sukkurs durch die von-den Rabbinern des Landes gewählten fünf geistlichen Mitglieder, die mit Ausnahme des Herrn Dr. E s ch e l b a ch e r? Freiburg liberal sind. Immerhin bleiben die Liberalen in der Synode auch diesmal wieder in der Minorität. New-Aork: Am 3. v. M. hielt Herr Siegmund P. I u st n s inr Cafö Kröger unter großem Beifall einen Vortrag über „Die Zukunft der New-Iorker freien Inden-Gemeinde". Unter den Gästen befand sich auch> Rev. Dr. K r a h n ans Boston. FenUleton. gttt Apikores. Von Babette Fried, Prag. (Fortsetzung.) ' „Jetzt schreist bit Ach und Weh!" sagte sie, „wenn es zu spät ist. Aber früher hättest du daraus sehen sollen, daßdein Sohn ein jüdisches Kind wurde. Die jüngeren Söhne mußten zeitlich früh anfstehen und Teffilin legen, bevor sie ins Geschäft gingen, aber der Herr Student, wenn er zu Hause war, ist um neun Uhr aufgestanden, hat Toilette gemacht, gefrühstückt, belo- Tibul, uwlo brochoh, wie es in der Gude steht, dann ging er in den Wald spazieren, die Taschen vollgestopft mit seinen gottlosen Büchern, die er dann dort las. Damals hättest du nach ihm sehen, die elenden Bücher packen und verbrennen und ihm dafür ein Siderl oder Thtlliml in die Hände geben-, sollen, da wäre er ein echter Jude geworden, und die Leute in der Kille würden ihm nicht Nachrufen : Ein Apikores! . „Du sprichst, wie du es verstehst, aber dein Wrstandist gleich Null. Lange Haare,,kurzer Verstand," eutgegnete ihr der Bruder. Trotz dieser und ähnlicher, manchesmal recht unerquicklicher Gespräche verkehrte Martha dennoch gerne in diesem kleinen Familienkreise, der sie in so manchem an ihr Elternhaus erinnerte- Gänzlich unerwartet kam eines Tages Ludwig nach Hatlse- Er hatte sich in Ausübung seines Berufes eine Verletzung, an der rechten Hand beigebrachh welche ihn für eine längere Zeit arbeitsunfähig gemacht. Diese unfreiwilligen Ferien benützte er zn einem Besuche seines Elternhauses, wo er sich auch sonst' etwas erholen wollte. Dem Gerede der Leute ausznweicheiw stellte nun Martha ihre Besuche bei Brauns ein, sah es jedoch gerne, daß der Doktor, in Begleitung Tante Julchens und hie und da seines Vaters, sie besuchte und zu Spaziergängen abholte. Es war dies eine angenehme Abwechslung in der eintönigen Lebensweise der Lehrerin. Dieses häufige Beisammensein' der jungen Leute führte in der Kille zu der Vermutung, daß die- Verletzung des Doktors nur ein Vorwand gewesen sei, um mit der Lehrerin beisammen zu kommen, und bevor der Doktor mit sich selber über seine Gefühle für Martha im Reinen war, betrachtete man ihn allgemeinen als ihren Verlobten. Diese Ge-' rüchte konnten in der kleinen Stadt dem Beteiligten nicht laugeverborgen bleiben, und der Doktor hielt sich nun verpsiichtet, mit dem von ihm verehrten Mädchen ein ernstes 'Wort zw sprechen. Er brachte seinen Antrag ip aller. Form vor, wurde aber abgewiesen, ohne daß Martha 'es für gut fand, einen Grund für diese Abweisung anzugebeu. - . ' Der Doktor, den die Art dieser Ablehnung mehr verdroß,, als diese selbst, verbeugte sich schweigend und verließ Marthas- Wohnung, das Mädchen als Beute der widersprechendsten Empfindungen zurücklassend.' Es war ja nicht Eigensinn von ihr, daß sie den Doktor so behandelte, denn sie konnte ihn nicht: lieben, konnte überhaupt nicht mehr lieben. Und! eine Convenienz- Heirat eingehen? Nein, das widerstrebte ihrem besseren Gefühle, war so ganz verschieden von dem, was sie sich von dem Begriffe Ehe vorstellte. Und doch war ihr der Mann nicht weniger alsgleichgiltig. Sie-hätte um nichts in der Welt seine Achtung initr Freundschaft verlieren mögen. Dieses von'ihr ans schonungslose Weise ausgesprochene Nein! tat ihr nun in der Seele weh.. Sie kam sich wie eine gewöhnliche Kokette vor, welche ihren Verehrer in d.em.Glaubenbeläßt, daß sie seine zärtlichen Gefühle erwidere, und ihn dann, wenn er sich ihr vertrauensvoll er-